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Stift versus Maus … und eine Maus-Empfehlung – auch für Linkshänder

Olafs Hardware-Empfehlung zum Wochenende

Maus-Empfehlung
CADmouse Pro: Eine Maus für anspruchsvolle Kreativanwender – und auch in der gezeigten Variante für Linkshänder erhältlich. Foto: www.3dconnexion.de

Heute einmal eine – muss man heute wohl dazusagen, wo Influencer allgegenwärtig heiße, aber meist substanzlose Luft herausblasen – nicht gesponserte, nicht affiliate-unterstützte Maus-Empfehlung aus meiner ganz persönlichen, langjährigen Erfahrung damit: die CADMouse Pro von 3dconnexion. Selbst wenn ich für diesen Blogbeitrag Geld erhielte, würde ich voll dahinter stehen. Aber gut. In erster Linie erläutere ich den Unterschied zwischen Stift und Maus.

Wie jetzt – werdet Ihr vielleicht fragen – hat der Giermann nicht immer den Einsatz eines Stift-Tabletts empfohlen? Ja, hat er. Und nutzt er auch noch – sogar für das Surfen im Internet, lach. Aber eben auch eine Maus. Aber warum und wozu? Vor meiner Empfehlung ein kleiner Überblick.

Vorteile eines Stift-Tabletts

Stift-Tabletts – wie die von mir bevorzugten Intuos- und Cintiq von Wacom (ich nutze unterwegs immer noch das uralte (ohne es zu googeln, gefühlte 10 Jahre alt), zuverlässige Intuos 4; zu Hause das großartige Cintiq 32“ UHD) – haben gegenüber der herkömmlichen Eingabe per Maus oder per Touch-Pad drei entscheidende Vorteile:

  1. Durch die absolute Cursor-Positionierung schubst man keinen Cursor herum, sondern setzt den Stift einfach an der gewünschten Bildstelle auf. Ganz ohne die High-End-Mousing-Skills von Egoshooter-Profis.
  2. Der Stift erlaubt durch seine Druck- und Neigungs-Empfindlichkeit intuitive, fein abgestimmte Pinselstriche. Das macht nicht nur beim Malen, sondern auch beim Maskieren einen entscheidenden Unterschied: Man muss nicht ständig die Einstellungen ändern, sondern nutzt dafür einfach Druck und Neigung. Das ist genauso einfach – jedoch in Photoshop & Co. viel leistungsfähiger – wie beim Verwenden eines Bleistiftes. Kann jeder.
  3. Die Handhaltung bei einem Stift ist viel ergonomischer. Zum Beispiel ist die Unterarmhaltung viel entspannter, als die Verdrehung von Elle und Speiche (die übrigens nicht umsonst im Karate-Fauststoß zur dort gewollten Versteifung des Armes genutzt wird) bei Mausnutzung. Die Fingerspitzen können den Stift auch viel feiner führen, als das Handgelenk die Maus. Außerdem liegt nicht die ganze, repetitive Klicklast beim Zeige- oder Mittelfinger.

Alles spricht also für den Einsatz eines Stift-Tabletts. Wozu aber dann eine Maus?

Nachteile des Stifts/Vorteile einer Maus

Prinzip-bedingt hat der Stift vor allem ein Problem: Man positioniert den Cursor mit dem über dem Tablett/Bildschirm schwebenden Stift, das Aufsetzen entspricht einem Links-Klick, mit den Stifttasten führt Ihr einen Rechts- oder Mittelmaus-Klick aus. Während man all das macht, gibt es immer eine kleine Schwankung der Cursor-Position. Ursache ist der physiologische Tremor, also eine leicht zitternde Bewegung, den selbst die ruhigste Hand aufweist. Wollt Ihr etwa in InDesign einen Rahmen exakt platzieren, müsst Ihr beim Absetzen des Stiftes schon penibel aufpassen, um auch ja an der richtigen Stelle zu landen. Das automatische Snapping hilft da nur bedingt.

