Technik

Hilfe, meine Speicherkarte lässt sich nicht mehr lesen

Was kann ich tun, um die SD-Karte zu reparieren? Wie komme ich an meine Bilddaten auf der Speicherkarte?

Speicherkarten sind das wichtigste Foto- und Videozubehör, denn sie dienen der Aufnahmesicherung. Die Leistungswerte heutiger Speicherkarten sind, insbesondere wenn man einmal an die Anfänge der Digitalfotografie zurückdenkt, gigantisch. Den einen oder anderen verleitet dies gar dazu, die Speicherkarte ohne zusätzliche Datensicherung (Backup) über das ganze Jahr – oder sogar noch länger – in der Kamera zu belassen, auch in der festen Annahme, dass schon nichts passieren wird. Doch so gut die Ingenieurkunst auch ist, können Speicherkarten einen Defekt erleiden. Dann ist der Hilfeschrei zu Recht groß. Nachstehend eine Checkliste mit fünf Schritten, wie man seine Fotos noch retten kann.

Speicherkarte

Der Super-GAU

Für jeden Fotografen ist es der Super-GAU: Die Speicherkarte lässt sich plötzlich nicht mehr lesen – sei es in der Kamera oder am Computer. War sie noch leer, ist der Fall einfach, indem man die Speicherkarte fachgerecht entsorgt – sofern die Garantie noch nicht abgelaufen ist – und eine Neue kauft. Aber leider tritt ein Schaden meistens dann auf, wenn sich auf der Speicherkarte viele Bilder und/oder Videos befinden. Am wichtigsten ist es in einem solchen Fall, Ruhe zu bewahren und keinen Fehler zu machen. In einigen Fällen lassen sich die Aufnahmen dann nämlich noch retten.

1. Schritt: Keine neuen Fotos mehr machen

Passiert der Lesefehler unterwegs in der Kamera ist es am Wichtigsten, keine neuen Fotos mehr zu machen. Die Daten werden sonst nämlich unter Umständen ungünstig überschrieben und die Rettung der Bilder erschwert. Meist ist genau dieser Schritt schon der schwerste, weil man instinktiv dazu neigt, die Karte noch einmal einzuschieben und ausprobiert, ob sich nicht doch noch etwas machen lässt. Das sollte man sein lassen und seine Ersatz-Speicherkarte einlegen. Letztere sollte immer im Fotogepäck mitreisen. Bei den heutigen günstigen Preisen gibt es keinen sinnvollen Grund, nicht ständig wenigstens eine Ersatzspeicherkarte dabei zu haben.

2. Schritt: SD-Karte am Rechner anschließen

Sobald wieder ein Rechner greifbar ist, sollte die Speicherkarte über ein gutes Kartenlesegerät mit diesem in Verbindung gebracht werden. Manchmal lassen sich die Aufnahmen noch auslesen, selbst wenn es mit der Kamera Probleme gibt. Man sollte die Bilddaten unmittelbar auf ein sicheres Medium wie etwa die Festplatte – am besten mit zusätzlicher Sicherung (Backup) speichern. Anschließend gilt es, die Karte sicherheitshalber fachgerecht zu entsorgen (siehe Schritt 5) und der Versuchung zu widerstehen, sie noch einmal zu benutzen. Manchmal ist es so, dass die Speicherkarte nach erneuter Formatierung wieder funktioniert. Da man aber als Laie nicht einschätzen kann, warum die Speicherkarte einen Aussetzer hatte, ist es sicherer, wenn man die Problem-Karte nicht weiter verwendet.

