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Gut gemeint

Photoshop-Autor Scott Kelby verlässt das vertraute Terrain der digitalen Bildbearbeitung und gibt in seinem Buch Digitale Fotografie vornehmlich Tipps für Einsteiger.

Scott Kelby, einer der weltweit fleißigsten Photoshop-Autoren mit großer Fangemeinde auch in Deutschland, verlässt das vertraute Terrain der digitalen Bildbearbeitung und wendet sich in seinem neuen Buch der digitalen Spiegelreflexfotografie zu. Da er dies in für ihn typischer Manier tut, durchbricht er eine Reihe von Konventionen und entwickelt einen neuen Ansatz nach dem Motto „Angenommen, wir wären zusammen unterwegs, und Sie fragten mich: „Scott, ich möchte diese Blume dort drüben fotografieren, dabei soll der Hintergrund jedoch unscharf sein. Wie mache ich das?“
Er würde Ihnen keine große Ansprache halten und etwas über kleinere und größere Blenden erzählen, wie sich die Belichtung auf Verschlusszeit und Blende auswirkt oder solche Dinge, er würde Ihnen einfach sagen: „Verwenden Sie Ihr Zoom-Objektiv mit der Blende f/2.8, fokussieren Sie die Blume und drücken auf den Auslöser“. So einen Tipp braucht der absolute Laie, kein Frage. Dass die meisten Laien aber an ihrem Zoomobjektiv keine solch große Blendenöffnung haben und dass sie mangels Makrooption gar nicht dicht genug herankommen, um die Blume formatfüllend abzulichten, bleibt ungesagt.
OK, das klingt in manchem Ohr vielleicht nach kleingeistiger Nörgelei, zumal doch Kelby selbst sagt, „das hier ist kein Theoriebuch. Das ist ein Buch, in dem steht, welche Knöpfe Sie drücken müssen, welche Einstellungen Sie verwenden sollen und wann. Und das alles erklärt in kurzen, einfachen Sätzen.“ Doch wenn er dann weiter ausführt, es handele sich hier um die „200 bestgehüteten Geheimnissen der Fotobranche“ fragt man sich, ob er noch ganz bei Verstand ist oder ob das Aufblähen von Nichtigkeiten in seiner Heimat vielleicht einfach zum guten Ton gehört. Allerdings verspricht er dem fotografischen Novizen sicherlich nicht zu viel, wenn er behauptet:“nach der Lektüre sind Sie in der Lage, deutlich bessere, schärfere und farbintensivere Bilder zu schießen.“
Den Weg dorthin pflastern viele Seiten mit großen Beispielfotos, Produktempfehlungen und kurzen Texten, im Stil wie wir sie auch in der Edition DOCMA verwenden. Nur fehlt es allenthalben an Systematik, Genauigkeit und wenigstens der Idee von Tiefgang, so dass der Leser am Ende genau genommen mit ungesundem Viertelwissen alleine bleibt. Dank Kelbys gekonnter sprachlicher Verschleierung dieses Umstands merkt er das aber wahrscheinlich erst bei der Anwendung der „Tricks berühmter Fotografen“ in der Praxis.
Trotz dieser Defizite macht es Spaß, Kelbys Buch zu lesen und selbst mancher erfahrene Fotograf wird den ein oder anderen Hinweis in einer der vielen abgehandelten Fotodisziplinen mit Gewinn einsetzen können. Es ist also nicht alles so banal wie im oben angeführten Beispiel, aber man kann letztendlich nur fotografischen Gar-nichts-Wissern das Buch als leicht verständlichen Einstieg empfehlen.

Digitale Fotografie ? Das Buch
Scott Kelby
Broschiert, 272 Seiten
Addison-Wesley, München (2007)
EUR 19,95

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