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Der Streit um die Passfotos

Der Streit um die Passfotos
Der Streit um die Passbilder. Foto: Adobe Stock #114695660 und #72143466Der

Laut einem Gesetzentwurf des Bundesinnenministeriums von Horst Seehofer (CSU) sollten Passbilder nur noch auf dem Amt gemacht werden dürfen – also durch die Behörde selbst – und nicht mehr bei einem Fotografen. Daran gab es von Fotografen massiven Protest. Die Union rudert nun in diesem Streit zurück und erwägt eine Entschärfung der Reform. Der Streit um die Passfotos, worum gehts?

Worum geht es genau?

Die Gesetzesänderungen soll Bildmanipulationen ausschließen. Ein Beispiel wäre das Kombinieren zweier Gesichter zu einem neuen („Morphing“), wodurch der Pass dem Inhaber und der Person mit den geborgten Gesichtselementen einen Grenzübertritt ermöglichen würde.

Alternativen?

Aber mal Hand aufs Herz: Kann eine Behörde die Authentizität eines Fotos nicht auch prüfen, indem ein Mitarbeiter das Passbild einfach mit dem Gesicht des anwesenden Antragstellers vergleicht? Relevante Unterschiede sollte doch jeder Mensch sehen können – immerhin ist die angeborene Gesichtserkennung immer noch besser als die maschinellen, die sich da viel leichter austricksen ließen. Denn genau letzteres ist das Problem an der ganzen Geschichte, also die Bildverarbeitungssysteme zur Passbildkontrolle.

Statt also den Fotografen einen wesentlichen Standfuß des Tagesgeschäfts zu nehmen, teure Fotoautomaten in die Ämter zu stellen und die Beamten zusätzlich mit Arbeit zu belasten, sollten sich doch Alternativen finden lassen. Immerhin werden auch Steuerdaten heute nicht mehr per Brief übermittelt, sondern per Sicherheitsschlüssel und Passwort in elektronischer Form. In ähnlicher Weise könnten authorisierte Fotografen auch die Bilder an die Behörde übermitteln.

Noch schöner wäre aber natürlich, wenn die Bildverarbeitungssysteme zur Passbildkontrolle verbessert würden, und Bildmanipulationen identifizieren können. Genau daran arbeiten KI- und Biometrie-Experten mit der Hilfe von Machine Learning bei Adobe oder im Fraunhofer-Institut für graphische Datenverarbeitung (IGD), das Teil des nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit Athene ist. Dann hätte sich der Streit um die Passfotos durch eine technische Lösung erledigt

Das dann eineiige Zwillinge aber denselben Pass benutzen, lässt sich auf keinem Wege ausschließen. 😉

Viele Grüße,

Olaf

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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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