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Begleitete Online- Fotografiekurse

Interview mit Rüdiger Schestag

Fotografie nur mit kostenlosen YouTube-Filmen zu lernen, ist ein langer und steiniger Weg. Rüdiger Schestag hat mit der XLAB-Akademie ein web-basiertes Lernformat entwickelt, das professionell Fachwissen vermittelt und gleichzeitig die Teilnehmer bei individuellen Fragen persönlich betreut. Christoph Künne fragte den Gründer nach Details der Online-Fotografiekurse.

Begleitete Online- Fotografiekurse

DOCMA: Per Online-Ausbildung ­Fotograf zu werden – das klingt interessant und neu. Wenn ich mich so unter den jungen Kollegen umschaue, frage ich mich aber: Wer ist die Zielgruppe? Fotografieren an einer Schule zu lernen scheint aus der Mode gekommen zu sein. Ebenso eine klassische Lehre als Fotograf. Warum sollte man eine Online-Schule besuchen, wenn es doch YouTube gibt  

Rüdiger Schestag: Die Beobachtung, dass auch Berufsfotografen sich das Wissen mit YouTube und Ausprobieren zulegen wollen, ist mir nicht fremd. Aber ich habe in meiner Praxis oft gesehen, was dabei herauskommt. Zwar kann die Methode funktionieren, aber für die meisten nicht unbedingt gut. Das Problem zeigt sich oft schon beim ersten ernsthaften Job. Zum Beispiel, wenn die Technik nicht funktioniert wie geplant und der Fotograf improvisieren muss. Oft gibt es auch Probleme, wenn die Kalkulation unprofessionell gemacht ist und der Fotograf später nachverhandeln will. Also eigentlich immer dann, wenn es nicht reicht, ein planbares Problem zu lösen, sondern wenn Hintergrundwissen erforderlich ist.

DOCMA: Und solches Hintergrundwissen gibt es nicht online?

Rüdiger Schestag: Natürlich gibt es auch zu solchen ­Themen viele Videos. Aber alle Suchmaschinen haben ein großes Manko: Wenn man seine Wissenslücken nicht genau benennen kann, gibt es auch keine guten Antworten. Was man lernt, ist dann eher ein zufälliger Ausschnitt. Wer als Profi wahrgenommen werden will, sollte sein Metier beherrschen und nicht nur erahnen. Ein Beispiel aus dem kaufmännischen Teil der ­Fotografie: Viele Einsteiger kalkulieren ihre Aufträge aus dem Bauch heraus. Meist nur mit ungefährem Zeiteinsatz und vielleicht noch Benzinkosten oder Reisespesen. Wenn ich das nur so kenne, komme ich wahrscheinlich gar nicht auf die Idee, dass es legitim ist, Gerätemieten für das eigene Equipment in Rechnung zu stellen. Oder dass man unterschiedliche Verwendungszwecke der Bilder einzeln lizenzieren kann. Oder dass man seinen Auftraggeber auf KSK-Abgaben ­hinweisen sollte. Oder, dass man Organisationstätigkeiten wie das Buchen von Modellen ebenso wie die Bildbearbeitung in Rechnung stellt. Wenn ich alle diese Stichworte kenne, finde ich vielleicht Zusatzinfos im Web, wie ich mein Geschäft verbessern kann. Wenn ich nicht weiß, wonach genau ich suchen muss, hilft mir das Netz nicht weiter. Ich habe bei eigenen Recherchen auch festgestellt, dass große Teile der Inhalte und Informationen im Netz fehlerhaft oder stark lückenhaft sind, obwohl sie auf den ersten Blick kompetent aussehen.

DOCMA: Du baust deine Kurse seit letztem Sommer Stück für Stück auf. Inzwischen sind sowohl mehrere Themenmodule als auch ein Kreativ-Coaching bei dir im Programm. Welche Themen kann man jetzt schon belegen?

Rüdiger Schestag: Zurzeit gibt es drei Zertifikat-Module für die Fotografen-Ausbildung: Erstens „Licht und Belichtungsmessung“. Da lernt man die Beleuchtung souverän zu beherrschen und damit seinen eigenen Bildern oder Auftragsarbeiten einen spannenden Kick zu geben. Zweitens gibt es das Modul „Gestaltung“. Dort lernt der Teilnehmer alles über Bildaufbau, Farbharmonie, Serien und Sequenzen. Die Teilnehmer gestalten selbst ein Portfolio und studieren parallel dazu die großen Meister.

