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Wie macht man gute Architekturfotos, Magdalena Gruber?

DOCMA hat bei der freiberuflichen Interieur-Fotodesignerin aus Dortmund nachgefragt, was man beachten muss, um gute Architekturfotos zu machen.

Wie macht man gute Architekturfotos, Magdalena Gruber?

DOCMA: Fangen wir bei der Technik an – mit welchen Equipment bis Du bevorzugt unterwegs?

Magdalena Gruber: In der Architektur- und Interiorfotografie bin ich recht häufig mit einem eher weitwinkligen Objektiv an meiner SIGMA fp L unterwegs. In diesem Fall habe ich das neue SIGMA 16-28mm F2.8 DG DN dabei gehabt, weil es die für mich wichtigsten Brennweiten in einem lichtstarken Zoom vereint.

DOCMA: Wenn Du Architekturfotos machen willst, worauf achtest Du zuerst?

Magdalena Gruber: Das Wichtigste sind Wetter und Licht, denn man arbeitet hier ja nicht unter Studiobedingungen. Wie bei allen anderen Arten der Outdoor-Fotografie ist das Wetter auch in der Architekturfotografie bildbestimmend. Pauschal lässt sich nicht sagen, es gäbe ein bestes Wetter für die Architekturfotografie – unterschiedliche Lichtsituationen können je nach Gebäude unterschiedliche Reize haben.

Wie macht man gute Architekturfotos, Magdalena Gruber?

Ich habe hier zwei mal Beispielbilder bei unterschiedlichen gängigen Lichtsituationen mitgebracht. Im ersten Beispiel sehen wir eine sehr minimalistische und organische Architektur bei bedecktem Himmel. Dadurch fällt weiches Licht auf das Gebäude, die geschwungenen Formen werden sehr sanft betont und es entsteht ein unheimlich ruhiges Bild.

Im zweiten Beispiel haben wir das andere Extrem: Wolkenloser, blauer Himmel und eine sehr verschachtelte Architektur. Das harte Sonnenlicht betont die Kanten des Gebäudes noch, es entsteht viel Kontrast im Bild.
Die zwei Bilder zeigen natürlich nur einen kleinen Ausschnitt von dem, was es an Lichtstimmungen und Gebäudeformen gibt. Insbesondere in den Morgen- oder Abendstunden und in der sogenannten Blauen Stunde, also kurz nach Sonnenuntergang, lassen sich ebenfalls tolle Lichtsituationen einfangen.
Grundsätzlich gilt: Wer mit Architekturfotos anfängt, sollte darauf verzichten, die „perfekte“ Lichtsituation einzufangen. Alle Wetter- und Lichtstimmungen haben ihren eigenen Reiz – man muss nur damit umzugehen lernen.

DOCMA: Wie wirken sich die Wahl von Perspektive und Standort aus?

Magdalena Gruber: Hat man ein schönes Motiv gefunden, dann ist die Beschäftigung mit der Perspektive der nächste Schritt. Auch hier wieder zwei Beispielbilder. An denen sieht man, wie viel die Perspektive ausmacht. Ich stand genau am gleichen Punkt. Die Wahl der Perspektive ändert nicht nur die Fluchten und Gebäudeformen im Bild, sondern kann einen völlig anderen Bildeindruck erzeugen.

Wie macht man gute Architekturfotos, Magdalena Gruber?

Beim ersten Bild habe ich aus der Hocke heraus, aus der sogenannten Froschperspektiven fotografiert. Man sieht nicht unbedingt, wo sich das Objekt befindet, die Gebäudelinien und der Himmel rücken stärker in den Fokus.

Wie macht man gute Architekturfotos, Magdalena Gruber?

Das zweite Bild habe ich dann stehend fotografiert, also auf Augenhöhe. Hier wird das Umfeld mit ins Bildmotiv einbezogen. Mit Standpunkt und Perspektive lässt sich die Bildaussage steuern, mit diesen beiden Parametern beginnt man das Bild aktiv und bewusst zu gestalten und bestimmt, welche Informationen die Betrachter daraus lesen können.

DOCMA: Wie wichtig ist die Umgebung in der Architekturfotografie?

Magdalena Gruber: Auch das kann ich ganz gut an drei Beispielbildern aus dieser Serie zeigen.

Wie macht man gute Architekturfotos, Magdalena Gruber?
Wie macht man gute Architekturfotos, Magdalena Gruber?
Wie macht man gute Architekturfotos, Magdalena Gruber?

