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Lügt Amber Heard? Ein Blick mit Photoshop.

Amber Heard gegen Jonny Depp – und umgekehrt. Die Regenbogenpresse und sozialen Medien sind voll von Berichten rund um diesen Doppelprozess. Ich möchte hier nur einmal einen Aspekt herauspicken und anhand von diesem zwei praktische Photoshop-Tipps für das An- und Vergleichen zweier Fotos geben.

Lügt Amber Heard? Ein Blick mit Photoshop

Die Aussage

Worum es bei dem leider unterhaltsamen, aber eigentlich traurigen Prozess geht, lesen Sie am besten woanders nach (zum Beispiel beim Stern), falls es Sie interessiert. Jonny Depps Verteidigung möchte seine Ex-Frau Amber Heard unglaubwürdig erscheinen lassen und präsentiert dafür im Kreuzverhör entsprechende Belege. So beschuldigte Camille Vasquez, Depps Anwältin, die Schauspielerin, die Sättigung zu erhöhen, damit ihr Gesicht roter aussieht. Heard behauptet aber, dass das „gesättigte“ Bild in einem Schminkspiegel mit gelben Glühbirnen aufgenommen wurde, während auf dem anderen Bild mit weniger Farbe die Schminklampen nicht eingeschaltet waren. Das sind die zwei Fotos:

Für Fotografen und Bildbearbeiter ist sofort offensichtlich, dass es unmöglich ist, zwei dermaßen identische Fotos hinzubekommen. Der Ausschnitt und die Kopfhaltung sind exakt dieselben, jedes Haar liegt am gleichen Platz. Selbst wenn jemand anders das Spiegellicht ausgeschaltet hätte, wäre es unmöglich, Pose und Mimik so genau beizubehalten, auch die das Selfie-Smartphone haltende Hand keinen Mikrometer zu bewegen. Aber Heard besteht felsenfest auf ihrer Aussage. Nun ja.

Zwei Photoshop-Tipps zum Bildvergleich

Aber wie kann man Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen zwei – auch leicht unterschiedlich großen – Bildern exakt aufzeigen? Dafür habe ich zwei Tipps für Sie.

1) Ebenen im Differenzmodus vergleichen

Legen Sie zwei Bilder in Photoshop im Modus »Differenz« übereinander. Alle Bildstellen, die identisch sind, werden dadurch Schwarz dargestellt. Abweichende Details erscheinen dagegen heller:

Im Ebenenmodus »Differenz« sieht man sofort alle Unterschiede zwischen zwei Ebenen. Lügt Amber Heard? Ein Blick mit Photoshop.
Im Ebenenmodus »Differenz« sieht man sofort alle Unterschiede zwischen zwei Ebenen.

Jedoch kann es aber wie hier sein, dass die Bilder nicht ganz deckungsgleich sind, nicht die gleiche Größe und auch nicht die gleiche Drehung zeigen. Die Ebenen müssen Sie also aneinander ausrichten.

TIPP: Mit dieser Technik lassen sich Unterschiede-Suchbilder eindeutig lösen. Beide Bilder übereinanderlegen, Modus »Differenz« und Sie sehen sofort die gesuchten Abweichungen. Freilich verderben Sie sich und vielleicht anderen damit den Spaß am Finden der richtigen Lösung.

2) Ebenen ausrichten

Am einfachsten bringen Sie zwei ähnliche Bilder in Photoshop mit dem Befehl »Bearbeiten > Ebenen automatisch ausrichten« zur Deckung. Dafür markieren Sie beide Ebenen mit gehaltener Strg/Cmd-Taste und bestätigen dann anschließend den folgenden Dialog mit »OK«. Dafür müssen Sie den Ebenenmodus auch nicht vorher wieder auf »Normal« zurückstellen.

Belassen Sie die »Projektion« auf »Auto« und klicken Sie einfach auf »OK«. Lügt Amber Heard? Ein Blick mit Photoshop.
Belassen Sie die »Projektion« auf »Auto« und klicken Sie einfach auf »OK«.