Das dritte Thema ist ein Videokurs. Hier lernt man, perfekte Videos mit vorhandenem Equipment aufzunehmen. Der Kurs eignet sich in erster Linie für Fotografen. Aber auch Künstler, Werber oder Unternehmer profitieren davon, wenn sie Videos in ihr Marketing einbinden oder Veranstaltungen dokumentieren.

Der „Kreativitäts-Booster“ ist dagegen ein individuell angelegter Intensivkurs. Er dauert sechs Monate und es geht darum, mit einem einzigen Teilnehmer individuell auf dessen Bedürfnisse zugeschnittene Kreativitätstechniken zu erarbeiten und diese anschließend mit betreuten Aufgaben zu erproben.

DOCMA: Was genau passiert, wenn ich einen der Kurse bei dir buche?

Rüdiger Schestag: Bei den Modulen bekommst du zunächst einmal zeitlich unbegrenzten Zugang zu den Online-Lehrmaterialien. Das sind in erster Linie Videos, Texte und Schaubilder, die Grundwissen und Zusammenhänge in übersichtlichen Abschnitten erklären. Hinzu kommt eine Zusammenfassung der Lehrinhalte als PDF. Allerdings handelt es sich hier um ein Manuskript, das als Lückentext angelegt ist. Damit kannst du überprüfen, ob du auch alles richtig verstanden hast. Wenn nicht, solltest du noch einmal nachlesen, dir ein Video erneut anschauen oder eine Grafik ­durcharbeiten.

DOCMA: Das klingt jetzt noch nicht so richtig revolutionär, sondern erstmal wie ein Lehrbuch mit Zusatzvideos.

Rüdiger Schestag: Ist ja auch nur der erste Schritt. Die spannende, interaktive Ebene kommt bei den Übungen. Hier gibt es zu allen Unterthemen freie Praxis-Übungen, bei denen fotografische Aufgaben gelöst werden. Sie dienen zur Vorbereitung der intensiv betreuten Abschlussaufgabe.

DOCMA: Ach, dann ist nur die Abschlussaufgabe betreut?

Rüdiger Schestag: Nein, man wird über den ganzen Kurs hinweg persönlich betreut. Die Teilnehmer können sich mit allen Fragen per Mail an uns wenden, und in aller Regel kommen die Antworten noch am gleichen Tag. Die Betreuung der Abschlussaufgabe ist dann noch intensiver. Zum Abschluss der Kurse geht es jeweils darum, eine fotografische Aufgabe, die auch bewertet wird, unter Zeitdruck zu lösen. Wann diese Phase stattfindet, legt der Teilnehmer selbst fest, aber wenn die Abschlussarbeit abgesprochen und angemeldet ist, bleibt für die Bearbeitung ein definiertes Zeitfenster. Ist die Prüfung dann bestanden, gibt es ein Zertifikat.

DOCMA: Was kann ich mit so einem Zertifikat anfangen?

Rüdiger Schestag: Zur Zeit ist es ein Bildungsträger-Zertifikat, das eine berufliche Weiterbildung belegt. Aber die Kurse in der jetzt vorhandenen Form sind nur die erste Ausbaustufe der XLAB-Akademie. Wenn die Kurse alle Themen umfassen, die in einer staatlichen Fotografenausbildung gefordert sind, werden wir auch Gesellenbriefe ausstellen können und Meisterkurse anbieten. Wer dann schon ein paar Kurse bei uns erfolgreich besucht hat, kann sich die später auf die Berufsausbildung anrechnen lassen.

DOCMA: Habe ich das richtig verstanden: Das wird dann so eine Art staatlich anerkannte Fotografen-Berufsausbildung, auf Wunsch in kleinen Dosierungen, die ich mir zeitlich so legen kann, wie es mir mein Arbeitsalltag erlaubt?

