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Fehler und Verwechslungen

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Das Profi-Handbuch zur Nikon D200 versteht sich als Ergänzung zum Handbuch, wird aber dem professionellen Anspruch nicht gerecht.

Wer mehr über die D200 wissen will, der schaue nur mit viel Skepsis und noch mehr Vorsicht in das Buch von Kürten und Walther, denn Fehler, Verwechslungen und unglückliche Darstellungen prägen das Buch in einem Maß, daß einfach unerträgliche ist. So wird in einem „Tipp“ auf Seite 261 behauptet, daß die Synchronzeit der D200 1/500 Sekunde beträgt. Und auf Seite 74 erfahren wir, wie einem eventuellen Moiré vorgebeugt werden kann: Man macht die Aufnahme einfach mit einer D70S im NEF-Format.
Auf Seite 34 läßt uns die Mitteilung jubeln, daß „die D200 die volle Kompatibilität zu den Objektiven der AI- und AI-S-Serie und zu Objektiven ohne Prozessorsteuerung (CPU) bietet“. Die Freude darüber endet spätestens auf Seite 114 mit der Bemerkung „So benötigt die D200 unbedingt ein Objektiv mit eingebauter CPU, damit die Belichtungsmessung korrekt funktionieren kann.“. Also voll Kompatibel ohne korrekt zu funktionieren?!? Wahrscheinlich trauen die Autoren den Nikon-Objektiven nicht allzuviel zu. Oder wie ist es ansonsten zu erklären, daß in dem Kapitel über Makroobjektive nur die Hälfte der aktuellen von Micro-Nikore erwähnt und als zu teuer abgetan werden, gleichzeitig aber zwei Fremdprodukte per Abbildung vorgestellt und eins davon sogar zur „Königsklasse“ erhoben wird? Und das, obwohl auf Seite 38 explizit auf Schwierigkeiten des erwähnten Fremdherstellers mit der Nikon-Software hingewiesen wird?
Seit dem die ersten DSLR auf den Mark kamen, wird mit dem Begriff der „Brennweitenverlängerung“ versucht zu erklären, daß der Fotograf bei gleichem Abstand zu dem Objekt seiner Fotografierlust auf Grund des kleineren Sensors nur noch einen Ausschnitt aus dem gewohnten dem Bild einer 24x36mm Filmkamera haben wird. Die Autoren Oliver Kürten und Jörg Walther setzen auf Seite 113 noch eins drauf mit der Modifikation der goldenen Regel, daß die Belichtungszeit dem Kehrwert der Brennweite entsprechen sollte. Mit einem Objektiv von Brennweite 200mm darf man nun höchstens 1/300 Sekunde einstellen, um unverwackelte Aufnahmen aus der freien Hand zu belichten. Bewirkt die „Brennweitenverlängerung“ etwa eine Lockerung der Linsen im Objektivbody, die dadurch schneller zittern? Es sollte sich schon herumgesprochen haben, das an einem Objektiv sich weder die Brennweite, die Lichtstärke noch die Farbe des Bodys ändert, wenn es statt an einer 24x36mm Kamera an eine digitale SLR mit kleinerem Sensor angeschlossen wird. Fast unweigerlich ändert sich aber die Aufnahmeentfernung durch den Fotografen. Ob das eventuell der wahre Grund für eine andere Wirkung des aufgenommenen Bildes ist?
Der Adapter WT-3 soll es ermöglichen, Bilder drahtlos auf einen Computer zu übertragen. Obwohl das Zusatzteil noch nicht erhältlich ist und Nikon Deutschland sich weigert, darüber detaillierte Informationen weiterzugeben, wird in dem Buch schon beschrieben, wie er zu konfigurieren sein wird. Möglicherweise haben die Autoren ja Recht. Aber genauso gut kann es eine Weiterentwicklung geben, wie sie zwischen dem WT-1 und dem WT-2 stattgefunden hat. Wenn dann aber wie auf Seite 64 „Die D2H keine Bilder sendet… “ muß man nicht nur den FTP-Server und die Netzwerkeinstellungen überprüfen. Viel schneller ist man wahrscheinlich mit der Überprüfung, ob man die richtige Kamera in der Hand hat, denn der WT-3 ist mit der D2H nicht kompatibel.
Auch auf dem Gebiet der Nachbehandlung der Bilder in der EBV erweisen sich Kürten und Walter entweder als nicht sicher oder aber haben sich durch das kurze Streifen dieses komplexen Gebietes selber Stolperfallen gesetzt. Selbstverständlich kann man ein Highkey-Bild nicht durch eine bloße elektronische Bildverarbeitung mittels extremer Aufhellung herstellen, wie auf Seite 145 behauptet wird. Dazu ist nach wie vor eine geeignete, weitestgehend schattenfreie Beleuchtung von zweckmäßigerweise hellen Objekten nötig, zu deren Optimierung im analogen Labor oder per EBV partielle Kontraste verstärkt werden.
Es ist offensichtlich, daß das Buch unter Verwendung von Textbausteinen schon geschrieben wurde, als die Autoren noch gar keine verläßlichen Informationen zu der Kamera hatten. Wer am schnellsten auf dem Markt ist, kann bekanntlich die dickste Sahne abschöpfen. Es ist vollkommen egal, ob die Kamera zu spät geliefert wurde, die Autoren schlampig gearbeitet haben oder aber der Verlag einen zu großen Zeitdruck aufgebaut hat ? die Fehler werden durch eine solche Diskussion nicht kleiner. In Anlehnung an das Sprichwort .“Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht.“ muß man sich bei der Vielzahl der fachlichen Fehler (für eine vollständige Aufzählung würde ich die Geduld der meisten Leser überfordern) fragen, worin den der Wert eines solchen „Ratgebers“ liegen könnte. Möglicherweise haben es die Autoren gut gemeint. Aber spätestens seit Berthold Brecht wissen wir: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut.

Das Profi-Handbuch zur Nikon D200
Jörg Walther/Oliver Kürten
304 Seiten, Hardcover, 20,0 x 24 cm
Data Becker, April 2006
EÜR 39,95

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