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Meine LED-Bilanz

LED-Bilanz

Unterm Strich eine schlechte Öko- und LED-Bilanz, trotz großer Stromersparnis / Fotos und Montage: Doc Baumann

LED-Lampen sparen Energie, sind klein und flach und halten praktisch ewig. Allerdings ist die Ewigkeit heute auch nicht mehr das, was sie mal war. Doc Baumann musste gerade etliche LED-Strahler austauschen – nach wenigen hundert Betriebsstunden. Seine LED-Bilanz unterm Strich: Wo man früher eine defekte Glühbirne rausschraubte und wegwarf, wandert heute die komplette Lampe zum Elektronikschrott. Ob das die Stromersparnis aufwiegt?

 

Dort, wo ich früher wohnte, hatte ich in meiner Bibliothek Leuchtstoffröhren installiert. Von den 40 Röhren ist den 15 Jahren bis zu meinem Umzug keine einzige ausgefallen. Um wenn, dann hätte ich sie rausgedreht und gegen eine neue ersetzt.

Nach meinem Umzug setzte ich aus Energiespargründen auf 10-Watt-LED-Strahler. Die haben etwa dieselbe Lichtleistung wie eine 75-Watt-Glühbirne, verbrauchen aber deutlich weniger Energie. Ich lasse hier mal die komplette Diskussion draußen vor, wie genau der Lichtstrom verschiedener Leuchtmittel verglichen werden kann, ob LEDs wirklich nur so viel verbrauchen, wie draufsteht und so weiter. Der Stiftung Warentest zufolge liegt der tatsächliche Verbrauch im Schnitt um rund 5 Prozent über dem angegebenen – das ist zu verkraften.

Rechnen wir mal grob die Kilowattstunde mit 30 Cent, dann verbrauchen die 53 Strahler, die ich in meiner Bibliothek installiert habe, pro Stunde etwas mehr als eine halbe Kilowattstunde, in Kosten umgerechnet also 15 Cent. Hätte ich stattdessen 53 Glühbirnen mit 75 Watt verwendet, wären es pro Stunde etwa 4 Kilowattstunden, rund das Achtfache – umgerechnet circa 1,20 €.

Ich schätze, dass das Licht in der Bibliothek in den letzten fünf Jahren etwa 500 Stunden gebrannt hat, mit etwa 1000 Schaltzyklen. Das ergibt tatsächliche Stromkosten von rund 75 €; bei Glühbirnen wären es 600 € gewesen, also eine Einsparung von mehr als 500 €. Nicht schlecht!

Die Strahler haben damals 10 € pro Stück gekostet; den Anschaffungspreis habe ich also nach fünf Jahren durch die Stromeinsparung wieder drin. Diese LED-Bilanz sieht also sehr positiv aus. Erfreulich für die Umwelt ist dabei, dass so knapp eine Tonne CO2 eingespart wurde.


Geschönte LED-Bilanz


Nach und nach sind in den vergangenen fünf Jahren allerdings 18 dieser Strahler ausgefallen. Das ist genau ein Drittel. Bedenkt man, dass etliche bereits vor dieser Zeit defekt waren, dann spricht das nicht für sie. Beworben würden sie damals mit rund 50.000 Betriebsstunden. Auch wenn das ein Durchschnittswert ist, liegt er meilenweit über den tatsächlichen 500 Stunden. Selbst wenn meine grobe Schätzung falsch sein sollte und wir großzügig 100% Irrtum aufschlagen, sind wir erst bei 1.000 Stunden. Das sind gerade mal 2% der zugesicherten Zeit. Selbst wenn man mit den oft zu lesenden 20.000 Betriebsstunden rechnet, landen wir bei 5%. Diese LED-Bilanz sieht also weniger erfreulich aus.

Als ich kürzlich einem Freund mein Leid klagte und ihm sagte, dass ich die Strahler aus chinesischer Produktion bei ebay erworben hatte, meinte er, bei solchem Billigschrott dürfe ich mich nicht wundern. Ich muss allerdings gestehen, dass ich den Strahler-Nachschub nun ebenfalls über ebay von einer China-Firma erworben habe. Denn bei meiner Web-Recherche zeigte sich, dass ich dort inzwischen 20 Stück für knapp 50 Euro kriege, also 2,50 € pro Exemplar! Markenqualität wäre deutlich teurer. Die 18 Strahler haben also gerade einmal 45 € gekostet. Was wiederum eine ganz erfreuliche LED-Bilanz ist.

