Malerei

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Gezeichnete Fotos

Wenn man ein Bild nicht nach der Natur, sondern nach einem Foto zeichnet, ist es im Ergebnis immer noch eine Zeichnung und kein Foto. Kann es dennoch sein, dass solche Bilder weiterhin die Charakteristik des Fotos behalten? Zu dieser Frage inspirierte mich ein Zufallsfund. Beim Flanieren durch die City kam ich bei Felix Jud vorbei, Hamburgs wohl schönster Buchhandlung, die auch die interessanteste Grabbelkiste hat. Darin fand ich ein Buch mit dem wenig verkaufsfördernden Titel „Ungewisses Manifest 2“. Kein Wunder, so gesehen, dass es in der Grabbelkiste gelandet war. Es war auch nicht sein Titel, sondern das Porträt von Walter Benjamin auf dem Cover, das mein Interesse geweckt hatte. Frédéric Pajak: Ungewisses Manifest 2. Edition Clandestin, Biel 2017. Der französisch-schweizerische…

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David Hockney: Kreative Perspektiven

Wochenlang frustrierte der Anblick von Ausstellungsplakaten, weil die damit werbenden Museen während des Lockdown geschlossen blieben. Dass deren Türen nun wieder offen sind, habe ich genutzt, um mir die David-Hockney-Ausstellung im Hamburger Bucerius Kunst Forum anzuschauen. David Hockney: Die Tate zu Gast (Bucerius Kunst Forum, Foto: Ulrich Perrey) Eigentlich sollte diese Ausstellung schon am Sonntag enden, aber die Londoner Tate Britain, die die Gemälde und Zeichnungen David Hockneys ausgeliehen hatte, will sie nun doch erst nach dem 13. September zurück. Die britischen Museen sind schließlich bis zum 1. Juni geschlossen und bleiben es möglicherweise noch länger. In Großbritannien, das nach den USA und Russland die meisten COVID-19-Fälle verzeichnet, ist die Ausbreitung des Virus noch nicht wirksam eingedämmt. Über David Hockneys…

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Vorher-Nachher-Bilder

Die Gletscher verschwinden. Nicht nur im fernen Grönland, sondern auch vor unserer Haustür, in den Alpen. Der Klimawandel und seine Folgen sind hier direkt ablesbar. Das Buch „Gletscher – Klimazeugen von der Eiszeit bis zur Gegenwart“ von Gernot Patzelt stellt Aquarelle des frühen 19. Jahrhunderts und aktuelle Fotos von Alpengletschern gegenüber. Vorher-Nachher-Bilder kennen wir aus unterschiedlichen Bereichen: Voluminöse Damen und Herren mit über den Gürtel schwappenden Bäuchen und traurigem Gesichtsausdruck – strahlend und mehr oder weniger gertenschlank nach vorgeblicher Einhaltung einer beworbenen Diät; eine flotte Frisur samt attraktivem Make-up statt strähniger Haare. Oder auch das: Stadtansichten vor dem Zweiten Weltkrieg – derselbe Ausschnitt mit zerbombten Ruinen – ein aktuelles Foto derselben Szenerie. Bei Bildern von Gletschern ist es leider andersherum:…

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Rembrandts Selfies

Es ist das Jahr der Malergiganten-Todestage: Erst 500 Jahre Leonardo (am 2. Mai), dann am 4. Oktober 350 Jahre Rembrandt van Rijn. Passender Anlass für den Taschen Verlag, um gleich drei große Bände zum Werk dieses Künstlers herauszubringen: Einer mit dem graphischen, ein weiterer mit dem malerischen Werk, sowie ein dritter Band, der ausschließlich seinen Selbstporträts, sozusagen „Rembrandts Selfies“, gewidmet ist. Doc Baumann hat ihn für Sie angeschaut. Lassen Sie mich damit beginnen, wie ich Rembrandt als großen Künstler entdeckt habe. Ich muss damals so etwa 12 oder 13 gewesen sein und verbrachte nach der Schule viele Nachmittage im Kasseler Museum. Mal schaute ich mir die Steinzeit-Werkzeuge an, dann saß ich vor der Marmorstatue des Apolls und zeichnete sie in…

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Der dicke Leonardo

Der 500. Todestag Leonardo da Vincis am 2. Mai 2019 ist ein passender Anlass, sich – wieder einmal – mit diesem Künstler zu beschäftigen. Eine hervorragende Basis dafür bietet der günstige Bildband des Taschen Verlages – der dicke Leonardo mit allen Gemälden und Zeichnungen kostet in der verkleinerten Version nur noch ein Viertel des ursprünglichen Preises. Der dicke Leonardo – das Cover der deutschen Ausgabe Ein halbes Jahrtausend ist es her, seit der italienische Maler, Zeichner, Ingenieur, Erfinder, Wissenschaftler, Anatom – kurz, der Prototyp des vielseitigen Renaissance-Genies, gestorben ist. Angeblich in den Armen des französischen Königs Franz I. auf Schloss Clos Lucé in Amboise. Seine Mona Lisa gilt seit langem als das wichtigste Gemälde der Kunstgeschichte. Wäre sie es gewesen,…

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Altmeisterlich

Als Fotografen und Bild-Montierer haben wir es meist mit sogenannten gegenständlichen Bildern zu tun, also solchen, die sichtbare Wirklichkeit erkennbar wiedergeben. Diesen Anspruch hat die zeitgenössische Kunst nur noch selten. Wer es dagegen altmeisterlich mag und meisterliche  Gemälde zu schätzen weiß, kommt um den Maler Michael Triegel kaum herum. Doc Baumann hat sich das neue Buch mit seinen Werken für Sie angeschaut. Man mag die Kunst der Moderne schätzen – man muss es aber nicht. Seit sie es Anfang des 20 Jahrhunderts aufgegeben hat, Sichtbares erkennbar darzustellen, seit die Wirklichkeit des Bildes gleichberechtigt neben die Wirklichkeit des Abgebildeten getreten ist, ohne sich weiterhin auf dieses zu beziehen, hat sich der Realitätsbezug von Kunst grundlegend gewandelt. Man kann das als Freiheit…

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Ein Bildersturm in Manchester

In den letzten Tagen ging die Aktion weltweit durch alle Medien: Die Manchester Art Gallery hatte eines ihrer bekanntesten Bilder, „Hylas and the Nymphs“ (1896) von John William Waterhouse, abgehängt, um eine Debatte über die politisch unkorrekte Kunst des Viktorianischen Zeitalters zu provozieren. Die Aufregung über diesen Bildersturm in Manchester war groß und die Reaktionen überwiegend negativ, und so hängt das anstößige Gemälde seit letztem Sonnabend wieder an seinem angestammten Platz. Was war da los? Die Manchester Art Gallery verfügt über eine umfangreiche Sammlung bildender Kunst vom 15. Jahrhundert bis heute; ein Schwerpunkt liegt bei der Kunst des Viktorianischen und Edwardianischen Zeitalters. Ein Saal ist dem Thema „In Pursuit of Beauty“ gewidmet, was man als „Das Streben nach Schönheit“ übersetzen…

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