Buchbesprechung

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Am Anfang war das Bild – EC Comics

Falls der gewaltige Bildband zum Thema Fantasy Art, den ich Ihnen im letzten Blog-Beitrag vorgestellt hatte, Ihr Interesse gefunden haben sollte, möchte ich heute einen nicht weniger gewaltigen über die Geschichte der EC Comics nachreichen. Auch er eignet sich bestens als opulentes Weihnachtsgeschenk – diesmal für alle Comic-Fans. p. 508 Detail from the cover of Three Dimensional Tales from the Crypt of Terror No. 2, Spring 1954. Art by Al Feldstein. Copyright: TM & © William M. Gaines Agent, Inc. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass jene Horror-, Science Fiction- und Crime-Comics, die Mitte der 50er Jahre in den USA zur Gründung der „Comics Code Authority“ – also einer vorgeschalteten Selbstzensur – geführt haben, ausgerechnet von einem kleinen Verlag…

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Rembrandts Selfies

Es ist das Jahr der Malergiganten-Todestage: Erst 500 Jahre Leonardo (am 2. Mai), dann am 4. Oktober 350 Jahre Rembrandt van Rijn. Passender Anlass für den Taschen Verlag, um gleich drei große Bände zum Werk dieses Künstlers herauszubringen: Einer mit dem graphischen, ein weiterer mit dem malerischen Werk, sowie ein dritter Band, der ausschließlich seinen Selbstporträts, sozusagen „Rembrandts Selfies“, gewidmet ist. Doc Baumann hat ihn für Sie angeschaut. Lassen Sie mich damit beginnen, wie ich Rembrandt als großen Künstler entdeckt habe. Ich muss damals so etwa 12 oder 13 gewesen sein und verbrachte nach der Schule viele Nachmittage im Kasseler Museum. Mal schaute ich mir die Steinzeit-Werkzeuge an, dann saß ich vor der Marmorstatue des Apolls und zeichnete sie in…

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Digitale Auferstehung der Antike

Digitale Auferstehung der Antike? Die Idee, archäologische Stätten digital zu rekonstruieren und so zu einer visuellen „Auferstehung der Antike“ beizutragen, ist eigentlich zu begrüßen. Dank 3D-Technik werden so jahrtausendealte Gebäude und Ortschaften wieder zum Leben erweckt. Leider hat Doc Baumann an dem gut bebilderten Buch jedoch einiges auszusetzen. Wie mag es hier wohl damals ausgesehen haben – zu jener Zeit, als Tausende Menschen zwischen den Gebäuden ihren täglichen Verrichtungen nachgingen? Diese Frage stellen sich Tourist/innen immer wieder, wenn sie durch ausgegrabene Orte schlendern. Von deren Häusern und Tempeln sind oft nicht mehr als ein paar Grundmauern und herumliegende Säulen übrig geblieben. Um zu erahnen, welcher Anblick sich vor Jahrtausenden an solchen Stätten bot, fehlt den meisten von uns vielleicht nicht…

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Wie machen Sie Informationen sichtbar?

Stellt man Kunstwerke nicht allein der Kunst wegen her, so macht man sich in der Regel Gedanken darum, wie sich für Betrachter am besten Informationen sichtbar machen lassen – Zusammenhänge, Entwicklungen, Absichten … Ein gerade erschienenes Buch zeigt erstmals die lange Geschichte der Informationsgrafik auf. Sie lernen dabei nicht nur, wie Visualisierung funktioniert, sondern auch, dass Menschen sie schon seit vielen Jahrhunderten gezielt eingesetzt haben. Manche Menschen machen Kunst um der Kunst willen. Das Schlagwort „l’art pour l’art“ entstand bereits Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Derartige Kunst ist im Wortsinne selbstgenügsam; sie verzichtet auf die Wiedergabe sichtbarer Realität, überhaupt weitgehend auf jeglichen Bezug zu ihr. Es reicht ihr – und ihren Produzent/innen –, reine Form zu sein und als…

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Londons Swinging Sixties

Ein gerade erschienener Fotoband lässt das Lebensgefühl der Swinging Sixties in London wieder aufleben. Die Aufnahmen des Fotografen Frank Habicht – darunter etliche Promi-Porträts – vermitteln viel vom damaligen Lebensgefühl und vom Kontrast der Welt der Rebellen zu ihrem konservativen Umfeld. Doc Baumann hat sich das Buch für Sie angeschaut. Es war schon einmal so schlimm wie heute, vor langer Zeit. Der Unterschied zwischen den Swinging Sixties und der Gegenwart ist, dass wir damals gerade versuchten, uns von alten Zwängen und autoritären Strukturen zu befreien, während wir derzeit wieder in diese düsteren und bedrückenden Zustände zurückfallen – genauer: einige uns allzu gern dorthin zurücktreiben wollen (Stichwortgeber Meuthen: seine AfD wolle „weg vom links-rot-grün verseuchten 68er-Deutschland“. ). Während vor einem halben…

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Schöne, schlimme Verpackungen