Dasselbe Fotomotiv, in drei unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen, die jeweils eine andere Kontextualisierung des Motivs in dessen Umfeld, beziehungsweise der Landschaft schaffen. Bei Architekturfotos ist je nach Auftrag oder Ziel Eurer Fotos auch das Umfeld der Objekte extrem wichtig. Architekten planen und bauen spannende Gebäude immer im Kontext der umgebenden Landschaft, beziehen diese mit ein oder schaffen Kontraste. Von daher sollte man die Umgebung immer mit einbeziehen – zumindest wenn man die Bilder mit einem dokumentarischen Anspruch macht.

DOCMA: Was sollten angehende Architekturfotografen noch beachten?

Magdalena Gruber: Oft sind auch die Größenverhältnisse von Gebäuden und Objekten auf einem Foto schwer einzuschätzen. Hier hilft es, mit Menschen im Bild zu arbeiten. Ob klassisch, mit einer längeren Belichtung, so dass vorbeigehen Menschen in ihrer Bewegungsunschärfe dargestellt werden, oder mit einer einzelnen Person im Bild.
Besonderen Spaß machen mir persönlich die Details an Gebäuden. Hier stören weder Straßenlaternen noch parkende Autos, und es können spannende Bildmotive entstehen. Gerade hier ist es sehr praktisch, mit einem Zoomobjektiv wie dem 16-28mm zu arbeiten, da man so einfach flexibler unterwegs ist.

Ist man mit einer Kamera mit hoher Auflösung unterwegs, so wie es bei der SIGMA fp L der Fall ist, besteht zudem die Freiheit, auch im Nachhinein noch Details aus Bildern zu croppen, ohne dabei einen erheblichen Qualitätsverlust zu erleiden. Ich persönlich finde das total angenehm, da ich mir so immer einen gewissen Sicherheitspuffer bewahre für Situationen, in denen man vielleicht nicht die Zeit hat, viele unterschiedliche Varianten zu fotografieren oder aber im Nachhinein eben nochmal intensiver in die Bildkomposition gehen möchte, zum Beispiel für die Gestaltung von Serien.

Und, ganz wichtig, wenn man im Ausland unterwegs ist: Auch Gebäude können einem Urheberrecht unterliegen, und zwar dem der Architekten. Das ist besonders bei Architekturfotos von Gebäuden mit „schöpferischem Anspruch“ der Fall, also genau bei den Gebäuden, die architektonisch am außergewöhnlichsten und damit auch für uns Fotografen am interessantesten sind. Nun gibt es zum Glück in Deutschland die sogenannte Panoramafreiheit, die es uns ermöglicht, auch diese Gebäude zu fotografieren – solange wir es von öffentlichem Raum aus tun. Streng genommen darf hier auch kein Hilfsmittel wie ein Stativ oder eine Leiter zur Hilfe genommen werden. Diese Panoramafreiheit gilt aber nur für das Äußere eines Gebäudes, der Innenraum fällt nicht darunter.

DOCMA: Wir danken für die vielfältigen Einblicke!


Magdalena Gruber

Während ihres Fotografiestudiums hat sie ihre Faszination für den Raum entdeckt und fotografiert seither am liebsten Innenräume. Ob Menschen dabei sind, spielt eine untergeordnete Rolle, denn auch der leere Raum zeichnet ein ausdrucksstarkes Bild seiner Bewohner und deren Geschichte. Klare Linien, natürliches Licht und ein dokumentarisch minimalistischer Blick sind ihr Mittel, um durch Räume Geschichten zu erzählen

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Christoph Künne

Christoph Künne ist Mitbegründer, Chefredakteur und Verleger der DOCMA. Der studierte Kulturwissenschaftler fotografiert leidenschaftlich gerne Porträts und arbeitet seit 1991 mit Photoshop.

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12 Kommentare

  1. Da wird über den Wechsel von Perspektiven debattiert – und doch nur eine einzige, nämlich die Zentralperspektive verwendet. Das kann man noch lustig finden. Wenn jedoch der Gesetzestext zur Panoramafreiheit um vermeintliche Verbote erweitert wird, dann ist das mehr als grenzwertig.

    Um es klar zu stellen – selbstverständlich sind Stative KEINE verbotenen Hilfsmittel!

    1. Gemeint ist hier kein Stativ, das lediglich der Stabilisierung der Kamera dient, sondern eines, mit dem man von einem erhöhten Standpunkt aus fotografieren kann – also einem, den man mit der Kamera in der Hand nicht erreichen würde. Deshalb auch die Erwähnung einer Leiter. Solche Hilfsmittel sind trotz Panoramafreiheit nicht erlaubt. Es ist im Grunde ganz einfach: (Nur) das, was man als gewöhnlicher Passant von öffentlichem Grund aus sehen kann, darf man auch fotografieren.

