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Väterchen Putlins Krieg

Warum ich Angst vor einem neuen Krieg habe

Es ist mal wieder an der Zeit festzustellen, dass es mitunter Wichtigeres auf der Welt gibt als Photoshop und Digitalkameras. Zum Beispiel einen Krieg in Europa, den wir seit Jahrzehnten nicht mehr für möglich gehalten haben. Mit Bildbearbeitung hat das nur insofern zu tun, als Doc Baumann hier Stalin zum Opfer seiner eigenen fotografischen Propaganda-Retuschetechniken gemacht und so einen Stalin-Putin-Hybriden geschaffen hat – nur zeitgemäßer als mit Pinselchen und Airbrush. Leider kann man damit einen Krieg nicht aufhalten.

Väterchen Putlin

1. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich als Grundschüler auf meinem langen Schulweg bei jedem – Mitte der 50er noch recht seltenen – Brummen eines Flugzeugs einen besorgten Blick in den Himmel warf und mich verängstigt fragte, ob das vielleicht ein russischer Bomber sei, der gleich eine Atombombe über meiner Heimatstadt abwerfen würde. Dabei dachte ich an die schrecklichen Fotos, die ich in Zeitschriften über Hiroshima und Nagasaki gesehen hatte: schwarze Ruinen, verkohlte Menschen, Opfer mit Krebsgeschwüren. Jahrzehntelang war diese Angst verschwunden. Nun ist sie wieder da, dank Putins Drohungen.

2. Gelegentlich wandere ich mit meinem kleinen Enkel ein paar Kilometer weiter nördlich an demselben Fluss vorbei, den ich auf meinem Schulweg jeden Tag überquert hatte. Ein schmaler Trampelpfad führt an einem bewaldeten Hang entlang, der sich zum Fluss hin neigt; rund 60 Meter geht es da steil bergab. Mein Enkel würde immer mal wieder gern einen großen Stein den Berg hinab rollen lassen, natürlich macht das Spaß. Und ich erkläre ihm jedes Mal geduldig, dass man so etwas hier nicht machen darf, weil am Flussufer ein Fußgängerweg entlangführt und ein paar Meter darüber eine Straße verläuft. Da könnte man Menschen schwer verletzen.

Mein Enkel ist zwar erst fünf, aber das versteht er schon. Dass man keine Bomben und Raketen dahin schießen darf, wo Menschen leben, und dass die diese Menschen töten und ihr mühsam in Jahrzehnten erworbenes Eigentum zerstören, das würde er mit seinen fünf Jahren erst recht verstehen. Da ist er offenbar weiter als manche Erwachsene.

3. Vor mehr als einem halben Jahrhundert musste ich mich einem Anerkennungsverfahren als Kriegsdienstverweigerer stellen. Seitdem verfluche ich jede Mark und jeden Euro, der für Rüstung ausgegeben wird. Hierzulande und weltweit.

1987 sagte US-Präsident Ronald Reagan – den ich sonst nicht unbedingt zustimmend zitieren würde – in einer Rede vor der UNO, wahrscheinlich würden die Erdbewohner ihre Differenzen vergessen und gemeinsam handeln, wenn es eine Bedrohung durch Außerirdische gäbe. Die gab es bisher nicht – aber seit zwei Jahren müssen wir uns mit einer anderen weltweiten Bedrohung auseinandersetzen, die bisher etwa 6 Millionen Tote gefordert hat, mit Corona.

Als die Zahlen damals immer weiter stiegen, hatte ich eine tollkühne Idee: Was wäre, wenn angesichts der nationenübergreifenden Bedrohung die Staaten endlich ihre lächerlichen Auseinandersetzungen auf Sandkastenniveau aufgäben, deren einzige Nutznießer die Rüstungsindustrie und ein paar machtgierige Männer sind? Was wäre, wenn die Staaten der Erde ihre wahnsinnigen Rüstungsausgaben für vernünftige Zwecke ausgäben? Die erreichten 2020 einen neuen Höchststand von fast 2 Billionen US-Dollar! 1.960 Milliarden!

Damit ließen sich sämtliche Maßnahmen für Klimaschutz bezahlen, die künftigen Generationen das Überleben sichern, und ebenso alle Lösungen für Probleme finanzieren, die Menschen zu militärischen Konflikten oder zur Flucht aus ihrer Heimat treiben. Zwei Billionen Dollar pro Jahr!

