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Spiegelung in Fensterscheibe nachahmen

Reflexionen mit Photoshop

Photoshops Transformation „Spiegeln“ bewirkt zwar nur einfaches Umklappen – aber Spiegelungen in einem Schaufenster lassen sich mit der Software sehr überzeugend nachahmen. In der aktuellen DOCMA-Ausgabe zeigt Doc Baumann, wie das geht – Spiegelung in einer Fensterscheibe nachahmen.

Spiegelung in Fensterscheibe nachahmen
Fotografiert oder montiert? Die Schaufensterpuppen und die gespiegelte Fassade stammen aus Venedig – aber ist das tatsächlich ein Foto?
(Alle Fotos und Montagen dieser Strecke: Doc Baumann)

Als Anfang der 70er Jahre vor allem in den USA der neue Malstil des Photorealismus aufkam, gab es etliche Maler, die sogar Reflexionen von Stadtszenen in großen Schaufensterscheiben darstellten. Es war faszinierend zu sehen, wie sie es schafften, das Bild der Außenwelt mit der hinter dem Glas glaubwürdig zu verschmelzen.

Aber wie gehen wir vor, wenn uns als Bildbearbeiter diese Aufgabe gestellt wird? Die schlechteste Lösung wäre es, die Deckkraft der oberen Ebene – also der Szene der Außenwelt, die sich spiegeln soll – einfach stark herabzusetzen: 50 Prozent außen plus 50 Prozent innen ergibt keine glaubwürdige Reflexion, sondern flauen Pixelmatsch.

Etwas besser sieht das Resultat aus, wenn Sie die obere Ebene auf den Mischmodus »Hartes Licht« setzen. Damit wirkt das Verhältnis heller und dunkler Tonwerte schon etwas überzeugender (so, wie sich dieser Modus überhaupt recht gut für einmontierte Glasobjekte eignet).

Auch hier stellt sich die Frage: Fotografiert oder montiert?

Aber ganz richtig ist das noch immer nicht. Machen wir ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, die Schaufensterscheibe sei schwarz – weil sie von innen so angestrichen wurde oder weil der Raum dahinter völlig dunkel ist. Dann wirkt sie wie ein Spiegel und reflektiert alles ungestört. Wäre sie dagegen weiß, etwa bei einem grell beleuchteten Innenraum, würde sich gar nichts erkennbar in ihr spiegeln. Das bedeutet also: Dort, wo es hinter der Scheibe dunkel ist, sieht man das Gespiegelte – dort, wo es hell ist, nicht.

Das lässt sich nun mit Photoshop leicht umsetzen: Unter »Ebenenstil > Mischen, wenn (Ausblenden)« schieben Sie die Weißpunkt-Regler für »Darunter liegende Ebene« (per Alt-Taste gesplittet) nach links. Das bewirkt, dass sich über hellen Innenbereichen nichts spiegelt. Umgekehrt dunkeln die Reflexionen dunkler Außenbereiche nichts ab, was hinter der Scheibe liegt; eine schwarze „Spiegelung“ lässt im Gegenteil das Innere ungestört betrachten. Helles von außen dagegen hellt das Innere auf. Daraus folgt: Im Dialog »Mischen, wenn/Ausblenden« müssen Sie für »Diese Ebene« dunkle Zonen ausblenden, während helle bewahrt werden.

Spiegelung in Fensterscheibe nachahmen
Diese Montage einer Szene, die ein Schaufenster und einen Innenraum dahinter zeigt, bildet im Tutorial den immer gleichbleibenden Hintergrund.
Spiegelung in Fensterscheibe nachahmen
Das Foto einer Straßenszene aus Venedig wurde mit dem Schaufenster-Bild als scheinbare Reflexion gemischt.

Mehr ist im Prinzip nicht zu tun. Ach ja, eines noch: Gibt es im „gespiegelten“ Foto Elemente wie Schrift, Autos oder dergleichen, müssen Sie es für die Montage waagerecht spiegeln. Wie Sie im Einzelnen vorgehen, um eine visuell glaubwürdige Mischungen von Innen und Außen zu erzielen, zeigt Ihnen das Tutorial in DOCMA 97 ausführlich für Tag- und Nachtszenen.

Spiegelung in Fensterscheibe nachahmen
Natürlich – und oft noch effektvoller – funktioniert Spiegelung auch mit Nachtszenen. Auch hier spiegelt sich ein Gebäude aus Venedig im Fensterglas, diesmal eine Kirchenfassade.

Übrigens: Das Bild am Anfang mit den beiden Schaufensterpuppen ist tatsächlich ein Foto aus Venedig und nicht montiert.

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Doc Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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4 Kommentare

    1. Stimmt natürlich, aber das ist doch kein Widerspruch. In dem Tutorial geht’s ja nicht um Fotografie, sondern um Bildbearbeitung und Montage. Wer so was gleich fotografieren möchte, kann das ja gern tut – hier hingegen ist die Frage, wie man vorgehen sollte, wenn man Bild A mit Bild B so mischen will, dass es wie eine realistische Reflexion aussieht. Denn falls Sie mal die Spiegelung etwa des Grand Canyon in einer echten Scheibe benötigen sollten, wäre es doch recht aufwendig, dort erst einen Laden aufbauen zu müssen.
      Viele Grüße
      Doc Baumann

  1. Bei frontalen Spiegelungen schaue ich als erstes nach dem Spiegelbild der Person mit der Kamera, die man in den
    beiden letzten der drei Beispiele zumindest schwach erkennen müsste -es sei denn, es handelt sich um einen Vampir.
    Soviel ich weiß, zählt Doc Baumann nicht dazu.
    Abgesehen davon finde ich das Bildergebnis gelungen.

    1. Dieser Ansatz ist zwar realistisch, aber nicht unbedingt immer wünschenswert. Eher im Gegenteil. Analog müssten dann nämlich auch immer Kamera und Kameraoperator zu sehen sein, wenn in einem Film eine Person in dieser Weise in den Spiegel schaut… und wer möchte das schon?

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