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Digitale Landschaftspflege

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Foto: Doc Baumann

 

Sie kennen sicherlich Software, mit der sich speziell Gesichter verschönern lassen. Wir hatten in DOCMA vor einiger Zeit darüber berichtet. Nun hat Anthropics, der Hersteller von PortraitPro, das Prinzip auf Landschaftsfotos übertragen. Doc Baumann hat sich das neue LandscapeProStudio näher angeschaut.

 

Es erinnert ein wenig an den Surrealisten René Magritte, wenn der erste Schritt in LandscapeProStudio darin besteht, die verschiedenen Bereiche eines Fotos mit kleinen Kärtchen zu bepflastern, auf denen steht „Himmel“, „Gras“, „Wasser“ oder „Fels“. Im Prinzip handelt es sich dabei um Abkürzungswege zu Auswahlen, die diese Bildkomponenten erfassen. Aber es geht noch weiter – die Software „weiß“ später auch, dass der mit „Himmel“ markierte Bereich mit neuen Wolkenbildern ausgefüllt werden soll. Bei den anderen Zonen beschränken sich die Eingriffe weitgehend auf Farb- und Tonwertänderungen.

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Ganz so simpel ist es allerdings nicht, denn jede Änderung dieser Parameter wirkt sich auch auf das übrige Bild aus, so dass die Einzelteile immer ein möglichst harmonisches Ganzes bilden.

Allerdings ist die künstliche Intelligenz von LandscapePro noch nicht so weit, dass bereits das bloße Benennen eines Bildbereiches zu einer sauberen Auswahl führen würde. Hier muss der Anwender mit entsprechenden Werkzeugen meist noch nachhelfen. Jede markierte Zone wird mit einer bestimmten Farbe überlagert, und diese Farbe lässt sich in Bereiche ausdehnen, die nicht richtig erkannt worden sind. Das funktioniert so gut oder so schlecht, wie wir das von farbbasierten Auswahlen kennen – also bei hohen Kontrasten hervorragend, bei schwachen kaum. Ein spezielles Baum-Himmel-Werkzeug, das auch in diesem Bild eingesetzt wurde, führt schnell zu guten Ergebnissen. Die Isolation der beiden Bäume vom farblich sehr ähnlichen Wald dahinter dagegen ist recht mühsam.

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Im linken Teil des Fensters gibt es mehrere Aufklapp-Menüs, unter denen sich sowohl Vorgaben wählen als auch Regler einstellen lassen. Nach der Zuordnung der Bildzonen definieren Sie im nächsten Schritt den Horizont, danach die „Globalen Presets“. Über „Whole Picture“ bestimmen Sie eine Ausgangsstimmung, die sich auf alle Bereiche auswirkt. „Style“ und „Depth“ geben ebenfalls die allgemeine Bildstimmung an. Danach bearbeiten Sie die Farbigkeit derjenigen Zonen, die Sie angelegt haben – da in unserem Bild keine Wasserfläche vorkommt, wird „Water“ nicht angezeigt. Die Vorgaben werden als Miniaturen bereits mit dem aktuellen Bild angezeigt.

Die ausgiebigsten Möglichkeiten zur Bildmodifikation finden Sie unter „Sky“, wo Sie nicht nur aus einer langen Palette von Wolkenfotos auswählen können, sondern auch eigene Bilder laden können. Bei kontrastreichen Wolkenformationen lassen sich diese und der Himmel dahinter gesondert bearbeiten. Die Simulation von Parametern wie „Wolkendichte“ über Farb- oder Kontrasteinstellungen ist allerdings weniger gelungen. Die Idee, über eine interaktiv platzierbare Sonne unter „Lighting“ die Beleuchtungsrichtung der kompletten Szene zu verändern, ist im Ansatz zwar ganz nett, muss aber auf der Grundlage von 2D-Bildern letztlich unbefriedigend bleiben.

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Die Idee von LandscapePro ist nicht schlecht und das Programm – als Standalone oder Plug-in anwendbar – kann Anwendern mit grundlegenden Kenntnissen die Bearbeitung und „Optimierung“ von Landschaftsfotos durchaus erleichtern. Für Fortgeschrittene oder Profis – wie der ja ohnehin inflationär gebrauchte Namensbestandteil Pro zu signalisieren scheint – dagegen bringt die Software wenig Neues; die werden mit ihren herkömmlichen Werkzeugen in Photoshop in nahezu derselben Zeit zu nicht weniger guten Ergebnissen gelangen. Das schnelle Austauschen eines Himmels – das man im Prinzip auch über eine Photoshop-Bibliothek erzielen könnte – ist allerdings durchaus eindrucksvoll, zumal dabei die restliche Szene nicht, wie in üblichen Bildbearbeitungsprogrammen, unverändert bleibt, sondern die Lichtstimmung sofort auf das komplette Bild übertragen wird, ohne dass der Anwender etwas dazu tun müsste (er kann, muss aber nicht).

Näheres zu LandscapePro und LandscapeProStudio finden Sie auf der Seite von Anthropics: www.landscapepro.pics/ Hier können Sie auch eine gratis Testversion herunterladen.

Die Software läuft unter Windows 10, Windows 8, Windows 7, Vista, XP und OSX; der Preis für die Pro-Version soll um 80 $ liegen, der für Studio etwa 120 $. Zum Einstieg gibt es die Programme zum halben Preis.

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  1. OttoHeinz

    Es gibt einfachere Wege um schlechte Bilder zu erhalten 😉

  2. dunkelmann

    Der Himmel sieht ja ganz nett aus.
    Aber der Rest ?

  3. Achim_O

    @OttoHeinz
    Ganz recht! Das verhält sich wie im Allgemeinen: Sehr gute – gute Fotos können profitieren, mittelmäßige – schlechte natürlich nicht!
    Oder, um mit Goethe zu sprechen: Getretener Quark wird breit, nicht stark!

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