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Ausstellung zum DOCMA Award 2017 eröffnet

Ausstellung zum DOCMA Award 2017 eröffnet

Eröffnungsrede zum DOCMA Award 2017 von Museumsdirektur Helmut Gold | alle Ausstellugsfotos: Christian Thieme

 

Fast zwei Jahre Vorbereitungszeit für den DOCMA Award 2017 – für Organisatoren und Teilnehmer/innen, Sponsoren und Museum. Am 27. September wurde die Ausstellung im Frankfurter Museum für Kommunikation schließlich eröffnet. Ein Bericht zur Vernissage.

Machen wir’s mal wie bei der Bundestagswahl. Noch bevor die erste Frage zur DOCMA Award Ausstellung beantwortet wird, räuspern wir uns vernehmlich und sagen: „Wir werden gern gleich ausführlich darauf zu sprechen kommen – aber erlauben Sie uns zunächst, uns bei den vielen Helfern überall im Lande zu bedanken: In erster Linie bei den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, ohne deren Arbeit an mehr als 1000 eingereichten Werken diese Wände leer geblieben wären; bei allen, die mit der Organisation und Präsentation des Wettbewerbs befasst waren, und schließlich auch bei den Sponsoren, die mit ihren wertvollen Sachprämien – und zum ersten Male auch einem hohen Barpreis – die Beteiligung am DOCMA Award zusätzlich reizvoll gemacht haben.“

Das mit den Sponsoren sagen allerdings nur wir. Oder erinnern Sie sich, dass Parteienvertreter in TV-Runden verkünden, sie hätten ihre bunten Wahlplakate nur deswegen drucken lassen können, weil große Konzerne die Kosten dafür übernommen haben, damit die Partei ihre Interessen bei künftigen Gesetzgebungsmaßnahmen angemessen berücksichtigt?


DOCMA Award Verleihung in Frankfurt


Seit vielen Jahren finden die Ausstellungen zum DOCMA Award im Frankfurter Museum für Kommunikation statt. Und so spricht auch Museumsdirektor Dr. Helmut Gold traditionell die einführenden Worte. Doch zuvor herrschte erst einmal großes Bangen: Noch 15 Minuten vor dem geplanten Veranstaltungsbeginn war nicht ein einziger Besucher erschienen. Hatte es mit dem Versenden der Einladungen nicht geklappt? Wollten die Gäste, ein paar Tage nach einer anderen Eröffnung, nicht schon wieder ins Museum kommen? Obwohl es doch nach den Reden gratis Getränke und Knabberzeug gab?

Ausstellung zum DOCMA Award 2017 eröffnet

Doc Baumann erläutert das Thema des DOCMA Award s 2017 vor dem Hintergrund von zweieinhalb Jahrtausenden Kunstgeschichte – hier mit Hinweis auf Lessings wichtigen Aufsatz „Laokoon“

Doch dann, kurz nach 18:45 Uhr, rief der freundliche Herr vom Empfangstresen: „Soll ich die Türen jetzt aufmachen?“ Ach so! Und dann füllte sich der Raum in wenigen Minuten; etliche blieben sogar außerhalb auf der Empore stehen, weil keine Sitzplätze mehr frei waren.

Also, Einführungsansprache von Dr. Gold, kurze Musikeinlage eines Gitarren-Duos, danach Doc Baumann mit seinem einleitenden Referat zum DOCMA Award 2017, in dem er dem Publikum unter anderen erläuterte, was dieser Wettbewerb ist und wie er sich entwickelt hat, welche Teilnehmerkategorien es gibt, wie die Jury arbeitet und so weiter.

Seine Rede begann allerdings mit einer geheimnisvollen Frage: „Stellen Sie sich vor, Sie sind nachts ganz allein in einem Museum, umgeben von hunderten Gemälden. Keine murmelnden Besucher, keine kichernden Schulklassen. Bleiben Sie still stehen und lauschen Sie. Was hören Sie?“ Wirkungsvolle Pause, alle denken nach. „Sie hören … nichts!“ Natürlich nicht. Aber was ist daran so spannend? Niemand hätte anderes erwartet.

