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Inspirationen – Techniken oder Vorbilder?

Inspirationen
Inspirationen können plötzlich über einen kommen wie eine himmlische Erleuchtung – oder sie sind das Ergebnis langer Planungen. / Foro: Doc Baumann (Kuppel des Pantheon in Rom(

Heute sind Sie mal wieder zum Mitmachen aufgerufen – Doc Baumann möchte gern von Ihnen wissen, wodurch Sie sich bei der Konzeption und Bearbeitung von Bildern am liebsten anregen lassen. Schätzen Sie als Quelle von Inspirationen eher Tutorials, in denen Ihnen Werkzeuge und Vorgehensweisen detailliert erläutert werden, oder bevorzugen Sie eher die Präsentation vorbildlicher Ergebnisse, ergänzt um mehr oder weniger ausführliche Erläuterung der vorgestellten Kreativen, die sie geschaffen haben? Oder finden Sie: Sowohl als auch, in der bewährten DOCMA-Mischung?

Heute will ich’s mal ganz kurz machen und weder über Igeln an Orgeln schreiben noch über Leistenbrüche. Regelmäßige Leser/innen dieses Blogs wissen, was ich damit meine.

Nein, diesmal möchte ich etwas von Ihnen erfahren, und natürlich werden wir versuchen, das Meinungsbild, das sich nach – hoffentlich – zahlreichen Wortmeldungen abzeichnet, in DOCMA entsprechend umzusetzen.

Die Frage ist: Woher nehmen Sie Ihre Inspirationen, woher möchten Sie sie nehmen, und wie sollten sie im Idealfall aussehen? Früher soll es ja noch Musen gegeben haben, die einen küssten, sofern man Glück hatte. (Leider gibt es für digitale Bildbearbeitung keine eigene Muse, auch nicht für die Fotografie – schlimmer noch, es gibt nicht mal eine für die Malerei.)

Aber das, was früher unter Musenkuss lief, betrifft nur eine Seite des Schaffensprozesses: das Kreative, die schöpferische Leistung, die Idee. Man grübelt, wie sich ein bestimmter Gedanke so visualisieren lässt, dass daraus eine nachvollziehbare Botschaft für spätere Betrachter wird. Im Grenzfall mag das gar keine großartige Sache sein, die über das Bild hinausreicht; ein „gutes Bild“ (was auch immer das sein mag im Einzelfall) so aufzubereiten, dass es noch ein wenig besser und akzentuierter rüberkommt, ist auch schon ein anspruchsvolles Unterfangen.

Inspirationen für eigene Werke haben also – mindestens – zwei Aspekte: das, was Sie damit aussagen oder ausdrücken wollen, und das Wie: der Weg dorthin, um es bestmöglich umzusetzen. Oder etwas klassischer ausgedrückt: das alte Problem von Form und Inhalt.

Was die Form angeht, oder die handwerklich-technische Seite des Schaffensprozesses, so finden Sie die Lösungen in den Tutorials von DOCMA, in den Tipps und Tricks, oder als direkte Reaktion auf Leserfragen, in meiner Photoshop-Sprechstunde. Das zu vermitteln ist nicht leicht, aber darin haben wir 16 Jahre Erfahrung (ich selbst sogar 30, mein erstes Tutorial schrieb ich in den späten 80ern). Schwieriger ist die Sache mit dem Inhalt, mit den guten Ideen und ihrer möglichst perfekten konzeptionellen Umsetzung. Das lässt sich in einem Tutorial noch schwerer darstellen. Dafür eignet sich eher die Vorstellung konkreter Werke und der Kreativen, die sie geschaffen haben, also nachahmenswerte Vorbilder.

Ideenfindung lässt sich nicht ohne weiteres in klare Arbeitsschritte gliedern. Viele Bücher über „Kreatives“ sind daher unstrukturiertes Geschwätz oder kaum übertragbare Berichte von Subjektivem. Techniken kann man, wenn man sie verstanden hat, von anderen übernehmen und auf die eigenen Projekte umsetzen. Bei Ideen und Inspirationen ist das komplizierter – da bewegen wir uns zwischen den Extremen Ideenklau (wenn man allzu dicht an der Inspirationsquelle kleben bleibt) und Desinteresse (weil das Vorgeführte so weit von der eigenen Praxis entfernt ist, dass man wenig damit anfangen kann).

