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Herr Dr. Baumann, hier ist das Landeskriminalamt …

Schockanrufe von angeblichen Enkeln, die schnell mal ein paar Zehntausend Euro für einen Autokauf oder eine Mietkaution benötigen, kennen wir ja inzwischen. Bei Doc Baumann rief vor ein paar Wochen seine „Tochter“ an, die 75.000 Euro als Kaution für den Haftrichter brauchte, nachdem sie eine Frau überfahren hatte  – leicht zu durchschauen. Aber auf den neuesten Trick der Telefonbetrüger wäre er trotz aller Vorsicht fast doch hereingefallen.

Herr Dr. Baumann, hier ist das Landeskriminalamt …

Vor ein paar Wochen lief das so ab: Abends um 22 Uhr klingelte das Telefon: „Papa, hier ist deine Tochter, ich habe einen Unfall verursacht!“ Oh je! Wenn ich mir in diesem Augenblick hätte Sorgen machen müssen, dann nicht wegen des Unfalls, sondern wegen der Alimente, die ich nun für ein paar Jahrzehnte nachzuzahlen hätte, denn von einer Tochter wusste ich bis zu diesem Augenblick noch nichts. Also war klar: Schockanruf mit Enkeltrick.

ERSTE LEKTION, wenn Sie so einen Anruf erhalten – für den Fall, dass Sie tatsächlich eine Tochter haben: Fragen sie nach und nennen Sie einen Namen, der NICHT der Ihrer tatsächlichen Tochter ist. Hier also:

„Bist du das, Maria?“

Vor lauter Schluchzen kaum zu verstehen: „Ja, Papa.“ (Hätte ich eine, müsste ich mir nun also keine Sorgen mehr machen und gar nicht erst bei ihr zurückrufen. Wollen Sie Ihre Ruhe haben, legen Sie jetzt einfach auf. Wollen Sie die Betrüger mit Hilfe der Polizei in eine Falle locken, lassen Sie sich auf den Rest ein.)

„Papa, ich habe eine Frau überfahren. Ich sitze hier bei der Polizei.“

Wenn Sie immer noch nicht ganz sicher sein sollten, hier die ZWEITE LEKTION: Fragen Sie nach einem Autotyp, den Ihre Tochter NICHT fährt:

„Mit deinem schwarzen Golf?“

„Ja! Ich gebe dich mal an den Polizeibeamten weiter.“

Kurze Pause.

„Guten Abend, hier spricht Polizeikommissar Schlüter. In welcher Beziehung stehen Sie zu der Person hier im Revier?“

„Ja, das ist doch meine Tochter Maria.“

„Und Sie sind?“

„Dr. Weber.“

Dass sie im Telefonbuch gerade einen Mann anderen Namens ausgesucht hatte, fiel ihm wohl nicht auf.

„Zunächst muss ich Sie als Rechtsbelehrung darüber aufklären, dass Sie aufgrund des Datenschutzgesetzes mit niemand über dieses Telefonat sprechen dürfen!“

„Natürlich, selbstverständlich.“ (So ein Blödsinn, Datenschutzgesetz wegen des Inhalts eines Telefongesprächs. Aber es gibt bestimmt genug Angerufene, die darauf reinfallen. Wenn’s doch der Herr Polizist ausdrücklich sagt.)

„Ihre Tochter hat einen Unfall mit Todesfolge verursacht, eine Mutter von zwei kleinen Kindern.“

„Um Himmels Willen, das ist ja schrecklich!“

„Sie wird morgen früh um 9 dem Haftrichter vorgeführt. Wegen der Schwere der Schuld muss sie dann in Untersuchungshaft.“

„Oh je!“

„Sie können das aber noch abwenden, indem Sie eine Kaution stellen.“

„Ja, selbstverständlich – wie viel ist das denn?“

„75.000 Euro.“

„So viel?! Wie soll ich denn bis dahin auftreiben? Die Banken öffnen doch erst um 9, und am Geldautomat kriege ich nur 1.500 Euro. Ich komme gleich mal zu Ihnen aufs Revier und bringe mit, was ich auftreiben kann; wo finde ich Sie denn?“