Nun kommt allerdings wieder ein ganz fettes „aber“: Die guten alten Glühbirnen, die gleich noch meine Bibliothek mit beheizt hätten, ließen sich einfach und schnell  raus- und der Ersatz wieder reindrehen. Für die Montage der 18 Ersatzstrahler habe ich dagegen fast zwei Tage gebraucht. Rechne ich also meine Arbeitszeit mit, wird die LED-Bilanz wieder deutlich trüber. Denn die Strahler müssen zunächst aus ihren Halterungen geschraubt werden, dann die Rückseite abschrauben, Stromverbindung an den Klemmen lösen, Kabel aus der Zuführung ziehen, dasselbe Prozedere beim neuen Strahler, aufschrauben, Kabel reinfummeln, Drähte in die Klemmen einführen und festschrauben, rückseitige Verkleidung befestigen, Strahler in die Halterungen schrauben … Rechne ich also meine Arbeitszeit mit, wird die LED-Bilanz wieder deutlich schlechter.

Das Ganze hat aber noch eine andere und viel wichtigere Dimension. Denn das winzige LED-Leuchtelement ist ja nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Strahlers. (Was genau jeweils kaputt war, weiß ich natürlich nicht. In dem Gehäuse sind ja noch etliche andere elektronische Bauteile installiert. Es reicht, wenn eines davon ausfällt, damit der komplette Strahler unbrauchbar wird.)

Und der wandert nun in den Elektronikschrott, obwohl nur ein Bruchteil des gesamten Produkts defekt ist. Dabei gibt es durchaus Ersatz-LEDs – aber sie sind kaum billiger als ein ganzer Strahler, und das Ab- und Dranlöten ist so kompliziert (und darf bestimmte Temperaturen nicht überschreiten), dass man das als Laie völlig vergessen kann.

Bei einem LED-Strahler für zweifuffzig spielt das ökonomisch keine große Rolle – ökologisch durchaus. Aber da ich umweltbewusst überall LED-basierte Lampen eingebaut habe, zum Teil deutlich teurere, sieht bei denen die LED-Bilanz womöglich noch unerfreulicher aus. Leselampen am Bett, Flächenstrahler an der Flurdecke, Röhren in Bad und Küche und so weiter – in jedem Fall müsste bei einem Defekt das komplette Produkt ausgetauscht werden. Je nach Lebensdauer – ob dann unterm Strich noch eine Kosteneinsparung zu verzeichnen ist, ist offen. Und der „ökologische Fußabdruck“ der Produktion der restlichen Lampe muss ja ebenfalls mit in die Rechnung einbezogen werden.


Geplante Obsoleszenz


Nun bin ich zwar zugegebenermaßen Elektronik-Laie, aber niemand kann mir erzählen, es sei konstruktionsbedingt nicht möglich, LEDs so einzubauen, dass man sie separat entnehmen und Ersatz einstecken kann. Das wird nicht in jedem Fall funktionieren (etwa bei Kontrollleuchten) – zugegeben –, aber bei LED-Strahlern wäre es mit Sicherheit einfach, anstelle fester Verlötungen ein Stecksystem zu realisieren.

So ist zwar einerseits der verminderte Stromverbrauch zu begrüßen, aber andererseits ist durch diese Konstruktion die Öko- und LED-Bilanz unterm Strich sehr viel schlechter, als sie sein könnte. Es ist überfällig, dass die zuständigen nationalen und EU-Behörden wie im Falle fest verbauter Akkus hier endlich klare Regeln vorgeben, die es ermöglichen, dass LEDs vom Verbraucher ausgetauscht werden können und nicht die komplette Lampe im Müll landet. Denn es kommt hinzu: Wie viele Konsumenten bringen die Dinger brav zum Elektronikschrott – und wie viele werfen sie einfach in die Restmülltonne? Da die EU gerade Halogen-Leuchten aus dem Handel nimmt, wäre das eine wirklich sinnvolle Ergänzungsmaßnahme.

Meine LED-Bilanz ist also gespalten: Einerseits deutliche Einsparung von Strom und CO2 – andererseits ein Drittel der Strahler, die bereits nach nur 5% der zugesagten Lebenszeit den Geist aufgeben; dazu die von den Produzenten gezielt geplante Nichtaustauschbarkeit der LEDs, woraus der ärgerliche und ökologisch unsinnige Zwang folgt, ein komplettes Produkt zu Abfall werden zu lassen, nur weil ein einziges Element davon defekt ist. Das ließe sich einfach ändern, und hoffentlich geschieht das bald!

