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Farbsicherheit ist man seinen Kunden schuldig

Interview mit Microstock-Fotograf Lasse Behnke

Farbsicherheit

Lasse Behnke ist einer von Deutschlands ­erfolgreichsten Mikrostock-Fotografen und wahrscheinlich einer von wenigen, die nur Composings anbieten. Im Interview spricht er über den Weg zum Erfolg und sein wichtigstes Werkzeug.

DOCMA: Wie bist Du dazu gekommen, Fotomontagen über Stockfoto-­Anbieter zu vermarkten?

Lasse Behnke: Ich habe schon in meiner Schulzeit immer gerne mit Photoshop gearbeitet. So war es für mich eigentlich ganz logisch, auch bei Fotolia Fotomontagen anzubieten. Damals hatte ich eine Ausbildung als Mediengestalter ­begonnen und konnte in der Agentur mein Photoshop-Wissen professionali­sieren.

Von Stock war ich nach den ersten Verkäufen schnell angefixt, 3D-Tools waren später die sinnvolle Konsequenz, um meine Bilder noch stärker von den meisten anderen Angeboten abzuheben.

DOCMA: Und dann hast Du Dich gleich für eine Selbständigkeit ­entschieden?

Lasse Behnke: Nein, erst mal habe ich meine Ausbildung zu Ende gebracht. Damals verdiente ich mit Stock-Verkäufen im Monat nur ein paar hundert Euro. Aber ich hatte Blut geleckt und gemerkt, dass Fotografie und Bildbearbeitung das waren, was ich beruflich machen wollte. Es hat danach etwa neun Monate gedauert, bis ich vom Bildverkauf leben konnte und keine Gestaltungsaufträge mehr annehmen musste. Von 2012 bis Anfang 2016 habe ich dann fast ausschließlich Material für Bildagenturen produziert.

DOCMA: Wie bist Du so bekannt ­geworden? 

Lasse Behnke: 2015 bekam ich eine Mail von Calvin Hollywood. Der hatte meine Stockbilder in einem Online-Artikel entdeckt, nachgeforscht, wer ich bin, und mich dann gefragt, ob wir mal etwas zusammen machen wollten. Das war für mich die perfekte Starthilfe.

Calvin brachte mich in Kontakt mit dem Lernvideo-Anbieter Linked-In und erwähnte meinen Namen bei einigen Gelegenheiten. Die Folge waren erst einmal steigende Followerzahlen auf meiner Facebook-Seite. Später, als er mit mir ein Youtube-Video produzierte, stieg meine Reichweite massiv an. Mit dem Arbeiten in der Anomymität war es dann vorbei. Es folgten Einladungen zu Vorträgen, Seminaren und Video-Projekten. Seit einigen Jahren bin ich offizieller „Adobe-Influ­encer“, was in meinem Fall bedeutet, ich werde als Redner zu Events eingeladen und bekomme regelmäßig Aufträge aus dem Marketing.

DOCMA: Aber Du lebst auch heute noch hauptsächlich von den Stock-Verkäufen?

Lasse Behnke: Im Wesentlichen schon. Aber durch die ganze Aufmerksamkeit habe ich auch viele andere Kunden. Meist kommen sie aus der Industrie, doch ich habe zum Beispiel auch schon mit Rolf Zuckowski an einigen Projekten gearbeitet.

DOCMA: Du bist knapp über 30, es klingt jetzt fast so, als hättest Du schon alles erreicht. Was treibt Dich an? 

Lasse Behnke: Am Anfang war meine Motivation die Begeisterung darüber, dass viele Leute für meine Bilder Geld bezahlt haben. Und das, obwohl sie mir gar nicht so gut erschienen. Dann habe ich versucht, es besser zu machen – und daran arbeite ich bis heute. Ich finde immer etwas, das ich noch dazulernen kann. Erst war es die Fotografie, dann Photoshop, jetzt mache ich auch sehr viel mit Cinema 4D. Wenn ich zum Beispiel die Bilder von Uli Staiger sehe, wird mir klar, dass es gerade im Bereich 3D noch viel Entwicklungspotential bei mir gibt. Zwar beherrsche ich die meisten Tools inzwischen recht gut, aber ich werde mit meinen Bildern wahrscheinlich nie zu 100 Prozent zufrieden sein.

DOCMA: Apropos Tools: Was ist für Dich das wichtigste Werkzeug? 

Lasse Behnke: Neben der Software ganz klar der Monitor. Ich habe einen EIZO CG2730. Der bietet dank des eingebauten Kalibrierungsgeräts automatische Farbsicherheit. Ich muss nur das Zeitintervall festlegen, und dann kalibriert sich der Monitor ohne mein Zutun selbst. Das ist im professionellen Umfeld perfekt. Kürzlich habe ich das Key-Visual für Continental gestaltet. Bei solchen Jobs müssen die Farben exakt für die Druckausgabe aufbereitet sein. Das gilt natürlich auch für die Stock-Bilder. Gerade weil ich nicht weiß, auf welchen Geräten die Kunden ihre Bilder anschauen und verarbeiten, muss ich selbst sicher sein, dass die Farben, die ich sehe, auch wirklich in der Datei stecken. Wenn man als Bildkäufer zum Profi geht, darf man das doch erwarten. Das war eine der ersten Lektionen, die ich bei meiner Ausbildung in der Agentur gelernt habe. Dort hatten wir übrigens auch ausschließlich EIZO-Monitore – ich habe sozusagen auf EIZO gelernt.

