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Keine Rückvermeisterung des Fotografenberufs

Vor drei Monaten hatte ich hier über den Plan berichtet, die 2004 aufgehobene Meisterpflicht für Fotografen wieder einzuführen. Nun hat sich die Große Koalition auf eine Liste von 12 Gewerken verständigt, für die es künftig einen Meisterzwang geben soll, aber die Fotografen sind nicht mehr darunter – also keine Rückvermeisterung des Fotografenberufs.

Wenn sich im weiteren Gesetzgebungsprozess nichts Entscheidendes mehr ändert, werden Fotografen also auch in Zukunft – das neue Gesetz soll bereits Anfang nächsten Jahres in Kraft treten – keinen Meisterbrief brauchen, um ihr Gewerbe auszuüben. Das ist ganz im Sinne einer Petition an Bundesregierung und Bundestag, die die Kollegen von der ProfiFoto gestartet hatten und die von mehr als 8100 Personen sowie vom BFF und Freelens unterstützt wurde – auch von mir.

Keine Rückvermeisterung des Fotografenberufs
Orgelpfeifen – geht von diesen eine Gefahr aus, die durch einen Meisterzwang für Orgelbauer gebannt werden müsste? (Bild: Kantor.JH)

Trotzdem kommt es nach der Liberalisierung von 2004 nun zu einem Rollback, denn für 12 Gewerke soll der Meisterbrief wieder Pflicht werden: Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer. Warum es diese 12 Berufe getroffen hat, ist nicht recht klar. Der Meisterbrief soll vor Pfusch schützen und verhindern, dass unzureichend qualifizierte Handwerker ihre Kunden in Gefahr bringen. Aber hat man jemals von Unglücken mit explodierenden Orgeln oder umfallenden Harmonien gehört, die eine Rückvermeisterung der Orgel- und Harmoniumbauer nahelegten? Die Orgelbauerszene ist recht überschaubar; der Bund Deutscher Orgelbaumeister verzeichnet nur rund 100 Werkstätten. Wer eine neue Orgel in Auftrag geben oder eine vorhandene Orgel reparieren lassen will, wird sich vermutlich eher auf Referenzen als auf einen Meisterbrief verlassen.

Der Centralverband Deutscher Berufsfotografen hat noch vor wenigen Tagen die Petition gegen den Meisterzwang kritisiert und behauptet, deren Unterstützer seien gar keine professionellen Fotografen, sondern größtenteils Amateure, denen es wohl nur darum ginge, „die Solo(Schein)-Selbständigkeit zu bewahren, um sein Hobby von der Steuer absetzten zu können und der Gemeinschaft zu schaden“. Kurioserweise hat der Centralverband in einem Nachruf auf den jüngst verstorbenen Peter Lindbergh zwar geschrieben, dass der „deutsche Starfotograf“ für „berühmte Modeschöpfer wie Jean-Paul Gaultier und Giorgio Armani sowie für internationale Magazine“ gearbeitet und „die Modefotografie mit seinen markanten Schwarzweißbildern“ geprägt hätte – aber dass Peter Lindbergh, wie so viele Meister ihres Fachs, Zeit seines Lebens ohne Meisterbrief auskam, erwähnte der Verband nicht.

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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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3 Kommentare

  1. “Der Centralverband Deutscher Berufsfotografen hat noch vor wenigen Tagen die Petition gegen den Meisterzwang kritisiert und behauptet, deren Unterstützer seien gar keine professionellen Fotografen, sondern größtenteils Amateure …”
    Die Behauptung lässt sich vergleichsweise einfach mit Zählen belegen. So handelt es sich beispielsweise beim Autor Hußmann, der bekanntlich ein eifriger Gegner des Meisterzwangs ist, ebenso um einen Amateur. Wohl hat er sich als Journalist auf technische Probleme der Fotografie spezialisiert, ist dennoch kein Profi – denn den Beruf Fotograf hat er nicht erlernt, verdient seine Brötchen nicht mit dem Verkauf von Fotografien, und hat kein Gewerbe als Fotograf angemeldet.

    “Kurioserweise hat der Centralverband in einem Nachruf auf den jüngst verstorbenen Peter Lindbergh … wie so viele Meister ihres Fachs, Zeit seines Lebens ohne Meisterbrief auskam, erwähnte der Verband nicht.”

    Weshalb auch?! Schließlich kann der Verband im Gegensatz zum Autor Hußmann unterscheiden, wer als Künstler, Dilettant oder Meister (mit der Qualifikation als Ausbilder) arbeitet.

