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Olympus wieder in der Profiliga? OM-D E-M1 II

Mit der neuen OM-D E-M1 II zielt Olympus in Richtung Profimarkt. Das zeigt schon der Preis von knapp 2000 Euro – nur für das Gehäuse. Stellt sich die Frage: Hat die OM-D E-M1 II eine Chance bei Berufsfotografen? Die meisten von uns verbinden heute die Marke Olympus mit kleinen handlichen Kameras, die inzwischen auch wieder viele ambitionierte Amateure begeistern. Aber Profis?

OM-D E-M1 II von oben


Vorgeschichte


In den 70er und 80er Jahren war der Profimarkt der Kleinbildkameras auf Fotojournalisten beschränkt. Alle anderen Fotoprofis arbeiteten aus Qualitätsgründen mit Mittel- oder Großformatmodellen. Nur Bildjournalisten setzen, wie auch der Fotoamateur, gerne auf das Kleinbildformat, weil solche Kameras vergleichsweise schnell, handlich, flexibel und damit gute Reisebegleiter waren.

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Damals bestand der Kleinbild-Markt für den Profi über viele Jahre vornehmlich aus drei wichtigen Herstellern: Leica wegen der großartigen Optiken, Nikon, wegen der in Krisengebieten tauglichen Robustheit, und Olympus als preiswerter, technologisch oft sehr fortschrittlicher Kompromiss zwischen den beiden Polen. Für das OM-System gab es bezahlbare und dennoch exzellente Objektive. OM-SLRs verfügten schon früh über Technologien wie TTL-Belichtungsmessung (auch beim Blitzen) und man konnte die Geräte mit allerlei Profizubehör erweitern. Das Wesentliche aber war ihre kompakte Größe.


Auftritt: OM-D E-M1 II


An dieser Stelle fügt sich die OM-D E-M1 II perfekt ins traditionelle Olympus-Muster ein: Sie ist handlich und man kann sie mit einer Menge qualitativ hochwertiger und dennoch halbwegs günstiger Objektive bestücken. Auch die Sache mit den fortschrittlichen Technologien passt: Wie ihre Modellgeschwister verfügt sie über außerordentliche Fähigkeiten, Light-Paintings kontrolliert zu erfassen oder Raws schon in der Kamera mit Effekten nachzubearbeiten.


Pro-Capture-Modus


Was die Schwestermodelle noch nicht beherrschen, ist der Pro Capture Modus. Dabei handelt es sich um eine Aufnahmefunktion für extrem zeitkritische Motive.

Hier waren es 45 Bilder, die die OM-D E-M1 II im Pro-Capture Mode aufgezeichnet hat.
Hier waren es 45 Bilder, die die OM-D E-M1 II im Pro-Capture Mode aufgezeichnet hat.

eine Aufnahmefunktion für extrem zeitkritische Motive.

Die OM-D E-M1 II zeichnet hierbei vor und nach dem Auslösen jeweils mindestens 14 Bilder auf. Hat man den perfekten Moment verpasst, kann man ihn nachträglich aus über 28 Bildern heraussuchen. Bei der Hands-on-Veranstaltung konnten wir die neue Funktion am Beispiel eines wassergefüllten Luftballons testen, der von einem Pfeil durchbohrt wurde. Die Ergebnisse waren beeindruckend und beflügelten die Fantasie für viele alltägliche Anwendungen in der Action- oder der Eventfotografie.


Arbeitsgeschwindigkeit


Nun zählen für den Profi solche „Spielereien“, so eindrucksvoll sie auch seien mögen, nur am Rande. Wer mit seiner Kamera Geld verdient, braucht ein schnelles und verlässliches Arbeitsgerät. Hier haben die Ingenieure bei Olympus die Latte merklich hochgelegt: Die Batterie hält mit etwa einem Viertel mehr Leistung spürbar länger durch. Der für eine CSC-Kamera ohnehin schon schnelle Autofokus ist noch etwas fixer geworden. Die Serienbildfunktion liegt dort, wo sonst nur die viel teureren Profi-DSLRs von Canon und Nikon zu Hause sind: Mit dem mechanischen Verschluss kann man 15 Bilder pro Sekunde belichten, mit dem lautlosen elektronischen sogar 18. Der Pufferspeicher nimmt 60 Bilder auf. Um den Autofokus zu verbessern, gibt es jetzt 121 Kreuzsensoren, Phasenerkennung und eine neue AF-Steuerung sowie eine noch kürzere Verschlussreaktionszeit.