Auf der Erde leben knapp 8 Milliarden Menschen. Von den Kriegen, in die sie ihre Völker (oder Kunden) hetzen, profitieren wahrscheinlich ein paar Tausend. Die restlichen 8 Milliarden – wir – sind ihre Opfer.

Vielleicht gibt es gar keine außerirdischen Invasoren, weil wir dank einer Kombination unwahrscheinlicher Zufälle die einzigen intelligenten (?) Lebewesen im ganzen Universum sind. Und dann führen wir mutwillig das Ende unserer Zivilisation herbei, indem wir unseren Planeten durch Kriege und Zerstörung des Klimas unbewohnbar machen …

Ich versuche noch immer, mir meinen Pazifismus zu bewahren. Aber wie soll ich argumentieren, wenn Putin nun überdeutlich beweist, dass auch wir uns militärisch schützen müssen, weil Diplomatie nichts nützt, und dass das viel Geld kostet?

4. Ex-Kanzlerin Merkel sagte vor einiger Zeit, noch ehe sich dieser Krieg abzeichnete, die Generation der Menschen, die den Zweiten Weltkrieg noch selbst erlebt habe, sterbe langsam aus, und damit auch die Erfahrung all derjenigen, die seine Schrecken gesehen hätten. Das lasse Krieg als Option wieder wahrscheinlicher werden. Da hat sie mal wieder Recht gehabt.

5. Doch noch ein Satz zu digitaler Bildbearbeitung: Die Wahrheit stirbt im Kriegsfalle bekanntlich zuerst. Weit davon entfernt, ihm nicht zu glauben, merkte ich, dass ich bei den Videoaufnahme von Präsident Selenskyj vor dem Hintergrund seiner Stadt ins Zweifeln kam, ob er wirklich, wie behauptet, mit seinem Smartphone in Kiew steht und nicht aus dem Land geflohen ist. So was kann man in jedem Fernsehstudio mit Green Screen aufnehmen. Selbst wenn Propaganda nicht direkt funktioniert, führt sie dazu, dass man zwischen richtig und falsch nicht mehr zuverlässig unterscheiden kann.

Väterchen Putlin
Bild aus tagesschau.de

EINERSEITS …

Was Putin und seine politischen Marionetten im russischen Parlament da losgetreten haben, lässt sich mit nichts rechtfertigen. Punkt. ich gebe zu, ich war naiv. Der Westen hat mehrfach verkündet, die Manöver nahe der ukrainischen Grenze seien eine Vorbereitung für eine Invasion. Russland hat das stets als westliche Propaganda hingestellt und beteuert, es gäbe keinerlei Pläne für eine solche Invasion.

Da dachte ich: Das wird wohl stimmen – die Russen würden sich vor der Weltöffentlichkeit ja als völlig unglaubwürdig darstellen, wenn es doch einen Einmarsch gäbe. So dumm können sie nicht sein.

Um noch mal meinen Enkel ins Spiel zu bringen: Dem erkläre ich auch immer, dass Lügen ganz schlecht ist, und versuche, ihm das alte Sprichwort verständlich zu machen: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht … Vielleicht versteht er das in seinem Alter noch nicht wirklich. Die meisten Erwachsenen kapieren es. Eigentlich.

Ich bin kein Politiker und kein Historiker. Aber ich kann denken. Es gibt die merkwürdigsten Gründe für das, was Menschen tun. Die sind oft schwer nachvollziehbar, aber man muss sich damit auseinandersetzen. Allerdings gibt es eine zentrale Anforderung: Solche Argumente müssen intern widerspruchsfrei sein.

Wir gehen heute von einer Unverletzbarkeit staatlicher Grenzen aus. Dass die durchaus verschoben werden können, hat mitten in Europa der Krieg im ehemaligen Jugoslawien gezeigt. Putin hat die ukrainischen Grenzen verletzt. Aber er argumentiert mit – für ihn – höheren Werten, dem Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung, die sich zu ihren russischen Wurzeln bekennt.

Man muss diese Sichtweise nicht teilen, aber man kann sie probehalber ernst nehmen. Gehen wir also als Arbeitsthese davon aus, dass der Wunsch einer deutlichen Bevölkerungsmehrheit, sich politisch und national zu orientieren, ein höherer Wert ist als bestehende Grenzen.