  1. gjw1

    LEDs, für deren Grundlagen ein gewisser Einstein den Nobelpreis erhielt, emittieren Elektronen, stark abhängig vom Strom. Wird eine Obergrenze überschritten, überhitzen sie schnell und fallen aus.
    Gewisse Hersteller arbeiten an der Obergrenze und wollen schnell Nachschub produzieren. Andere haben vielleicht noch nicht bemerkt, dass in Europa nicht mehr 220 Volt Standard ist, sondern 230 VAC. E-Werke liefern oft noch höhere Spannungen mit deutlichen Spitzen, sodass der Strom auch bei anderen Verbrauchern steigt und mehr davon abgenommen wird. Wer seine LEDs schon an der Grenze betreibt, um mehr Licht anzugeben, ist schnell im roten Bereich.
    Gute Strombegrenzungen können die Lebensdauer der LED ausnutzen, sind jedoch etwas aufwendiger als knapp Kalkuliertes. Billiges wird mit ebensolchen Elektolyth-Kondensatoren gesiebt, die bei Wärme schnell austrocknen. Dann rührt der Ausfall daher.
    Wechselbare LEDs hätten mit den Übergangs-Widerständen der Kontakte zu kämpfen. Immerhin ist die Spannung da nur ein Bruchteil von Glühbirnen. Vergolden der Kontakte würde das Problem reduzieren, aber auch verteuern.
    Wichtig ist die Kühlung, denn gute LEDs kommen gerade mal auf 20 % Wirkungsgrad. 80 % der zugeführten elektrischen Leistung heizen das Substrat auf und das ist recht klein. Über 120 °C wird es zerstört und schon weit darunter leidet die Lebensdauer. Deswegen wird die Wärme auf Kühlkörper abgeleitet, die einen guten Kontakt mit der Wärmequelle haben müssen. Das System ist ähnlich wie beim Prozessor im PC.Das wechseln der reinen LED ist also komplex.
    Generell kann man LEDs mehrere 10.000 Stunden betreiben, wenn der Strom nicht zu hoch gewählt und die Verlustwärme abgeführt wird. Kürzere Lebensdauer liegt an „Gewinnoptimierung“ und Unwissen 🙁

  2. bilddateien

    „aber niemand kann mir erzählen, es sei konstruktionsbedingt nicht möglich, LEDs so einzubauen, dass man sie separat entnehmen und Ersatz einstecken kann“ … in der Leistungsklasse gibt es (selten) noch Strahler mit GU10 Sockel, also gibt es schon wechselbare LED-Strahler.

  3. augenblickpunkt.de

    genau DESHALB kaufe ich nur leuchten, bei denen ein wechsel des leuchtmediums möglich ist – also meist die gute alte schraubfassung, für die es ja vielfältige angebote guter oder preisgünstiger led-leuchtmittel gibt.
    und auch gute led-röhren als ersatz für leuchtstoffröhren gibt es, wenn man sucht – NARVA ist hier heißer tipp (vor allem auch in bezug auf farbwiedergabequalität – ich habe eine im bad und kaufe nie wieder was anderes)…

    wer leuchten kauft, bei denen das leuchtmittel nicht separat gewechselt werden kann, unterstützt dieses system der umweltzerstörung – da gibt es keine (unwissenheits)ausrede.

    auch die technischen probleme von led-licht sind oben sehr gut beschrieben worden.

    sicher, man muss vielleicht abstriche in der gestaltung und flexibilität der leuchteinrichtung machen und bei altbewährten standards bleiben – aber das ist ein gut handhabbarer kompromiss, wenn man dadurch tatsächlich unterm strich die umwelt nicht mehr schädigt, als vorher mit glühlampen.
    denn dass led-licht tatsächlich die umwelt schont (im vergleich zu glühlampen), ist noch lange nicht ausgemacht, solange die lichtqualität nicht besser und die haltbarkeit nicht deutlich länger wird.

    das oben geführte lamento beruht also mindestens zur hälfte auf selbstgemachtem elend.
    denn die hersteller können nur durch intensive reklamation von zu kurzlebiger ware und durch gezielten kauf von wechselbaren leuchtmitteln zu entsprechendem angebot bewegt werden.
    von allein bekommen wir nur immer mehr müll aufgedrängt – denn je mehr schund, desto mehr gewinn.
    so ist also jeder käufer selbst verantwortlich, ob er umwelt zerstören hilft.

  4. photoprofi

    Nun ja, das mit den 230 statt 220V und den teilweise verherenden Stromspitzen mag sicherlich ein Grund sein. Allerdings muss man hier auch erwähnen, dass es oft auch daran liegt, dass LED nicht LED ist. Mein Sündhaft teurer LED Strahler werkelt seit Jahren ohne Probleme und mein China Knaller hat bereits nach knapp 2 Jahren den Geist aufgegeben. Ich bin zwar nicht der Meinung dass generell teurer = besser ist, aber bei den LEDs scheint es wohl noch massive Unterschiede zu geben. Also hier lieber ein paar Euro mehr ausgeben…

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