Blog

Für wen lohnt sich das Update auf die neue Nik Collection 4?

Meinung

DxO hat eine neue Version der beliebten Plug-in-Sammlung für Fotografen, der Nik Collection, veröffentlicht. Ein kurzer Überblick der Neuerungen und eine persönliche Einschätzung von Olaf Giermann, ob sich dieses Update auf die Nik Collection 4 lohnt.

Für wen lohnt sich das Update auf die neue Nik Collection 4?
Credit: nikcollection.dxo.com

Nik Collection 4 – Die Neuigkeiten kurz kommentiert

Eine werbliche Übersicht der Neuerungen finden Sie hier: Nik Collection 4 – Neue Funktionen, das ausführlichere Handbuch zu den geänderten Funktionen hier: Nik Collection by DxO: User Guide

Neue Oberfläche (Achtung: nur in Silver Efex und Viveza!)

Moderner Look mit besserer Übersichtlichkeit und identischem Aufbau.

Die rundum erneuerte Oberfläche von Viveza und Silver Efex ist schick, praktisch und aufgeräumt. Im Vergleich wirken die anderen Filter der Collection regelrecht altbacken. Foto: Olaf Giermann

Vereinfachte Kontrollpunkte. Diese Änderung wird als Vorteil angepriesen, ich sehe sie jedoch kritisch: DxO hat die ganzen kleinen Regler bei den U-Points entfernt. Die U-Points sind also jetzt eigentlich keine U-Points mehr, sondern im Prinzip nur noch Radialfilter mit einem fummeligen kleinen Radius-Slider. Letzter ist nur noch Makulatur: Sie können den Radius auch einfach durch Anfassen und Ziehen der Kreisform vergrößern und verkleinern. Die zu ändernden Parameter findet man jetzt so wie auch in Lightroom oder Capture One in einer Spalte am rechten Bildschirmrand. Das führt zwar zu mehr Übersichtlichkeit am Cursor, aber eben auch zu längeren Mausbewegungen, die durch die U-Points ja gerade auf clevere Weise vermieden wurden.

Die Kontrollpunkte wurden von den Reglern befreit, die einen Teil des U-Point-Charmes ausmachen. Links der traditionelle Nik-U-Point; rechts der neue Kontrollpunkt, der nur noch im Radius geändert werden kann. Für die Änderungen am Bild muss man nun wie in jeder anderen Software den Cursor in ein Bedienfeld am rechten Bildschirmrand bewegen.

Toll dagegen ist, dass man jetzt die Kontrollpunkte umbenennen kann. Dadurch findet man die Kontrollpunkte in der Liste deutlich einfacher.

»Farbselektion«: Den aufgenommenen Bereich jedes Kontrollpunktes kann man nun feiner als bisher über die beiden Regler »Luminanz« und »Chrominanz« einstellen. Letztlich funktioniert das genauso wie die »Bereichsmaske« in Camera Raw oder Lightroom, nur dass die Modifikation in Silver Efex und Viveza nicht ganz so flüssig und mit vorübergehender Vorschau erfolgt (man muss statt nur die Alt-Taste zu drücken, jedes Mal die Maske per Klick aktivieren, um eine Vorschau davon zu sehen). Außerdem gibt es unter »Selektive Töne« in Viveza vier neue Regler zur Abstimmung des Kontrasts in den Spitzlichtern, Mitteltönen, Schatten und Schwarz-Bereichen. Auch ein Weißabgleich lässt sich nun in Viveza vornehmen, wobei ich mal dahin gestellt lasse, wie sinnvoll das ist, wenn das Programm doch keine Raw-Dateien öffnen kann.

Mehr Kontrolle und Präzision ist immer toll, aber irgendwie geht bei den vorgenannten Änderungen die charmante Einfachheit der Nik-U-Points ein wenig verloren.

Für wen lohnt sich das Update auf die neue Nik Collection 4?
Die Parameter für Kontrollpunkte findet man nun alle auf der rechten Seite. Dort kann man auch die »Luminanz« und »Chrominanz« einstellen und damit die Auswahlgenauigkeit abstimmen. Foto: Olaf Giermann

Presets in Viveza: In Viveza kann man jetzt, wie auch schon in Color Efex oder Silver Efex, auch Vorgaben speichern, sogar inklusive der Kontrollpunkte. So kann man Bearbeitungen jetzt endlich auch auf weitere Bilder übertragen. Mitgeliefert werden 10 Presets, unter anderem für das Scharfzeichnen von Augen oder das Soften von Haut.