Das digitale Herzstück: 4/3-Sensoren


Der Preis für die handliche Bauform und die trotz ihrer Leichtigkeit hervorragenden Objektive liegt im Herzen des Systems: Statt wie die meisten anderen Anbieter auf APS-C große oder KB-Vollformat-Sensoren zu setzen, stecken in den Olympus-Kameras 4/3-Bildsensoren von der Größe des früher üblichen 110er „Pocketfilms“: Halb so groß wie APS-C und damit nur ein Viertel der Fläche eines Vollformatsensors. Bei Einführung des 4/3 Systems behauptete Olympus noch, fünf Megapixel seien Auflösung genug – auch für den Profi. Inzwischen sind seit der OM-D E-M1 II auf derselben Fläche 20,4 Megapixel untergebracht.

Was für den erfahrenen Digitalfotografen dramatisch anmutet, haben die Ingenieure bei Olympus erstaunlich gut in den Griff bekommen. Die Sensoren können oft mit ihren größeren Konkurrenten mithalten, nur bei wenig Licht zeigen sich die Schattenseiten in aller Deutlichkeit: Wer mit der OM-D E-M1 II jenseits von 3.200 ISO fotografieren muss oder möchte, sollte körnige Bilder mögen.


Welche Vorzüge haben kleine Sensoren?


Der Bildbearbeiter hat naturgemäß maximale Ansprüche an die technische Qualität von Bildern. Er ist nicht damit zufrieden, dass nach dem Auslösen von der Kamera ein passables Ergebnis als JPG-Endprodukt gespeichert wird. Stattdessen benutzt er ausschließlich Raws und verbringt viel Zeit damit, deren Bilddetails den eigenen Vorstellungen anzupassen. Mental gleicht das in etwa dem Unterschied, zum Shoppen mit einem kleinen Auto durch die Stadt zu fahren oder mit einem Geländewagen tonnenschwere Anhänger über schlammige Bergwiesen zu ziehen. Beides ist Autofahren, aber dann ist die Gemeinsamkeit auch vorbei. Kann in der Stadt ein Fahrzeug mit sparsamem Zweizylinder-Motor und kurzen Bauform durchaus punkten, so gibt man im zweiten Fall einem schweren Achtzylinder mit massig Drehmoment den Vorzug – auch wenn er sonst etwas unhandlich erscheint.

Doch ebenso wie Kleinwagen haben kleine Sensoren auch Vorzüge für bestimmte Aufgaben: Weil man beim gleichen Bildausschnitt wie im Vollformat mit der Hälfte der Brennweite auskommt, sind die Objektive erheblich leichter und liefern mehr Schärfentiefe. Zudem lässt sich ein kleiner Sensor mit weniger Aufwand stabilisieren als ein großer. Landschafts-, Reise-, Street- und Naturfotografen begeistert das oftmals ebenso wie Sportfotografen: Sie alle müssen weniger Equipment mit sich herumtragen.

Der Bildbearbeiter wird diese Vorzüge zwar auch zu schätzen wissen, sieht aber auch die Nachteile wie weniger Lichtempfindlichkeit durch kleine Pixel und damit mehr elektronische Signalverstärkung. Um die Auto-Analogie nochmals zu bemühen: Spoiler statt Hubraum.


Video


Eindrucksvoll sind die Videofunktionen der OM-D E-M1 II. Auch wenn die meisten Fotografen bisher kaum Videos produzieren, gehört die Filmfunktion inzwischen zur Grundausstattung jeder besseren Foto-Kamera. Die OM-D E-M1 II verfügt im Videomodus über 4K UHD (3840 x 2160 px) bei 30, 25 oder 24fps. Zudem filmt sie auch im Cinema 4K-Modus, bei dem sie 4096 x 2060 Pixel pro Bild aufzeichnet.