Das Resultat sieht dann so aus:

Das Differenzbild zeigt die Unterschiede zwischen beiden Ebenen.
Das Differenzbild zeigt die Unterschiede zwischen beiden Ebenen.

Das Bild zeigt nun zwei Dinge:

  1. Es gibt keinen noch so kleinen Unterschied in Mimik und Pose.
  2. Die Pixel-Werte sind leicht verschieden, da sonst das gesamte Bild schwarz wäre.

Was wurde nun an dem Bild bearbeitet (wahrscheinlich in der iPhone-Fotos-App)? Eingemalt wurde offenbar nichts, sondern tatsächlich nur an den Farben geschraubt. Mit einer Kombination aus einer Erhöhung von »Lebendigkeit« (entspricht Photoshops »Dynamik«; erhöht die Sättigung schwacher Farben) und einer leichten Gegensteuerung mit »Sättigung« komme ich auf fast dasselbe Ergebnis (in Photoshop). Auch ein Vergleich der Sättigungsinformation beider Bilder zeigt keine anderen Unterschiede außer eben der höheren Sättigung im bearbeiteten Foto – also das mit den … hüstel … beim Schminkspiegel eingeschalteten Glühbirnen.

Ein Sättigungsvergleich zeigt, dass die Farben identisch, aber im bearbeiteten Foto (links) gesättigter sind.
Ein Sättigungsvergleich zeigt, dass die Farben identisch, aber im bearbeiteten Foto (links) gesättigter sind.

Wie Sie in Camera Raw, Lightroom Classic und in Photoshop mit Ebenenstilen oder Hilfsebenen aller Art weitere leicht zu übersehende Bildfehler aufdecken können, erfahren Sie übrigens in der DOCMA-Akademie in Heft 99 oder in DOCMA2Go.

Fazit

Also – lügt Amber Heard? Klar ist, dass es sich hier nicht um zwei verschiedene Fotos handelt, sondern um eine unbearbeitete und eine bearbeitete Version desselben Fotos.

Aber nur weil Amber Heard manche Lüge wie diese nachgewiesen wird und sie im Gerichtsprozess theatralisch und unglaubwürdig erscheint, heißt das nicht, dass ihre Vorwürfe gegen Jonny Depp haltlos sind. Das zu entscheiden obliegt der noch andauernden Schlammschlacht … ich meinte natürlich Gerichtsverhandlung.

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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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13 Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Artikel. Bildbearbeitungsprogramme als Analyse-Tools einzusetzen interessiert mich sehr. Gern mehr davon.
    Davon abgesehen – obwohl das hier nicht wirklich Thema, sondern nur Aufhänger ist – zeigt dieser unappetitliche Fall mal wieder wie blödsinnig es ist Menschen zu Idolen zu verklären, weil sie irgendeine Sache besonders gut können oder einfach irgendwie attraktiv wirken oder einen emotional ansprechen. Ich neige sogar dazu zu sagen, dass Menschen sich generell nicht als Idole eignen. Bisher habe ich noch keinen gefunden der nicht irgendwo seine gravierenden Macken hätte. Ich selbst natürlich eingeschlossen und ganz vorn mit dabei. Depp, den ich, wie auch Kevin Spacey, zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern zähle, macht auch hier leider mal wieder seinem Namen alle Ehre, wie es scheint. Wie u.a. schon mit seinem Kampf gegen den Chupacabra. Man muss eben lernen, dass partielle Fähigkeiten und vermeintliche Qualitäten niemanden zum universellen Yoda machen und dass Ideale und Ratio nicht durch Idole zu ersetzen sind. Das gilt natürlich auch für Musiker, Regisseure, Politiker, Influencer, Milliardäre und alle anderen. Amber Heard sagt mir übrigens nicht viel. Kann mich nicht erinnern sie schon mal in einem Film gesehen zu haben. Das hat aber in diesem Zusammenhang absolut keine Bedeutung. Wie die Bedeutung von so genannten Stars außerhalb ihres Fachbereichs ohnehin maßlos überschätzt wird. In einer geistig gesunden Gesellschaft würde ein solches juristisches Dschungelcamp keine allzu große Aufmerksamkeit genießen.

