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Migrationsprobleme

Nein, hier soll es nicht darum gehen, dass Menschen schon seit jeher fortzogen, wenn das Leben anderswo besser zu werden versprach, sondern um die Migration von einem alten zu einem neuen Computer. Eine Übung, die ich aus leidvoller Erfahrung hasse …

Viele lieben es ja, sich immer wieder etwas Neues zu kaufen. Zugegeben, das hat seinen Reiz, aber wenn ich mich an etwas gewöhnt habe und damit vertraut bin, sei es eine Kamera, ein Stabmixer, eine Geschirrspülmaschine oder ein Computer, möchte ich mich am liebsten nie mehr davon trennen. Leider werden einem solche Entscheidungen oft vom Schicksal aus der Hand genommen.

Migration
Ein neues MacBook Air, ein altes MacBook Air, eine externe 2,5-Zoll-Platte, ein GaN-Netzteil und, ganz wichtig, ein Adapter von USB-A weiblich auf USB-C männlich – die Zutaten für die nötige Migration

Mein altes MacBook Air, das faktisch mein wichtigster Computer war, hatte schon seinen fünften Geburtstag hinter sich und sein Akku wollte dringend mal zum Kundendienst, aber immerhin lief es noch. Bis es zu einem merkwürdigen Vorfall kam: Es startete unprovoziert neu. Der Neustart dauerte ungewöhnlich lange, zudem erschienen danach ungewohnte Meldungen auf dem Bildschirm – was war da los? Wie es sich herausstellte, war die interne SSD verschwunden – der Finder zeigte sie nicht mehr an und auch das Festplattendienstprogramm nahm sie nicht mehr zur Kenntnis. Da man an die Innereien von Apples MacBook Air nicht so einfach heran kommt, blieb für mich nicht mehr viel zu tun, außer endlich ein neues Modell zu bestellen. Glücklicherweise gibt es mittlerweile ja wieder Geräte mit einer vernünftigen Tastatur mit einer Scherenmechanik statt des störanfälligen Schmetterlingsmechanismus. Da ich Sonderwünsche hatte – 16 GB RAM, 1 TB SSD und den schnellsten verfügbaren Prozessor – dauerte es dann noch ein paar Tage, bis Apple mein MacBook Air liefern konnte.

Dass das alte Modell überhaupt noch ohne internes Startvolume startete, lag daran, dass noch eine (relativ langsame) externe Platte daran hing, auf die ich das interne Volume regelmäßig mit Carbon Copy Cloner spiegelte. Von dieser hatte es dann gebootet. Daher sollte auch die Migration problemlos sein, dachte ich, denn bei der Einrichtung des neuen Geräts brauchte ich ja nur anzugeben, dass der Inhalt einer externen Platte zu übernehmen wäre.

Migration
„Einer für alles“, aber in der Praxis nur mit Adaptern, Dongles und Hubs zu nutzen: Beim MacBook Air sind die Schnittstellen knapp und das erschwert die Migration vom alten zum neuen Computer.

Allerdings haben Apples mobile Computer heutzutage bitter wenig Schnittstellen – zwei USB-C/Thunderbolt 3-Buchsen und einen Klinkenanschluss für den Kopfhörer, das war’s. Damit konnte ich nichts irgendwie Zweckdienliches anschließen, denn meine USB-Geräte wie beispielsweise die externe 2,5-Zoll-Platte haben alle einen USB-A-Anschluss. Bald wird der bereits bestellte Hub Abhilfe schaffen, der die fehlenden Schnittstellen (USB-A, HDMI, Ethernet) und einen SD-Kartenleser nachrüstet, aber weil es schnell gehen musste, kaufte ich mir erst einmal einen Adapter von USB-A weiblich auf USB-C männlich, mit dem sich die Platte anschließen ließ.

Ich werde wohl auch noch einen magnetischen Stöpsel für den Netzteilanschluss ordern, denn den höchst praktischen MagSafe-Anschluss hat Apple ja leider vor Jahren abgeschafft; dafür muss nun eine der beiden USB-C-Buchsen herhalten. Eine magnetische Verbindung verhindert, dass man den Computer herunterreißt, wenn man über das Kabel stolpert, und für iPhone und iPad nutze ich solche Stöpsel bereits. Sieht nicht so elegant aus wie MagSafe, aber was hilft’s … Insgesamt sind rund 100 Euro zusätzliche Ausgaben einzukalkulieren, um auf den Stand des alten Modells zu kommen. Das kräftige GaN-Netzteil, das ich statt des von Apple mitgelieferten USB-Netzteils nutze, will ich da nicht mit einrechnen, denn das kann über je zwei USB-A- und USB-C-Anschlüsse vier Geräte gleichzeitig mit Strom versorgen oder aufladen und ist nicht ausschließlich für das MacBook Air da.