„Das zeigt …“ (auf der Leinwand erscheint das Bild einer leeren Schultafel, auf der sich langsam ein Satz bildet), „ – die Behauptung ‚Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte‘ ist falsch. Es sagt gar nichts. Mal ganz abgesehen davon, dass es – wenn schon, denn schon – heißen müsste: 1000 Wörter, wie jeder Deutschlehrer weiß.“

Und dann ging es im Galopp durch zweieinhalbtausend Jahre Kunstgeschichte: Allegorien der Künste in Frauengestalt, der Wettstreit um die naturgetreueste malerische Wiedergabe der Griechen Zeuxis und Parrhasios, später der Paragone, der Wettstreit der Künste – ist die Malerei edler als die Bildhauerei oder umgekehrt? – bis hin zu Lessings Schrift von 1766 „Laokoon“, wo es um Dichtung und bildende Kunst geht, oder mit heutigen Worten: um das Verhältnis von Text und Bild. Dann noch ein kurzer Abstecher zu Magrittes Gemälde „Der Verrat der Bilder“: das Abbild einer Pfeife mit der Unterschrift „Dies ist keine Pfeife“, ein paar mögliche Varianten von Text und Bild, oder mit Lessing: Texte geben in aufeinanderfolgenden Wörtern aufeinanderfolgende Abschnitte von Handlungen wieder – Bilder in nebeneinanderstehenden Elementen sichtbare Objekte. Das eine lässt sich nicht ohne weiteres in das andere übersetzen. Daher gibt es streng genommen weder eine „Sprache der Bilder“ noch können diese lügen.

Und so, nach einem Umweg über zweieinhalb Jahrtausende, waren wir plötzlich unerwartet beim DOCMA Award 2017 und seinem Thema Super-Short-Story-Telling gelandet. Noch ein paar ältere Beispiele – der Tod des Herkules in drei nacheinander folgenden zeitlichen Stationen auf einem Kupferstich vereint, ein Rembrandt-Gemälde aus dem benachbarten Städel-Museum, die Blendung des Samson, mit einem ähnlichen Aufbau –, und damit war der Übergang zu den besten Einsendungen zum Wettbewerb geebnet.

Ausstellung zum DOCMA Award 2017 eröffnet

Dieses Bild wählte die Jury als Gesamtsieger: Florian Janssens „Verschwunden“

 


DOCMA Award 2017: Die Gewinner/innen


Nun bat Doc Baumann die anwesenden Sieger/innen auf Platz 1 bis 3 der vier Teilnehmerklassen nach vorn (wie immer Lehrlinge, Gesellen und Meister, dazu der Adobe Stock Sonderpreis). Von diesem Dutzend waren immerhin acht preisträger erschienen:

Baridpourreza (Meister, 1. Platz), Flint Stelter (Gesellen, 1), Brigitte Kuckenberg-Wagner (Gesellen 2), Thiess Carstens (Gesellen 3), Florian Janssen (Lehlinge 1), Sabine Karko (Lehrlinge 2), Andrea Birnkammer (Adobe Stock 1) sowie Ludwig Wiese (Adobe Stock 2). Anwesend waren darüber hinaus noch weitere Gewinner.

Ausstellung zum DOCMA Award 2017 eröffnet

Die Preisträger erläutern ihre Werke

Nun wurden die Super-Short-Stories vorgelesen, das entsprechende Bild dazu gezeigt, und jede/r erzählte ein wenig vom Zustandekommen seines Werkes.

Erstmals gab es beim DOCMA Award 2017 einen sehr ansehnlichen Barpreis in Höhe von 5000 Euro für das Bild, das die Jury als das beste von allen bewertet hatte – gestiftet von Stefan Schmitt von Nopar international; der Gewinner: Florian Janssen aus der Gruppe der Lehrlinge. Herzlichen Dank für dieses Sponsoring an Nopar, ebenso wie an Adobe, Wacom, Eizo, Fujifilm, Sigma, Horizonte Zingst, Datacolor, Juicy Walls Erfurt, Epson und das Museum für Kommunikation.

Ausstellung zum DOCMA Award 2017 eröffnet

Stefan Schmitt von Nopar international (vorn rechts) überreicht dem Gesamtssieger Florian Janssen den Scheck für den Hauptpreis in Höhe von 5000 Euro.

Danach gab’s noch mal Musik, und damit war die Ausstellung eröffnet, alle strömten in den Ausstellungsraum, schauten sich die an der Wand hängenden Werke an, blätterten in den großformatigen Fotobüchern mit weiteren Arbeiten, die es ebenfalls geschafft hatten, die Jury zu überzeugen, und diskutierten mit den anwesenden Preisträger/innen.

Ausstellung zum DOCMA Award 2017 eröffnet

… und schließlich der Dank an die Sponsoren

Zum Abschluss des Abends – inzwischen ein Ende mit Tradition – lud der begeisterte Frankfurter DOCMA-Leser Manfred Berger die Redaktion zu einem nächtlichen Essen in ein wenige Schritte entferntes Nobel-Restaurant ein. Auch an ihn unser Dank!