Farbsicherheit
mit E I Z O

Eizo ColorEdge CG2730

Der ColorEdge CG2730 erfüllt mit seinem eingebauten Kalibrierungssensor, dem True-Black-Panel und der mitgelieferten Lichtschutzblende die Anforderungen anspruchsvoller Anwender. Er nutzt ein Wide-Gamut LCD-Module (IPS) mit einer Auflösung von 2560 × 1440 Pixeln und einem Seitenverhältnis von 16:9, das 99 Prozent des ­Adobe RGB-Farbraumes abdeckt.
Jeder einzelne EIZO ColorEdge wird im Werk präzise eingemessen. Bei jedem Gerät wird die Gammakurve vorkalibriert. Außerdem werden die Homogenität und Farbreinheit jedes einzelnen Panels ermittelt und korrigiert, um eine unverfälschte Bilddarstellung zu erreichen. Für eine besonders genaue Farbsteuerung besitzt der CG2730 einen integrierten Kalibrierungs­sensor. Dieser ist präzise auf jeden einzelnen Schirm abgestimmt und dient der ­exakten Kalibrierung und Profilierung. Er ermöglicht einen automatischen Kalibrierungsvorgang.

DOCMA: Was muss man denn nach Deiner Erfahrung – neben einem hochwertigen Monitor – noch mitbringen, um im Microstock-­Markt Erfolg zu haben?

Lasse Behnke: Da gibt es im Grund nur drei wichtige Tipps. Erstens eine bittere Wahrheit: Die Bilder, die schon auf der eigenen Festplatte schlummern, lassen sich in der Regel nicht verkaufen. Einerseits gibt es schon eine Million Sonnenuntergänge. Andererseits kann man heute im Microstock fast nur noch Motive zu Geld machen, die für einen kommerziellen Zweck produziert worden sind. Ich muss mir bei jedem Bild die Frage stellen: Wer würde dieses Bild aus welchem Grund kaufen? Wenn ich darauf keine klaren Antworten finde, gilt Tipp Nummer zwei: Suche nach Begriffen, die aus Deiner Sicht zu den Bildern auf Deiner Festplatte passen und schaue, was andere dazu anbieten. Wichtig sind vor allem die ersten Seiten der Treffer, denn hier finden sich viele Bilder, die sich gut verkaufen. Danach muss man sich die folgende Frage ehrlich beantworten: Kann ich da mithalten oder es gar besser machen? Tipp drei: Es gibt inzwischen viele Millionen Stockfotos auf jeder Plattform. Überlege Dir, was du kannst, wen du kennst oder was du besitzt, das für andere schwierig zu fotografieren ist. Noch einer, der fotografiert, was alle anderen auch schon hundertmal fotografiert haben, wird keinen großen Erfolg haben.  

DOCMA: Was muss man konkret machen um durchzustarten?

Lasse Behnke: In erster Linie umdenken lernen. Stockfotografie braucht schnell erfassbare, visuelle Allgemeinplätze. Also nicht ausgetüftelte Fotokunst, die in Ausstellungen hängt. Im Grunde ist das ganz einfach: Zunächst muss man sich auf Motive konzentrieren, die eine große Käufergruppe für ihre Arbeit braucht. Der „Daumen nach oben“, den man gerne mit Microstockfotografie assoziiert, ist ein prima Beispiel dafür. Auch wenn man ihn natürlich nicht mehr zu fotografieren braucht, weil es schon zu viele Versionen gibt. Ist das Motiv beziehungsweise das Thema gefunden, muss man sich um eine klare, schnörkellose und technisch saubere Bild-Umsetzung kümmern. Also ein einfacher, thematisch passender Hintergrund ohne ablenkende Elemente, möglichst kein auffälliger Schattenwurf und eine durchgängige Schärfe in allen Motivteilen. Idealerweise fotografiert man gleich so, dass sich das Hauptmotiv oder einzelne Elemente einfach freistellen lassen. Das war es eigentlich schon. Der Rest ist Arbeit und Erfahrung.

DOCMA: Deine Bilder sehen aber ganz anders aus.

Lasse Behnke: Das hat mit meinen Stil zu tun. Im Grund mache ich das alles auch, nur etwas weniger simpel. Nehmen wir zum Beispiel das Bild auf der nächsten Seite. Es bedient das Thema „Ideen haben“ in sinnbildlicher Form. Die Motividee, dass einem „ein Licht aufgeht“, kennt man als Redewendung. Ich habe sie nun mit Alltagsgegenständen auf meine Art umgesetzt.

Farbsicherheit

Wie dieses Bild mit dem Glühbirnenhelm in Photoshop und Cinema 4D entstanden ist, erklärt Lasse Behnke in eigenen Worten in Ausgabe 91 des DOCMA-Magazins.

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Christoph Künne

Christoph Künne ist Mitbegründer, Chefredakteur und Verleger der DOCMA. Der studierte Kulturwissenschaftler fotografiert leidenschaftlich gerne Porträts und arbeitet seit 1991 mit Photoshop.

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