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Energiesparen beim Fotografieren

DSLR-Besitzer haben es gut: Dieser Kameratyp zeichnet sich durch einen sehr geringen Energieverbrauch aus und mit einer einzigen Batterieladung kommt man recht weit. Wer dagegen mit einer spiegellosen Systemkamera fotografiert, ist den bangen Blick zur Batterieanzeige gewohnt und geht nur mit Ersatzakkus aus dem Haus. Was verursacht den Energiehunger und wie kann man ihn dämpfen? Lesen Sie dazu: Energiesparen beim Fotografieren!

Energiesparen beim Fotografieren
Energiesparen beim Fotografieren: Der bange Blicke zur Akkuanzeige! Wie viele Aufnahmen habe ich noch, bis sich die Kamera abschaltet?

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als DSLRs erschwinglich wurden und wir alle von einer Kompaktkamera auf eine digitale Spiegelreflex umstiegen. Überrascht stellte man fest, dass die vergleichsweise großen und schweren DSLRs, die zudem einen größeren Sensor als die Kompaktkameras hatten, mit einer Batterieladung quasi ewig durchhielten. Für meine bis dahin genutzte Bridgekamera hatte ich zusätzlich zum mitgelieferten Akku noch zwei weitere gekauft, und wenn ich die Kamera intensiv nutzte, steckte am Ende des Tages der dritte Akku im Batteriefach. Meine erste DSLR hielt mit einem einzigen Akku länger durch.

Das lag nur zum Teil daran, dass die Akkus oft größer waren und eine höhere Kapazität hatten. Eine DSLR verbraucht zwischen zwei Aufnahmen sehr wenig Strom, denn in dieser Zeit wird der Sensor nicht genutzt und der Prozessor hat kaum etwas zu tun. Nur die Grundfunktionen der Kamera und die Belichtungsmessung tragen etwas zum Energieverbrauch bei. Das Sucherbild entsteht rein optisch, und selbst wenn man die Kamera ausschaltet, fallen nur die eingeblendeten Statusanzeigen weg – das Sucherbild bleibt. Erst wenn man den Autofokus aktiviert und schließlich den Auslöser durchdrückt, werden alle Komponenten aktiviert und laufen für wenige Sekunden mit voller Leistung, bis die Aufnahme gespeichert ist.

Mit den spiegellosen Systemkameras ist der Energieverbrauch in der Fotograf nun wieder angestiegen. Das schreckt aber kaum jemanden ab, denn allein dieses Marktsegment wächst derzeit noch, während die Verkaufszahlen von DSLRs stetig sinken. Wenn die spiegellose Technik so viele Vorteile bietet, müssen wir uns mit dem Stromverbrauch irgendwie arrangieren.

Anders als bei einer DSLR muss der Sensor nicht nur für die eigentliche Aufnahme, sondern während des Betriebs praktisch ständig ausgelesen werden. Das ist nicht nur für die Live-View auf dem Display oder in einem elektronischen Sucher nötig; auch die Belichtungsmessung und der Autofokus nutzen die Daten des Bildsensors, während eine DSLR dafür dedizierte Sensoren mit geringerem Energieverbrauch einsetzt. Insbesondere für die Live-View und den Autofokus ist eine hohe Bildfrequenz nötig, damit das Sucherbild ruckelfrei bleibt und der Autofokus schnell und präzise scharfstellt (und einem sich bewegenden Motiv folgen kann). Musste man sich früher manchmal noch mit 30 Bildern pro Sekunde zufrieden geben, sind es heute mindestens 60 und oft 90 oder 120 Bilder pro Sekunde.

Energiesparen beim Fotografieren
Energiesparen beim Fotografieren: Früher konnte man Strom sparen, indem man das Display abstellte und den elektronischen Sucher nutzte. Für aktuelle Modelle, deren Sucher deutlich höher als das Display auflösen, gilt das nicht mehr. (Bild: Fuji)