Dann wäre es gerechtfertigt, dass nach dem Referendum auf der Krim (sofern es ehrlich zugegangen wäre und nicht die üblichen Zweifel an „Wahlen“ in diesem Teil der Welt angemessen wären) dieses Gebiet abgespalten wurde und sich an Russland orientiert. Und nun ebenfalls die ost-ukrainischen Donbas-Gebiete. (Würde das auch bedeuten, dass nach entsprechenden Abstimmungen Teile von Duisburg an Bulgarien fallen, Teile von Köln oder Berlin türkisches Territorium werden?)

Alles klar? Allerdings stellt sich dann sofort die Frage: Was ist denn dann mit dem Mehrheitswillen der Bevölkerung der Ukraine, die sich dem Westen anschließen, gar NATO-Mitglied werden möchte? Zählt das Argument plötzlich nicht mehr? Und warum hat Russland den Diktator Lukaschenko unterstützt, nachdem der sich nach gefälschten Wahlen an seinen Thron klammerte, und nicht dem Willen der Mehrheit zur Durchsetzung verholfen? Mit oder ohne russische Panzer, die den Palast des Autokraten in Trümmer schießen?

International hat Russland erst mal seine Glaubwürdigkeit verspielt. Und im Lande selbst? Da ist in den Staatsmedien die Invasion kein Thema, es wird von vereinzelten Militäroperationen berichtet, nicht von einem Krieg und Bombenangriffen auf Großstädte. Falls ukrainische Meldungen über getötete russische Soldaten stimmen sollten und die Leichen irgendwann zu ihren Familien zurückgebracht werden – sind die dann angeblich alle bei Betriebsunfällen ums Leben gekommen? Und was wird dann die russische Bevölkerung ihrer Regierung noch glauben? Wie sieht Putins eigene Sicht der politischen (von der moralischen ganz zu schweigen) Rechtfertigung dieser Invasion aus, wenn man schon das eigene Volk belügt? Da hatte es Väterchen Stalin mit den in Auftrag gegebenen Bildretuschen einfacher – damals glaubte man Bildern noch (siehe oben).

Das Ganze erinnert mich an die rund 15 Jahre, in denen ich als Journalist aus der Motorradrocker-Szene berichtet habe (und gelegentlich dabei geholfen habe, dass sich Clubs nicht gegenseitig über den Haufen schießen, sondern sich an einen Tisch setzen und zu friedlichen Lösungen gelangen.) Auch da war viel Testosteron im Spiel. Mangels Atombomben hielten sich die gegenseitigen Drohungen in Grenzen, aber die Qualität der Argumente konnte sich etwa mit denen Putins messen. Doch unterm Strich habe ich so viel Unvernunft wie derzeit dort nicht erlebt. (Und es soll auch nicht unter den Tisch fallen, dass ich in diesen Jahren überwiegend positive Erfahrungen gemacht habe.)

ANDERERSEITS …

Ist also alles klar? Putin ist der Böse, im Westen sitzen die Guten? Die gegenwärtige Diskussion leidet an einem unseligen entweder … oder. Warum in trüben Graustufen denken, wenn sich die Welt so schön und klar in schwarz und weiß darstellen lässt?

Das erwähnte „Wer einmal lügt …“ gilt ja nicht nur für Putin und Russland. Als ich in den Nachrichten die Satellitenaufnahmen des russischen Aufmarschs an der Grenze sah, die Meldungen der amerikanischen Geheimdienste, von einem Truppenabzug sei nichts zu sehen … da dachte ich zuallererst an ähnliche Aufnahmen, die 2003 „beweisen“ sollten, dass der Irak Massenvernichtungswaffen herstellt. Mit diesen Aufnahmen und erlogenen Erläuterungen des dort zu Sehenden trieben die USA ihre Verbündeten und die eigenen Soldaten in einen für alle Seiten verheerenden Krieg mit zahllosen Toten und Verletzten, unter dessen Nachwirkungen der Irak noch heute leidet.

Sind Putins Argumente an den Haaren herbeigezogen? Als Russland 1989 der deutschen Wiedervereinigung zustimmte, gab es die sowjetische Forderung nach Neutralität des nun ungeteilten Landes. Zum Schluss einigte man sich darauf, ganz Deutschland dürfe Mitglied der NATO werden, diese weite sich aber nicht weiter nach Osten aus. Diese Zusicherung erhielt die Sowjetunion mehrfach von führenden wesentlichen Politikern.

