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Fotografenrealität

Friedrun Reinhold nimmt seine Leser an der Hand und zeigt ihnen die Realität hinter dem schönen Schein sich Porträtfotograf zu nennen. Dabei geht es zunächst um Technik und Wirtschaftlichkeit. Erst ein gutes Stück weiter hinten um die Techniken der Porträtfotografie.

Als ich jung war, wollte ich unbedingt Fotograf werden. Ich hatte "Blow up" gesehen und ahnte, was kreatives Leben und Arbeiten bedeutete. Ich lag geistig mit Nick Nolte "Under Fire" im Sand südamerikanischer Bananenrepubliken, liebte es, Frauen vor der Kamera zu dirigieren, und hatte eine Reihe von Bildbänden großer Fotomeister im Regal stehen. Kurz, mein Weg war vorgezeichnet und das einzige was mich gestoppt hat war der Mangel an Talent. Wie gut. Denn hätte ich genug Talent besessen, wäre eine Karriere wie die von Friedrun Reinhold sehr wahrscheinlich gewesen. Der Mann war als Assistent international unterwegs, hat die Stars und Sternchen der Welt fotografiert, bevor er sich mit einem Porträtstudio in der Provinz niederließ. Der für mich schönste Teil des Buches sind die sechs Seiten, auf denen Reinhold von einer ganz normalen Arbeitswoche erzählt. Der Mann erzählt gut und er behauptet er würde seinen Job lieben; allerdings kaschiert die rhetorische Abdeckcreme nur dürftig, was man in diesem Beruf vorne an der Front des Alltagsgeschäfts durchleben muss. Sie merken schon, es handelt sich hier nicht um ein normales Fotolehrbuch. Friedrun Reinhold nimmt seine Leser an der Hand und zeigt ihnen die Realität hinter dem schönen Schein sich Porträtfotograf zu nennen. Dabei geht es zunächst um Technik und Wirtschaftlichkeit. Erst ein gutes Stück weiter hinten um die Techniken der Porträtfotografie. Es gibt eine Vielzahl schöner Beispiele und man sieht bald, dass der Mann in der Provinz mit einem an den visuellen Gepflogenheiten der großen weiten Welt orientierten Anspruch zu Werke geht. Hier kann man viel lernen, auch wenn die didaktischen Ansprüche nicht annähernd so ambitioniert sind wie die Bilder. Gleiches gilt auch für die Bildbearbeitung. Reinhold schreibt selbst, er wolle nicht das x-te Photoshop-Buch verfassen. Das ist gut so, denn man merkt an vielen Detail wie wenig er davon beleckt zu sein scheint. Er ist halt Fotograf mit Leib und Seele. Wäre mir seinerzeit so ein Buch in die Hände gefallen, hätte ich weniger Zeit mit Träumen verbringen müssen.   

Digitale People- und Porträtfotografie
von Friedrun Reinhold
Gebunden, 304 Seiten
Mitp-Verlag, 2007
39,95 Euro

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