 


Ausstellung zum DOCMA Award 2017 eröffnet


Die Ausstellung mit den besten Arbeiten zum DOCMA Award 2017 ist noch bis zum 19. November 2017 in Frankfurt zu sehen. Zeitgleich beginnen wir bereits mit den Vorbereitungen des nächsten Wettbewerbs. Wenn Sie eine Idee für ein anspruchsvolles, aktuelles und gut umsetzbares Thema für den nächsten Award haben: Immer her damit! Vielleicht Bildfälschungen bei Bundestags-Wahlwerbung? Dafür hat die AfD ja noch kurz vor der Stimmabgabe ein schönes Beispiel geliefert; dazu mehr im nächsten Beitrag.

Ausstellung zum DOCMA Award 2017 eröffnet

Die Ausstellung zum DOCMA Award 2017 ist eröffnet und wartet auf Ihren Besuch. Die Werke der Hauptpreisträger hängen an den Wänden; weitere von der Jury gut bewertete Arbeiten können Sie sich in großformatigen Fotobüchern anschauen.

PS: Nachtrag. Trotz des Erfolgs sind wir ein klein wenig enttäuscht. Wir hatten am Eröffnungstag der Ausstellung – natürlich mit Absicht sehr kurzfristig – auf Facebook dezent darauf hingewiesen (27.9., 16:09 und 17:35), dass wir einen besonderen Gast in unserer Runde begrüßen durften. Sein Foto war eigentlich eindeutig, auch die Hinweise darauf, dass er keine Interviews geben würde, eine längere Anreise hinter sich hatte, sich die Bundesregierung nicht mit einem Ayslverfahren, seine Person betreffend, befasst hat, und dass er nicht vor einen Bundestags-Untersuchungsausschuss geladen worden war – all dies hätte eigentlich genug Aufmerksamkeit erregen sollen. Wir wollten ja nicht zu dick auftragen und haben deswegen extra NSA, Moskau und den Namen S… nicht erwähnt. Dass diese Meldung aber so gut wie niemanden interessiert hat, fanden wir schon überraschend.

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  1. gerke

    Mit Spannung und Vorfreude habe auch ich die Siegerbilder des DOCMA Award 2017 erwartet (warum sind die Siegerbilder eigentlich bis anhin nur auf Facebook zu sehen?).

    Es hat tatsächlich einige grossartige Arbeiten – allerdings hat es auch Bilder in den vordersten Rängen, die normalerweise in Doc Baumanns gefürchteter Bildkritik «mit Schimpf und Schande abgestraft» worden wären!? Genügt schon eine «witzige» Bild-Idee? Müssten nicht – zumindest in gleichem Mass – auch «bildbearbeiterische Fähigkeiten» honoriert werden? So schreibt auch das Portal Main-Echo: « … freilich sind nicht alle preisgekrönten Arbeiten gelungen – da ließe sich trefflich streiten zwischen der 16-köpfigen Jury und dem Besucher.» Auch der ausführliche Jury-Bericht in DOCMA 78 liess eigentlich erwarten, dass hier mit höchsten Massstäben gemessen würde; und der Doc höchstpersönlich hatte im Blog vom 18.6.17 mangelnde Qualität vieler Einsendungen beklagt (https://www.docma.info/blog/gnadenlose-docma-award-jury).

    Sollte DOCMA seine eigenen hohen Standards hier nicht konsequenter anwenden? Ganz im Sinne des von «die Welt» verliehenen (und verpflichtenden) Etikettes: «renommiertester Wettbewerb für digitale Kunst im deutschsprachigen Raum».

    Sieht man sich die Qualität aller Arbeiten kategorie-übergreifend an, darf man das System der Unterteilung in Meister/Geselle/Lehrling in Frage stellen. Es ist zwar eigentlich schon klar: gemeint ist ein Meister, Geselle oder Lehrling in Bezug auf dessen Beherrschung von Photoshop & Co. Doch – nach welchen Kriterien kann man sich selber ehrlich, realistisch und passend in eine dieser Kategorien einsortieren? Wer 20 Jahre beruflich mit Photoshop arbeitet, muss nicht zwingend «meisterlicher» sein als ein 22-jähriger talentierter Kunstschüler, oder jemand der in seiner Freizeit mit Leidenschaft photoshoppt, vielleicht einige Einführungs- und Fortgeschrittenen-Kurse absolviert und auch noch jeden DOCMA-Workshop nachbaut (er wird wohl über kurz oder lang zum «Meister» werden und jedem «Profi» das Wasser reichen können). Ein erster Schritt wurde beim diesjährigen Award mit dem kategorien-übergreifenden 5000-Euro-Sonderpreis gemacht … da stellt sich die Frage: müsste man die aktuelle Unterteilung nicht ganz weglassen und alle – unabhängig ihrer Fähigkeiten/Ausbildung – demselben Massstab unterziehen? Oder könnte man die Arbeiten anders klassieren und bewerten: z.Bsp. Fotografie, Grafik, 3D und Montage?

    Die Diskussion ist eröffnet …

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