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JPEG XL: Oh nein, nicht noch ein JPEG-Nachfolger!?

JPEG 2000, JPEG XR, HEIF … An Anwärtern auf die JPEG-Nachfolge herrschte noch nie ein Mangel, aber durchsetzen konnte sich bislang keiner – die Herrschaft des fast 30 Jahre alten JPEG-Formats über das Internet wie die Digitalfotografie ist ungebrochen. Wird JPEG XL künftig etwas daran ändern?

JPEG XL: Oh nein, nicht noch ein JPEG-Nachfolger!?
Die Joint Photographic Experts Group (JPEG) hat schon diverse Kompressionsverfahren konzipiert.

JPEG XL, das wie das ursprüngliche JPEG-Format von der Joint Photographic Experts Group (JPEG) entwickelt worden ist, vereinigt viele positive Eigenschaften früherer Nachfolgekandidaten. Es komprimiert sehr effektiv bei einer gegenüber JPEG noch höheren Bildqualität und ist darin HEIF mit dem HEVC-Codec vergleichbar. Es unterstützt Farbtiefen bis zu 16 Bit pro Farbkanal, große Farbräume, HDR, Transparenz und Depth-Maps. Die Anforderungen an die Hardware sind gering. Das neue JPEG-Format ist auch lizenzfrei und seine Referenz-Implementation ist Open Source.

Dabei setzt JPEG XL auf das prinzipiell gleiche Kompressionsverfahren wie JPEG selbst, nämlich auf eine Diskrete Cosinus-Transformation (DCT), perfektioniert es allerdings in allen seinen Teilen. JPEG 2000 dagegen nutzte eine völlig andere Methode, nämlich eine Wavelet-Kompression. Und dann hat das neue JPEG-Format eine Eigenschaft, die vielleicht seinen Erfolg sichern kann: Vorhandene JPEG-Dateien lassen sich verlustfrei in das JPEG-XL-Format konvertieren, wobei die Dateien noch einmal etwas kleiner werden. Wohlgemerkt: JPEG komprimiert mit Verlusten und die Umwandlung in JPEG XL macht das nicht rückgängig, aber es entstehen keine neuen Verluste. Bei den anderen Kandidaten ist das nicht gewährleistet. Außerdem lässt sich eine so umgewandelte Datei auch wieder in die ursprüngliche JPEG-Datei zurückverwandeln. Wenn man also Bilder im JPEG-XL-Format speichert, kann man sie im alten JPEG-Format exportieren, damit die Bilder für Software, die nur JPEG unterstützt, weiter zugänglich bleiben.

Bislang galt, dass JPEG trotz aller Vorteile der neueren Kompressionsverfahren allemal noch gut genug war. Mit JPEG 2000, JPEG XR oder HEIF kann man zwar bei gleicher Bildqualitätsvorgabe kleinere Dateien erzeugen, aber die Speicherkapazitäten steigen so schnell, dass das kaum eine Rolle spielt. JPEG wird von praktisch jeder Software unter jedem Betriebssystem unterstützt, und auf diese Bequemlichkeit will man nicht verzichten. Nun liegt der Ball bei den Softwareherstellern, aber auch bei den Kameraherstellern, die das neue Format in ihre Produkte integrieren müssen – ein Prozess, der bei HEIF/HEVC beispielsweise recht zäh verlief. Die verlustfreie Transkodierbarkeit zwischen JPEG XL und JPEG wird hier allerdings hilfreich sein, da man leicht zwischen beiden Formaten wechseln kann.

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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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3 Kommentare

    1. Es ist eine Transkodierung vom einen in das andere Format, und dabei werden die komprimierten Daten nicht entpackt, sondern nur noch effizienter kodiert (oder umgekehrt, wenn man von JPEG XL zurück zu JPEG transkodiert).

      Wenn man eine JPEG-Datei allerdings öffnet, um sie zu bearbeiten, und sie dann im JPEG-XL-Format sichert, hätte man doch wieder einen Verlust, aber den hätte man auch, wenn man wieder im JPEG-Format gesichert hätte.

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