Migration
Ein Multiport-Adapter (hier das Modell von Satechi, für das ich mich entschieden habe) rüstet weitere Schnittstellen nach und enthält auch einen SD-Kartenleser – bei meinem alten MacBook Air brauchte ich das nicht.

Die Übernahme der Daten kam dann aber wegen der langsamen Festplatte kaum von der Stelle; allein die erste Phase dauerte gut vier Stunden. Danach folgte ein Neustart und eine zweite Phase unklarer Dauer – ich ging dann ins Bett. Am nächsten Morgen hatte ich ein prinzipiell einsatzbereites MacBook, aber eben nur im Prinzip. Auf dem alten Modell hatte ich kein aktuelles macOS installieren können und wollte das auch gar nicht – es gab noch ein paar nicht mehr weiterentwickelte 32-Bit-Apps, die ich gerne nutzte. Wie gesagt: Ich hänge an alten Sachen, die sich bewährt haben. Aber auch hier galt nun „Es hilft ja nichts“, denn natürlich kam das MacBook Air mit der aktuellen macOS-Version Catalina, die einige alte Zöpfe abschneidet. Ich brauchte also ein neues, zeitgemäßeres MS Office (ich habe mich für die Abo-Variante entschieden), eine neue FileMaker-Version und noch viel Kleinkram, den man in der täglichen Praxis dauernd braucht. Aus Adobes Creative Suite (ich habe Photoshop, Lightroom und InDesign abonniert) musste ich bloß die aktuellen Versionen herunterladen.

Das nahm insgesamt noch einmal Stunden in Anspruch, aber dann stieg ein Gefühl gelinder Panik auf: Die neue Version meines bevorzugten Mail-Clients (Postbox) übernahm zwar scheinbar zwanglos den vorhandenen Datenbestand, bloß schienen etliche Mails verloren gegangen zu sein. Eine ganze Menge Mails, um die Wahrheit zu sagen, denn es fehlte fast alles aus den letzten zwei Jahren – ich fand nur Mails bis zum April 2018 und dazu jene, die noch auf dem IMAP-Server gespeichert gewesen waren. Aber die Mails lagen ja auf dem lokalen Volume und konnten nicht wirklich weg sein. Nach einigem Herumwühlen im Library/Application Support-Ordner stieß ich auf einen zweiten, ebenfalls Postbox zuzuordnenden Unterordner, der zwar älter als der andere zu sein schien, aber im Gegensatz zu diesem alle meine Mails enthielt. Nachdem ich die Namen der beiden Ordner getauscht hatte, war wieder alles im grünen Bereich. Puuh …

Nun habe ich zwar ein wunderschönes neues MacBook Air mit Retina-Display und Fingerabdrucksensor sowie jeweils doppelt so viel Arbeits- und Massenspeicher, das dabei auch noch kleiner und leichter als das alte ist und einen besseren Sound liefert, aber den Stress, die Zusatzkosten und den Zeitverlust, die mit der Migration verbunden waren, hätte ich nicht gebraucht.

(Was den oben beiläufig erwähnten Stabmixer betrifft: Nachdem mir in acht Jahren zwei Kenwood-Modelle abgeraucht sind, habe ich mich jetzt für ein Modell von Bosch entschieden.)

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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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4 Kommentare

  1. Never change a running system. Auch ich nutze meine IT-Infrastruktur solange es irgendwie möglich ist. Doch meinen letzten Systemwechsel provozierte DOCMA.
    Ich hatte beim DOCMA Award 2017 ein Foto-Abo der Creative Cloud gewonnen. Lightroom Classic CC mocht jedoch meine alte Grafikkarte nicht. Da mein fünf Jahre alter PC auch andere Mucken hatte, war also eine neue Hardware fällig.
    In einer Beitragsfolge berichte ich in meinem Blog über die Beschaffung und Installation eines Desktop-PCs für Fotografen ( https://www.w-fotografie.de/ein-neuer-desktop-pc-fuer-fotografen-muss-her-1-fluch-und-segen-eines-gewinns-beim-docma-award/ ).
    Mit der Migration hatte ich wenig Probleme. Ich will jetzt nicht wieder die Grundsatzdiskussion Apple versus Microsoft anzetteln. Aber dank der vielfältigen Schnittstellen meines Windows-PCs lief die Migration reibungslos.
    Im 6. Beitrag der Folge beschreibe ich u. a. die Datenübertragung ( https://www.w-fotografie.de/ein-neuer-desktop-pc-fuer-fotografen-muss-her-6-programme-aktivieren-und-geraete-anschliessen/ ).

