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Selfies: Generation Narzissmus

Selfies: Generation Narzissmus

Selfies: Generation Narzissmus
Selfies: Generation Narzissmus. Foto: soleg – Fotolia

Nostalgie. Früher war alles besser! Die nachfolgenden Generationen haben kein Benehmen, sind dümmer und weniger leistungsfähig. Sie kennen diese Aussagen. 😉


Immer schlimmer?


Man kann darüber zwar argumentieren, aber generell haben Menschen schon immer so empfunden, dass alles immer nur schlimmer wird (klicken Sie den Link ruhig einmal an und lesen Sie, wie Ihre Altvorderen über die seinerzeitigen Jugendlichen dachten). 😉 Nicht so anders als heute, oder?

Ich hatte – durch ein bisschen Star Trek und vor allem durch die Ostblock-Science-Fiction geprägt, eigentlich immer ein ziemlich positives Zukunftsbild – also dass die Menschheit (inklusive jedes einzelnen Individuums) sich nicht nur technologisch, sondern auch humanistisch, sozial, emotional ( = der sicher größte Schwachpunkt) und in Sachen Bildung weiterentwickelt.

Diese Utopie habe ich mittlerweile abgelegt und verarbeite diese frustrative Erkenntnis in einigen meiner Bildstrecken, denn wir Menschen können uns – Transhumanismus außen vor – nicht von unserem biologischem Erbe freimachen. Da schlagen leider die evolutionär geformten Verhaltensweisen mit ihren typischen Neurotransmittermustern durch.

Selfies: Generation Narzissmus
Eine meiner Dystopien. Apokalyp: Persephone. Bild: Olaf Giermann

Selfie-Wahn


Im Unterschied zu früher findet heute die Informationsfindung und „Selbstverwirklichung“ im WWW global und in Echtzeit statt. JEDER kann sich – ohne jeden Filtermechanismus (es sei denn, man zeigt auf Facebook oder Youtube weibliche Brustwarzen (männliche sind natürlich völlig okay hüstel! #ichhassejedezensur) in Szene setzen und sich als den größten „Babo“ aller Zeiten präsentieren. Auch wenn man NICHTS kann. Ich bezeichne das gern als „DSDS-Syndrom“ – einfach, weil wie etwa beim RTL-Format „Deutschland sucht den Superstar“ (Akronym: DSDS) so viele selbst-reflektionslose Nichtskönner unter dem Motto „Aber ich glaube an mich! Ich zeige es allen! Ich bin der/die Größte!“ vorgeführt werden.

Lesen Sie auch einmal diesen Artikel: „Willkommen bei der „Generation Narzissmus“: Überlegenheitsgefühl, Exhibitionismus und Eitelkeit kennzeichnen das Lebensgefühl der Millennials in Deutschland.“ Is’ so. Zitat: „Die erste Generation der sogenannten Digital Natives, die zwischen 1981 und 1998 geboren wurden und mit Handy & Co. groß wurden. Diese Generation macht etwa 20% der deutschen Bevölkerung aus und stellt einen besonders guten Indikator für die grundlegenden Veränderungen und Trends in unserer Kultur und Gesellschaft dar.“


Selfie-Wahn on steroids


Adobe liefert auf der einen Seite nun obercoole Bildverbesserungs-Technologie (großartig, wie man die Aufnahmeperspektive dank ausgeklügelter Algorithmen verändern kann!) – schauen Sie sich das unbedingt einmal an! Auf der anderen Seite habe ich direkt zwei Bedenken:

  1. Das unterstützt doch nur den Selfie-Wahn der meist seichten Selbstdarsteller! (das Problem bei Selfies ohne Deppenstick, ähm … Selfiestick, ist der geringe Aufnahmeabstand, der durch den neuen Verformungsalgorithmus mit eingebauter Gesichtserkennung korrigiert wird).
  2. Du kannst keinem Porträt mehr glauben, weil es jeder Depp per Fingertipp verändern kann (okay, im Filter „Verflüssigen“ war das bislang nur ein kleines bisschen komplizierter).
Selfies: Generation Narzissmus
Gesichtperspektive per Tippen und Ziehen ändern

Olafs Fazit


Ich finde den Selfie-Wahn persönlich zum Kotzen. Wie viele verfremdete Selfies und Duckfaces von den tausenden veröffentlichten muss man sich als Social-Media-Surfer denn pro Tag ansehen, um sich wohl zu fühlen? ? Auch heute kann man jedes Foto schon nach Belieben verändern. Auch heute kann man schon kein Foto im Internet mehr für bare Münze nehmen. Ich möchte Sie nur sensibilisieren im Hinblick darauf, wie Sie vermeintlich echte Fotos wahrnehmen. Apps wie die gezeigte Machbarkeitsstudie von Adobe werden das nicht erleichtern. Im Gegenteil!

Von all diesen Bedenken abgesehen, finde ich die technische Weiterentwicklung der Bildoptimierungsalgorithmen durch Adobe und Co. tatsächlich großartig! Ich würde mir nur wünschen, dass sich all dieser tolle Zukunftskram auch mal endlich in der aktuellen Desktop-Software (also vorrangig in meiner Lieblingssoftware Photoshop) niederschlägt! Dafür kämpfen wir aktuell aber noch mit zu vielen Bugs in beispielsweise „Auswählen und Maskieren“, die seit zwei Jahren nicht gefixt worden sind. Herrje!

Beste Grüße, Ihr

Olaf Giermann
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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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2 Kommentare

  1. Klasse Fotomontage! Wollen wir hoffen das es nie soweit kommt das wir selbst zum Akku werden um Nonstop unter Strom zu stehen. Aber das es mittlerweile schon Leute gibt die sich einen Chip einpflanzen lassen, stelle ich mir nicht mehr die Frage ob die jüngere Generation noch alle Latten am Zaun hat – es bestätigt sich nur damit.

    „Ich bin ein Mensch und du ein Selfie. Ich lebe. Und du?“

    Grüße aus Thailand

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