3. Schritt: Daten-Rettungsprogramm probieren

Hat der Anschluss an den Rechner nicht geholfen, sollte man ein Datenrettungs-Programm installieren. Hier gibt es Lösungen wie etwa Recuva, Pandora, DiskDrill oder EaseUS Data Recovery Wizard Free, die aus dem Internet geladen werden können und teilweise sogar komplett kostenlos sind oder für einen Testzeitraum beziehungsweise bis zu einer gewissen Datenbeschränkung genutzt werden können. Die Bedienung dieser Tools ist meist recht einfach (wer sich diese nicht zutraut, springt zum nächsten Schritt). Nach der Installation und dem Start bieten einige Programme sogar einen Assistenten, der durch den Prozess leitet. Meist legt man zuerst die Speicherkarte ein. Sie wird dann geprüft und die noch herstellbaren Daten werden ähnlich wie im Dateisystem angezeigt.

Speicherkarte
Die meisten Datenrettungsprogramme sind ähnlich aufgebaut wie das hier gezeigte Recuva. Man sieht die rettbaren Dateien (manchmal auch mit Vorschau) und kann sie dann leicht wieder herstellen.

Meist steht auch eine kleine Vorschau zur Verfügung, so dass man bei Fotos identifizieren kann, um welche Aufnahmen es sich handelt. Die Bilder sollte man dann mit Hilfe des Programms auf einen anderen Datenträger (meist erst einmal die Computer-Festplatte) sichern und die Karte entsorgen (siehe Schritt 5). Wenn das erste Programm keine Hilfe gebracht hat, kann man noch ein zweites versuchen. Meist besteht dann aber nur noch wenig Hoffnung, es in Eigenregie zu schaffen.

4. Schritt: Profi-Service

Wenn die eigenen Datenrettungs-Versuche nicht von Erfolg gekrönt waren, kann man sich noch an einen professionellen Service wenden. Dort gelingt es häufig, die Daten wieder herzustellen. Allerdings fallen dafür meist Kosten im drei- bis vierstelligen Bereich an. Achtung: Manche Anbieter werben mit kleinen Preisen wie „ab 49,90 Euro“. Erst im Kleingedruckten wird darüber aufgeklärt, dass es sich dabei nur um den Preis für die Analyse handelt, ob und welche Daten noch zu retten sind. Für die eigentliche Datenrettung fallen dann nochmals in der Regel mindestens 3-stellige Beträge an. Allenfalls bei sehr einfachen Fällen, die man auch selbst mit einem Datenrettungsprogramm wieder herstellen könnte, lassen sich Anbieter für unter 100 Euro finden. Hier muss man abwägen, wie wertvoll die Aufnahmen für einen sind.

5. Schritt: Karte entsorgen

Von einer kaputten Speicherkarte muss man eigentlich nicht noch extra die Daten löschen, um sicherzustellen, dass sie nicht in unbefugte Hände gelangen. Wenn sich allerdings sensible Aufnahmen darauf befinden, sollte man sie sicher zerstören. Am einfachsten ist dabei die mechanische Variante: Mit einer robusten (Garten-)Schere lässt sich eine SD-Karte ebenso in ihre Einzelteile zerlegen wie mit einem Aktenvernichter, der auch CDs Schreddern kann.

Für das nächste Mal: Vorsorge statt Nachsicht

Wem seine Aufnahmen am Herzen liegen, der macht regelmäßig eine Sicherungskopie. Professionelle Kameras ermöglichen mit 2 Kartenslots schon bei der Aufnahme eine direkte SicherungVor allem bei einmaligen Gelegenheiten wie etwa Hochzeiten sorgt die doppelte Speicherung für ein enorm sicheres Gefühl. Wessen Kamera diese Option nicht bietet, der sollte zumindest am Abend eines Tages oder am Ende einer Aufnahmesession die Bilder auf ein anderes Gerät kopieren. Das geht im Urlaub übrigens auch aufs Tablet. Versierte Weltreisende nutzen häufig auch Internet-Cafes und die Cloud. Hier ist auf den Datenschutz zu achten wie im Beitrag: „Urlaubsfotos gehören während der Reise gesichert“ ausgeführt. Fällt dann einmal eine Karte aus, dann sind die obigen Schritte gar nicht nötig oder der Schaden ist begrenzt auf einen sehr kleinen Zeitraum.

Quelle: www.prophoto-online.de

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