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Die feine Art zu drucken

Mit der Wahl des Papiers können Sie die Wirkung eines Bildes entscheidend beeinflussen.


Für erstklassige Fotos oder Bilder bedient man sich der besten Technik, plant, inszeniert oder gestaltet, und scheut sich nicht, die Dateien noch stundenlang nachzubearbeiten. Wenn sie ihre Werke dann aber mit anderen teilen, sie ausstellen oder verkaufen möchten, sind viele Fotografen jedoch erstaunlicherweise wesentlich anspruchsloser, überlassen diese Aufgabe Dienstleistern – und sind von den Ergebnissen oft enttäuscht. Dabei kann man mit wenig Aufwand, aber einer Vielfalt an Möglichkeiten durch das eigene Drucken seiner Bilder den letzten künstlerischen Schritt mit dem gleichen Qualitätsbewusstsein wie bei der Aufnahme gehen.

Edel zu drucken ist kein Hexenwerk, und durch die direkte Beeinflussbarkeit der Bild- und Druckparameter sowie durch die flexible Medienauswahl sind Sie in der Lage, die Wirkung Ihres Kunstwerks zu steigern und zudem noch zu einem haptischen Erlebnis werden zu lassen. Haben Sie sich aber erst einmal für das Selberdrucken entschieden, stellen sich schnell Fragen wie: Welcher Drucker ermöglicht mir die angestrebte Qualität? Welches Papier eignet sich für ein bestimmtes Motiv am besten? Welche Oberfläche unterstützt die Bildwirkung optimal? Denkt man noch ein wenig länger darüber nach, kommen auch Fragen dazu wie: Wie und wem will ich eigentlich mein Bild präsentieren? Möchte ich es nach dem Druck aufziehen oder rahmen oder soll es vielleicht ohne Glas präsentiert werden? Wo hängt es dann und wie sind dort die Umgebungsbedingungen und Lichtverhältnisse? Geht es durch viele Hände?
Zu jedem dieser Punkte könnte man einen eigenen Artikel schreiben und sich in technische Details vertiefen. Gerade über Drucker und Tinten wurde schon viel geschrieben, weshalb wir versuchen wollen, die anderen Fragen stärker ins Licht zu rücken. Ganz besonders wollen wir auf den Grundstoff des Druckens eingehen, der so viel bestimmen kann – das Papier.
Das Papier für den Inkjet-Druck muss grundlegende Bedingungen erfüllen wie
die Wiedergabe brillanter Farben mit einem großen Farbumfang; es muss einen großen Tonwertreichtum darstellen, neutrale Grau­töne wie auch ein sattes Schwarz zeigen, dabei einen wertigen Eindruck vermitteln und mit einer hochwertigen Haptik sowie, nicht zu vergessen, einer langen Haltbarkeit überzeugen.
Erstklassige Ergebnisse setzen einen geeigneten Drucker, eine geeignete Tinte und eine optimale Ansteuerung voraus und sind nur mit speziell beschichten Materialien möglich. Die Beschichtung – und nicht etwa das Papier selbst – sorgt dafür, dass die Farbe nicht verläuft und eine große Tintenmenge aufgenommen werden kann. Wird die Tinte durch die Beschichtung nicht optimal absorbiert, kann dies zu Fehlern wie dem Ausbluten führen, oder die Tinte durchfeuchtet das Material so stark, dass es zu Wellenbildung kommt. Zudem wird sich die Linien- und Kantenschärfe wahrscheinlich verschlechtern.

