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Im Fokus: Fluchten und Horizont

Wie Sie für glaubwürdige Fotomontagen Fluchten und Horizont – genauer: die Fluchtpunkte und den Horizont des Hintergrundbildes – bestimmen, lesen Sie in diesem Auszug aus der aktuellen DOCMA.

Die drei wichtigen, für die Fotografie relevanten Perspektivearten haben Sie bereits auf den ersten Seiten kennengelernt. Relevant sind diese vor allem, wenn Sie glaubwürdige Fotomontagen erstellen möchten. Selbst Laien fällt unbewusst auf, wenn etwas mit der Perspektive nicht stimmt. Wenn Sie für das Hintergrundbild die Fluchtpunkte und den Horizont bestimmen, vereinfacht das die spätere Montage deutlich.

Fluchten und Horizont

Im Fokus: Fluchten und Horizont

Suchen Sie sich paralle Kanten (oder Strukturen) im Bild. Achten Sie darauf, dass Sie nicht irrtümlich tatsächlich schräg zueinander positionierte Linien zur Fluchtpunkt­ermittlung benutzen, da dies zu falschen Ergebnissen führt. Setzen Sie mit dem »Zeichenstift« (»P«) einen Punkt am Anfang und dann einen zweiten Punkt am Ende der Kante. Mit gedrückter »Strg/Cmd«-Taste wählen Sie diesen Punkt durch Anklicken aus und verschieben ihn bis über die vermutete Position des Fluchtpunkts hinaus. Achten Sie hierbei darauf, dass die gerade Linie weiterhin so exakt wie möglich an der im Bild wiedergegebenen Kante liegt. Klicken Sie bei gehaltener »Strg/Cmd«-Taste in eine freie Bildstelle, de­selektieren Sie dadurch den vorhandenen Pfad, um nun einen weiteren anlegen zu können.

Fluchten und Horizont

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Ziehen Sie nun entlang einer anderen der parallelen Kanten im Bild eine weitere Fluchtlinie wie in Schritt 1. Der Schnittpunkt beider Kanten ist der mutmaßliche Fluchtpunkt und die Höhe des auf diese Weise ermittelten perspektivischen Horizonts, den Sie mit einem weiteren Pfad einzeichnen (hier: grün).

Fluchten und Horizont

Im Fokus: Fluchten und Horizont

Falls Sie den richtigen Fluchtpunkt gefunden haben, können Sie das durch Einzeichnen weiterer Fluchtlinien bestätigen. Mit einem kleinen Trick geht das sehr schnell und komfortabel: Legen Sie einen neuen Pfadpunkt auf dem Fluchtpunkt an und setzen Sie dann einen weiteren so, dass die Linie entlang einer anderen Kante im Bild läuft. Halten Sie »Strg/Cmd« und wählen Sie den Endpunkt aus, den Sie mit »Strg/Cmd«-C kopieren und mit »Strg/Cmd-V« einfügen. Halten Sie weiterhin »Strg/Cmd« gedrückt, lässt sich der eingefügte Punkt verschieben – inklusive einer direkten Verbindung zum Fluchtpunkt.

Fluchten und Horizont

Im Fokus: Fluchten und Horizont

Die Fluchtlinien von Objekten, die nicht ­parallel zueinander ausgerichtet sind, konvergieren in unterschiedlichen Fluchtpunkten – auch wenn jedes einzelne Gebäude nur eine Ein-Punkt- oder Zwei-Punkt-Perspektive zeigt. Solange es sich um tatsächlich horizontale Strukturen handelt (was man bei Stockwerken in Wohngebäuden voraussetzen kann), müssen alle Fluchtpunkte auf der gleichen Horizontlinie liegen. Im Beispiel sehen Sie auch, wie schon leichte Hügel die tatsächliche Horizontlinie (grün) verschleiern können – die nur durch die Perspektivkonstruktion zu ermitteln ist.

Fluchten und Horizont

Im Fokus: Fluchten und Horizont

Manche Bilder sträuben sich gegen eine perspektivische Analyse, etwa wenn wie im Beispiel ausschließlich runde Kanten vorhanden sind, welche die Konstruktion der Fluchtpunkte durch einfache Fluchtlinien erschweren. Eine ähnliche Situation liegt bei Natur­fotos vor, etwa bei einer Wiese, am Meer oder in einer gleichförmigen Wüsten­landschaft. In strukturlosen Extremfällen bleibt Ihnen hier nichts anderes übrig, als verschiedene Perspektiven nach Gefühl auszuprobieren. Doch suchen Sie zunächst nach Strukturen (Blüten, Graslänge, Geröll – oder wie im Beispiel die Fugen), die vermutlich dieselbe Größe haben. Entlang der Außenkanten dieser Strukturen können Sie anschließend mit der in Schritt 1 bis 3 gezeigten Methode beziehungsweise mit den Perspective Tools (siehe rechte Spalte) den Fluchtpunkt und die Lage des Horizonts ermitteln.