  2. Es gibt noch einen weiteren Aspekt, und der belegt, dass sie in Bezug auf das Bild sicherlich lügt: Beleuchtung und Schlagschatten. Wenn beim Ausgangsbild die “gelben Lampen” nicht eingeschaltet waren, muss die Beleuchtung ja aus einer anderen Lichtquelle gekommen ein. Wie können dann die Schatten im zweiten Bild genau gleich fallen?
    (Den Widerspruch würde ich auch anmerken, wenn Depp nicht einer meiner Lieblingsschauspieler – “Die neun Pforten” – wäre.)

    1. @Doc Baumann
      Absolut richtig. Ich bin da natürlich nicht annähernd ein solcher Experte wie Du, aber das ist wirklich offensichtlich. Wirkt als hätte da nur mal jemand kurz am Sättigungsregler gezupft oder eine LUT drüber gelegt. Ungeheuer plumpe Frechheit jedenfalls.
      “Die neun Pforten” – großartig! Depps beste Performance war, meiner Ansicht nach, allerdings in “Public Enemies”. Die stellenweise klirrende Digitalkamera und der manchmal etwas arg synthetische Soundtrack stören zwar etwas. Sonst aber ein grandioser, sehr subtil doppelbödiger Film.

  3. Noch etwas: Gerötete Haut erscheint ja rötlich, weil sie rotes Licht reflektiert, blaues und grünes Licht dagegen weitgehend absorbiert. Nicht gerötete helle Haut reflektiert ebenfalls Rot, aber auch Blau und Grün, wenngleich in etwas geringerem Maße. (Prinzipiell gilt das auch für dunklere, also stärker pigmentierte Haut, die Licht aller Wellenlängen weniger stark reflektiert.) Wenn man nun auf eine gelbliche Beleuchtung mit niedrigerer Farbtemperatur umschaltet, enthält dieses Licht weniger Blau und Grün als Rot. Damit würde aber auch die nicht gerötete Haut weniger Blau und Grün reflektieren, denn aus diesem Wellenlängenbereich kommt ja von vornherein weniger Licht an, und so würde sich der Kontrast zwischen geröteter und nicht geröteter Haut verringern statt verstärken. Um Hautrötungen hervorzuheben, müsste man vielmehr bläuliches Licht verwenden.

  4. Meiner Meinung hat diese Sache nicht in Ihrem Blog zu suchen, solange das ein laufender Gerichtsprozess ist. Auch wenn Sie hier mit Fachwissen glänzen können, bin ich mir sicher dass es auch in diesem Prozess keinen Mangel an Fachleuten gibt. Wenn der Prozess rum ist, bitte, berichten Sie über Schminklampen soviel sie mögen.
    Ist schon traurig genug dass sich die Regenbogenpresse so das Maul zerreist, was soll das in einem Blog wie diesem?

    1. Es ist völlig in Ordnung, dass das Ihre Meinung ist. Aber Sie müssen schon zur Kenntnis nehmen, dass andere abweichender Meinung sind. Ein Grund, warum man darüber berichten sollte, wenn der Prozess bereits rum ist, ist für mich nicht ersichtlich.
      Ich bin der Meinung, dass Olaf Giermann das Thema sehr zurückhaltend behandelt hat, ich wäre da zu einem weit schärferen Ergebnis gekommen: Wer es nötig hat, mit solchen plumpen Bildfälschungen vor Gericht zu agieren, ist unglaubwürdig! Wenn ich wüsste, wie man die Anwälte von Mr. Depp erreicht, würde ich Ihnen sogar diese Analyse zusenden. Denn dass auch hochbezahlte Anwählte offensichtlich wenig Ahnung von unserem Thema haben, sieht man daran, dass die von Mrs. Heard diese Veröffentlichung nicht verhindert haben.

  5. Wir sollen also erst unsere Meinung zu einem Bildbearbeitungsthema (!) schreiben dürfen, wenn der Anlass für die Öffentlichkeit nicht mehr relevant ist? Was hat eine Analyse mit „Maul zerreißen“ zu tun? Hab ich denn irgendwo das Gerichtsurteil vorweggenommen oder irgendetwas Unsachliches geschrieben? Nur weil Sie persönlich das Thema nerven mag, trifft das nicht auf mich oder alle unsere Leser zu.