DxO-Funktionen in Silver Efex: Clear-View verbessert den Bildkontrast auf intelligente Weise und ist sozusagen eine Art Dunstentferner. Ach ja, und es gibt eine Reihe zusätzlicher Körnungs-Simulationen, die auf Filmmaterial beruhen.

Nik Collection 4 – Standalone-Modus mit „Speichern unter“

Bei allen Plug-ins außer Dfine und Sharpener: Man kann JPEG- oder TIFF-Dateien (Raw wird nicht unterstützt) ohne Host-Anwendung (wie zum Beispiel Photoshop oder Lightroom) öffnen und bearbeiten, indem man diese in das Programm-Fenster zieht. Das ging früher auch schon, nur wurde dann beim Verlassen des Programms die Originaldatei überschrieben. Um das zu vermeiden, gibt es jetzt über »Datei > Bild speichern unter« die Möglichkeit, das Bearbeitungsergebnis als neue Datei abzulegen (wiederum als JPEG oder TIFF).

Nik Collection 4 – Workflow-Verbesserung in Lightroom

Die wohl beste Neuerung der Nik Collection 4 richtet sich an Lightroom Classic-Nutzer: »Copy and Apply parameters« (wurde auch in der veröffentlichten Version als Befehl nicht übersetzt; der nachfolgende Dialog heißt »Kopieren und Anwenden«). Nachdem Sie ein Bild (im Falle von Raw wird eine TIFF-Kopie erzeugt) mit Filtern der Nik-Collection bearbeitet haben, können Sie per Rechtsklick »Exportieren > Copy and Apply parameters« und im sich öffnenden Dialog die zu übertragenden Filter wählen. Danach markieren Sie weitere Fotos und fügen diese Parameter auf dem gleichen Wege über »Anwenden« ein. Lightroom erzeugt gegebenenfalls TIFF-Kopien und wendet die Filter mit den kopierten Einstellungen an. Ähnliches war früher mit viel Handarbeit verbunden.

»Copy and Apply parameters« finden Sie im Rechtsklickmenü auf ein Bild in Lightroom Classic
Im Dialog zu »Copy and Apply parameters« können Sie die Parameter der angewendeten Filter kopieren und bei anderen Bildern anwenden. Ein enormer Zeitsparer!

Workflow-Verbesserung in Photoshop mit der Nik Collection 4

»Zuletzt verwendet«: Die bei der letzten Anwendung eines der beiden Filter getroffenen Einstellungen lassen sich jetzt mit einem Klick auf die Schaltfläche »Zuletzt verwendet« (auch im Nik Selective Tool-Panel) erneut aufrufen. Falls Sie ein weiteres Bild identisch bearbeiten möchten, müssen Sie also nicht jedes Mal extra ein Preset speichern.

»Metapresets«: Im Nik Selective Tool ganz unten finden Sie eine Reihe von Vorgaben, die mehrere Plug-ins für ihren Effekt kombinieren. Letztlich sind es gespeicherte Aktionen, die Sie auf eine Ebenen oder ein Smartobjekt anwenden können. Selbst anlegen kann man diese Metapresets für das Selective Tool nicht, als eigene Aktion können Sie sie aber natürlich schon anwenden.

Für wen lohnt sich das Update auf die neue Nik Collection 4?
Im Nik Selective Tool Panel gibt es eine Reihe vorinstallierter „Metapresets“. Das sind im Prinzip Aktionen, die mehrere Nik-Filter in Folge anwenden. Konvertieren Sie eine Ebene vor Anwendung in ein Smartobjekt, falls Sie die Parameter der einzelnen Filter nachträglich anpassen möchten.

Nik Collection 4 – Fazit

Super, aber testen!

