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The Polaroid Project

Die Sofortbildfotografie ist die heute vermutlich populärste Form der analogen Fotografie. Es gab und gibt verschiedene Hersteller, die Sofortbild-Kameras und -Filme anbieten, aber der Name, der jedem zuerst einfällt, ist zweifellos Polaroid. Die Wanderausstellung The Polaroid Project gibt nun einen Überblick über die Polaroid-Produkte und über die vielfältigen Werke, die damit entstanden sind.

The Polaroid Project
William A. Ewing, einer der Kuratoren der Ausstellung (links), und Esther Ruelfs, Leiterin der Sammlung Fotografie und neue Medien des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg (rechts)

Es war immer eine Eigenheit der Sofortbildfotografie, dass die Kameras relativ erschwinglich, das Verbrauchsmaterial aber teuer war. Tatsächlich war Polaroid aber recht freigebig und stellte Fotografen und Künstlern im Rahmen des Artist Support Programs das nötige Material zur Verfügung, sofern sie Beispiele ihrer Werke zur Sammlung des Unternehmens beitrugen. So entstand die Polaroid Collection, die nach der Insolvenz von Polaroid Teil der Konkursmasse wurde und in alle Winde zerstreut zu werden drohte, aber weitgehend gerettet werden konnte.

In einer Wanderausstellung wird nun eine repräsentative Auswahl aus dem amerikanischen und dem europäischen Teil der Sammlung gezeigt, ergänzt durch Objekte des MIT Museums, die die Produktentwicklung dokumentieren. Die ausgestellten Bilder stammen von bekannteren wie unbekannteren Fotografen, von Ansel Adams und Nobuyoshi Araki bis Andy Warhol und William Wegman. Beim Rundgang durch die Ausstellung wird auch die Vielfalt der Bildformate deutlich, von den ersten, rechteckigen Bildern des Trennbildfilms über die quadratischen Bilder der Spiegelreflexkamera SX-70 bis zu den großformatigen Bildern im Format 20 × 24 Zoll, die mit einer kleinen Zahl für das Artist Support Programs entwickelter Großbildkameras entstanden, die Polaroid für spezielle Projekte zur Verfügung stellte – zusammen mit einem Operator, der die Kamera bedienen konnte.

Es sind auch Beispiele dafür zu sehen, dass Polaroids oft nicht die Endprodukte waren, sondern erst das Ausgangsmaterial für den künstlerischen Prozess. Dazu gehören die „kubistischen“ Collagen David Hockneys, aber auch Bilder von James Nitsch, der beispielsweise das Foto einer Rasierklinge mit der Klinge selbst kombiniert hat, wodurch ein Dorian-Gray-Effekt erzielt wird: Während die Klinge längst verrostet ist, erscheint sie im Foto noch immer makellos. Dem Kurator William A. Ewing gab dies während der Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung in Hamburg die Gelegenheit, auf die Beständigkeit der Farben hinzuweisen – die Archivfestigkeit der Polaroids sei besser als ihr Ruf.

The Polaroid Project
Ein bewegliches Pappmodell als Vorstudie einer Polaroid-Kamera

Der Polaroid-Gründer Edwin H. Land forderte von seinen Entwicklern, sie sollten ihm nicht bloße Ideen für neue Produkte vorstellen, sondern von Anfang an anfassbare Modelle präsentieren. Da selbst fragile Konzeptstudien aus Papier und Pappe aufgehoben wurden und schließlich in der Sammlung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) landeten, kann man heute noch nachvollziehen, wie aus vagen Ideen das Design der Kameras entstand. Auch die Designstudien und eine große Auswahl der Kameras sind Teil der Ausstellung.

The Polaroid Project
Polaroid-Origami: Die Papiermodelle illustrieren, wie sich das Design der Kamera immer stärker konkretisierte.

Unsere österreichischen Leser hatten bereits Gelegenheit, The Polaroid Project bei WestLicht in Wien zu sehen. Aktuell und noch bis zum 17. Juni 2018 macht die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg Station, um dann nach Berlin (C/O Berlin, 7. Juli bis 23. September 2018) weiterzuziehen. Die folgenden Ausstellungsorte sind Singapur, Montreal und Cambridge (USA).

Michael J. Hußmann
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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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