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Das beste Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger?

Meinung

Eine häufig gestellte Frage von Einsteigern in die Fotografie und Bildbearbeitung: Was ist denn das beste Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger? So viel kann Euch schon einmal verraten: Darauf gibt es keine einzige, richtige Antwort, sondern nur eine pauschale: Es kommt drauf an.

Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger
Das beste Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger? Gerade als Einsteiger fühlt man sich zwischen den unzähligen Wahlmöglichkeiten an Apps und Software schon mal ziemlich erdrückt. Deshalb mal meine wichtigsten Empfehlungen. Bild: Olaf Giermann

Meine eigenen Anforderungen

Als ich Anfang 2002 mit der Bildbearbeitung anfing, hatte das eigentlich nur einen Grund: Ich konnte beim Entwickeln der Filme meiner damaligen analogen Canon IXUS erstmalig die Fotos auch gleich digital auf CD erhalten. Die Fotos an sich waren mir eigentlich ziemlich egal (geht mir heute, außer bei Erinnerungsfotos – meist immer noch so) – ich wollte damit basteln und etwas Neues erschaffen. Denn das, was auf den Fotos zu sehen war, hatte ich ja vorher schon vor Ort gesehen – mit viel besseren Farben, höherer Auflösung und in 3D. 😉

Dieser Anforderung entsprechend brauchte ich also ein Programm mit schicken Filtereffekten, das es gestattet, einzelne Bildelemente auszuschneiden und zu kombinieren. Meine Wahl fiel damals auf Picture Publisher. Das hatte einen schicken Karton mit schönen Beispielbildern und ein dickes Handbuch dabei (meine einzige Quelle des Lernens). Farben korrigieren und ändern, sowie Elemente aus einem Bild stempeln ging rasch und unkompliziert. Sehr schnell an die Grenzen dieser Software stieß ich, als ich wirklich Fotomontagen damit machen wollte. Das Problem: Es gab keine Ebenen! Man konnte Elemente auswählen und verschieben, aber sobald die Auswahl aufgehoben war, wurde das Element mit dem Hintergrund verrechnet. In Newsgroups war dann immer von Photoshop die Rede. Aber das kannte ich nur von der Uni als dieses blöde „Scanner-Programm“, bei dem alle Paletten ausgeblendet waren und wir nur die Twain-Schnittstelle zum Scannen benutzten. Es stellte sich dann heraus, dass genau das, was in Picture Publisher so schwer war, mit diesem Photoshop 6 ein Kinderspiel war. Non-destruktiv! Dabei blieb es dann auch und ich habe nie mehr zurückgeschaut. Obwohl mir der tolle Lensflare- oder Blitze-Filter aus Picture Publisher dann doch in Photoshop zunächst ziemlich fehlte. 😉

Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger
Meine erste Fotomontage. Es war in Picture Publisher doch ziemlich kompliziert, meine Omi an den “Drehpilz” zu hängen – es gab keine Ebenen in der Software!
Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger
Eine ähnliche Fotomontage fiel mir dann später in Photoshop deutlich leichter – dank Ebenen und Masken.

Das beste Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger?
Anforderungen allgemein

Aber wie sähe es aus, wenn ich heute mit Bildbearbeitung anfangen müsste? Dank schnellem Internet wäre in Sekunden klar, dass der unangefochtene Platzhirsch Photoshop ist. Zusammen mit Lightroom deckt man damit die Anforderungen von wohl 95 % aller ambitionierten Bildbearbeitungseinsteiger ab. Der große Vorteil: Für Lightroom und Photoshop gibt es auch das meiste Lernmaterial in Form von DOCMA (wenn auch nicht für den blutigen Einsteiger geeignet), Büchern und Video-Tutorials. Der Einstieg fällt dadurch extrem leicht. Der einzige Nachteil: Lightroom und Photoshop gibt es nur im Foto-Abo – und auch wenn dieses sehr günstig ist, muss sich der Einsteiger von Beginn an auf 10 bis 12 Euro pro Monat einstellen. Obwohl er noch gar nicht weiß, ob das Hobby langfristig wirklich „sein Ding“ ist.

Empfehlungen für drei Anwendungstypen

Von angehenden Bildbearbeitungs-Generalisten einmal abgesehen, würde ich heute drei Anwendergruppen unterscheiden, die es vor 15 Jahren so noch gar nicht gab. Denn inzwischen haben Smartphones und Tablets (Anwendergruppe 1) extrem an Bedeutung und Verbreitung gewonnen – genauso wie das Raw-Format (Anwendergruppe 2).