Und, was ist daraus geworden? Ungeachtet aller Versprechungen wurden viele Länder Osteuropas in die NATO aufgenommen. Dass US-Präsident Obama 2014 sich über Russland als „Regionalmacht“ lustig machte, dürfte auch nicht gerade hilfreich gewesen sein. Gelernt hat Putin daraus augenscheinlich nichts, wenn er die ukrainische Regierung nun als Bande drogenabhängiger Neonazis bezeichnet (die ergänzende Attributierung als schwule Kinderschänder hat er wahrscheinlich in der Hektik nur vergessen).

Na gut, zumindest Annexionen von Ländern gibt es im demokratischen Westen nicht. (Der Irak wurde ja nicht annektiert, nur die Ölreserven gesichert, und von den USA unterstützte Militärputsche in Südamerika waren ja irgendwie auch keine richtigen Besetzungen dieser Länder.) Und was ist etwa mit Israel, dem kürzlich von Amnesty International Apartheitspolitik attestiert wurde? Als zusätzliches Kriterium für Antisemitismus gilt ja seit ein paar Jahren in Deutschland: „Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“ Aha. Und was steht seit 2018 im israelischen Nationalstaatgesetz? Ebendiese Definition als jüdisches Kollektiv. Mal davon abgesehen, dass dieses deutsche Verständnis den Begriff „Antisemitismus“ entwertet, beliebig uferlos macht und den Attentäter von Halle auf dieselbe Stufe stellt wie Kritiker der israelischen Besatzungspolitik, die mit ständig neuen „Siedlungen“ auf fremdem Gebiet Palästinenser enteignet und vertreibt – wo bleibt den hier der laute Protest der westlichen Regierungen gegen Annexionen und Grenzverletzungen?

Immerhin haben wir im Westen eine freie Presse, in der sich derlei gelegentlich nachlesen lässt. Hier werden Journalisten nicht unterdrückt wie im Osten. Oder? Was ist denn etwa mit Julian Assange, der seit Jahren inhaftiert ist und unter Bedingungen in Haft sitzt, die unabhängige Gutachter als Folter beschreiben? Und weswegen? Weil er gelogen und Propaganda verbreitet hat? Nein, weil er die Wahrheit über US-Kriegsverbrechen veröffentlicht hat – das, was unsere hochgelobte freie Presse angeblich ausmacht.

Berichtet wird in ebendieser freien westlichen Presse über seinen Fall kaum noch, dabei wäre das Aufgabe jedes Journalistenkollegen. Aber von Folter und Grundsätzen mal abgesehen: Jedenfalls erhält er ein rechtsstaatliches Verfahren und wird nicht mit Giftanschlägen aus dem Verkehr gezogen wie russische Kritiker. Sieht man mal davon ab, dass es Pläne der CIA gab, ihn zu entführen und zu ermorden. Dumm nur, dass die an die Öffentlichkeit gelangten. Und Edward Snodwen, der ebenfalls dazu beitrug, rechtswidrige US-Regierungspraktiken öffentlich zu machen, muss sich ausgerechnet in Putins Land verstecken, um den Nachstellungen aus seiner Heimat zu entgehen. Verkehrte Welt!

Dafür bekundet der ganze Westen seine Unterstützung für den russischen Rechtsextremisten Alexej Nawalny. Der Giftanschlag auf ihn ist zu verurteilen, da gibt’s nichts drumherum zu reden. Aber das einzige, das für Nawalny zu sprechen scheint, ist, dass er gegen Putin ist.

UND DANN?

Die Ukraine ist nicht in der NATO. Das bedeutet einerseits, dass der Westen nicht militärisch eingreifen muss (sondern zusieht, wie ein Land völkerrechtswidrig überfallen wird) – andererseits wäre im Falle eines Eingreifens nach Putins ominösen Drohungen mit einem verheerenden Dritten Weltkrieg zu rechnen. Vielleicht wäre bei einer NATO-Mitgliedschaft ein Einmarsch unterblieben.

Wenn die Mehrheit der Menschen in der Ukraine nun aber in die NATO will … Es gibt schließlich den Selbstbestimmungswillen der Völker. Nun, was den Weltfrieden betrifft, ganz zynisch – gut, dass sie nicht drin sind! Und was den Aufnahmewillen betrifft – da täte der Westen gut daran, die Sicherheitsinteressen Russlands ernst zu nehmen und sich an alte Versprechungen zu halten. Es gibt ja auch Staaten, die gern in die EU wollen und (noch nicht) reinkommen, weil die EU das ablehnt. So könnte das auch im Fall einer NATO-Mitgliedschaft mit der Ukraine aussehen. (Präsident Selenski scheint derlei als Verhandlungsbasis für Friedensgespräche nun angeboten zu haben.)

