Altglas

Altglas im Labor neu vermessen

Altglas-Report

Eine Auswahl von grundsolidem Altglas hat das fotoMAGAZIN dem BAS-Digitaltest unterzogen. Je zwei Objektive von Canon, Minolta, Nikon, Olympus und Pentax mit Brennweiten von 28 bis 100 Millimeter und moderaten Lichtstärken von F/1.8 bis F/2.8 fanden den Weg ins Labor zur modernen Vermessung.

Altglas im Labor neu vermessen

Altglas im Labor

Mancher mag die Nase rümpfen, stammt der erste Test doch aus dem Jahr 2014. Doch zu der Zeit war die für die Messungen ausgewählte Sony A7R mit 36 Megapixeln eine anspruchsvolle Kamera und erlaubt Aussagen zum Altglas, die weiterhin Bestand haben. Getestet wurde auch die mechanische Qualität der alten Objektive. Letztlich ist das Altglas nur älter und nicht schlechter geworden – eine pflegliche Behandlung vorausgesetzt. Da Fotografierende nicht nur Vollformatkameras besitzen, zeigen die Labormessungen auch für APS- und MFT-Sensoren relevante Werte. Diese Kameras picken sich sozusagen die Rosinen aus dem Altglaskuchen und ignorieren seine weichen Ränder.

Sensorformate und Abbildung. Altglas im Labor neu vermessen
Es muss nicht immer Vollformat sein. Auch kleine Sensoren haben ihre Stärken und manchmal ist es nur eine Frage des Standpunkts. Wie der Vergleich im Detail aussehen kann, haben wir hier zusammenfasst.
nikon 50/1.8. Altglas im Labor neu vermessen
Nikon 50/1.8 mit MFT-Kamera
Nikon 50/1.8 Vollformat. Altglas im Labor neu vermessen
Nikon 50/1.8: Abgeblendet auf f/8 auch am Vollformat scharf bis in die Ecken

Licht und Schatten

Eindeutige Gewinner des Vergleichs sind die vergleichsweise lichtschwachen Normal- und Telebrennweiten. Bedingt durch ihre moderate Lichtstärke und eine überschaubare Anzahl von Linsen lassen sich Abbildungsfehler leichter korrigieren als bei hochlichtstarken Objektiven. Alte Weitwinkelobjektive an Digitalkameras sind oft kritisch in der Handhabung, da das auf die Sensoren treffende Licht in einem ungünstigen Winkel einfällt. Damit können sie, anders als analoger Film, in der Regel schlecht umgehen. Für digitale Anwendung berechnete Weitwinkel sorgen für möglichst telezentrische Strahlengänge und zeigen hier ihre Überlegenheit – besonders am Vollformat. Einsetzen lässt sich diese Gattung Altglas dennoch, wenn deutlich abgeblendet wird. Und wirklich schlecht abgeschnitten hat keines der Objektive, soviel kann verraten werden. Zeigen können wir die Messergebnisse nicht, aber für einen Euro ist der achtseitige fotoMAGAZIN-Artikel ist hier als Download erhältlich.

Nikon 85/2 Vollformat. Altglas im Labor neu vermessen
Nikon 85/2.0 abgeblendet auf f/4 am Vollformat
Olympus OM 100/2.8. Altglas im Labor neu vermessen
Olympus OM 100/2.8 mit APS-C Kamera
Pentax Takumar 55/1.8. Altglas im Labor neu vermessen
Pentax Takumar 55/1.8 mit APS-C Kamera

Testergebnisse 2020

Es blieb nicht bei diesem einen Labor-Versuch. Im Juni 2020 musste weiteres Altglas im Labor antreten und einen 45 Megapixel Sensor bedienen. Was motiviert Redakteure einer Fachzeitschrift zu solchen Taten? Lars Theiß vom fotoMAGAZIN meinte dazu: „Da immer mal wieder die Frage auftaucht, wie denn das eine oder andere alte Manuellfokusobjektiv an einer modernen Spiegellosen abschneiden würde, haben wir uns den Spaß gemacht und fünf weitverbreitete Objektive mittels Adapter an der modernen Nikon Z7 im Labor getestet.“

Altglas im Labor: Neue Auswahl

Ausgewählt wurden fünf zu Zeiten der analogen Fotografie gängige 28er Brennweiten mit Lichtstärke F/3.5. Die meisten optischen Rechnungen (Canon, Nikon, Pentax) basieren auf einem Design mit sechs Linsen in sechs Gruppen (6/6). Minolta begnügt sich mit je einem Element weniger (5/5) und Olympus liefert ganz viel Glas (7/7). Kein getestetes Altglas schneidet wirklich schlecht ab. Im Artikel liebevoll als „Rüstige Rentner“ tituliert, harmonieren einige besser am Vollformat, andere zeigen ihre Stärken eher an kleineren Sensoren. Einzeln ist dieser Test (noch) nicht erhältlich. Wer das Heft 6/2020 nicht hat, kann es günstig als ePaper erwerben.

Olympus OM28/3.5. Altglas im Labor neu vermessen
Olympus OM 28/3.5 mit Nikon-Umbau-Bajonett an APS-C Kamera mit Zhongyi Lensturbo II
OM 28/3.5. Altglas im Labor neu vermessen
Olympus OM 28/3.5 ist schon bei Offenblende überzeugend scharf, hier mit MFT-Kamera.
Minolta 28/3.5.
Minolta 28/3.5 mit Vollformatkamera
Minolta 28/3.5.
Minolta 28/3.5 mit Vollformatkamera

Altglaspreise

Heute kosten diese alten Gläser auf dem Gebrauchtmarkt zwischen 20 und 100 Euro, je nach Erhaltungszustand. Wie man ihn beurteilt und worauf bei einem Kauf zu achten ist, haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

FoMa sechandGuide. Altglas im Labor neu vermessen
Der vom fotoMAGAZIN jährlich im August herausgegebene „Second Hand Guide“ bietet eine solide Basis zur Einschätzung von Preisen für gebrauchtes Foto-Equipment. Auch die Ausgabe von 2019 ist immer noch interessant, besonders für ältere Objektive.
Manuell fokussieren
Manuelles Fokussieren braucht Übung. Wissenswertes vermittelt dieser Beitrag.

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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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