Verpackungen sind eine ökologische Sünde. Ihre wichtigste Funktion ist der Kaufanreiz, und nach dem Erwerb oder Verbrauch fliegen sie in die Tonne. Dabei werden nicht nur ästhetisch bemerkenswerte Gestaltungen entsorgt, sondern zugleich Abermillionen Tonnen Kunststoffe und Verpackungsmüll. Designer und die Herausgeber dieses Bildbandes haben natürlich nur den ersten Aspekt im Blick. Vor dem Geschenke-Marathon der kommenden Festtage können Sie sich in diesem Buch bei Bedarf Anregungen für eigene kreative Verpackungen holen. „Es gibt eine feine Linie zwischen Kunst und Verpackung“, schreibt einer der Autoren am Anfang dieses Buches. Da Verpackungsdesign keine andere Aufgabe hat als die, Produkte – wertig oder nicht – edel aussehen zu lassen, also ein reines Vermarktungsinstrument ist, sähe es um die Kunst nicht gut aus, träfe diese…

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Die Geschichte des Graphic Design von 1960 bis heute

Bereits Ende Mai hatte ich Ihnen den ersten Band der Geschichte des Graphic Design aus dem Taschen Verlag vorgestellt. Er deckte die Entwicklung von 1890 bis 1959 ab. Nun ist der damals angekündigte zweite Band erschienen, der die Zeit bis zur Gegenwart vorstellt. Der großformatige Bildband präsentiert Ihnen in Tausenden von Illustrationen mit wegweisenden Beispielen aus den letzten 60 Jahren. Abgesehen von dem Zeitraum, den dieser zweite Band der Geschichte des Graphic Design abdeckt, ist es schwierig, etwas grundlegend anderes darüber zu schreiben als über den im Frühling dieses Jahres erschienenen ersten. Daher werde ich mich hier in Teilen selbst zitieren müssen, da alle Vorzüge, die ich seinerzeit erwähnt hatte, auch auf die neue Ausgabe zutreffen. Weil die Bildbeispiele aus…

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Fotos kolorieren: Handarbeit schlägt neuronales Netz

Schwarzweißfotos einzufärben ist eine mühsame Angelegenheit. Der handwerkliche Aufwand ist erheblich, die Recherche noch mühsamer, wenn die Farben wirklich stimmen sollen. Doc Baumann hat sich das neue Buch „Die Welt von gestern in Farbe“ angeschaut und die dort abgedruckten Ergebnisse mit den Einfärbungen eines neuronalen Netzes verglichen. Das Buch „Die Welt von gestern in Farbe“ ist ein Geschichtsbuch, das mehr als 200 historische Ereignisse der Zeit zwischen 1850 und 1960 in Bild und Text dokumentiert. Warum ausgerechnet diese Jahre? Weil es ab 1850 brauchbare Schwarzweißfotos gab und nach 1960 überwiegend in Farbe fotografiert wurde. Dan Jones hat die Texte verfasst, Marina Amaral alte Fotos – das Wort Photographien wäre hier schöner – eingefärbt. Doch Fotos kolorieren ist mehr als Handwerk.…

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Die Geschichte des Graphic Design 1890–1959

  Gerade ist ein dickes und großformatiges Buch erschienen, das die Geschichte des Graphic Design vom Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in mehr als 2500 Abbildungen dokumentiert. Wozu brauchen Bildbearbeiter und Fotografen einen solchen Band? Nun, neben dem Wissen über die Entwicklung dieser Medien kann man hier viel über die Visualisierung von Ideen für eigene Projekte lernen. Und man findet zahllose Anregungen, wenn es drum geht, hinsichtlich Bildsprache und -aufbau, Farbwahl oder Typo selbst den Stil einer bestimmten Epoche aufzugreifen. Der Riesenband zeigt wieder einmal alle Vorzüge solcher Produktionen des Kölner Taschen-Verlags: Hervorragende Reproduktionen auf gutem Papier, sachkundige Texte, eine angemessene Gewichtung zwischen Überblick und Tiefgang. In diesem von Jens Müller und Julius Wiedemann herausgegebenen Buch…

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Tolle Bilder! Auch für Rennsport-Muffel

Wenn jemand, den Autos wenig interessieren und Rennsport überhaupt nicht, einen dicken Bildband über die Geschichte dieser Technik-Leidenschaft begeistert durchblättert und stundenlang – scheinbar – historische Fotos ausgiebig studiert, dann müssen sie schon bemerkenswert sein. Doc Baumann hat sich die Montagen aus Fotos und 3D-Objekten des Buches „When Motor Racing was bloody dangerous“ für Sie genauer angeschaut. Zu allem in diesem Buch, was mit der Geschichte des Rennsports zu tun hat, werde ich hier nichts schreiben. Das ist natürlich eine merkwürdige Herangehensweise an ein Buch, welches genau das zum Thema hat. Aber erstens bin ich dafür völlig inkompetent und könnte dann auch gleich ein Buch über das Beschneiden von Rosen oder über die Musik der 30er Jahre rezensieren – und…

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Farbe bekennen

  Ein Buch mit 400 Seiten zum Thema Farbe – muss das sein? Was gibt es Einfacheres und weniger Erklärungsbedürftiges als Farben? Wir sehen sie und verwenden sie in unseren Bildern. Das sollte doch ausreichen. Tut es aber nicht. Über Farbe kann man viel schreiben – und zeigen. Markus Wäger tut das in seinem Band „Das ABC der Farbe“. Doc Baumann hat es sich angeschaut.   Ich muss Farbe bekennen: Zu meinen peinlichsten Erinnerungen gehört eine vorlaute Wortmeldung in einem Kunstphilosophie-Seminar. Mein Professor hatte gerade ausgeführt, dass es Farben „objektiv“ gar nicht gäbe, und dass man daher im strengen Sinne auch nicht sicher sein könne, ob das, was die eine als „rot“ bezeichnet, von einem anderen in genau derselben Weise…

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