Es ist nach diesem russischen Überfall eine Zwickmühle: Ohne NATO-Mitgliedschaft sind oder wären diese Staaten schutzlos russischen Invasionen ausgeliefert; als NATO-Mitglieder würde jeder Konflikt den ganzen Westen hineinziehen und einen Dritten Weltkrieg mit Atomwaffen provozieren. So oder so (sorry!) Scheiße! Es ist ziemlich unbefriedigend, sich nur zwischen Alternativen entscheiden zu können, von denen man weiß, dass sie allesamt falsch sind. Dazu gehören für mich auch die 100 Milliarden für die Bundeswehr, trotz allem.

Mich treibt derzeit noch eine ganz andere Sorge um: Wie sind eigentlich Kriegshandlungen und Angriffe auf NATO-Länder genau definiert? Klar, wenn russische Raketen deutsche oder polnische Kraftwerke zerstören würden, Eisenbahnnetze, Krankenhäuser, militärische Infrastruktur, Fernsehsender, Ministerien … dann wäre das der NATO-Verteidigungsfall. Aber ist funktionsunfähig gleich zerstört? Denn was wäre, wenn in der gegenwärtigen aufgeheizten Situation (von wem auch immer, man kennt das ja aus James-Bond-Filmen) Cyberangriffe auf die genannten Institutionen stattfänden? Abgeschaltete Kraftwerke, bewegungsunfähige Eisenbahnen, zusammengebrochene Kommunikationsnetze, gehackte Medien, stillgelegte Krankenhäuser …

Ich möchte gar nicht darüber nachdenken. Ich fühle mich wieder wie der kleine neunjährige Junge, der verängstigt in den Himmel schaut, weil dort oben ein Flugzeug seine Bahn zieht und vielleicht gleich eine Atombombe auf seine Stadt wirft. Nur würde es heute vorher nicht mehr brummen.

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Doc Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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14 Kommentare

  1. »Als Russland 1989 der deutschen Wiedervereinigung zustimmte, … dürfe Mitglied der NATO werden, diese weite sich aber nicht weiter nach Osten aus. Diese Zusicherung erhielt Russland mehrfach von führenden wesentlichen Politikern.«
    .
    Ach ja, tatsächlich?! Mit welchem Dokument können Sie die Zusicherung belegen? Um es kurz zu machen, diese Zusicherung gab es nicht. Es war vielmehr eine nachträgliche Interpretation.
    Selbst wenn es eine solche gegeben hätte, wäre die dann nicht im höchsten Maße fragwürdig? Wäre doch damit für immer und ewig über die Zukunft ehemaliger Ostblockstaaten entschieden worden.

    1. Die Quellen sind zum Beispiel in den drei letzten Ausgaben des “Spiegel” ausführlich dokumentiert. Die Alternative wäre die Verweigerung der deutschen Wiedervereinigung gewesen. Aber zugegeben: Korrekt hätte es heißen müssen “Sowjetunion”.

      1. Der Hinweis auf »Der Spiegel« ist interessant – werden doch dort sich widersprechende Zitate aneinander gereiht. Aus denen abzuleiten, die bewusste Zusicherungen hätte es tatsächlich gegeben, ist ziemlich sportlich. Hier handelt es sich um Interpretationen, nicht um Belege.
        .
        Und so verweise ich auf die Ausgabe 7 selbiger Publikation vom 12.02.2022 Seite 28: »Freilich liegt keine völkerrechtliche Vereinbarung aus der Zeit nach dem Mauerfall vor.«

    2. tja, zum Glück sind auch die Transatlantiker an der einen oder anderen Stelle Bürokraten und schreiben das eine oder andere auf:
      https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/russia-programs/2017-12-12/nato-expansion-what-gorbachev-heard-western-leaders-early
      Und ehrlich gesagt: gemessen an dem Geschrei der Amerikaner wegen ein paar sowjetischer Raketen in Kuba (in zwei Wochen von 0 bis fast zum Atomkrieg) hatten die Russen eine geradezu endlose Geduld mit dem Westen … immerhin 30 Jahre.