Besonders gut beherrscht sie die Stabilisation der Aufnahmen. Zusammen mit dem neuen 12-100 Millimeter (KB äquivalent 24-200 mm) Reisezoom, das eine zusätzliche Stabilisierung besitzt, lassen sich auch aus einem kaum gefederten, über Schotterwege rollenden Anhänger ruhige Kameraschwanks aus der Hand aufnehmen.


Fazit


Die OM-D E-M1 II ist eine technisch hervorragend ausgestattete Kamera, der zum universellen Profi-Gerät eigentlich nur ein großformatiger Sensor fehlt. Wer als Profi im Wesentlichen bildjournalistische Aufgabenstellungen für Einzel- und Bewegtbilder erfüllt, ist jetzt bei Olympus mit der OM-D E-M1 II wieder genau so gut aufgehoben wie früher mit den analogen OM-Modellen.

Die 2.000 Euro für den Body lassen sich sicherlich auch noch verschmerzen, zumal die meisten anderen professionellen Alternativen mit den großen Sensoren, abgesehen von der Pentax K1, inzwischen etwa beim Doppelten dieses Preises liegen. Preissensibler dürften jene Käufer reagieren, die sich so eine Kamera mit all ihren Vorzügen wegen des hohen Mobilitätsfaktors und der spannenden Zusatzfunktionen als Zweitsystem halten wollen.

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Christoph Künne

Christoph Künne ist Mitbegründer, Chefredakteur und Verleger der DOCMA. Der studierte Kulturwissenschaftler fotografiert leidenschaftlich gerne Porträts und arbeitet seit 1991 mit Photoshop.

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2 Kommentare

  1. Peter Paul ZEHNER slowfoto.wordpress.com

    Lieber Christoph KÜNNE, der Bodypreis ist doch nur die halbe Wahrheit der eingegangenen Ehe, viel schwerer wiegen die Kids als Objektive. Fremdgehen wird damit nochmals teuer, wenn bereits reichlich Gläser vorhanden sind. Und Vollformatgläser haben den Vorteil, dass sie auch an kleineren Sensoren funzen. Klar sind sie schwerer, aber für die >leichteren< Wanderungen ist eine kurze Festbrennweite oder eine kleinere Kamera sowieso sinnvoll: Es muss ja nicht immer der ganze Krempel mitgeschleppt werden 🙂 Und nebenbei, die Pano Funktion des Händys ist für mich horizontal und vertikal sowieso eine Versuchung.

  2. Ergänzung!
    der HiRes-Modus der EM-1II, den ich von der EM-5II kenne und schätze relativiert die Aussagen zur „kleinen“ Sensorgröße erheblich.
    Im normalen Fotografen-Alltag muß nicht jeder Schuß mit 30, 40, 50 Mp aufgenommen werden und das dann mit allen Nachteilen großer Sensoren.
    Oft reichen da 16, 20 Mp völlig, die dann aber z.B. ohne Stativ, „aus der Hüfte“. Brauche ich mehr nehme ich den HiRes und kann bis zu 60Mp (EM-5II) oder sogar 80 Mp (EM-1II) haben (zugegeben z.Z. auch nur vom Stativ und bei statischen Motiven). Mit solchen Aufnahmen habe ich schon sehr anspruchsvolle Kunden beeindrucken können. Machen auch in der Bildbearbeitung Spaß, da nicht nur die Auflösung gigantisch ist, sondern auch das Rauschen minimiert und der Dynamikumfang nochmals verbessert wird.
    Ein wenig erinnert mich die Argumentation großer Sensor vs. kleiner Sensor an die seinerzeitigen Diskussionen optischer Sucher vs. elektronischer Sucher, das Ergebnis kennen wir.
    Fotografie-Fachleute denken immer noch eher analog und konservativ und tun sich schwer das Potential elektronischer Technologien richtig einzuschätzen. Bildbearbeiter sollten da eigentlich offener sein ….
    Olympus ist aus meiner Sicht einer der innovativsten Hersteller und verdient absolut Respekt. Aber auch der Verweis auf Pentax K1 ist berechtigt…

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