In der Digitalelektronik hängt der Stromverbrauch vor allem von den Schaltvorgängen ab. Jedes Bit, das zwischen 0 und 1 wechselt, bedeutet einen Schaltvorgang. Je höher die Bildfrequenz, desto höher ist daher auch der Stromverbrauch, was umgekehrt bedeutet, dass man die Batterielaufzeit verlängern kann, indem man die Bildfrequenz reduziert. Auch die Auflösung der Live-View hat einen großen Einfluss auf den Energiehunger. Vor rund 15 Jahren war es eine Erfahrungstatsache, dass man Strom sparen konnte, indem man statt des Displays einen elektronischen Sucher nutzte. Diese Regel, die bis heute oft kolportiert wird, gilt aber schon seit Jahren nicht mehr. Elektronische Sucher haben heutzutage eine Auflösung von 2,4 Millionen Bildpunkten und mehr, während eine typische Displayauflösung bei einer Million Bildpunkten liegt. Eine höhere Auflösung bedeutet mehr Schaltvorgänge – nicht nur im Display selbst, sondern auch im Prozessor, der ja erst einmal Live-Bilder in der geforderten Auflösung erzeugen muss. Daher spart es Strom, das Display gegenüber dem Sucher zu bevorzugen, was auch die von den Herstellern ausgewiesenen Batterielaufzeiten nach CIPA belegen, sofern sie nach Sucher- und Displaynutzung differenzieren.

Wenn man mit einer neuen Kamera erste Erfahrungen sammelt, kommt man mit einer Akkuladung zunächst nicht weit. Das liegt nicht allein daran, dass ein neuer Lithium-Ionen-Akku erst nach ein paar Ladezyklen seine volle Kapazität erreicht, sondern auch am Verhalten des Fotografen. Man hangelt sich lange durch die oft komplexen Menüs, um die besten Einstellungen zu finden, und kontrolliert jede Aufnahme ausgiebig auf dem Display. Beim routinemäßigen Einsatz der Kamera macht man das später nicht mehr, weshalb die Batterielaufzeit steigt. Wenn man im Serienbildmodus ein Foto nach dem anderen schießt, kommt man leicht auf eine größere Bildausbeute pro Akkuladung, als sie der Hersteller verspricht, der die Batterielaufzeit nach dem standardisierten CIPA-Prozedere ermittelt hat.

Energiesparen beim Fotografieren: Generell empfiehlt es sich, nicht zu viel herumzuspielen. Die schnelle Schärfenkontrolle nach der Aufnahme kann nützlich sein, aber man muss die Aufnahmen nicht schon auf dem Kameradisplay sichten und misslungene Bilder löschen. Das macht man besser später am Computer. Eine schnelle Aktivierung des Ruhezustands – beispielsweise nach zwei Minuten Inaktivität – ist nützlich, zumal sich die meisten Kameras sehr schnell aus dem Ruhezustand aufwecken lassen. Oder man schaltet die Kamera selbst in kürzeren Pausen ab, denn auch die Wartezeit zwischen Einschalten und Aufnahmebereitschaft ist durchweg nicht länger.

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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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2 Kommentare

  1. Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Energiehunger dieses Kamerakonzepts nicht unerwartet kommen kann. Wenn Leute Elektroautos nur bedingt kaufen, weil eben die Reichweite der Batterien bei weitem nicht an die von Verbrennungsmotoren herankommt, dann bemühen sich Konstrukteure um Lösungen. Werden die nicht gefunden, dann gibt es eben einen beschränkten Kundenkreis.
    Die spiegellosen Kameras werden mit dem geringen Gewicht und den kleinen Abmessungen beworben, nur, die Objektive sind gerade mal um vielleicht 2 cm kürzer, haben sie die selbe Bildqualität wie von DSLRs, so sind sie praktisch gleich schwer und groß, nur mit dem Unterschied, dass der Gesamtschwerpunkt weit vorne im Objektiv liegt. Außerdem hat man bei so einem kleinen Gehäuse auch keinen richtigen Halt. Für mich war der Unterschied zwischen der Sony A7RII und der A7RIII schon sehr groß, denn das Gehäuse der A7RIII ist deutlich größer und liegt damit besser in der Hand.
    Und man gewöhnt sich ja auch an die ziemlich bescheidenen Farben des Suchers, genau so, wie man sich an die schlechtere Tonqualität einer einfachen Tonanlage gewöhnt. Doch wenn man sie an einem Ort abwechselnd mit dem Sucherbild einer Canon 5DSR vergleicht, fallen einem die miserablen Farben eines LED-Suchers im Vergleich mit den echten Farben eines Suchers einer DSRL sehr unangenehm auf.
    Also, wenn man eine spiegellose Kamera anbietet, dann reicht ein um ein paar Prozent stärkerer Akku nicht aus, der muss dann eben auch, wie bei einer DSLR vergleichbarer Qualität für einen gleich langen Gebrauch reichen. Ganz einfach.

  2. Das ist für mich ein „Sommerloch-Thema“.
    Ich nehme einfach einen Ersatzakku mit, den habe ich auch mit meiner DSLR immer dabei.
    Und mit ein-zwei Handgriffen sind diese ausgetauscht. Ganz einfach.

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