    Die bösartige Behauptungen der Meisterpflichtgegner, dass man im Gewerbe der Fotografie ohne Meisterbrief nicht tätig sein könne, ist schlicht falsch. Der Autor des vorstehenden Artikels beweist es an Hand seiner eigenen Person – er ist kein Profi und verdient dennoch seine Brötchen mit der Fotografie. Auch konnte man als Fotograf bereits vor der Abschaffung der Meisterpflicht tätig sein – und wird es weiterhin sein können.

  2. Schon zu Beginn meines Berufslebens hieß es oft: Fotografen sind nicht organisierbar. Zuviele Solospieler, zu wenige Netzwerker…
    Das war zu den Hochzeiten des CV, dessen Innungen sich beispielsweise dadurch auszeichneten, begabten Seiteneinsteigern das Leben schwer zu machen oder Sterbeversicherungen für seine Mitglieder zu organisieren.

    Regelmäßige berufliche Fortbildung für die Meister oder wesentliche Impulse unsere wunderbare Branche fortzuentwickeln, standen nicht gerade im Mittelpunkt des Tuns.

    Mitglieder, die durften, flüchteten. Eine logische Folge war die Abschaffung der Meisterpflicht. Ich fand das damals gut. Der Meisterbrief war kein Qualitätsnachweis. Meinen hab ich daher tief in einer Schublade verbannt.

    Hin wiederum nehme ich in den letzen Jahren wahr, das sich unserer Berufsstand in einem rasanten Niedergang befindet. Die Anzahl fotografischer Betriebe ist um rund 300% gestiegen. Am Markt bewegen sich zahllose Anbieter, die gute Arbeit liefern, jedoch nicht solide kalkulieren oder extrem Amateurnah auftreten.

    In der Folge ist ein unerträglicher Preiskampf entbrannt. Oder den Auftrag übernimmt gleich den Filius des Vertriebsleiters, weil der mit seinem neuen Smartphone ja genauso tolle Sachen macht, wie der zuvor angefragte „Fotograf“

    Die Reanimation der Meisterpflicht wäre eine wirklich große Chance gewesen. Eine Chance, die Existenzgrundlage kompetenter Fotografenbetriebe zu verbessern. Vielleicht sogar die Chance, den Absolventen fotografischer Studiengänge einen realistischen Einblick in die wirtschaftlichen Erfordernisse unseres Berufes mit auf den Weg zu geben.

    Und? Was haben wir jetzt: Zeitschriftenmacher beherrschen die Diskussion, weil sich ja sonst eh keiner zu Wort meldet. Käbbeln sich mit dem CV, der sich offensichtlich nicht ausreichend fortentwickelt hat, um die neue Meisterpflicht auch nur ansatzweise rechtfertigen zu können. Wir haben keine ernstzunehmende Vertretung unserer Branche.

    Sind wir Fotografen denn wirklich nicht organisierbar? Andere Berufsstände (Mosaikleger, Orgelbauer, Glasveredler, etc.) geben in der Hinsicht ein deutlich besseres Bild ab. Wir brauchen dringend irgendeine Zugangsbeschränkung oder zumindest irgendeinen Qualitätsnachweis für unseren Beruf.

  3. Die Wiedereinführung der Meisterpflicht vom CV war doch ein Totgeburt! Die können doch nicht ersthaft geglaubt haben das Sie mit so fadenscheinigen Begründungen den Meister wieder eingeführt bekommen. He, allein der Satz: “Ein Fotograf ohne Meisterprüfung kann nur den Auslöser betätigen und weiß nicht wie er das Bild im Entstehungsprozess verändern kann.“ ist ein klares Zeichen von maßloser Selbstüberschätzung und in seiner Arroganz kaum zu topen.

    Der Beruf Fotograf wird nicht dadurch gerettet das man den Meister wieder einführt. Was fehlt ist eine Interessenvertretung die sich für alle Fotografen zuständig fühlt. Der CV ist es schon mal nicht. Das treten nach rechst und links, nach dem Motto, du bist aber ein böser Fotograf hilft niemanden.
    Zum Abschluss noch eine Bemerkung zu dem Spruch von elliz: Schließlich kann der Verband im Gegensatz zum Autor Hußmann unterscheiden, wer als Künstler, Dilettant oder Meister (mit der Qualifikation als Ausbilder) arbeitet.
    Der CV hätte in seiner glorreichen Vergangenheit durch aus Peter Lindbergh ( wie Er auch bei anderen ) wegen seiner fehlenden Qualifikation angegriffen. nur lebte dieser in Paris. Dem CV ging es nie um Kunst oder Handwerk sondern nur um Macht.

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