Rüdiger Schestag: Ich denke, das trifft es ziemlich genau. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt schon alle Zertifikatskurse streng nach den Regeln aufbaue, die auch für die normale Berufsausbildung zum Fotografen gelten. Beim XLAB gibt es also nicht lustige YouTube-­Tutorials, sondern Ausbildungs­inhalte nach den Lehrplänen staatlicher Stellen. Wenn das Programm fertig ist, wird es vier Bereiche umfassen: Zunächst die Praxis der einzelnen Foto-Genres wie etwa Porträt-, Hochzeits-, Produkt- oder Industriefotografie. Dann geht es um Technik-Know-how, schließlich muss ein Fotograf viel über ­Kameras, Scanner, Studiotechik und Druckverfahren wissen. Genau dasselbe trifft für die Bildbearbeitung zu.

Wenn alle Photoshop benutzen, sollte ein Profi auch mit anderen Programmen umgehen können. Daher lernt er vornehmlich die Werkzeuge kennen, die in allen Foto-Applikationen verfügbar sind. Und last, but not least, kommen noch die oben schon angesprochenen BWL-Grundlagen dazu. Denn die meisten Fotografen sind heute entweder freiberufliche Einzelkämpfer oder Unternehmer und nur noch selten angestellt. 

DOCMA: Woher weißt du eigentlich so genau, was ein Fotograf heute können muss und wie die Lehrpläne der Berufsausbildung ­aussehen?

Rüdiger Schestag: Das hat mit meiner beruflichen Tätigkeit zu tun (lacht). Ich habe nach einem Studium der Elektrotechnik und der Informatik eine Fotografenausbildung absolviert und bin danach in die Erwachsenenbildung gegangen. An einer Privatakademie war ich viele Jahre Werkstattleiter Fotografie, Dozent und später Leiter der Berufsausbildung. Danach bin ich vor sieben Jahren als Kursleiter zu einer Online-Schule gewechselt, weil sich diese Tätigkeit besser mit meinem eigenen Fotobusiness vertragen hat.

DOCMA: Welche Themen hast du aktuell in Vorbereitung?

Rüdiger Schestag: Derzeit arbeite ich an zwei Projekten: Der erste Kurs behandelt das Gestalten mit Licht. Zunächst geht es darum, die Werkzeugpalette des Fotostudios kennenzulernen: Von der LED-Lampe über Studioblitze bis hin zu Lichtformern. Im Praxisteil kommen dann diese Werkzeuge zur Anwendung, und man lernt, künstliches Licht gleichermaßen sinn- wie effektvoll einzusetzen. Beim zweiten Kursprojekt handelt es sich um Produktfotografie.

DOCMA: Solange du online noch keine Fotografen-Berufsabschlüsse anbieten kannst –  an wen genau richtet sich das Angebot?

Rüdiger Schestag: In den letzten Jahren habe ich online vor allem Foto-Studenten weitergebildet. Denen fehlten fotografische Grundlagen als handwerkliche Ergänzung zu den in der Regel sehr künstlerisch/akademisch ausgerichteten Studiengängen. Eine zweite Gruppe besteht aus freiberuflichen Kreativen, die Fotografie dazulernen, um ihre Angebotspalette zu erweitern. Dazu zählen etwa Grafik- oder Produktdesigner sowie PR- oder Marketing-­Fachleute.

Die dritte, immer größer werdende Gruppe sind Firmenkunden, die mit guten Fotos ihre Webseiten oder ihr Marke­ting verbessern möchten. Die letzte Gruppe umfasst semiprofessionelle Fotografen. Ihnen geht es darum, ihre handwerklichen Fähigkeiten zu optimieren. Einige wollen aber auch schlicht und einfach schneller zum Ziel kommen, als das mit YouTube und Co. möglich ist. 

DOCMA: Wir danken für das ­Gespräch!


Die aktuell verfügbaren Online- Fotografiekurse von ­Rüdiger ­Schestag können Sie ab sofort bei uns im DOCMA-Webshop ­buchen. Einfach in den Warenkorb legen, ­bezahlen, und Sie werden auf den Seiten des XLABs freigeschaltet. Der ­Zugriff auf die Lern-Materialien ist zeitlich ­unbegrenzt.

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Christoph Künne

Christoph Künne ist Mitbegründer, Chefredakteur und Verleger der DOCMA. Der studierte Kulturwissenschaftler fotografiert leidenschaftlich gerne Porträts und arbeitet seit 1991 mit Photoshop.

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