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Composing?

Dieser Blog ist auf den ersten Blick vielleicht so etwas wie ein „rant“ oder ein „hate post“ … oder wie immer Sie es nennen wollen. Denn „Denglisch„ ist aktuell quasi „the state-of-the-art“ in „Germany“. Ich weiß, das waren jetzt viele Anführungszeichen … Aber keine Frage: Die englische Sprache hat seit dem Ende des zweiten Weltkriegs einen extremen Einfluss auf unseren Sprachalltag. Machen wir uns dabei die Finger „schmutzig“?

len44ik – Fotolia

len44ik – Fotolia

Eine erste Frage: Erstellen Sie Composings? Wenn ja, was meinen Sie damit?

Zugegeben, Denglisch ist AFAIK modern – und ich nutze auch extrem gern und oft aus dem Englischen stammende Begriffe wie „Cool“, „Check“, „Nice“ und „Affirmative“! Okay, beim letzten Begriff habe ich Sie geprankt. Denn den kenne ich nur aus „Militär“-(verherrlichenden)-Filmen im Originalton (ein Prank ist BTW nichts anderes als ein Streich). Denn ich gucke Movies – also die englischen (da das meine einzige Lieblings-Fremdsprache ist) – meist im Original, weil Film-Synchronisationen meiner Meinung nach meist dem Original nicht wirklich gerecht werden (können). Ausnahmen wie „Das Leben des Brian“ und „Mein Name ist Nobody“ bestätigen leider nicht die Regel – aber hier kann man sich fragen, was das Original wert ist, wenn die Übersetzung teilweise besser funktioniert und vor allem deutlich lustiger ist …

Aber zurück zur Bildbearbeitung

Der normale „Digital Artist“ (für meine eigene Facebookseite hatte ich ursprünglich den gleichen Begriff gewählt; jetzt wird dort – aber IMHO viel erschreckender! – meine Berufsbezeichnung als „KünstlerIn“ „gegendert“) macht heute „Artworks“ und keine Bilder mehr. Klingt ja auch irgendwie „cooler“ als „Kunstwerk“ oder „Illustration“. Im Deutschen hat sich wohl genau deshalb auch mittlerweile das schön klingende Wort „Composing“ für alle Arten der Fotomontagen durchgesetzt.

Falsche Freunde

Sollten Sie dieses Wort im englischsprachigen Raum verwenden, wird Sie ein Muttersprachler – sobald Sie Ihr neuestes ,,Composing‘‘ ansprechen – genauso irritiert anschauen, wie wenn Sie ihn darum bitten, sein „Handy“ nutzen zu dürfen, da beide Begriffe für ihn etwas ganz anderes bedeuten. Wie käme er auch darauf, dass Sie mit „handy“ (deutsch: „praktisch“) sein „mobile phone“ (also sein Mobiltelefon) meinen könnten?

Die korrekte Übersetzung für Fotomontage wäre wohl „Compositing“ – geht es dabei eher um das Arrangieren der einzelnen Elemente, würde man im Englischen eher den Begriff „Composition“ benutzen.

Windmühlen

Mittlerweile ist der Begriff „Composing“ im deutschsprachigen Raum aber schon so verbreitet und wird auch von großen Verlagen genutzt, dass auch wir ihn im kommenden Heft benutzen, da alles andere dem vergeblichen Kampf gegen Windmühlen gliche. Weil Sprache ständig im Fluss ist, gibt es dafür auch keinen Grund: Die Leute reden so, „wie ihnen die Zunge gewachsen ist“.

Auch wenn ich es nicht schlimm finde, ist es an dieser Stelle irgendwie witzig: Im Fokus-Workshop des kommenden DOCMA-Heftes geht es um „Quick-Composings“. Denglisch at its best, oder? Außerdem schrieb ich einen Artikel über die „Quick & Dirty-Tools“ von Photoshop.

Der allgegenwärtige Fluss in der Sprachentwicklung ist übrigens kein deutsches Phänomen: Auch die Amerikaner haben eine Reihe von deutschen Wörtern übernommen – deren Bedeutung stimmt aber mit der unseren (meist?) überein. Irgendwie komisch! (?)

Wie sehen Sie das?

„Go with the flow!“ oder „Wehret den Anfängen!“? *lach*

Liebe Grüße,

Ihr Olaf Giermann

PS: AFAIK = as far as I know = so weit ich weiß
PPS: IMHO = in my humble opinion = nach meiner bescheidenen Meinung
PPPS: Den Rest müssen Sie schon selbst nachschlagen. Das hier soll ja kein Wörterbuch werden.
PPPPS: PS. JTBS
PPPPPS: JTBS = Just to be sure = nur, um auf Nummer sicher zu gehen.

😉

Olaf Giermann

Olaf Giermann

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  1. Peter Schütte

    Ja, eine Sprache ist immer im Fluss. Und manche eingedeutschten Worte sind auch völlig ok. Wenn aber englische Ausdrücke benutzt werden, allein um etwas aufzuwerten, wie zum Beispiel Performance statt Präsentation oder Geschwindigkeit, Composing statt Fotomontage, dann weiß ich, meist habe ich es mit Leuten zu tun, die ihr Fach nur bedingt beherrschen und das mit pseudoenglischen Ausdrücken zu kaschieren versuchen. Hohle denglische Worthülsen sind verräterisch und entlarvend. Darüber hinaus sind sie meist auch ungenauer und müssen im Nachsatz erklärt werden.
    Ich persönlich glaube jemandem eher, wenn er eine Fotomontage mittels elektronischer Bildbearbeitung beherrscht, als einem Photoshopper mit Composingerfahrung …

  2. coffy

    Danke für die Erklärung der Abkürzungen! Jetzt verstehe ich die auch mal…lol…besonders IMHO das viel benutzt wird.
    Ich finde es nicht so schlimm wenn Leute geschwollen daher schreiben so das der Eindruck entsteht man hätte es mit einem Profi zu tun. Schaut man sich dann deren Bilder – oder soll ich Pic´s sagen – an, erklärt sich der Text dann von alleine.
    Schlimmer finde ich wenn Leute ihre „Gurken“ fett und groß mit Namen und Wasserzeichen versehen als hätten sie das Mega Pic ertsellt.

  3. manfred

    Das manche Begriffe aus dem Englischen Sinn machen, wenn es keine Entsprechungen gibt, ist ja klar. Die Computer-Industrie ist schließlich jünger, als die Sprache. Aber dieser sinnlose und Sinn verdrehende Gebrauch ist einfach nur nervig. Wenn eine Firma, die vom Verkauf von Waren lebt, plötzlich von „Sale“ schreibt, dann frage ich mich doch, was sie den sonst machen. Gemeint ist schließlich nicht, dass sie jetzt plötzlich in den Verkauf einsteigen, sondern dass es eine Aktion sein soll. Absoluter Unsinn, das so in Deutschland zu verwenden. Ebenso ist es Unsinn wenn jemand die Sprache dahingehend vergewaltigt, dass er schreibt, er habe eine Datei „gedownloaded”. Da wird dann versucht, von einem Begriff, den es sehr wohl auf deutsch gibt (was ist an „herunterladen“ nicht zu verstehen?), das englische Wort auch noch in einer „deutsch-grammatischen Form“ zu verwenden, die gar nicht geht. Ich denke, man kann vieles in der Umgangssprache verzeihen. Nicht aber in der Schrift-Sprache. Und am allerwenigsten in Texten, die jemand beruflich (und öffentlich) niederschreibt. Da zeigt sich dann unser kulturelles Defizit im Lande am deutlichsten.

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