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Fotos zerstückeln

Fotos zerstückeln
Fotos zerstückeln geht gut mit Photo Formation /Porträt: Adobe Stock/Blackday, Hintergrund und Montage: Doc Baumann

 

Es gibt zahllose Programme, die alle möglichen – und in der Praxis oft überflüssigen – Effekte für Bildveränderungen bewirken. Das Angebot ist groß, auch wenn Sie zum Beispiel Fotos zerstückeln wollen. Photo Formation bietet etliche solcher Eingriffe an, die sich tatsächlich sinnvoll nutzen und gut steuern lassen. Doc Baumann hat sich die Software näher angeschaut.

Am besten gefallen hat mir das Modul „Fold Defy“, das ein Foto auf ein gefaltetes Blatt Papier überträgt. Dabei werden nicht nur Licht- und Schatteneffekte berücksichtigt sowie die Verzerrung und Wölbung an den Blatträndern – selbst das Verknittern des Papiers an der Faltstelle lässt sich darstellen. Allein schon die Arbeit, die man sich erspart, um mit ein paar Klicks eine aufgeschlagene Zeitschriften- oder Buch-Doppelseite wiederzugeben, ist den Preis von 20 US-Dollar wert.

Insgesamt bietet Photo Formation acht solcher Module, die Fotos zerstückeln oder in anderer Weise modifizieren. Für jedes davon werden 25 Variationen als Presets mitgeliefert, die sich über eigene Einstellungen beliebig erweitern lassen. Sie können wahlweise eine dieser Varianten direkt anwenden, sie gezielt Ihren eigenen Vorstellungen anpassen oder insgesamt neu anlegen.

Nehmen wir als Beispiel das bereits erwähnte Falten: Hier lässt sich mit den auf der rechten Seite des Fensters angebrachten Reglern festlegen, ob die Falte nach oben oder unten weist, wie viele senkrechte und waagerechte Knicke erscheinen sollen, wie stark die Wölbung ausfällt, wie ausgeprägt die Falte sein soll, ob das Papier zum Bund hin zerknittert, dazu Art, Stärke und Skalierung der Papierstruktur, Größe des Blattes, Art des Hintergrunds (Bild, Farbe oder Papier sowie deren Deckkraft). Ergänzend lassen sich Faltungen in beliebiger Richtung durch selbst platzierte Linien erzeugen.

Unabhängig davon stellen Sie die Beleuchtung ein (Richtung, Stärke, Farbe, Schattenwurf), wobei Sie mit mehreren Lichtquellen arbeiten können. Hilfreich ist, dass bei vielen Werkzeugen kleine Erklärungstafeln aufpoppen, die ihren jeweiligen Gebrauch erklären.

Bei den meisten Modulen haben Sie außerdem Zugriff auf Regler, die Entwicklungseinstellungen des aufgebrachten Bildes selbst betreffen. Finden Sie bei den 25 Varianten der einzelnen Module keine, die Ihren Vorstellungen entspricht, definieren Sie eigene mit den jeweils bereitgestellten Reglern – etwa bei „Gewebe“ die Anzahl vertikaler und horizontaler Streifen, deren Abstand voneinander, wie sich die Enden der Streifen verhalten und so weiter; selbst die Umrisse des Bildgewebes insgesamt können Sie beeinflussen.

Fotos zerstückeln ist also nur eine der Aufgaben von Photo Formation. Neben der erwähnten Faltung ist auch „Rip“ bemerkenswert, womit Sie das Bild in Stücke zerreißen. Das ließe sich zwar auch mit Photoshop erreichen – hier werden Ihnen aber die Papierrisskanten gleich mitgeliefert bis hin zur Festlegung der Papierfasern. Das sieht sehr realistisch aus; Breite und Variation der Risskanten lassen sich natürlich beeinflussen.

In allen Modulen können Sie die einzelnen Bildelemente („tiles“) einzeln auswählen, verlagern, skalieren oder drehen, ebenfalls den Bildinhalt des Elements wie in einem Rahmen verschieben. Ebenso lassen sich diese löschen, neu hinzufügen oder ihre Stapelreihenfolge ändern. Selbst ausgewählte Elemente mit einem anderen Bild zu füllen ist möglich, so dass sich mehrere Fotos mischen lassen. Fotos zerstückeln, und das auch noch echt aussehen zu lassen, war noch nie so einfach.

Die Abbildungen zeigen Beispiele der acht Module Photo Weave, Panographic, Photo Slice, Photo Strips, Fold Defy, Rip, Crease and Crumple.


Kritik

Zwei Aspekte haben mir nicht so gut gefallen: Zum einen lassen sich Elemente nicht einfach mitsamt ihrem Inhalt an eine andere Bildstelle verschieben. Sie können also nicht ohne weiteres einen Streifen auswählen und an eine neue Position schieben. Das geht zwar, aber er nimmt dann seinen ursprünglichen Inhalt nicht mit, sondern übernimmt den Bildinhalt, der an der neuen Position das Gesamtfoto ergänzt. Sie können zwar mit einem weiteren Werkzeug den Inhalt des Elements aus dem Gesamtbild wunschgemäß verschieben, aber das ist einigermaßen aufwendig.

Zum anderen wird eine realistische Darstellung in solchen Fällen dadurch erschwert, dass auch nach der so erfolgten Verlagerung – etwa eines Bildausschnittes, der ein Auge zeigt – andere überlagernde Elemente dasselbe Auge weiterhin wiedergeben, so dass es mehrfach im Bild erscheint. Dieses mehrfache Erscheinen identischer Bildinhalte auf verschiedenen Elementen ist bei manchen Modulen ein Problem, sofern Sie wirklich realistisch Fotos zerstückeln wollen.

Gegebenenfalls lassen sich solche Probleme in Photoshop nachträglich beheben. Wählen Sie einen völlig transparenten Hintergrund, wird diese Transparenz beim Sichern als TIFF in Photoshop bewahrt. Allerdings ist das komplette Bild nun eine Ebene und sie können nicht länger auf einzelne Elemente auf verschiedenen Ebenen zugreifen.

Aber das sind wirklich nur geringfügige Kritikpunkte, die angesichts der Gesamtleistung und des günstigen Preises keine allzu große Bedeutung haben.


Fotos zerstückeln mit Photo Formation

Die Software arbeitet als eigenständiges Programm oder als Plug-in (für Photoshop, Elements, Lightroom, PaintShop Pro and Affinity Photo). Photo Formation ist für Windows und macOS verfügbar und kostet 19,99 US-Dollar (früher 39,99). Erwerben können Sie es über die Webseite, wo Sie weitere Informationen finden.

Fotos zerstückeln
Dieses Beispiel zeigt abschließend noch einmal, dass Photo Formation echte 3D-Funktionen bietet. Der Bildinhalt wird tatsächlich zusammen mit dem Papier perspektivisch weitgehend korrekt verzerrt, und auch der Schlagschatten berücksichtigt die Entfernung des Papiers zum Untergrund.
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Hans D. Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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