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Druckerprofile selbst ausmessen

Stellt der Monitor die Farben erst ein­mal verbindlich dar, geht es an die Ab­stimmung des druckenden Ausgabe­geräts. Drucker arbeiten im Gegensatz zu Monitoren farblich relativ konsistent. Aufgrund der Abnutzung des Druck­kopfes muss man in größeren Abständen allerdings nachprofilieren.

Die Profilierung funktioniert zudem nur solange verlässlich, wie man mit der­selben Tintensorte und demselben Pa­pier arbeitet, die beim Abstimmungsvor­gang zum Einsatz kamen. Je nach dem bevorzugten Verwen­dungszweck und den eigenen ästhe­tischen Vorstellungen nutzt man beim Ausdruck von Fotos auf Tintenstrahldru­ckern kunststoffbeschichtete Fotopa­piere, matte Kunstpapiere für Fine-Art oder gar Auflagenpapier zur Simulation des geplanten Offsetdrucks. Meist wer­den diese Medien parallel verwendet. Der Fotograf überlegt sich also bei dem einen Bild für den Kunden klassisches Photoglossy einzusetzen und zwanzig Minuten später bei einem Druck für die eigene Portfoliomappe mit exklusivem Büttenpapier zu arbeiten.

Wer mit unterschiedlichen Papieren auf einem hochwertigen Fotodrucker arbeitet, muss sich Profile für die ver­schiedenen Papiersorten anlegen. Leider reicht es nicht, einfach Profile für glattes, mattes und grobes Papier vorzugeben. Der Teufel steckt auch hier im Detail, was dazu führt, dass Sie für die kleinsten Un­terschiede in der Papierqualität jeweils eigene Profile brauchen.

Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas übertrieben, hat aber durchaus seine Berechtigung. Denken Sie nur ein­mal daran, wie unterschiedlich sich ein Tintentropfen auf offenporigem Zei­tungspapier im Gegensatz zu kunststoff­glattem Fotopapier verhält. Trifft der Tropfen auf Fotopapier, behält er seine Form und trocknet an. Auf dem Zei­tungspapier vergrößert sich der Tropfen zu einem Fleck und die Ränder fransen unpräzise aus. Diese Unterschiede tau­sendfach multipliziert und dann auf das Ineinanderverlaufen von vier, sechs oder gar acht Farben ausgedehnt, vermittelt eine Idee davon, was sich auf einem Qua­dratzentimeter Papier beim Druckvor­gang abspielt und warum schon feinste Qualitätsunterschiede beim Papier sich erheblich auf die Farbdarstellung auswir­ken können.

Hinzu kommt der Einfluss der Tinte auf die Farbgebung. Originaltinten erzeugen, wenn auch nicht zwingend bessere, in je­dem Fall aber andere Farben als die güns­tigeren Marken-Tinten oder die noch günstigeren Refillsysteme. Wer dann mit vier verschiedenen Pa­piersorten und jeweils zwei Tintentypen an zwei unterschiedlichen Druckern arbeitet, braucht also insgesamt 16 Druckerprofile.

Für den Einsteiger ist es zunächst am günstigsten, mit den Original-Tinten, den Original-Papieren sowie den mitgelie­ferten Profilen des Druckerherstellers zu arbeiten. Diese sind weitestgehend aufeinander abgestimmt und bringen in Kombination mit einem kalibrierten Monitor relativ verlässliche Ergebnisse. Gibt es keine mitgelieferten Profile oder werden aus ästhetischen Gründen beziehungsweise um Geld zu sparen, Fremdtinten und/oder Spezialpapiere eingesetzt, muss man selbst Hand anle­gen und für jedes Papier in Kombination mit jedem Tintentyp ein eigenes Profil an­legen. Zwar finden sich auch im Internet kostenlos ladbare Profile für manche Drucker-Tinten-Papier-Kombination, doch erzielt man die genauesten Ergeb­nisse mit den selbst angelegten Profilen, da diese auch von Hand nachgebessert werden können, und die die ganz indivi­duellen Eigenheiten des jeweiligen Dru­ckers berücksichtigen.

Der technische Ablauf bei der Druckerabstimmung ist theoretisch denkbar ein­fach: Man druckt ein spezielles Testbild aus und liest die gedruckten Farben an­schließend wieder ein. Dann werden mit einer Spezialsoftware die Soll-Werte mit den Ist-Werten verglichen und am Ende ergibt sich daraus ein Profil. In der Praxis erweist sich die Drucker­profilierung als ein etwas umfangreicher und zeitaufwändiger Vorgang. Wer pro­fessionelle Ansprüche an die Exaktheit der Profilierung stellt oder stellen muss, arbeitet bei der Druckerprofilierung mit einem teureren Spektrokolorimeter. Bei dieser Vorgehensweise, die wir im Folgenden im Detail beschrei­ben, lassen sich je nach Qualitätsanforde­rungen Messcharts mit 150, 225 oder 729 Patchfeldern plus 238 Grauverlaufsfelder ausdrucken, um die Messdichte um die Grauachse zu erhöhen.

