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Zugeschaut und mitgebaut: Kamera-Selbstbau

selbstbau: Zugeschaut und mitgebaut: Kamera-Selbstbau

Zugeschaut und mitgebaut: Kamera-Selbstbau

Anders als viele andere Technologien entstand die Digitalfotografie nicht in irgendjemandes Hobbykeller, sondern in den Labors der Industrie. Das muss nicht so bleiben, denn mit den geeigneten Komponenten könnten auch geübte Bastler unter den Bildbearbeitern eigene Projekte verwirklichen und Ideen verfolgen, an denen die Industrie noch kein Interesse zeigt.
Michael J. Hußmann gibt einen Überblick über Aktivitäten in der DIY-Szene.

Die Anfänge neuer Technologien liegen oft in der sprichwörtlichen Garage. So entwickelten die Bastler des Homebrew Computer Clubs die ersten persönlichen Computer, noch selbst gelötet und Bit für Bit selbst programmiert. Auch die Pioniere der analogen Fotografie waren erfindungsreiche Amateure, die von der Beschichtung von Glasplatten mit einer lichtempfindlichen Emulsion bis zur Entwicklung alles selber machten. Aus den Basteleien im Hobbykeller gingen nicht selten erfolgreiche Unternehmen hervor, weil die etablierten Firmen zu unbeweglich und nicht weitsichtig genug waren, das Potential neuer Technologien zu erkennen. Die Digitalfotografie hatte dagegen einen anderen Ursprung.

Als ein Kodak-Ingenieur vor 40 Jahren die erste Digitalkamera baute, war sein Labor kaum besser ausgestattet als der Keller eines durchschnittlichen Elektronikbastlers. Ein Kassettenrekorder und ein Fernseher bildeten Kernkomponenten seiner Erfindung; allein der CCD-Sensor war kein handelsübliches Bauelement. Eine Digitalkamera ist keine Mondrakete oder ein Teilchenbeschleuniger und wäre durchaus für Selbstbauprojekte geeignet, wenn man denn nur einen geeigneten Sensor beschaffen könnte. An diesem Punkt scheitern solche Projekte meist, denn CCD- und CMOS-Sensoren sind zwar frei erhältlich – allein Canon behält seine Sensoren den eigenen Kameramodellen vor –, aber generell nur bei Abnahme größerer Stückzahlen. CCDs, wie sie lange zur Standardausstattung digitaler Kleinbild- und Mittelformatkameras gehörten, finden sich im Sortiment von Truesense Imaging, einst Teil von Kodak und jüngst von ON Semiconductor (www.onsemi.com) aufgekauft. Sony (www.sony.net/Products/SC-HP) in Japan und CMOSIS (www.cmosis.com) in Belgien bieten CMOS-Sensoren in Formfaktoren bis zum Mittelformat an, aber keiner dieser Hersteller hat bisher den Kamera-Selbstbau-Bastler als Zielgruppe entdeckt.

RB-WEITWINKELKAMERA: Zugeschaut und mitgebaut: Kamera-SelbstbauSicher gibt es keinen zwingenden Grund, sich seine Kamera selbst zu bauen; die Industrie bietet ja ein breites Spektrum von Modellen an, die zu meist erschwinglichen Preisen eine für fast alle Anwendungen ausreichende Leistung bieten. Aber so wie sich manche Maler ihre eigenen Farben anrühren, kann es auch für den Bildbearbeiter reizvoll sein, den Prozess der Bildentstehung von Anfang an zu kontrollieren.

Auf der Suche nach der Kernkomponente einer Digitalkamera werden Sie dennoch fündig, wenn Sie nach der nächst größeren Baueinheit suchen – Kamera­modulen, die einen Sensor, die zur Ansteuerung und zur Digitalisierung der Sensor­signale nötige Elektronik und meist auch ein Objektiv enthalten. Fertig aufgebaute Platinen mit kleinen Sensoren im 1/4- oder 1/3-Zoll-Formfaktor werden beispielsweise von Händlern wie Conrad (www-conrad.de), Reichelt (www.reichelt.de) und Voelkner (www.voelkner.de) zu wohlfeilen Preisen zwischen 25 und 40 Euro angeboten. Ihr Output kann ein analoges Videosignal sein, aber auch ein Digitalbild, das über eine USB-Schnittstelle oder ein Interface zu Einplatinencomputern wie Raspberry Pi (www.raspberrypi.org) ausgelesen wird. Die geringe Sensorgröße und die ebenso niedrige Auflösung von meist weniger als 1,0 Megapixel lässt diese Alternative allerdings kaum attraktiv erscheinen. Die Anwendungsgebiete solcher Sensormodule liegen in der Robotik oder Überwachung, nicht in der bildmäßigen Fotografie.

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