  2. Hauptsache schick, flach und klein. Funktionalität ist Nebensache. Wenn ich die fehlenden Verbindungen zum Rest der Computerwelt bei den Apples ansehe weiß ich, dass mit so ein Ding nie ins Haus kommt. Was nutzt ein hübscher Laptop, wenn ich alles, was sonst benötigt wird, in einer zweiten Tragtasche herumschleppen muss? Und bei jeder Verwendung erst alles zusammenbauen muss?
    Dass das Kopieren, also Überspielen von Daten, ewig lange dauert, ist ein Problem, dass für alle Consumerrechner gilt. Einerseits erhält man Festplatten mit bis zu 16 TByte Kapazität, andererseits sind sie nur unwesentlich schneller geworden. Im Betrieb, im Rechner, werden meist nur relativ kleine Datenmengen auf eine HD geschrieben. Da helfen sich die Hersteller mit einem ausgeklügelten Cache-System, das allerdings auf vorgaukelt, dass Daten sicher auf der HD seien, während sie tatsächlich noch im Zwischenspeicher sind. Solche Caches und Pufferspeicher sind ja in der Computerwelt üblich, nur wenn wirklich große Datenmengen, also Verzeichnisse oder gar ganze Festplatten kopiert werden, greifen sie nicht. Dann muss man eben warten und warten und warten.
    Was die Problematik der Mails betrifft, so kann ich nur auf die meist fehlende Unterstützung von Datensicherung von Programmen und Betriebssystemen hinweisen. Mein Rat wäre, sich den Mozilla Thunderbird in der Portable-Version anzusehen. Da werden wirklich alle Daten im Verzeichnis des Mailprogramms gespeichert, und nicht, wie bei installierten Programmen, in irgendwelchen, nur versierten Administratoren, Verzeichnissen gespeichert. Eine Portable-Version lässt sich durch das Kopieren des ganzen Verzeichnisses auf andere Datenträger sichern. Um nur geänderte Dateien zu berücksichtigen, gibt es ja diverse Tools.
    Dass Betriebssystemen ältere Programme nicht mehr unterstützen, ist leider so, und nicht vermeidbar. Dass eine neue Programmversion, für das neue Betriebssystem geeignet, sehr oft auch anders zu bedien ist, als das alte, ist leider auch so. Nicht nur bei der Hardware, auch bei der Software schlagen Designer zu. Oft nicht zum Vorteil der Funktionalität

  3. Absichtlich Brücken verbrennen scheint mir das Geschäftsmodell zu sein. Da pappt man noch etwas Marketingblahblah drauf, damit es nach irgendwas mit Fortschritt aussieht, irgendwer wirds schon schlucken. Wenn ich jetzt – ohne das Faß Windows vs. Apple aufzumachen – nur mal dran denke wie zuverlässig der AudioUnits Standard mit neuen Systemversionen von Apple selbst kaputtentwickelt wird mal nur als ein Beispiel. In einem vergleichbaren Thema hat das jemand schön formuliert:
    https://medium.com/@steve.yegge/dear-google-cloud-your-deprecation-policy-is-killing-you-ee7525dc05dc
    (Zitat) ““We are breaking our commitments to you.” It really does. That’s what it ultimately means. It means they are going to force you to do some work, possibly a large amount of rework, on a regular basis, as punishment for doing what they told you to do originally — as punishment for listening to their glossy marketing on their website: Better software. Faster! You do everything they tell you to do, and you launch your application or service, and then, bang, a year or two later it breaks down.”

  4. Zugegeben die Modell u. Update-Politik von Apple ist oft fragwürdig, aber nachdem ich mich früher oft über die Windows-Kisten ärgern musste, wechselte ich zu Apple.

    Bisher hatte ich die von Michael H. erwähnten Probleme beim Hardware-Wechsel noch nicht….toi,toi,toi.
    Gehe aber auch einen recht einfach Weg, CCC nutze ich auch, zusätzlich aber regelmässiges Backup mittels TimeMachine. Musste bisher 1x das System aus dem TM-Backup neu aufsetzen und 1x ein neues MBP migrieren.
    Beides funktionierte recht einfach und bequem.

    Ja, die Macs sind teuer und man bekommt für´s gleiche Geld viel mehr in der Windows-Welt oder andersrum ein PC ist günstiger als
    ein Mac…;-).

    Aber wer es komfortabel mag und mit der obig besagten Apple-Politik (halbwegs) leben kann, für den ist ein Mac das Richtige.

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