Eine weitere Schwierigkeit: Mit ein wenig Abstraktionsvermögen begreift man schnell, dass einem die Bildbeispiele eines Tutorials nicht unbedingt „gefallen“ müssen, um das vorgestellte Verfahren mit Gewinn für Eigenes übernehmen zu können. Bei der Vorstellung von Kreativen und ihren Werken ist dieser Schritt weitaus größer. Etwas von jemandem lernen zu wollen, dessen oder deren Ergebnisse einem womöglich nicht zusagen, fordert Überwindung.

Also, die konkrete Frage: Welche Art der Inspiration ist Ihnen wichtiger? Die Vorstellung von Werkzeugen und Arbeitstechniken, mit deren Hilfe Sie das konkrete Machen verbessern können – oder die Präsentation von Kreativen und ihren Werken, die wir (oder jene, die sie uns vorgeschlagen haben) für vorbildlich halten? Und wie sollte eine solche Präsentation aussehen: Viele tolle Bilder, um die ganze Breite des Schaffens würdigen zu können? Ein paar exemplarisch, aber ausführlich in die Tiefe gehend und ihr Entstehen von der Idee bis zur Realisierung nacherzählend? Ausführliche Texte – oder einfach die Bilder wirken lassen? Oder ganz anders? Oder von allem ein bisschen, etwa 67,53% Technik und 32,47% Inspiration und Ersatz für Musenküsse?

Lassen Sie es uns wissen, damit DOCMA Ihnen genau das vermitteln kann, was Sie sich für Ihre eigene Praxis wünschen!

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Doc Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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4 Kommentare

  1. Grundsätzlich hat der Doc ja schon alles gesagt …

    Das detaillierte «Nach-Exerzieren» hat in der Anfängerphase definitiv seine Berechtigung. Denn erst, wenn man Werkzeuge und Techniken (digital und analog) beherrscht, ist man in der Lage, seine Vorstellung unlimitiert umzusetzen. Und im nächsten Schritt braucht es nun Kreativität – diese muss, meiner Meinung nach, bereits in einer «Mindest-Dosis» vorhanden sein; wem das gänzlich fehlt, dem helfen keine Kreativ-Workshops oder Bücher – der hat seine Stärken vielleicht eher beim Zusammenbauen von Ikea-Möbeln (oder spielt Golf).

    Inspirierende Momente finde ich persönlich eher im Alltag als im Museum … wer mit Neugier, offenen Augen und Ohren (und offenem Geist) seine Umgebung und sein Umfeld beobachtet, der sieht so vieles: merk-würdige Alltagssituationen, gute und schlechte Plakate, Graffitis, Firmenlogos, unsinnige Verkehrstafeln, schräge Menschen und drollige Tiere … dass auch DOCMA Teil meiner «kreativen Nahrungsergänzung» ist, muss wohl nicht explizit erwähnt werden?

    Für mich auch ein Privileg, von interessanten/interessierten Menschen umgeben zu sein … so hab ich das Glück, mit einem Karikaturisten zusammenzuarbeiten, der wöchentlich einen Cartoon für eine Tageszeitung abliefern muss. Zusammen legen wir jeweils – unter Berücksichtigung der News – ein Thema fest und diskutieren dann über die Art der Umsetzung. Im gleichen Masse inspirierend aber auch unsere 5-jährige Enkelin, die mit ihren Spielsachen unglaublich kreative Szenarien generiert (vor allem auch, wenn es darum geht, die reguläre «Spielzeit» zu verlängern)!

    Und – ja klar! – auch ich bin als Beobachter auf Instagram unterwegs; nach dem Motto «Klasse statt Masse» folge ich maximal einem Dutzend Leute aus den Bereichen Bildbearbeitung, Grafik, 3D und Fotografie. Manchmal (nein! eigentlich immer) stosse ich auch beim «googeln» auf Sachen, nach denen ich eigentlich nicht gesucht habe; «Fundstücke», die ich per screenshot einfange und ins «Sammelsurium» befördere. Das sind meine digitalen und analogen Ordner, wo ich Bilder und Ideen lagere, auch wenn sie momentan nichts zu bedeuten haben.

    Immer wieder mal entsteht während meiner Arbeit ein ungewolltes, überraschendes Zwischenergebnis (falsch angewendeter Filter, Renderfehler), das ich dann trotzdem separat abspeichere, um vielleicht für ein anderes Projekt darauf zurückzugreifen. Klar, es gibt auch «unkreative» Phasen (wenn mich wieder mal irgendein Amt plagt); da schaff ich dann selten ein Werk, das meinen Ansprüchen gerecht wird – hier muss man (so man kann) auch mal eine Arbeit «vertagen».