Mit dem Spektrokolorimeter misst man nach dem Druck die Felder aus. Präziser geht es kaum. Ein Spektrokolorimeter mitsamt Profilierungssoftware wie der SpyderPrint von Datacolor, an dem wir das Vorgehen zeigen, liegt in der Preis­klasse um 340 Euro. Das ist sicher nichts für Gelegenheits­fotografen, doch macht sich die Aus­gabe für Enthusiasten und Profis schnell bezahlt. Schließlich erlauben die modernen Farbmanagement-Lösungen dank ihres Komforts vor allem, dass man sich mög­lichst bald wieder seiner eigentlichen Ar­beit zuwenden kann: Der Fotografie.

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Bei der Ersteinrichtung fordert die Software Sie zunächst dazu auf, die Seiten­ausrichtung Ihres Druckers auf das Querformat einzustellen. Diese Einstellung ist dienlich, sofern mit DIN-A4-Druckern oder DIN-A4-Medien gearbeitet wird. Bei größeren Druckern sollte man auf DIN A4-Medien drucken. So vermeiden Sie den Druck zu kleiner Patchfelder und Probleme beim Einlesen der Farbstreifen. Ist die Seiteneinrichtung erfolgt, wählen Sie zwischen (sehr lesenswerten) Informatio­nen zum Thema Drucker-Farbmanagement und dem Start des Profilierungsas­sistenten, der Sie Schritt für Schritt durch den Ausdruck- und Einlese-Prozess führt.

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Bei der Druckerdefinition tragen Sie die für den geplanten Targetdruck wichtigen Informationen ein, die später den Ausdruck beschriften. Normalerweise reicht es aus, die drei Kerninfos anzugeben: Um wel­chen Drucker es sich handelt, welches Papier und welche Tinte zum Einsatz kommt. Das Datum und die Uhrzeit werden automatisch im Betriebssystem ausgelesen. Dann starten Sie die Prüfroutinen.

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Wenn Sie mit dem Drucker längere Zeit nicht gedruckt haben, sollten Sie vor der Profilierung einen Qualitäts-Testdruck anfertigen, um Probleme schon im Vorfeld zu erkennen. Den Druck können Sie wahlweise auf ganzer Fläche oder in einer Ecke des Papiers vornehmen, was sich bei mehreren zu erwartenden Durchläufen als Medien-Sparmaßnahme empfiehlt. Links unten sind die Rot-, Magenta- und Schwarz-Düsen verstopft und müssen mit dem entsprechenden Drucker-Utility gereinigt werden, in der Mitte ist die Magenta-Patrone fast leer. Nur rechts ist der Druck OK. Eine Funktion zur Prüfung der Tintendüsen im Druckertreiber ist diesem Test vorzuziehen.

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Falls Ihnen Ihr Druckertreiber die Option anbietet, unterschiedliche Medientypen ein­zustellen, können Sie mit diesem Dialog bis zu vier Testdrucke auf ein Blatt bringen, um herauszufinden, mit welcher treiberspezifischen Voreinstellung das ansehnlichste Druckergebnis zustande kommt. Erfahrungsgemäß ist die beste Medienvoreinstel­lung nicht immer die mit dem naheliegendsten Namen. Probieren Sie also auch Voreinstellungen aus, die Ihnen von der Namensgebung her unsinnig erscheinen, wie etwa „Photo gloss“ bei mattem Papier. Suchen Sie bei der optischen Auswertung nach offensichtlichen Farbfehlern, um Treiber-Voreinstellungen auszuschließen.

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Nachdem Sie Ihren Drucker auf seine Funktionalität hin überprüft haben – das geht übrigens auch mit den meisten Druckertreibern – entscheiden Sie sich in diesem Dialog, ob Sie nun zum Ausdruck des Targets und zur anschließenden Messung übergehen möchten, oder ob Sie auf eine Datei mit einer bereits begonnenen und abgebrochen Messung zurückgreifen wollen. Mit einer vorhandenen Messdatei wei­terarbeiten kann auch nötig sein, falls Sie im späteren Druck Fehlfarben entdecken, die auf eine fehlerhafte Messung zurückgehen, und die Sie nun nachträglich durch erneutes Auslesen eines entsprechenden Targets korrigieren möchten.