    1. Die Aufgabe der Presse ist es ja aufzuklären und damit zur allgemeinen Meinungsbildung beizutragen. Nun kann man natürlich darüber streiten ob dieses Thema der Beschäftigung wert ist. Aber da es ohnehin so hochgekocht wird und in zum Teil schockierend unsachlicher Art und Weise in den Medien durchgekaut, bloß gestellt und skandalisiert, und teils auch extrem polemisch Partei ergriffen wird, kann ein solcher sachlicher Beitrag wie dieser Artikel doch nur im Sinne des freiheitlich demokratischen Rechtsstaats sein. Da es hierbei um Personen des öffentlichen Lebens geht, müssen sie das ertragen.

  6. Boa! Wie mich so etwas aufgeregt. Anderer Wedemark danke für die schöne Vorrede. Das Fazit ist dennoch falsch. Technisch jedoch erstenmal gut erklärt.

    Camille Vasquez ging es unter anderem um Folgendes: das Original zeigt kaum Rötung. Nach einer Botoxspritze ist sie röter. Sie wäre röter, wenn sie zur Kosmetikerin gegangen wäre. Sie hat dem sogenannten beweisbild
    1. Mehr Sättigung gegeben, um es schlimmer aussehen zu lassen
    Und
    2. Sie hat das Bild doppelt verwendet.

    Was wiederum “malice” zeigt, von der Richterin Penney sprach: also bewusste (!) Vortäuschung falscher Tatsachen.

    Und ich füge hinzu: so ist das mit ALLEN Vorwürfen. Also: es ist KLAR, dass Depp die nicht geschlagen hat. Der Autor dieses Artikels hat offensichtlich nicht mal ein ganzes Interview gesehen oder versteht kein Englisch. Jedenfalls sind seine Schlussfolgerungen falsch.

    Ich verstehe, dass Journalisten ausgebeutet werden und keine zeit mehr für ordentliche Recherche haben. Wie wäre es mit einem Streik? Für bessere Arbeitsbedingungen, unbefristete Verträge, unabhängiges recherchieren?

    1. 1.
      Hier geht es um dieses eine Foto, das klar identisch ist und manipuliert wurde. Da hat Heard klar gelogen, wie ich im Fazit schreibe. Was ist daran falsch?
      2.
      Ich bin kein Klatschpressen-Journalist und habe außer in Bildbearbeitungsfragen auch keinerlei Interesse, so einen Prozess minutiös wie Sie zu verfolgen, um mir das (Vorab-) Urteil erlauben zu können, dass Amber Heard in ALLEN Bereichen gelogen hat, wie Sie behaupten. Für inhaltlich Interessierte habe ich ja gleich zu Anfang eine andere Seite empfohlen.

    2. @blub: Man sollte ja, wenn man dem Autor eines Artikels vorwerfen will ein Interview oder was auch immer nicht ganz gelesen zu haben, wenigstens seine Artikel lesen. Möglichst ganz. Dann könnte man feststellen, dass es in dem Artikel nicht um Schuldzuschreibungen geht (wie in Ihrem Post), sondern um einen rein technischen Sachverhalt aus dem Fachbereich des Autors, den dieser dort sachlich behandelt. Es geht also insofern noch nicht mal um den Prozess oder konkrete Personen.

      Ich persönlich habe keine Ahnung was von den Anschuldigungen zu halten ist, die in dem Prozess vorgebracht werden. Ich verfolge ihn auch nicht. Und auch der Ausgang des Prozesses ist mir relativ wumpe. Zu Johnny Depp kann ich, aufgrund meiner im Laufe der Jahre über ihn erlangten Kenntnisse, sagen, dass er ein brillanter Schauspieler ist oder zumindest mal war, dass er aber offensichtlich als Mensch einige gravierende Makel (vor allem ein Drogenproblem) hat. Die gehen mich freilich nichts an, solange er niemanden damit schädigt. Über Frau Heard weiß ich so gut wie nichts. Aber auch für sie gilt natürlich letzteres.

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