    Lange Rede – kurzer Sinn … um jetzt auf Doc‘s eigentliche Frage zurückzukommen: zusammengefasst macht DOCMA bereits jetzt alles richtig! Mir passt der Themen-Mix ( … vielleicht bitte noch etwas mehr 3D?)! Danke dafür!

  2. Die Tutorials über Arbeitstechniken sind für mich wesentlich nützlicher als die Vorstellung von Kreativen. Freie Fotoprojekte von anderen interessieren mich grundsätzlich schon, aber die Artikel darüber bringen mir in der DOCMA wenig. Es gibt sehr viele verschiedene stilistische Ausrichtungen, so dass selten etwas für mich dabei ist.
    Ich realisiere die Bildaussagen, die ich mir vorstelle, gern mit fotorealistischen Montagen. Bei den freien Fotoprojekten finde ich aber überwiegend collagenartige Traumwelten mit viel Nebel und Dunst. Die Hinweise zu den Arbeitstechniken sind in den Artikeln meist sehr rudimentär und eignen sich nur fürs Querlesen. In den Tutorials hingegen erhalte ich sehr gute Tipps, die ich auf meine Bilder übertragen kann, egal wie wenig mir die Bilder gefallen.
    Beispiel: Die Tutorials von Herrn Giermann sind erst Sahne. Seine Kreationen im Stil der Dark Art sagen mir jedoch weniger zu.
    Aus meiner Sicht sollten Sie die Tutorials in der bewährten Qualität beibehalten. Freie Fotoprojekte könnten den sachbezogenen, anstrengenden Stoff auflockern, sollte aber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dabei können die jetzt häufig halbherzigen Hinweise zur den Arbeitsschritten entfallen.
    Bei meinem Blog (http://www.w-fotografie.de/blog/) habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich begann mit Beiträgen zu grundlegenden inhaltlichen Fragen. Mit den sporadischen Making-ofs und Technik-Themen stieß ich auf mehr Interesse, so dass ich den Schwerpunkt etwas verlagert habe. Besonders mit der Beitragsreihe über Beschaffung und Installation eines neuen Desktop-PCs mit Windows, der auf Bildbearbeitung ausgerichtet ist, stieß ich auf großes Interesse.

    PS: Vielleicht gäbe es mehr Kommentare, wenn Ihre WordPress-Installation besser arbeiten würde. Die Anmeldung läuft nur mit Hindernissen. Hinweise dazu erhalten Sie mit gesonderter E-Mail.

  3. Die Vorstellung von Kreativen ist für mich dann interessant, wenn die Arbeitsschritte tutorialähnlich beschrieben werden. Da ich kaum auf das Ursprungsbild einer solchen Kreation zugreifen kann, ist es dann ohnehin so, dass ich den einen oder anderen Arbeitsschritt für geeignete eigene Fotos anwenden kann.
    Das exakte schrittweise Nachbauen eines Workflows ist auch für fortgeschrittene Nutzer wichtig, denn es gibt tatsächlich sehr schwierige und komplexe Abläufe. Dabei kann es sehr nützlich sein, wenn man das Ergebnis einzelner Zwischenschritte mit der Vorlage eines Tutorials vergleichen kann. Dabei ist es oft wichtig, das Bild in der Originalauflösung zu sehen und zu haben. Eine der großen Schwächen von Videotutorials und von briefmarkenkleinen Bildern in Zeitschriften:)
    Es gibt schon genügend Fotozeitschriften, die praktisch nur mehr fertige Bilder drucken und über „begnadete“ Fotografen schwärmen. DOCMA sollte nicht noch so eine werden.

  4. Ich sehe das genauso wie sunrisemoon. DOCMA ist für mich die Fachzeitschrift für Photoshop und Lightroom (was nicht heisst, dass auch über andere Programme mal refereriert wird), so wie es auf dem Titelblatt steht. Also die Zeitschrift für das Handwerkliche.
    Natürlich muss ein Tutorial anhand konkreter Bilder gemacht werden; wird es ja auch.
    In der Tat gibt es für den kreativen, künstlerischen Bereich eine Reihe guter und einige sehr gute Zeitschriften, auch Bücher.
    Für mich also ist alles gut so, wie es ist.

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