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In diesem Dialog legen Sie fest, wie viele Patchfelder auf Ihr Blatt gedruckt werden. Experten verlassen sich auf Profile, die auf der Basis von 729 Feldern entstanden sind. Doch auch wer „nur“ 225 Patchfelder ausliest, ist im Prinzip schon auf der sicheren Seite. Freunde von Schwarzweißdrucken sollten je nach Genauigkeitsanspruch ein Ziel mit der „Erweiterten Grauskala“ auf vier oder neun Bogen wählen. „EZ-Ziele“ sind für das schnelle „Strip-Reading“ vorbereitet, „Classic-Ziele“ dienen zum Auslesen der einzelnen Farbfelder, was erheblich mehr Zeit kostet, aber dafür Papier spart.

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Sehr praktisch ist die Vorschau-Funktion auf der rechten Seite des Dialog­feldes. Mit ihrer Hilfe können Sie sich ein genaueres Bild machen, was exakt bei welcher Einstellung ausgedruckt wird. Um zum Beispiel einen Eindruck von den Messfeldern der „Erweiterten Grauskala“ zu erhalten, wählen Sie zunächst in der Vorauswahl „Seite 3“. Möchten Sie in diesem Ansichtsmodus weitere Seiten betrachten, könmen Sie mit den Schaltflächen am unteren Rand der Darstellung zwischen den Seiten hin- und herspringen.

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Um das Spektrokolorimeter vor der Benutzung zu kalibrieren, setzen Sie es auf die mitgelieferte „Calibration Base“. Setzen Sie die Sonde auf den weißen Punkt, achten Sie darauf, dass der hintere Teil des Spektrokolorimeters plan zwischen den Plastiknoppen, die bei der Ausrichtung helfen, aufliegt, und drücken Sie dann einmal kurz vorne am Gerät auf den Schalter, während Sie den Messtrichter auf die Kalibrierkachel drücken.. Ist die Messung erfolgreich verlaufen, bestätigt ein Klick-Ton den Abschluss des Vorgangs.

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Vor dem Messen der Felder legen Sie zunächst einen möglichst aussagekräftigen Namen für die Messdatei fest. Diese wird im XML-Format abgelegt und kann jederzeit für spätere Messkorrekturen wieder aufgerufen werden. Die Datei wird im Programm­verzeichnis von Printfix Pro abgelegt. Wollen Sie Ihre Messdateien langfristig sichern, sollten Sie diesen Ordner regelmäßig in Ihr System-Backup einbeziehen. Aber Achtung: Hier werden nur die Listen mit den Messergebnissen, nicht die Farbprofile selbst gespeichert. Alle dort abgelegten Messdateien tauchen in der Liste auf, die sich im unteren Bereich des Dialogs aktivieren lässt.

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Nach einem Klick auf die Schaltfläche „Fenster zum Mes­sen der Felder öffnen“, fragt Sie ein Softwareassistent, ob Sie eine kurze Einweisung in die Messtechnik des Streifen Auslesens wünschen. Sie sollten das –zumindest beim ersten Mal – bejahen und sich die kurze Animationsdemo ansehen, die Ihnen zeigt, mit welcher Technik und Ge­schwindigkeit Sie den SpyderPrint richtig über das Target bewegen, um Messfehler zu vermeiden.

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Hier erhalten Sie Gelegenheit, die bereits bekannten Testbilder des SpyderProof mit verschiedenen „Rendering Intents“ auszudrucken. Bei Rendering Intents, im Deutschen mit „Rendering-Absichten“ nur wenig aufschlussreich übersetzt, handelt es sich um Umrechnungsvarianten der RGB-Information, denen unter­schiedliche Berechnungskonzepte zugrunde liegen. Zur Wahl stehen hier „Sätti­gung“, „Menschliche Wahrnehmung“, „Kolorimetrisch, relativ“ und „Kolorimetrisch, absolut“. Photoshop Anwender kennen die letzten drei auch unter den Begriffen „Perzeptiv“, „Relativ farbmetrisch“ und „Absolut farbmetrisch“.

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Hinter dem Schalter „Erweiterte Bearbeitung“, können Sie das Farbprofil modifizieren. Solche Modifizierungen verfolgen verschiedene Zwecke. Zum einen werden damit Bilder für spezielle Betrachtungsumgebungen abstimmen wie zum Beispiel dunkle Clubräume oder kalte Neonbeleuchtung. Aber man kann damit auch ästhetische Abstimmungen vornehmen wie die Liste der Presets zeigt: Dort finden sich etwa Sephia-Töne oder Cross-Effekte. Wer sich für die damit verbundenen Möglichkeiten interessiert, sollte unbedingt einen Blick in die – übrigens für jedes Feature und jeden Einstellungsparameter – kompetent Auskunft gebende Online-Hilfe werfen. (Christoph Künne)

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