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Stromsparen für Bildbearbeiter

Lohnt es sich, Computer und Peripheriegeräte über Nacht komplett stromlos zu schalten, oder reicht es aus, sie im Standby-Modus laufen zu lassen? Doc Baumann hat es zwei Monate lang ausprobiert und berichtet von seinen Erfahrungen.

Stromsparen für Bildbearbeiter
Nein, das ist ausnahmsweise mal keine Corona-Inzidenz-Kurve. Das Diagramm zeigt über einen Zeitraum von 30 Tagen, wieviele Kilowattstunden jeweils in der nächtlichen Standby-Periode von Computer, Monitoren, Festplatten usw. verbraucht werden. Die starken Schwankungen könnten daher kommen, dass automatische Backups mitunter unsinnigerweise auch nachts gesichert wurden, obwohl in dieser Zeit gar keine Dataien verändert wurden.

Zufällig entdeckte ich kürzlich bei einem Online-Anbieter ein günstiges Energiekostenmessgerät. Ich habe zwar schon eines, aber bei dem war mir die Einstellerei mit zahllosen Knöpfchen und Symbolen immer zu unübersichtlich und genutzt habe ich es kaum.

Von dem nun angebotenen Gerät habe ich gleich zwei bestellt und sie umgehend installiert, weil ich schon immer mal wissen wollte, wie viel Strom mein Computer mit seinen angeschlossenen Peripheriegeräten verbraucht – und ob es sich lohnt, diese über Nacht mit einer Steckerleiste mit Ausschalter komplett abzuschalten .

Ein Messgerät hängte ich an die Verteilung für Computer, zwei Monitore, zwei große Festplatten, Hubs, Wacom-Tablett und ein paar weitere Kleinigkeiten, das zweite an den Drucker.

Jahrelang hatte ich meinen Rechner samt Anhang über Nacht auf die beschriebene Weise stromlos geschaltet, bis mir mal ein kompetenter Mensch aus dem Bekanntenkreis sagte, das mache man eigentlich nicht und es bringe auch nichts. Ein paar Monate habe ich dann so gehandhabt. Und nun nachgemessen.

Mein Rechner läuft in der Regel 12 Stunden pro Tag, mit unterschiedlich langen Pausen zwischendrin. Standby-Zeiten gibt es also nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. Da habe ich ihn natürlich nicht komplett abgeschaltet, das geschah nur während der Nacht.

In den ersten 30 Tagen, in denen die Anlage nie ganz abgeschaltet wurde, habe ich 56,7 Kilowattstunden verbraucht, das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 1,8 Kilowattstunden. In den zweiten 30 Tagen, also mit nächtlicher Abschaltung, waren es dagegen 62,2 kwh mit einem Durchschnitt von 2,1, also sogar mehr! Daraus darf man nun nicht schließen, dass die Abschaltung zu einem erhöhten Stromverbrauch führt, sondern dass ich in dieser zweiten Periode deutlich länger am Computer gearbeitet habe.

Stromsparen für Bildbearbeiter
Dieses Diagramm gibt den compunterbedingten Stromverbrauch pro Tag über einen Zeitraum von 60 Tagen wieder.

Die eigentlich interessante Zahl ist aber die, die den nächtlichen Stromverbrauch im Standby-Modus angibt: 18,7 kwh in 30 Tagen, durchschnittlich 0,6 pro Nacht. Oder anders gerechnet: Ziemlich genau ein Drittel des Gesamtverbrauchs. Obwohl die Anlage während der nächtlichen 12-Stunden-Hälfte nicht genutzt wird, verbraucht sie in dieser Zeit ein Drittel des Stroms. (Diagramm oben mit roten Balken)

In Kosten umgerechnet: Der Strom für Rechner und alles drum und dran kostet pro Monat rund 16 Euro. Das klingt nach recht wenig. Selbst wenn man die Anlage Tag und Nacht – dann im Standby-Modus – laufen lässt, machen einen die darin enthaltenen 5 Euro nicht arm.

Im Jahr addiert sich das allerdings schon auf 60 Euro, was sich viele auch noch leisten können, ohne deswegen aufs Frühstücksmüsli verzichten zu müssen. In Kilowattstunden sind das 225 kwh pro Jahr. Damit brennt eine Energiesparbirne 16 Monate lang.

