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Kreatives Arbeiten unter Druck: Chaos- und Strategie-Typ

Gastbeitrag von Henrik Heigl

Chaos- und Strategie-Typ

Jeder Kreative – egal ob Bildbearbeiter, Fotograf, Musiker, Designer, Maler oder Autor, ob Chaos- und Strategie-Typ – hat es am liebsten, wenn man eine Idee in aller Ruhe umsetzen und sich ausprobieren kann, also ohne Zeitdruck oder erforderliche Last-Minute-Änderungen. Und wenn jede neue, zündende Idee ausgebaut und festgehalten werden kann. Bei jedem Pinselstrich, Note oder Textzeile grinst man verzückt vor sich hin und ist zufrieden mit sich und der Arbeit.

Meist fehlt einem aber eben diese Muße, der Abgabetermin rückt näher und der Kunde will noch auf den letzten Drücker Änderungen, die einem das gesamte Konzept über den Haufen werfen. Da wird die Schriftart für das Werbeplakat geändert und macht das gesamte Druckbild kaputt, da wird am Text für den Werbejingle ein Wort geändert und dadurch das ganze Timing durcheinander gebracht. Oder die Fotomontage, die man für den Geburtstag des Firmenchefs aus Einzelbildern der Firmengeschichte zusammengebastelt hat, kann aus rechtlichen Gründen nicht verwendet werden.

All das kann die Kreativität beeinflussen, und je nachdem welcher Typ von Kreativschaffenden man selbst ist, reagiert man unterschiedlich darauf. Sie können das Leben aber auch einfacher machen. Hier zwei Typ-Kategorisierungen und damit verbundene Tipps.

Der Chaos-Typ

Chaos- und Strategie-Typ

Wer vom Typ „Ich male, schreibe oder drücke einfach in die Tasten“ ist, wirkt oft unorganisiert – auch wenn man es gar nicht ist. Die Kreativität sprudelt, und wenn man keine Kollegen an der Seite hat, die sich um das Organisatorische kümmern, tut man sich oft schwer, sich selbst zu organisieren, um nicht den Überblick zu verlieren. Allzu oft werden vielleicht sogar Deadlines verpasst oder erst auf den letzten Drücker verschoben.

Dabei ist es gar nicht so schwer, und es hilft bereits, wenn man seine Arbeit digital organisiert. Will heißen, dass man seine Werke, kreativen Ergüsse, Zeichnungen, Scribbles, Schnappschüsse und Ideensammlungen organisiert ablegt und mit Metadaten versieht.

Das kann über ein Datenbank-gestütztes System passieren. Das einfachste Beispiel dazu ist beispielsweise Lightroom. Hier werden in den Katalogdateien alle Daten und Änderungen an den bearbeiteten Bildern festgehalten. Man kann also auch noch Jahre später nach diesen Metadaten suchen und so aus diversen Ideen schöpfen und muss das Rad eben nicht mehr neu erfinden.

Chaos- und Strategie-Typ

Ähnlich aufgebaut sind auch Schreibtools wie Papyrus, die zum Beispiel eine Charakterdatenbank enthalten. Auch hier kann man einzelne Bausteine für den späteren Zugriff und die Suche strukturiert ablegen. Wichtig ist natürlich das regelmäßige Sichern (Backup) dieser Daten entweder von Hand oder per Backup-Tools.

Chaos- und Strategie-Typ

Wer also in Lightroom oder auch andere Tools hierzu verwendet und diese Metadaten pflegt, wird es später einfacher haben. So kann man sich das Suchen und Auffinden von vorher bearbeiteten Fotos, Texten, Musikspuren und Templates wesentlich erleichtern. 

Der Strategie-Typ

Wer in einem Team arbeitet, wird sich vielleicht schon bei größeren Kundenprojekten an gängelnde CI-, CD-Design- und Style Guides halten müssen. Auch der durchorganisierte und prozessorientierte Kreativtyp kennt es, dass – bevor das Werkzeug der Wahl zur Hand genommen wird – erst einmal ein Plan gemacht wird, beziehungsweise die Hälfte im Vorfeld schon fest zu stehen scheint, und etwa Vorlagen schon bis in die Details vorausgefüllt sind. Man ist nicht so wirklich frei in seiner Kreativität, hat so viele schöne Ideen wie der Werbetext noch etwas griffiger und moderner klingen würde oder das Bild doch frischer wirken würde, aber man ist eben durch Vorgaben, Templates und Ähnliches eingeschränkt.

Aber dennoch kann man auch hier frischen Wind reinbringen und zum Beispiel durch Farbtrends, wie Sie gerne auf den Seiten von Adobe https://color.adobe.com/de/trends oder Pantone https://blogs.adobe.com/creative/as_2019_12_pantone-farbe-des-jahres-2020-classic-blue/ gezeigt werden, etwas Auflockerung reinbringen.  

Chaos- und Strategie-Typ? Das sind nur einige Beispiele wie in den bereits verwendeten Werkzeugen von uns Kreativen viel mehr Potential schlummert als wir denken. Es ist oft gar nicht notwendig, großen Aufwand zu betreiben, um Zeit einzusparen, Arbeitsabläufe zu automatisieren und so den Druck aus der eigentlichen Arbeit zu nehmen. So haben Sie mehr Muße für die eigene Kreativität.

Henrik Heigl: Chaos- oder Strategie-Typ? Kreatives Arbeiten unter Druck

Über den Autor: Henrik Heigl, Baujahr 1972, nebenberuflich Journalist und Fotograf, hauptberuflich Systemadministrator, hat schon in jungen Jahren mit der analogen Fotografie und einem eigenen kleinen Fotolabor angefangen. Neben der Presse- und Veranstaltungsfotografie – hauptsächlich Konzerte und Messen – widmet er sich noch sozialen Projekten wie Help-Portrait oder als Sternenkind Fotograf. Zur Zeit schreibt er neben einigen Artikeln und Rezensionen wie zum Beispiel bei Chip-Online, heise, lokalen Magazinen wie PoppSzene, und wenn er neben seiner Arbeitszeit noch etwas Zeit findet, werden Fotoshootings und andere Projekte wie beispielsweise die Leitung der Adobe Photoshop User Group Rhein-Neckar und der CreativeUsergroup Saar seit 2012 durchgeführt.

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