Neben den genannten grundsätzlichen Punkten gibt es weitere Papiereigenschaften, die helfen, eine im Motiv vorhandene Stimmung zu vermitteln, zu verstärken oder zu verändern. So können Sie alleine durch verschiedene Glanzgrade und die Beschaffenheit der Oberfläche (strukturiert/unstrukturiert) ganz unterschiedliche Effekte mit unterschiedlicher Aussage erzielen. Auch der Papiergrundton ist für sich genommen schon ein Stimmungsgeber. Anhand der Produkte der Sihl Masterclass (www.sihl-masterclass.de) wollen wir diese Punkte eingehender beleuchten und beispielhafte Motive und Anwendungen zeigen. Allen bekannt ist natürlich das glänzende Fotopapier. Doch was macht solch eine Oberfläche überhaupt aus, wann ist ihr Einsatz sinnvoll und wann wirkt sie eher kontraproduktiv?
Mehr als ein glanzvoller Auftritt
Glänzende Oberflächen wie die des Sihl Masterclass High Gloss Photo Paper 330 (4841) erzeugen unter anderem durch einen hochweißen Papierfarbton äußerst brillante, farbintensive und strahlende Bilder (siehe das Aufmacherfoto auf der vori­gen Seite). Der Schärfeeindruck des Motivs wird ebenso wie der Kontrast gesteigert. Das kommt Motiven zugute, die Frische und Schärfe widerspiegeln sollen oder viele Details aufweisen. Wenn es von allem etwas mehr sein soll, sind Sie mit dieser Oberfläche bestens bedient. Glänzende Oberflächen erfreuen sich deshalb besonders im Bereich der Werbe-, Architektur- und der Landschaftsfotografie, aber auch bei technischen oder computergenerierten Bildern großer Beliebtheit. Auch Schwarzweiß- und HDR-Aufnahmen erhalten damit einen ganz eigenen Reiz.
Besonders effektvoll lassen sich Aufnahmen mit dem Metallic Pearl High Gloss Photo Paper 290 (4840) inszenieren. Dieses Fotopapier verleiht durch den Einsatz von Effektpigmenten den Motiven einen Perlmuttschimmer. Im ersten Moment nur dezent wahrnehmbar, eröffnet es unter verschiedenen Betrachtungswinkeln wechselnde Effekte, die dem Bild eine einzigartige Tiefe verleihen. Das wirkt sich ganz besonders in den mittleren und hellen Tönen aus und wird deshalb gerne für High-Key-Aufnahmen, Schmuck, Metall, glänzende Stoffe oder Wasser gewählt. Viele Fotografen erinnert dieses Material an ein Cibachrome-Bild. Dessen typische Farbwiedergabe findet im Metallic Pearl Papier sein Pendant im Inkjekt-Bereich.

Glänzende Oberflächen werden fast immer auf ein Fotobasispapier aufgebracht, das von zwei Polyethylen-Schichten eingeschlossen wird und die Tintenaufnahme durch eine mikroporöse Schicht steuert. Die Polyethylen-Folie (PE) in diesen Papieren dient als Sperre, damit die Tinte nicht in den Papierträger eindringt. Die PE-Folie verhindert, dass das Papier aufquillt und wellig wird, was im extremsten Fall zu Druckkopfberührungen führen und sowohl den Ausdruck als auch den Drucker beschädigen kann. Diese Sperre hat eine erfreuliche Nebenwirkung: Gegenüber einem Papier ohne PE-Schicht benötigt man weniger Tinte zum Erzeugen einer brillanten Farbe. Durch die Verwendung von PE wellen sich diese Papiere auch nach dem Drucken nicht, was die Weiterverarbeitung erleichtert. Zudem besitzen mikroporöse PE-Papiere die beste Klimabeständigkeit, da sowohl das Papier als auch die Beschichtung nahezu unempfindlich gegenüber Luftfeuchteschwankungen sind.
Neben diesen Vorteilen soll nicht verschwiegen werden, dass glänzende Papiere wegen möglicher Reflexionen nicht für alle Anwender geeignet sind. Sofern die Bilder in Räumen präsentiert werden, in denen die Lichtsetzung nicht veränderbar und daher keine blendfreie Hängung möglich ist, sollten Sie auf eine andere Oberfläche ausweichen. Die etwas höhere Empfindlichkeit gegenüber Fingerabdrücken und Kratzern lässt vielleicht Abstand davon nehmen, diese Papiere für Ausdrucke zu verwenden, die wie beispielsweise Fotobücher durch viele Hände gehen sollen.