Das Ziel ist es, die Fluchtpunkte und die Horizontlinie eines Bildes zu identifizieren, damit einmontierte Bildelemente korrekt an diesen ausgerichtet werden können. Dies ist sehr einfach, wenn Sie mit Sicherheit parallel zueinander verlaufende Kanten im Bild haben – wie es bei Straßenzügen oft der Fall ist.
Sie müssen nun die Fluchtlinien (Fluchten) einzeichnen. Prinzipiell ginge das mit dem »Linienzeichner«-Werkzeug sehr gut, vor allem weil sich die Liniendicke und -farbe einstellen lässt. Fluchtpunkte liegen sehr häufig jedoch (weit) außerhalb der Bild-Arbeitsfläche – regelmäßig bei Zwei- und Dreipunktperspektive. Damit Sie die mit diesem Werkzeug erzeugten Linien auch dort sehen können, müssen Sie alle erzeugten Linien markiert halten oder gar die Arbeitsfläche bis zu den Fluchtpunkten erweitern, falls Sie bei komplett sichtbaren Fluchtlinien im Bild weiterarbeiten möchten.
Besser ist daher die Verwendung des »Zeichenstifts«. Pfade lassen sich jederzeit über die »Pfade«-Palette ein- und ausblenden, sie sind auch außerhalb der Arbeitsfläche sichtbar und jeder einzelne Pfad lässt sich problemlos bei Bedarf bis ins Unendliche verlängern. Wenn Sie die Linien des »Linienzeichner«-Werkzeugs transformieren oder deren zwei Endpunkte gemeinsam neu positionieren, verändert sich oft auch die Dicke.

Achtung: Beachten Sie, dass für die Screenshots aufgrund der besseren Sichtbarkeit im Druck das »Linienzeichner«-Werkzeug statt des »Zeichenstifts« benutzt wurde.

Fluchten und HorizontZwar ist das Anlegen eines perspektivischen Gitters mit dem »Zeichenstift« recht einfach – jedoch müssen Sie zur Bestimmung der Fluchtpunkte mitunter sehr weit aus dem Bild herauszoomen. Einfach, genauer und ohne sich um die Bereiche außerhalb der Arbeitsfläche Gedanken machen zu müssen, erstellen Sie sich Hilfsgitter und Fluchtlinien mit den „Perspective Tools“ von Sergey Kritskiy, die Sie kostenlos unter www.docma.info/11451.html herunterladen können. Für Photoshop CS6 und aufwärts gibt es ein komfortables Panel (»Fenster > Erweiterungen«); alternativ finden Sie dort entsprechende Skripte, die möglicherweise auch in einer älteren Photoshop­version funktionieren könnten.

Fluchten und Horizont

Im Fokus: Fluchten und Horizont

Das Prinzip ist sehr einfach: Sie erzeugen zunächst mit dem »Zeichenstift«-Werkzeug in Pfadform zwei Fluchtlinien (siehe Schritt 1 und 2 auf der gegenüberliegenden Seite), die sich in einem möglichst großen (stumpfen) Winkel schneiden. Weitere radiale Fluchtlinien und den Horizont legen Sie mit einem Klick auf »Create grid« beziehungsweise »Horizon line« an. Die Anzahl der erzeugten Linien, ihre Pixelbreite und Transparenz lassen sich vorab im Panel einstellen. Um komplexe Gitterkonstruktionen bei Mehrpunkt-Per­spektiven lesbarer zu gestalten, können Sie im »Rename«-Bereich des Panels die Gitter für die XYZ-Koordinaten per Klick umbenennen und mit konsistenten Farben versehen, die in vielen 3D-Programmen Standard sind (Rot, Grün, Blau).

Fluchten und Horizont: Mehr darüber, wie Sie die Perspektive in den Griff bekommen, lesen Sie in der neuen DOCMA 61, die Sie im Zeitschriftenhandel kaufen und in unserem Webshop bestellen können.

Wenn Sie sofort weiterlesen möchten, kaufen Sie sich im Webshop die PDF-Version des Heftes.

Diesen Artikel können Sie in voller Länge in DOCMA 61 lesen.

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