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Wer Geldscheine nachmacht oder verfälscht …

16 EuroVor ein paar Tagen wollte ich als Geburtstagsgeschenk für meine Freundin eine als Reisegutschein modifizierten Euro-Banknote gestalten und großformatig ausdrucken. Doch da weigern sich Photoshop und Drucker mitzuspielen.

Das Problem beim Scannen von Geldscheinen beginnt bereits damit, dass viele Scanner und die entsprechende Scanner-Software nur eine leere Fläche als Ergebnis anzeigen, höchstens noch einen schmalen Randbereich erfassen, mit dem man allerdings wenig anfangen kann. Bei alten Banknoten ist das kein Problem – gegen einen Hunderttausender der deutschen Reichsbank wehrt sich der Scanner nicht.

Ich wollte allerdings einen modifizierten aktuellen Euro-Schein verwenden (in der Hoffnung, dass er, mit Zusatztext versehen und stark vergrößert, einseitig auf DIN A4-Kopierpapier ausgedruckt, nicht unter das Verdikt fällt: „Wer Geldscheine nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft oder in Umlauf bringt …“) *. Ich wusste ja bereits, dass es massive Bildbearbeitungsprobleme geben würde, dachte mir aber, diese mit ein paar Umwegen schon in den Griff zu kriegen.

Wenn der Scanner streikt, greift man eben zur Kamera. Die weiß – noch – nicht, was sie aufnimmt, vor ihr sind alle Pixel gleich. Das war Schritt eins. Schritt zwei war der Versuch, das Bild in Photoshop zu öffnen. Was erwartungsgemäß an der Meldung scheitert:

16 Meldung

Wie man es auch dreht und wendet – was hier wörtlich zu verstehen ist –, das Foto lässt sich so nicht öffnen. Alte Photoshop-Versionen haben da noch bedenkenlos mitgespielt, aber die laufen auf dem derzeit genutzten Rechner nicht mehr. Nun gibt es ja nicht nur Photoshop, sondern allerlei andere Bilder-Software, und die hat keinerlei Skrupel, auch ein 20-Euro-Foto zu öffnen. Allerdings verdirbt einem Bereits der Versuch, den Schein damit auszuwählen und gerade auszurichten, den Spaß, wenn man mit derlei Programmen nicht vertraut ist. Von der weiteren Bearbeitung mal ganz abgesehen.

Nach endlosen Fehlversuchen (irgendwann packt einen ja der Ehrgeiz und man will’s wissen) habe ich den Schein schließlich auf Umwegen mit Hintertüren in Photoshop gemogelt und zufriedenstellend bearbeiten können. Na bitte, geht doch!

Nun musste er nur noch ausgedruckt werden. Und da war nun gar nichts mehr zu machen. Ob aus Photoshop oder anderer Software, egal, in welchem Dateiformat, platziert, importiert, was auch immer … aus dem Drucker kam immer nur höchstens die Hälfte des Scheins. Welche, war unvorhersehbar. Zum Schluss habe ich es zwar irgendwie geschafft, und als Reisegutschein ging das Ergebnis auch noch durch. Aber wenn man sein Geld auf diese Weise als Fälscher verdienen will, kann man sich auch gleich eine ehrliche Arbeit suchen, da ist der Stundenlohn attraktiver.

Dass Geldfälschern auf diesem Weg digitale Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, ist völlig in Ordnung. Wer – außer den Betroffenen – wollte da etwas dagegen haben? Dennoch ist die Sachlage nicht unproblematisch. Denn wenn es möglich ist, per Algorithmus nicht nur Banknoten zu erkennen, sondern sogar gültige Zahlungsmittel von alten Sammlerstücken zu unterscheiden, dann ist noch eine ganze Menge mehr möglich, was wir dann nicht mehr so gut finden.

Das wäre etwa so, als würde ein Textprogramm nur eine Reihe von XXXXXX anzeigen, wenn man einen Satz eintippt, der aus einer Akte zitiert, die mit „geheim“ gestempelt ist,  einen Minister beleidigt oder als Gotteslästerung identifiziert wird. Dass Google, Facebook und alle eifrigen Cookie-Setzer, bei denen wir einkaufen, unser Verhalten analysieren und uns so individuell angepasste Werbung einblenden (wenn nicht mehr), ist ja schon bedenklich genug. Wenn uns aber selbst offline unsere Software in vorausschauender Fürsorge daran hindert, Fragwürdiges oder derzeit Verbotenes zu tun, dann passt das nicht mehr zu dem, was die Aufklärung vor 250 Jahren erkämpft hat.

*Belehrung

Falls Sie sich nun sorgen, was Sie mit Bildern von Euro-Banknoten machen dürfen und was nicht, dann schauen Sie mal bei http://www.rulesforuse.org/pub/index.php?lang=de

Dort finden Sie unter anderem für die Euro-Zone die Erklärung, dass die Regeln dafür vorgesehen sind, der Öffentlichkeit zu ermöglichen, klar zwischen echten Banknoten und Reproduktionen zu unterscheiden. „So lange eine Reproduktion in der Werbung oder als Illustration nicht mit einer echten Banknote verwechselt werden kann, darf sie ohne vorausgehende Autorisierung durch die Europäische Zentralbank verwendet werden.“ Mein Reisegutschein wird mich also nicht in den Knast bringen.

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