Allerdings geht es ja nicht nur um diesen einen Computer. In deutschen Haushalten stehen rund 35 Millionen davon, dazu kommt ungefähr dieselbe Menge in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung, macht 70 Millionen. Im Durchschnitt haben die wahrscheinlich weniger Rechenpower und Peripheriegeräte als ich. Ganz grob geschätzt würde das bedeuten, dass sie, wenn alle auf Standby-Betrieb geschaltet wären, pro Jahr in diesen Ruheperioden rund 10 Milliarden kwh unnötig verbraucht würden, ungefähr die Jahresleistung eines Atomkraftwerks oder von 1400 3-Megawatt-Windkraftanlagen.

Dagegen hat mich der Verbrauch meines – selten genutzten – Tintenstrahldruckers angenehm überrascht. Der Verkäufer empfahl seinerzeit, ihn nicht auszuschalten, das würde verhindern, dass die Tinte in den Leitungen eintrocknet. Stimmt wohl, dieses Problem ist tatsächlich nie aufgetaucht. Trauen tue ich Gerät und Hersteller dennoch nicht, denn als ich einen neuen Computer anschaffte und den Drucker nun mit diesem verband, erhöhte sich der angezeigte Füllstand der Farbpatronen plötzlich von fast leer auf fast voll. Zudem druckt er Seiten mitunter dreifach aus, auch wenn nur die Menge 1 vorgegeben ist, oder er verweigert den schlichten Schwarzweiß-Druck, weil eine der dafür gar nicht benötigten Farbpatronen angeblich zu wenig Tinte hat. Alles nicht sehr vertrauenerweckend.

Was nun allerdings den Stromverbrauch betrifft: lediglich 2,8 kwh in 60 Tagen.

Wenn Sie unserer Umwelt und gegebenenfalls ihren Kindern und Enkeln also einen Gefallen tun wollen: Schalten Sie Ihre Geräte nach Ende der Benutzung komplett aus (was oft eben nur über eine externe Steckerleiste mit Schalter geht) und nehmen Sie die kurze Wartezeit beim Wiederhochfahren in Kauf.

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Doc Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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2 Kommentare

  1. Bei Druckern sehe ich oft unlogische Meldungen und Aktionen. Weshalb Düsen im Standby nicht verstopfen und es in ausgeschalteten Zustand doch tun, ergibt wenig Sinn. Dies wäre nur möglich, wenn im Standby üöfter die Kanäle gereinigt und dabei Tinte verbraucht würde.
    Verwirrend ist jedoch der hohe und nächtlich unterschiedliche Standby-Verbrauch Ihrer Elektronik. Interessant, aber aufwändig, wäre festzustellen, welche Geräte denn so viel Leistung vernichten. Würde sie nur vernichtet, wäre es lediglich ein finanzielles Problem. Leider wird alles in Wärme umgewandelt. Ich sehe das Aufheizen als eines der grossen Probleme. Je mehr Elektrifizierung, desto höher die Abwärme. Immerhin haben die hochgelobten LEDs gerade mal Wirkungsgrade um 20 Prozent, sodass rund 80 Prozent in Wärme umgewandelt wird.
    Auch die moderne Stromproduktion auf dem Dach wird durch die Sonne heftig aufgeheizt und dadurch sinkt der Wirkungsgrad. Kommt dann noch etwas Staub dazu, ist man weit weg von den ausgelobten Werten….

    1. Wegen der nächtlichen Geräusche der externen Festplatte ist, wie gesagt, mein Verdacht, dass das an Backups liegt, die gar nicht nötig sind.
      Dass leider alles in Wärme umgewandelt wird, ist nun mal die unvermeidliche Folge von Zeitpfeil und Entropie. Die 20% Lichtausbeute der LEDs sind ja schon ein Fortschritt – schlmmer ist, dass so viele von ihnen fest eingebaut sind, so dass man komplette Lampen wegwerfen muss, wenn sie nicht mehr leuchten. Da kann man sich fragen, ob der Energie- und Ressourceneinsatz für Ersatz nicht höher liegt als bei einer Glühbirne, die man rausschrauben und ersetzen kann, ohne die ganze Lampe zu erneuern.

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