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Terryworld

Terry Richardson präsentiert sich wie ein abgehalfterter Hausmeister, der irgendwann in den 80er Jahren auf schlechten Drogen hängengeblieben ist.

Terry Richardson präsentiert sich wie ein abgehalfterter Hausmeister, der irgendwann in den 80er Jahren auf schlechten Drogen hängengeblieben ist: Eine selbsttönende schwarze Pilotenbrille, ein mickriger Schnauzbart, lange Kotletten und unzählige billige Tatoos zieren den schlacksigen Körper. Er blickt zudem auf eine Biographie zurück, die, wäre er nicht nach einer Gewalt-, Drogen-, Punkrocker- und Sozialhilfekarriere zufällig Fotograf geworden, wahrscheinlich irgendwo in den Katakomben eines schmutzigen Mietshauses ihr Ende gefunden hätte. Seine Begabung besteht darin, dass es ihm gelungen ist, aus dieser Biographie eine Bildästhetik zu entwickeln, mit der er in den vergangenen 15 Jahren zu einer der Leitfiguren der Lifestyle-Modefotografie werden konnte. Für Kunden wie Sisley oder Magazine wie The Face, Vogue oder ID inszeniert er Menschen meist im Kontext von Alltäglichem, Schmutz, Sex, oft auch von Gewalt in Bildern, die aussehen wie Amateurschnappschüsse. Ohne seine Auftraggeber und das damit verbundene Renommee würde man seine fotografische Leistung mit jener gleichsetzen, die in den siebziger Jahren Pornos in ganz normalem Wohnzimmerambiente gefilmt und fotografiert haben. Na ja, das wäre jetzt vielleicht ein kleines bisschen ungerecht, wenn man nicht noch erwähnen würde, dass die Akteure seiner Bilder vermitteln, dass sie etwas mehr Spass an der Sache haben. Spass ist auch für den Künstler eines der wichtigen Elemente bei der Arbeit. Man sieht ihn auf vielen Seiten des großen, schweren Coffee-Table-Buchs mit eindeutigen sexuellen Handlungen beschäftigt oder einfach nur freudig seine primären Geschlechtsmerkmale der Kamera eines Assistenten präsentierend. Nach seiner "Philosophie" dokumentiert die Selbstentblößung seine Nähe zu den Modellen und seinen Willen sich auch zum Objekt zu machen. Man könnte aber auch dem Eindruck verfallen, er zeigt einfach nur gerne, was er hat. Was dem Buch definitiv fehlt, ist ein Warnhinweis für seine gefährdende Wirkung auf Jugendliche. Nicht wegen des gezeigten Sexes, den kann man an jeder Ecke im Internet in ähnlicher Qualität bewundern, sondern wegen der der Gefahr, dass jungen Fotografen glauben, es reicht, so schlechte Fotos zu machen, und dennoch berühmt zu werden. Derartiges gelingt wahrscheinlich nur einmal.

Terryworld
von Gavin McInnes, Olivier Zahm und Terry Richardson
Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
Taschen, 2008
14,99 Euro

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