Allrounder für höchste Ansprüche
Möchte man den Gesamteindruck, die Tintenaufnahme und die unkomplizierte Weiterverarbeitung eines glänzenden PE-Papiers, will aber nicht dessen größere Empfindlichkeit in Kauf nehmen, sind Fotopapiere mit einer Lustre-Oberfläche (manchmal auch „seidenglänzend“ oder „pearl“ genannt) die beste Wahl. Auch sie haben eine glänzende mikroporöse Beschichtung und eine PE-Sperre, sind jedoch mit einer leicht unregelmäßigen Struktur versehen. Diese winzigen Erhebungen erzeugen eine partielle Lichtstreuung und brechen damit den Hochglanz. Trotz seiner Struktur wirkt dieses Papier halbglänzend, erzeugt eine sehr brillante Bildwiedergabe und ist unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken. Es besitzt einen großen Farbraum, zeigt eine knackige Schärfe und bestmögliche Kontraste und Tiefen.
Diese Eigenschaften machen ein Material wie das Lustre Photo Paper 300 (4844) nahezu universell einsetzbar. Dem klassischen Porträtpapier aus Laborzeiten nachempfunden ist es als Inkjet-Variante bei Fotografen sehr beliebt, da es das Rahmen und Aufziehen erleichtert. Nützlich ist auch, dass die Fotos, die gerne von Hand zu Hand gereicht werden, nicht schon nach dem ersten Herumreichen unansehnlich aussehen.
Der Glanz des Materials ist blendfrei. So sind auch schwierige Lichtsituationen unproblematisch. Sowohl die gute Planlage und Klimabeständigkeit als auch die unkritische Rückseite prädestinieren es für Bilddienstleister, die das Material aufziehen möchten. Im Gegensatz zu manch anderem Produkt dieser Klasse bereitet die mikro­poröse Schicht des Sihl-Materials auch keine Probleme beim Kaschieren eines Bildes hinter Glas. Lustre-Oberflächen eignen sich sehr gut für stark farbige und detailreiche Motive. Beeindruckend sind beispielsweise Portraits mit zerfurchten Gesichtern oder auch Tieraufnahmen, bei denen die Härchen des Fells fast zu spüren sind.

Die Eigenschaften der Lustre-Oberfläche empfehlen diese für Fotobücher und Karten. Auch hier sind Planlage, Brillanz und Unempfindlichkeit wichtige Kriterien. Diese bietet das Lustre Photo Paper Duo 330 (4845). Durch den Einsatz des PEs in Verbindung mit der mikroporösen Schicht liegt dieses Material im Gegensatz zu vielen anderen doppelseitigen Produkten aus matten, ungesperrten Papieren flacher, und es nimmt weniger Schmutz beim Umblättern auf.
Ein Papier, dessen Oberfläche mit satin oder semi-matt/semi-glänzend bezeichnet wird, hat eine glänzende Schicht, der ein mattierendes Pigment zugesetzt wird. Dieses führt zu einer sehr gleichmäßigen Oberfläche. Das Papier ist geringer im Glanz als ein Hochglanz-Material, hat aber keine Erhebungen wie eine Lustre-Variante. Eine satinierte Oberfläche erzeugt nahezu keine Reflexionsstörungen und bietet wie das Lustre-Material einen guten Schutz gegenüber mechanischen Beanspruchungen. Sie hat jedoch durch die homogene Oberfläche eine glattere Haptik und zeigt aufgrund der Streuung des Lichts eine andere Farb- und Detailwiedergabe.
Satin-Oberflächen ähneln häufig Papieren, wie sie im Bereich Offset- oder Tiefdruck verwendet werden, etwa für Konzert-Poster oder hochwertige Zeitschriften. Im Inkjet-Bereich wird diese Oberfläche sowohl für PE-Papiere als auch für ungesperrte Papiere verwendet. Fast immer handelt es sich auch hier um eine Form einer mikroporösen Beschichtung. Auf ungesperrte Papiere gehen wir in der nächsten Folge ein.

Diesen und weitere Artikel, Tipps, Tricks und Workshops finden Sie im DOCMA-Heft Nr 56 (1-2014). Mehr Infos zum Heft gibt es hier. Wer keine Lust hat zum Kiosk zu gehen, kann sich diese Ausgabe (und ältere) bequem bei uns im Webshop bestellen.

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