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Olympus OM 200/5 beim Zoll abholen

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Ein in Japan bestelltes Olympus OM 200/5 bescherte mir einen unvergesslichen Besuch beim Zoll. Bereits die Ankunft auf dem Gelände war ein Erlebnis: Ein in die Jahre gekommenes, schmuddeliges Sichtbeton-Bauwerk, an einer Ausfallstraße in Ingolstadt gelegen, direkt dahinter Bahngleise.

Olympus OM 200/5 beim Zoll abholen

Ohne die bunten, auf dem Rundkurs ums Gebäude gereihten Zugmaschinen aus aller Herren Länder, bestückt mit konventionellen Aufliegern oder Containern, hätte das Gebäude längeren Leerstand vermuten lassen. Den Weg durch die Wagenburg bahnend, auf der Suche nach dem Eingang für Fußgänger, offenbarte der graue Klotz auf seiner Rückseite eine Laderampe und reges Treiben.

Herz der Finsternis

Innen herrschte atmosphärisch düstere Souterrain-Stimmung: nackte Betonwände, vergitterte Fenster und kaltes Leuchtstoffröhren-Licht. Dazu Stimmengewirr wie auf einem orientalischen Basar, garniert mit vielsprachigen und aufgeregt klingenden Handy-Telefonaten nah am Eingang.

Ein Nummernsystem versprach, nach der Anmeldung am Schalter 1, die Reihenfolge der nächsten Schritte zu regeln – was überraschend gut funktionierte. Aus einem Nebenraum wurden kleinere Pakete über den Flur in ein anderes Zimmer getragen, eine Nummer aufgerufen, zum einzeln Eintreten aufgefordert und die Tür wieder geschlossen. Im Verhörton nach Art und Beschaffenheit des Inhalts befragt, musste ich dann das mir vorgelegte Päckchen unter Aufsicht öffnen. Ein Objektiv Olympus OM 200/5 wurde mit dem eBay-Kaufbeleg verglichen, die Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung abgeschätzt – und abschließend das Füllmaterial der Verpackung inspiziert. Die gebrummte Aufforderung schickte mich zum weiteren Warten an Schalter 2, klar als Kasse gekennzeichnet. Nach Zahlung von 19 Prozent Einfuhrsteuer, erhoben auf die Summe aus Kaufpreis zuzüglich Porto, erhielt ich mein Paket, durfte den finsteren Ort wieder verlassen und konnte mich in der Sonne meines gut erhaltenen 50-Euro-Schnäppchens erfreuen.

OM200-5. Olympus OM 200/5 beim Zoll abholen
Neben seiner Offenblendentauglichkeit gefällt das Olympus OM 200/5 durch seine sehr geringe chromatische Aberration, die sich in Lightroom leicht beseitigen lässt.
OM200-Buhnen. Olympus OM 200/5 beim Zoll abholen
Freihandtauglich bleibt das Olympus OM 200/5 auch an kleinen Kameras ohne Bildstabilisator (Fuji X-T10, 1/500 s, ISO 200).

Gut vorbereitet zum Zoll

Wer die Aufforderung erhält, seine Ware beim Zoll abzuholen, ist gut beraten, einen Kaufbeleg vorweisen zu können, der keine Zweifel zu Preis und Porto aufkommen lässt. Die ausgedruckte eBay-Seite „Einzelheiten zum Kauf“ erfüllt diesen Zweck. Sind Kosten in einer Fremdwährung ausgewiesen, werden sie nach einem vom Zoll festgelegten Kurs umgerechnet. Übersteigt der Wert 150 Euro, fallen zusätzliche Gebühren an, die unter anderem von Warengruppe und Herkunftsland abhängen.

OM200-Sonne. Olympus OM 200/5 beim Zoll abholen
Olympus OM 200/5: Für Sonnenuntergänge ist eine lange Brennweite fast immer von Vorteil, hier an einer Lumix GX7. Durch den Crop-Faktor der Kamera ergeben sich 400 Millimeter äquivalente Brennweite.

Warum ein Olympus OM 200/5 kaufen?

Die geringe Lichtstärke klingt keineswegs rekordverdächtig, doch das Objektiv ist dadurch vergleichsweise klein, 380 Gramm leicht und handlich. Es ist unwesentlich größer als das OM 135/3.5, welches hier vorgestellt wurde. Zudem kann auch die Schärfe vom 200er bereits bei Offenblende überzeugen und chromatische Aberrationen treten selbst auf spiegelnden Metallkanten im harten Licht kaum auf. In Verbindung mit einer MFT-Kamera ermöglicht das Objektiv unauffälliges Fotografieren – mit 400 Millimeter äquivalenter Brennweite. Technische Details, Meinungen und Mythen zum Olympus 200/5 finden sich hier.

OM200-Sigma400. Olympus OM 200/5 beim Zoll abholen
Das Olympus OM 200/5 ist klein und handlich.
OM200 Optionen.
An Kameras mit kleinem Sensor eröffnen sich durch die große äquivalente Brennweite ungewöhnliche Perspektiven.

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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

4 Kommentare

  1. Kann den Bericht bezüglich Zollabholung bestätigen.
    Mein Erlebnis war ähnlich, als ich einige Autoersatzteile aus Amiland beim Zollamt meiner Kreisstadt abholen wollte:
    Resignierte Menschen in apokalyptischer Kulisse.
    Mein Tipp: Es gibt Firmen, oftmals Speditionen, die diese komplette Abwicklung gegen eine moderate Gebühr in die Hand nehmen und einem die Ware auch noch ins Haus liefern.
    Nicht nur was die Digitalisierung oder Zustand der baulichen Infrastruktur, z.B. Brückenbauwerke angeht, auch was öffentliche Verwaltung betrifft:
    Wir wurden zu einem Entwicklungsland gemacht.

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