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Der Zoll-Online-Rechner

Altglas-Report

Der Service von eBay zur Abwicklung von Zollformalitäten ist auf bestimmte Regionen beschränkt. Großbritannien scheint noch nicht dabei zu sein. UK-Angebote sind durchaus interessant, aber seit dem Brexit teuer geworden. Wie teuer, lässt sich mit dem Zoll-Online-Rechner schnell herausfinden – obwohl, schnell geht eigentlich anders. Aber mit Mut und gutem Willen durchaus machbar.

eBay International Shipping ist für Käufer denkbar einfach und zahlreiche US-Verkäufer nutzen den Service. Um den Einzug der Mehrwertsteuer kümmert sich eBay inzwischen ohnehin. Und im Rahmen des Programms um den Zoll bei der Einfuhr von Waren aus Nicht-EU-Ländern. Frei von unschönen Überraschungen bleibt das Angebot nicht immer, wie ein Blick auf den Zoll-Online-Rechner zeigt. Zum Trost: Vieles bleibt aufgrund des hohen Warenaufkommens und der nur stichprobenartigen Kontrollen unentdeckt. Das Paket schlüpft durch, vorausgesetzt die wesentlichen Angaben erscheinen plausibel.

Zoll-Online-Rechner
Mit dem Online-Zollrechner kann der fällige Drittlandszollsatz ermittelt werden. Vorausgesetzt, man kennt die Codenummer, die das Online-Tool aber nicht preisgibt. Immerhin sind die ebenfalls benötigten Ländercodes für Ursprungs- und Versendungsland in einer Liste hinterlegt. Für Objektive reichen diese drei Angaben aus.

Der Blick in Handbücher, die zum Download angeboten werden, ist alles andere als zielführend. Kann aber durchaus beeindrucken, Verfahrensanweisungen können mehrere hundert Seiten umfassen. Das Handbuch zum Zoll-Online-Rechner zählt hingegen nur 50 Seiten. Mit einem Minimum an gutem Willen findet man die Liste mit Zollsätzen: 6,7 Prozent für Objektive. Bezeichnend für die Zoll-Mentalität ist wiederum der abschließende Hinweis: „Die genannten Zollsätze sind nur Anhaltspunkte, sie können je nach Beschaffenheit der Ware abweichen!“ Diese Beschaffenheit verrät der Zoll-Online-Rechner, aber noch immer fehlt die Zauberziffer für den Produktcode. Vergleichsweise schnell findet man Seiten, die die Nomenklatur des 11-stelligen Codes bis ins kleinste Detail durchdeklinieren. Die Seite mit den Zolltarifnummern könnte helfen, ist aber unter den zahlreichen Links nicht zu finden. Und man müsste wissen, dass Kapitel 37 zum Ziel führt. Kurzum: 90 ist die Zauberzahl und diese zwei Ziffern genügen dem Zoll-Online-Rechner bereits.

Der Zoll-Online-Rechner bestätigt bereits bekannte Information: 6,7 Prozent auf den Warenwert (Kaufpreis + Porto). Auf diese Summe werden 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer erhoben. Unklarheiten klärt eine einfache Bespielrechnung. Nachdenklicher stimmen zahlreiche Einschränkungen in den Fußnoten: „…50 bis 100 Jahre alt …, nicht unter die Zusatzcodes 4008, 4010, 4011, 4013, 4023, 4040 – 4048 fallend“. Natürlich gibt es die Zusatzkennziffern – irgendwo. Selbsterklärend ist diese Fußnote: „Die Einfuhr von Waren mit Ursprung in den nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten der ukrainischen Oblaste Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja in die Europäische Union ist verboten. Das Einfuhrverbot gilt nicht für: die Erfüllung von Handelsverträgen, die vor dem 23. Februar 2022 geschlossen wurden …“

Spannung bis zum Schluss

Der Code für Objektive wird durch 7 weitere Unterbereiche spezifiziert: Brennweite, Bildwinkel, Blende, Durchmesser, Auflösung, Linsendurchmesser und Andere. Weitere Details sind über den Zoll-Online-Rechner abrufbar. In der Realität könnte diese Vielfalt kreative Freiräume fördern und die Betrachtenden fordern. Vielleicht war das der Grund für ein misstrauisches Beäugen des ausgepackten Objektivs bei meinem Besuch der Zoll-Außenstelle: Mindestens 7 weitere Kriterien und das Alter waren zu checken.

Doch diese Besuche mit unbestreitbarem Unterhaltungswert scheinen der Vergangenheit anzugehören. Die letzte Nacherhebung zu einer von eBay bereits eingezogen Abgabe betrug 1,37 Euro und bescherte meinem Widerspruch eine 3-DINA4-Seiten lange Erklärung der Rechtmäßigkeit vom Hauptzollamt Frankfurt – mit der Empfehlung, den Widerspruch zurück zu ziehen. Angesichts des Betrages nachvollziehbar, nur der DHL-Einbehalt von 6 Euro für Abwicklung und Vorlage von 1,37 Euro störte. Nun gut, UPS und Fedex berechneten bisher 2,5 Prozent auf eine solche Vorleistung, mindestens aber 12 bis 15 Euro. Wohl dem, der seinen Frachtführer kennt!

Der Zoll-Online-Rechner
Die abschließende Antwort vom Hauptzollamt Frankfurt auf einen Einspruch im September 2023 ließ bis Ende Januar 2024 auf sich warten.

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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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