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Augustus: Kunst und Politik

Eine Ausstellung im Hamburger Bucerius Kunst Forum lässt die Bilderwelt des augusteischen Zeitalters wieder aufleben – eine Zeit, die uns näher ist, als 2000 Jahre Abstand vermuten ließen.

Augustus: Kunst und Politik
Diese Kopie einer Augustus-Statue zeigt, wie der Marmor des Originals einst bemalt war. Augustus war schon damals älter, als er hier dargestellt ist.

Mit der Herrschaft des Augustus (geboren im Jahr 63 vor unserer Zeitrechnung, gestorben im Jahre 14) begann die Pax Augusta, eine Zeit inneren Friedens im Römischen Reich. Vorangegangen waren die nach der Ermordung Julius Caesars ausgebrochenen Bürgerkriege, aus denen Caesars Großneffe Gaius Octavius, dem später der Ehrenname Augustus verliehen wurde, als Sieger hervorging.

Der durchaus skrupellose Augustus ließ sich als Retter der Republik feiern, obwohl er tatsächlich eine Alleinherrschaft errichtete und die republikanischen Institutionen entmachtete. In den Jahrhunderten danach bis zu seinem Zerfall wurde das Römische Reich von Kaisern beherrscht, deren erster Augustus war. (Übrigens gab er im Jahre 8 vor unserer Zeitrechnung auch dem Monat August seinen Namen; bis dahin hieß dieser Monat Sextilis. Nur kurzzeitig wurde der August später in Commodus umbenannt – genau, nach dem Fiesling aus Gladiator, der tatsächlich, wie im Film gezeigt, in der Arena starb.)

Wie jeder Alleinherrscher strebte Augustus danach, sein Bild in der Bevölkerung mit propagandistischen Mitteln zu kontrollieren, und die Kunst, insbesondere die Plastik, spielte dabei eine große Rolle. Schon einige Jahre zuvor hatte der Abbau von Marmor in Carrara begonnen, so dass Rom nicht länger auf Importe aus Griechenland angewiesen war. Augustus ließ Skulpturen, vor allem Porträtbüsten, aber auch lebensgroße Ganzkörperskulpturen von sich anfertigen, die ihn so zeigten, wie er erscheinen wollte – erst als göttlicher Jüngling (Cicero), dann als entschlossener Feldherr in den Bürgerkriegen und schließlich als weiser, überlegener Herrscher. Als dann um 27 vor unserer Zeitrechnung ein definitives Augustus-Bild gefunden war, änderte es sich in den folgenden vier Jahrzehnten seines Lebens nicht mehr – die in Marmor gehauenen Augustus-Skulpturen dieses sogenannten Prima-Porta-Typus blieben auf ewig jung.

Tausende seiner Porträtbüsten wurden in alle Ecken des Reichs geschickt, damit jeder Bürger einen Eindruck davon bekam, wer an der Spitze des Staats über sein Wohl wachte – wobei die Künstler weder Wert auf äußere Ähnlichkeit noch auf eine Wiedergabe seines Charakters gelegt hatten.

Augustus: Kunst und Politik
Ko-Kurator Andreas Hoffmann mit einer Porträtbüste von Augustus’ dritter Frau Livia.

Ähnliches gilt für die Bildnisse von Augustus dritter Frau Livia, die wie er selbst quasi vergöttlicht wurde. Während frühere Plastiken noch individuelle Züge betonten, wurde sie später zum Idealtypus der römischen Matrona stilisiert. Die Realität dahinter war ein kleiner Skandal: Augustus’ Liebschaft mit Livia hatte begonnen, während sie noch verheiratet und überdies erneut schwanger war, aber ihr Ehemann war so klug, seine Frau zugunsten einer engen Beziehung zum Kaiser aufzugeben, und führte sie selbst wie ein Brautvater zum Altar, damit sie die Ehe mit Augustus schließen konnte.

Augustus: Kunst und Politik
Dass hier Augustus dargestellt ist, erkennt man an der sogenannten Lockengabel – der Art, wie die Strähnen seines Pony übereinander liegen. Dieses Detail galt für Augustus als so charakteristisch wie die Rauten-Pose Angela Merkels.

Die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum, die noch bis zum 15. Januar 2023 zu sehen ist, versammelt eine beeindruckende Auswahl an Kunstwerken aus Augustus’ Herrschaftszeit. Den Kuratoren Annette Haug und Andreas Hoffmann, beide Professoren der Archäologie (und übrigens miteinander verheiratet), ist die Akquise hochkarätiger Leihgaben aus vor allem italienischen Museen gelungen, was auch die Pandemie nicht verhindern, sondern lediglich verzögern konnte. Neben den Bildnissen Augustus’, Livias und anderer Angehöriger der herrschenden Klasse breitet die Ausstellung das gesamte Spektrum der Bildwelt des Römischen Reichs im augusteischen Zeitalter auf.

Augustus: Kunst und Politik
Eine unidentifizierte Göttin mit kleinem Kind, im Hintergrund eine Statue des Mars Ultor

Die von Augustus initiierten Bauprojekte, die das aus Ziegeln erbaute Rom zu einer Stadt aus Marmor machen sollten, waren mit Reliefs und anderen Kunstwerken geschmückt, und auch für diese Kunst am Bau sind im Bucerius Kunst Forum Beispiele zu sehen. Religiöse Bildnisse, wie Statuen der großen Götter des römischen Pantheons oder auch Darstellungen kleinerer Gottheiten wie der Lares Compitales, der Schutzgötter der Stadtviertel, waren oft in den Kaiserkult um Augustus integriert.

Ein Relief mit einer ländlichen Szene, das möglicherweise Teil eines Brunnens war. Aus der unter dem Lamm liegenden Amphore floss einst das Wasser.

Wohlhabende Römer statten ihre Häuser zunehmend mit Fresken und Bodenmosaiken aus. Beliebt waren Darstellungen mythologischer Szenen, aber auch Bilder, die sich wie Fenster zu einer Fantasiearchitektur öffneten, sowie erotische Motive.

Eine Mänade (vielleicht aber auch Ariadne) mit einem Satyr

Wer sich für die Bildwelt des Römischen Reichs in einer seiner künstlerisch produktivsten Zeiten interessiert, könnte statt einer Reise nach Rom, Neapel und Florenz auch einen Besuch des Bucerius Kunst Forums einplanen, denn viele wichtige Ausstellungsstücke der dortigen Museen befinden sich derzeit in Hamburg. Gleichzeitig erfährt man dort etwas über einen politischen Umbruch vor 2000 Jahren, der an manche Entwicklungen der heutigen Zeit erinnert, in der sich Politiker formell demokratisch verfasster Staaten zu Autokraten aufschwingen. Und auch wer sich schon immer fragte, woher George Lucas’ Inspiration für die Star Wars Prequels stammte, findet in dieser Ausstellung die Antwort.

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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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