Ich rate vor dem Kauf unbedingt zum Testen. Das ist leider nicht ganz so einfach, da der neue Installer die Plug-ins der Vorversion einfach überschreibt. Also unbedingt vorher die Installationsdatei der Vorversion sichern. Ich hab mir das Update kurzerhand für diesen Test gekauft, obwohl ich persönlich die Nik-Plug-ins seit Einführung der Bereichsmaske in Camera Raw und Camera Raw-Filter nur noch selten benutze. Tolle Filter sind es natürlich dennoch, die bei der Bearbeitung Zeit sparen können. Auf die wahrscheinlich bekannten Vorzüge will ich daher gar nicht weiter eingehen.

Kritik

Enttäuschend ist, dass es keine Kompatibilität für die neuen M1-Macs gibt; sie soll aber für Version 4 in einem „Minor Versionsupdate“ noch nachgeliefert werden. Enttäuschend ist auch, dass die schicke neue Oberfläche nur für Viveza und Silver Efex eingeführt wurde. Dafür ist dieser Facelift und die Vereinheitlichung sehr gelungen. Es wäre wünschenswert, wenn die neue Oberfläche für die anderen Plug-ins in Version 4 noch nachgeliefert würde – aus meiner Sicht zumindest für Color Efex und Analog Efex. Für eine Modernisierung und Vereinheitlichung der Plug-ins wird es jedenfalls langsam Zeit.

Für einen Rückschritt halte ich die Vereinfachung der U-Points. Dadurch, dass die Regler nicht mehr direkt dort sind, wo die Aktion passiert, muss man lange Wege auf dem Bildschirm gehen.

Das Nik Selective Tool ist übrigens genauso nervig wie eh und je (ich berichtete). Nach dem Anwenden des nach wie vor nicht nativen Panels (weder als veraltetes CEP- noch als aktuelles UXP-Panel!) muss man erst in die Arbeitsfläche von Photoshop klicken, damit Tastenkürzel wieder funktionieren! Das war dann wohl wieder mal 😉 das letzte Mal, dass ich dieses olle Selective Tool geöffnet und benutzt habe (bis zum nächsten Update).

Für wen lohnt sich die Nik Collection 4 beziehungsweise das Update denn nun?

Als Neukäufer bekommen Sie für den regulären Preis von circa 150 € (bis zum 30. Juni 2021: 100 €) ein gewohnt gutes Filter-Paket, das sich jetzt auch tatsächlich als Standalone einsetzen lässt, ohne Ihre originalen Fotos zu überschreiben. Braucht man meiner Meinung nach als fortgeschrittener Photoshop- oder Affinity Photo-Anwender nicht (mehr) unbedingt, ist aber auf jeden Fall empfehlenswert.

Als Besitzer einer früheren Version der Nik-Filter sollten Sie aber genau abwägen, ob Ihnen die Neuerungen wirklich 80 € (bis 30. Juni 2021: 60 €) wert sind:

  • Verwenden Sie die Filter vorrangig als Photoshop-Plug-in werden Sie als größte Veränderung das leichtere, erneute Anwenden von Einstellungen per „Zuletzt verwendet“ wahrnehmen. Clear-View und die neuen Körnungsvorgaben sind wirklich nett, machen den Braten aber auch nicht fett.
  • Nutzen Sie die Nik Collection vorrangig in Lightroom Classic werden Sie von diesem Update wahrscheinlich am meisten profitieren. Denn nie war es so einfach Nik-Filter – auch in Kombination – auf größere Mengen von Bildern anzuwenden.

Unter uns: Hätte es die neue Oberfläche von Viveza und Color Efex für alle Filter gegeben, sowie eine native Unterstützung für Apple Silicon, und wäre das Selective Tool endlich ein natives Photoshop-Panel geworden, wäre das Update zum aufgerufenen Preis eine wirklich runde Sache gewesen. So bleibt mir selbst mit dem vergünstigten Update-Preis gerade ein etwas fahler Nachgeschmack (seit der Übernahme der Nik Collection von Google durch DxO Ende 2017 gab es keine wirklich essenziellen Neuerungen) und ich kann mir die Investition eigentlich (wieder einmal) nur mit einer gut gemeinten Vorauszahlung auf die Zukunft der Collection schönreden.

Zeig mehr

Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

Ähnliche Artikel

Loading comments...
Das könnte Dich interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"