Beim Stift kann auch stören, dass man den immer erst in seinen Standfuß stellen (oder hinters Ohr klemmen 😉 ) muss, wenn man mit der Hand zur Tastatur wechseln will. Eine Maus bleibt dann einfach an Ort und Stelle liegen.

Ein anderes Problem ist das Software-Design. Manche Programme wollen einfach nicht per Stift bedient werden, wie zum Beispiel Lightroom oder Blender. In Lightroom benötigen Sie ein Mausrad zur Änderung des Pinsel-Radius (oder müssen mit der zweiten Hand die Touch-Funktionen des Tabletts nutzen), in Blender führt die Auto-Aktivierung der Werkzeuge oft zu unerwarteten Sprüngen und auch hier ist das Scrollrad für viele Anpassungen essentiell. Auch hier gibt es Workarounds, aber die sind nicht so bequem wie die vom Entwickler vorgesehene Maus-Anwendung.

Welche Maus wählen?

Geht Ihr in einen der etablierten Elektromärkte, findet Ihr ganze Regale voller verschiedener Mäuse (und vereinzelt noch Trackballs). Alle haben zwei Dinge gemeinsam (und ich hatte sie alle, glaubt mir! *hüstel* 😉 ):

  • sie besitzen nur zwei Haupt-Tasten plus ein Scroll-Rad, das sich für den Mittelmausklick auch drücken lässt,
  • sie sind für Rechtshänder ausgelegt (ich bin glücklicherweise Rechtshänder und damit sehr zufrieden mit den Rechtshänder-Kameras und unseren Rechtshänder-Autos; Lenkrad steuerbord ist nichts für mich; mögen die Briten und ihre ehemaligen Kolonien damit glücklich werden!). 😉

Wenn Ihr häufig die Mittelmaus-Taste benötigt, wie in fast allen 3D-Programmen oder zum Beispiel auch in Affinity Photo zum Verschieben des Bildes, dann werdet Ihr schnell davon genervt sein, immer das Scrollrad drücken zu müssen. Ich war es jedenfalls. Denn das hat bei fast allen Mäusen einen eher unangenehm langen Hub oder schwammigen Druckpunkt und führt durch leichtes Drehen auch zur Verschiebung des Bildausschnitts oder zur Veränderung ausgewählter Parameter.

Meine Maus-Empfehlung

Ich bin deshalb vor etwa fünf Jahren über die CadMouse Pro der deutschen Firma 3dconnexion gestolpert. Die hat (neben zusätzlichen Funktionstasten) drei eigene Tasten für den Links-, Rechts- und Mittel-Mausklick plus ein Scrollrad. Das hochwertig verarbeitete Ding tut zuverlässig seinen Dienst und ich nutze es täglich für das Schreiben und Layouten meiner DOCMA-Artikel, für die Grundabstimmung von Fotos in Lightroom und in meiner 3D-Software Modo. Die Maus liegt prima in der Hand, alle Tasten sind da, wo sie sein sollen. Die Tasten haben einen schönen „Klick“ (der aber bei Screenrecordings mit einem nicht-gerichteten Mikrofon den Audio-Track stören dürfte; aber dafür nutzt man ja doch ein ordentliches Mikro 😉 ). Kann ich nur weiterempfehlen! Ich selbst nutze die – damals einzig verfügbare – kabelgebundene Variante, weil mir die Latenz über Bluetooth – außer bei der Tastatur – noch bei keinem Gerät ausreichend klein war (deshalb auch der Kabelsalat auf dem Foto unten). Aber inzwischen gibt es auch entsprechende Wireless-Mäuse bei 3dconnexion.

Maus-Empfehlung
Mein eigener Arbeitsplatz: Oben das 32″-Cintiq-Display, das ich immer als Hauptdisplay mit hohem Farbumfang nutze, dann und wann, um direkt darauf zu malen (dann ziehe ich mir das in eine bequeme Malposition und nutze die Wacom-Remote anstelle der Tastatur), darunter Tastatur und Stift klar. Rechts die CAD-Mouse, die ich seit Jahre für Layout und 3D nutze und schätze. 