    3. Ja, damals gab es schließlich noch die Sowjetunion und den Warschauer Pakt. Dass Teile davon jemals der NATO beitreten würden, erschien zu diesem Zeitpunkt völlig undenkbar und war schon deshalb gar kein Verhandlungsgegenstand. Das Narrativ, die NATO hätte damals eine Ausdehnung auf ehemalige Warschauer-Pakt-Staaten oder Teilrepubliken der Sowjetunion ausgeschlossen, stimmt einfach nicht. Gorbatschow hatte das Jahre später noch einmal bestätigt.
      Davon abgesehen sind Polen, die baltischen Staaten etc. nicht deshalb der NATO beigetreten, weil diese sie dazu genötigt oder auch nur intensiv um sie geworben hätte, sondern weil sie sich vor einer russischen Aggression fürchteten und sich daher unter den Schutzschirm der NATO begaben. Wie gut sie daran taten, sehen wir nun. Deutschland hatte seinerzeit den Beitritt auch der Ukraine und Georgiens zur NATO verhindert. Die Merkel-Regierung wollte mit ihrer Weigerung Russland besänftigen – eine durchaus nachvollziehbare Idee, aber sie beruhte auf einer völligen Fehleinschätzung Putins; aus heutiger Sicht war es ein schwerer Fehler.

      1. “Gorbatschow hatte das Jahre später noch einmal bestätigt.”

        naja, weil es keine offiziellen verträge darüber gab und (vielleicht) weil ihm persönlich so etwas niemand zugesagt hat. ich habe die zeit erlebt und erinnere mich noch, dass damals viel zugesagt wurde… auch blühende landschaften… und Oskar Lafontaine wurde weggemobbt, weil er die wahrgeit laut gesagt hat: dass es lange dauern und teuer werden würde – aber das wollte keiner hören/wahrhaben.

        “Davon abgesehen sind Polen, die baltischen Staaten etc. nicht deshalb der NATO beigetreten, weil diese sie dazu genötigt oder auch nur intensiv um sie geworben hätte, …”

        die westliche propaganda funktioniert ebenfalls hervorragend…

  2. Nachtrag: Was mir noch einfällt zu Putins Drohungen und der aktueller Alarmbereitschaft seiner Atomwaffen: Das erinnert mich auch stark an einiges aus der Rockerszene. Ich haue Dir (Schwächerem) aufs Maul, aber wehe, Du haust zurück oder holst gar einen Kumpel, der genau so stark ist wie ich – dann kannst Du aber mal wirklich was erleben!

  3. Eine interessante Zusammenstellung. Immerhin ist die menschliche Spezies so erfolgreich und steht nun mit ihrer Technik überl allem auf dem Planeten, weil sie die aggressivste ist. Stephen Hawking warnte vor der künstlichen Intelligenz, weil sie – nach wenigen Jahrzehnten – erkennen würde, was das Problem auf dem Planeten sei. Dann würde die KI das Problem logischerweise erledigen. Also sollte die Menschheit schleunigst andere Planeten besiedeln, die sie nutzen könnt und an KI nicht mehr weiter forschen.
    Da unsere Spezies aggressiv ist, wird sie KI weiter fördern und dann zu spät erkennen, wer das Sagen hat…..

  4. Hallo Doc,
    danke für diesen Beitrag, der auch meine Gemütslage ziemlich genau beschreibt.
    Wäre noch nach altbekannter Manier zu fragen: “Wem nützt es?” Die Rüstungsindustrie aller Länder kriegt sich kaum noch ein vor Freude. Mit den angekündigten zusätzlichen 100Mrd.€ Rüstungsausgaben allein in Deutschland könnten wir so viele Probleme im Sozial- und Gesundheitswesen lösen. Aber vielleicht dürfen die insolventen Genting Werften in MV ja in Zukunft Kriegsschiffe bauen, frei nach dem Motto “Sozial ist, was Arbeit schafft”.
    Mann Putin, hast Du keine Berater, die sich mit den Kriegen der jüngeren Vergangenheit beschäftigt haben? Oder hast Du etwa gedacht, daß Du wie die westlichen “Menschenrechtskrieger” mit diesen Verbrechen durchkommst?
    Danke für eine zukünftig noch mehr hochgerüstete und hasserfülltere Welt, in der wir uns um den Klimawandel wohl nicht mehr kümmern brauchen. Mir wird Angst um meine Kinder und Enkel…

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