1) Der Smartphone-User

Wer beim Fotografieren mit dem Smartphone seine Leidenschaft für Fotos entdeckt, wird höchstwahrscheinlich auch für die Bearbeitung zunächst am Smartphone oder Tablet seine Bilder bearbeiten wollen.

Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger
Foto: Gina Sanders – Adobe Stock

Dabei geht es in erster Linie um die Optimierung und Stilisierung der Fotos. Dafür reichen die vorinstallierten Foto-Apps in der Regel schon aus. Aber wenn es um Retusche und selektive Optimierung einzelner Bildstellen geht, stößt man da schnell an Grenzen.

Meine persönlichen Haupt-Empfehlungen sind hier die Apps Lightroom (lässt sich auch kostenlos nutzen, und unterstützt auch das Fotografieren im Raw-Format und eine komplett non-destruktive Bearbeitung) und das vor allem für selektive Optimierung, Retusche und Effekte extrem leistungsfähige, aber destruktiv arbeitende Snapseed. Beide findet Ihr im App-Store von iOS oder Android.

2) Der ambitionierte Fotograf

Wer beim Fotografieren mit dem Smartphone an seine Grenzen stößt, greift auf Kameras mit Wechselobjektiv zurück und fotografiert mit diesen im Raw-Format. Rein fotografisch bleiben hier (von Zusatzequipment für Licht und Co. mal abgesehen) keine Wünsche mehr offen. Für das reine Optimieren der Fotos reicht oft schon der mitgelieferte Raw-Konverter des jeweiligen Kamera-Herstellers. Der kostet nichts, liefert in der Regel eine Top-Bildqualität in Fabre und Entrauschung, hat aber meist auch einige Macken (langsam, Tiefen/Lichter-Abstimmung nicht ganz so gut und fehlende Funktionen im Vergleich zur Konkurrenz …). Wenn Ihr mit Workflow, Geschwindigkeit und Fotoqualität des Hersteller-Raw-Konverters zufrieden sind, braucht Ihr Euch nicht nach anderer Software umzuschauen.

Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger
Der Wechsel vom Smartphone zur Kamera mit Wechselobjektiv kann leicht einen Rattenschwanz an Kosten an sich ziehen, bietet aber viel mehr kreative Möglichkeiten. Foto: ronstik – Adobe Stock

Es gibt auch kostenlose Raw-Konverter (Raw Therapee, Darktable …) und viele kostenpflichtige, über die ich Gutes (und auch Schlechtes) gehört habe, Euch aber mangels eigener Tests keine eigene, ehrliche Empfehlung aussprechen kann.

In der Regel landen die meisten anspruchsvollen Anwender letzten Endes bei den beiden (meiner Meinung nach) besten Gesamtpaketen in Sachen Raw-Entwicklung: Lightroom Classic (im Paket zusammen mit Photoshop CC und Lightroom) oder Capture One Pro. Capture One punktet hier mit einer etwas ansehnlicheren Standard-Entwicklung, vor allem aber durch die ausgefeilten Bedienelemente für das Abstimmen von Farben (zum Beispiel zur Optimierung von Hauttönen), kommt aber auch mit einem stolzen Kauf- oder Abopreis und ganz ohne Photoshop daher. Hier müsste also eine Photoshop-Alternative für einfache Retuschen und Montagen der in Capture One entwickelten Fotos her. Da würde ich derzeit Affinity Photo empfehlen, da sich hier bei einer sehr übersichtlichen Oberfläche Korrekturen und Filter non-destruktiv anwenden lassen.

Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger – Tipp für Sony und Fuji-User: Es gibt von Capture One eine abgespeckte Express-Version für Eure Kameras. Kostenlos!

3) Der ambitionierte Fotobastler

Ich selbst würde wohl diesem Typus entsprechen. Das Ziel ist eher, die eigene Vision durch Fotomontagen, Malen, Grafikelemente und so weiter umzusetzen, als einfach „nur“ Fotos zu optimieren. Hier muss auf jeden Fall ein Programm her, das leistungsfähige Pinsel-Möglichkeiten hat, Ebenen und Masken beherrscht und für das kreative Ausprobieren, non-destruktive Bearbeitungsmöglichkeiten (für Filter und Korrekturen) bietet. Damit scheidet IMHO das kostenlose und sehr leistungsfähige GIMP leider aus. GIMP hat sehr viele Filter, die selbst die teuersten Programme nicht bieten, aber es hakt bei den Grundlagen und gerade ein Einsteiger wird mit GIMP wohl eher frustrierende Erfahrungen machen (bei fortgeschrittenen Anwendern, die wissen was und wohin sie wollen, kann das wieder anders aussehen; nur sollte man damit keine kommerziellen Auftragsarbeiten ausführen, wenn man bei einem Änderungswunsch des Kunden nicht alles immer wieder komplett neu machen will).