Der Anlass für diesen Blog-Beitrag mit meiner Maus-Empfehlung war übrigens die News, dass 3dconnexion nun auch sein Maus-Flaggschiff für Linkshänder anbietet.:

3Dconnexion – CadMouse Pro Wireless Left

Dass Linkshänder generell kreativer als Rechtshänder wären, ist zwar eine überholte Vorstellung aus den ersten Untersuchungen zur Funktionsweise des Gehirns (Linke/rechte Hemisphäre). Aber Fakt ist inzwischen, dass die Umerziehung zum Rechtshänder eher schädigend als hilfreich ist. Insofern ist es sehr begrüßenswert, wenn nun auch hochwertige Eingabegeräte aus heimischer Produktion für Linkshänder zur Verfügung stehen.

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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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5 Kommentare

  1. Stimmt so nicht, dass man in Lightroom kein Stift einsetzten kann. Auf einer Taste den Linksklick gelegt und beim Arbeiten mit dem Stift auf die Pfeiltaste (Dreieck) gehen. Also den Stift auf die Position bringen und die Taste Linksklick gedrückt halten und nun kann man ohne Probleme in Lightroom ohne Stufen arbeiten und das geht auch in PS und so weiter. Das geht ohne überhaupt was zu berühren, das geht in der Schwebtechnik und Lässt man die Taste los, so bleibt die Einstellung auf Position. Da der Stift bei Wacom eine Wippe hat, kann man dort sogar eine Seite mit dem Lings- klick belegen, so dass man nur mit dem Stift Freihandarbeiten kann. Bei Windows sollte man die Einstellung im Treiber von Wacom auf nicht Windows Freihand stellen und den Klick wergmachen unter Apple weiß ich das jetzt nicht. Weil sonst eine unerwünschte Haftung entsteht und man klicken muss, um in eine andere Einstellung zu gehen. Ansonsten ist es sehr präzise. Arbeite so schon seit Jahren. Ach, ganz vergessen geht mit dem Radialfilter, Verlausfilter und allen anderen Masken wie oben beschrieben. Zur Maus, eine hochkant gestellte Maus ist für das Gelenk besser und die gibt es für Lings wie für Rechtshändler mit denselben Tasten wie im Artikel beschrieben. Da bleibt der Ballen auf der Auflage und die Hand schwebt nicht mehr und muss so auch nicht vom Körper (Muskeln, Sehnen) gestützt werden. So entsteh auch keine Ermüdung und Entzündung vom Handgelenk mehr.

    1. „Stimmt so nicht, dass man in Lightroom kein Stift einsetzten kann.“
      Das hab ich ja so auch nicht behauptet. 😉

      Aber danke für den Tipp mit dem schwebenden Linksklick. Muss ich mal ausprobieren.

  2. Danke für den sehr schönen Beitrag! Ich liebäugle schon Jahre mit einem Produkt von 3dconnexion, habe bisher die SpaceMouse im Visier, da ich auch mit CAD arbeite. Bisher ist eine Logitech MX Master 2S mein Arbeitsgerät, bin auch zufrieden damit. Vor allem ist sie groß genug. Für meine Pranken sind die meisten Mäuschen einfach zu klein.
    Die mittlere Maustaste ist ein gutes Argument für die CadMouse. Dank deines Beitrages werde ich die jetzt mal probieren. Es ist übrigens überzeugend, daß das hier keine “bezahlte” Rezension ist, bitte mehr davon!

  3. ich habe mir die Maus nach dem Lesen von diesem Artikel bestellt, leider ist auch nach mehrmaligen installieren vom Treiber keine funktionierende Installation möglich (OSX 10.13.6). Ohne Treiber hat man eine Maus, die zwar den Zeiger bewegt, aber keine Tastenfunktion! Schwach!

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