      1. Sie als Journalist sollten doch wohl am besten wissen, dass das, was man meint, auch richtig benennen muss.
        Wenn also allgemein von Stativen gesprochen wird, sind eben nicht nur die großen, die nur mit Hilfe einer Leiter zu nutzen sind, gemeint. Auch sollten Sie wie auch die Interviewte den Gesetzestext erst einmal vollständig lesen, bevor sie versuchen, ihn zu interpretieren – denn von Hilfsmitteln werden Sie dort nichts finden, weder eine Erlaubnis noch ein Verbot. Und so ist die diesbezügliche Aussage der Frau Gruber wie auch Ihre Verteidigung grober Unfug.
        Das, auf was sie beide sich beziehen, scheint ein Urteil mit einem ganz bestimmten Hintergrund zu sein. Eine Einzelfallentscheidung nach Beurteilung der Sachlage durch Richter, die sich NICHT pauschal verallgemeinern lässt. Und so muss es Sie auch nicht verwundern, dass selbst Hilfsmittel wie Drohnen durchaus gestattet sein können: https://www.rechtambild.de/2020/12/luftbilder-von-bauwerken-von-panoramafreiheit-gedeckt/

        1. Diese Entscheidung folgt nicht der allgemeinen Rechtsprechung, nach der sich der Fotograf sehr wohl auf öffentlichem Grund befinden muss, und ich würde niemandem empfehlen, darauf zu hoffen, dass er sich bei einem Rechtsstreit erfolgreich darauf berufen könnte.

          1. Ein Landgericht betont, dass die Panoramafreiheit europarechtskonform ausgelegt werden muss und der BGH erlaubt technische Hilfsmittel.
            Jedoch erhebt der Journalist Hußmann warnend seine Stimme, obwohl der den Gesetzestext offensichtlich noch immer nicht gelesen hat. Da muss man fast froh sein, dass er als NICHT-Jurist nicht auch noch Empfehlungen abgibt.

    2. Die Perspektive wird durch den Aufnahmestandpunkt bestimmt, weshalb es so viele Perspektiven wie Aufnahmestandpunkte gibt, selbst wenn sie alle den Gesetzen der Zentralperspektive gehorchen – eben die Vogelperspektive, die Froschperspektive und so weiter. Die Zentralperspektive ist eine Art der perspektivischen Abbildung und umfasst unendlich viele Perspektiven auf jedes Motiv.

      1. Nein, lieber Herr Hußmann, eine Vogel- oder Froschperspektive gibt es nicht. Was Sie meinen sind Sichtweisen. Keineswegs gibt es so viel Perspektiven wie Aufnahmestandpunkte, sondern lediglich vier: Zentral-, Zylindrische-, Spärische- und die – erfahrungsgemäß weitestgehend unbekannte – umgekehrte Zenralperspektive. Letztere ist die, bei der sich scheinbar weiter entfernte Punkte nicht annähern, sondern weiter entfernen. Sie wollen diese selbst erkunden? Dann setzen Sie sich einen Gegenstand, der etwas weniger breit ist als Ihr Augenabstand und vorzugsweise etwas tiefer als breit ist, auf die Nasenspitze …

        1. Wir verwenden Wörter so, wie sie üblicherweise von Fachleuten wie Laien verwendet werden, und es heißt nun einmal „Vogelperspektive“ und „Froschperspektive“; Wörter wie „Vogelsichtweise“ oder „Froschsichtweise“ gibt es nicht. Man kann sich eigene Wörter ausdenken, läuft dann aber Gefahr, nicht verstanden zu werden.

          1. So so, wenn Laien Begriffe falsch anwenden, dann plappern Sie das als (Wissenschafts-)Journalist nach und kreieren Wortschöpfungen wie Vogel- und Froschsichtweise?!
            Schade, dass Sie Ihre Aufgabe nicht auch darin sehen, Sprachverfehlungen zu bekämpfen und geläufige Wörter wie beispielsweise Unter-, Ober- oder Übersicht zu verwenden, sowie Fachbegriffe korrekt anzuwenden. Vor allem auch deshalb, weil entgegen Ihrer Behauptung nicht alle Perspektiven den Gesetzen der Zentralperspektive folgen.

    1. Wenn es ein Dogma gab, das stürzende Linien verbietet, dann ist es längst gefallen. Zumal man bei einer Perspektivkorrektur, ob mit einem Shift-Objektiv oder per Software, aufpassen muss, dass man es damit nicht übertreibt. Eine vollständige Korrektur bringt erst recht eine perspektivische Unstimmigkeit in das Bild, die in extremeren Fällen mehr irritiert als die ursprünglichen stürzenden Linien.

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