Das beste Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger? Fotomontagen wie diese sind auch in Affinity Photo kein Problem. Grenzen setzen hier eher die Pinselgröße und Performance bei sehr vielen Ebenen. Montage: Olaf Giermann

Tatsächlich empfehle ich für diese Anwenderkategorie derzeit nur zwei Programme: Photoshop uneingeschränkt, sowie Affinity Photo eingeschränkt. Beide Programme brauchen entsprechend leistungsfähige Hardware, um „abzugehen wie eine Rakete“ – also vor allem genügend RAM (16 GB und mehr), einen vor allem hochgetakteten Prozessor (die Mehrkernunterstützung ist in beiden Programmen noch eher rudimentär), sowie eine aktuelle Grafikkarte für ausgewählte Funktionen. Affinity Photo hat im Detail so manches besser gelöst als Photoshop (zum Beispiel das Masken-System, die Pinselvorschau für Malen und Maskieren, ein vernünftiges Verlaufswerkzeug usw.), aber ich kehre nach einigen Experimenten immer wieder erleichtert zu Photoshop zurück. Und zwar nicht aus Gewöhnung, sondern weil ich in Affinity Photo immer wieder schnell an Grenzen stoße. Beim Bearbeiten von Bildern um die 50 Mpx hakt es sowohl beim Malen als auch beim Verflüssigen, die Pinsel-Spitzen-Größe reicht nicht aus, die (an sich genialen!) Live-Filter bremsen zunehmend, so dass ich die dann doch immer wieder lieber anwende, und es gibt keine Möglichkeit, wie sie die Smartobjekt-Instanzen und -Kopien in Photoshop bieten, um etwa Mock-ups oder wiederkehrende Elemente non-destruktiv anzulegen.

Das beste Bildbearbeitungsprogramm für Einsteiger? Hier kommt es wirklich auf den eigenen Anspruch und die eigene Arbeitsweise an. Der Einsteiger trifft weder mit Photoshop noch mit Affinity Photo eine falsche Wahl – und der Umstieg auf die eine oder andere Software fällt aufgrund der Ähnlichkeiten bei Bedarf sehr leicht.

Beste Grüße,

Olaf

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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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2 Kommentare

  1. Eine Frage dazu: was ist mit Photoshop Elements? Das finde ich für Einsteiger hervorragend und mit einem Preis um 80,–/90,– € durchaus interessant. Mit einem VHS-Kurs kommen meine Teilnehmer gut klar damit und können ihre Urlaubsfotos nachbearbeiten. Da geht es dann weniger um Farben und Kontraste – das machen die meisten Kameras von alleine schon gut – sondern ganz praktisch um störende Verkehrsschilder, trüber Himmel, “Augen zu” – Korrekturen usw. Der RAW-Entwickler ist von Photoshop und das Programm läuft auch auf älteren Rechnern mit weniger Arbeitsspeicher. Mehr braucht doch der “normale” Hobbyfotograf nicht (und zu mehr hat er/sie auch keine Lust). Außerdem bin ich selbst immer wieder erstaunt, was man mit dem Programm alles machen kann. Das ist wirklich bemerkenswert und noch dazu ohne Abo ! Dass Adobe jedes Jahr eine neue Version verkaufen will, kann man getrost überschlagen. Ich rate meinen Teilnehmern zur letzten oder vorletzten Version, die ist dann billiger und das Prinzip ist dasselbe. Man kann Einsteiger auch mit zuviel Features erschlagen und ihnen den Spaß an der digitalen Nachbearbeitung damit nehmen.
    Viele Grüße
    Birgit Cullmann

  2. Für einfache Retuschen ohne vernünftigen Raw-Workflow ist Photoshop Elements genauso gut wie jede andere Software auch. Bei diesem einfachen Anspruch reicht auch GIMP völlig aus. Und das kostet gar nix. Mit etwas mehr Anspruch kriegt man für circa die Hälfte des Preises von Photoshop Elements mit Affinity Photo eine deutlich bessere Software.

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