Nun laut und ungehalten: „Hier stelle ich die Fragen!“

Ich, kleinlaut und eingeschüchtert: „Ja, natürlich, bitte verzeihen Sie, ich bin halt nur so aufgeregt wegen des tödlichen Unfalls.“

„Haben Sie denn kein Geld im Haus?“

„So viel bestimmt nicht, zusammen vielleicht ein paar hundert Euro.“

„Der Richter würde auch Wertgegenstände akzeptieren. Sie haben doch bestimmt Schmuck oder Münzen im Haus; das ist ja nur eine Kaution, Sie bekommen das ja anschließend zurück.“

„Ich glaube, ich habe irgendwo zwei Goldmünzen, aber vielleicht könnte ich …“

Aufgelegt. Lohnte nicht weiter, sich mit mir abzugeben. Das mit dem in die Falle locken war also auch von meiner Seite gescheitert.

* * *

Das alles kennt man ja hinreichend so oder ähnlich aus den Medien. Als ich nun vor ein paar Tagen erneut einen solchen Anruf erhielt, war ich also besser vorbereitet:

„Hallo Papa, ich habe jemandem mit meinem Auto überfahren, du musst mir helfen.“ Das Schluchzen und Weinen hielt sich diesmal in Grenzen. Das alte Spiel.

„Bist du das, Maria? Oder deine Schwester?“

„Ja, Maria. Ich sitze auf der Polizeiwache, weil ich ein Kind überfahren habe. Es ist tot. Du musst eine Kaution stellen für mich, bitte!“

„Na klar, mein Kind, Wieviel ist es denn?“

„45.000 Euro.“ Trotz hoher Inflation wird’s wenigstens hier billiger.

„Oh je, so viel habe ich aber nicht im Haus …“ und so weiter.

„Wie ist es denn mit Schmuck oder Münzen.“

„Aber Kind, das sind nur ein paar billige Stücke von deiner Mutter, das weißt du doch.“

Um mal ihre Reaktion zu testen, frage ich: „Das mit dem toten Kind ist ja schon schlimm genug, Maria – aber ich hoffe, das Auto hat jetzt deswegen keine Beule.“

Die Frage schien sie nicht weiter zu verwundern.

„Doch, da ist glaube ich schon eine Beule. Hast du kein Geld im Bankschließfach?“

Ich habe zwar kein Schließfach, aber dennoch: „Da liegen doch nur ein paar Urkunden und Unterlagen drin.“

„Hast du denn gar nichts?“

„Warte mal, ich könnte meinen Freund Georg fragen, der hat aus seinem Geschäft immer einiges im Haus, der borgt mir das sicherlich. Wo soll ich es denn hinbringen?“

„Ich kläre das mal. Ich rufe dich in zwanzig Minuten zurück.“ Aufgelegt.

* * *

Seltsam! Jetzt, wo ich viel Geld in Aussicht stelle, legt sie auf. An dieser Stelle übrigens die DRITTE LEKTION: Wenn man mal kurz überschlägt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass tatsächlich die eigene Tochter einen tödlichen Unfall verursacht hat, liegt die für meine Region bei etwa 0,07%, also kein erheblicher Grund, sich Sorgen zu machen.

Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Denn jetzt wird’s richtig spannend. Wenige Minuten später klingelt erneut das Telefon. Jetzt schon?

„Guten Tag, hier ist das Landeskriminalamt. Spreche ich mit Herrn Dr. Baumann?“

„Ja.“

„Herr Dr. Baumann, ich bin von der Abteilung für Internet-Betrug; haben Sie kürzlich einen merkwürdigen Anruf erhalten?“

„Ja, in der Tat; meine Tochter rief an, weil sie einen Unfall verursacht hat.“

„Das war gar nicht Ihre Tochter, das waren Telefonbetrüger, die an Ihr Geld wollen. Sie haben doch sicherlich schon von diesem Enkeltrick gehört.“

„Ja, habe ich.“

Darauf folgte eine ausführliche Erläuterung zum Vorgehen der Betrüger, türkische Banden, Geldforderungen. Ich wusste zwar nicht, worauf das hinauslaufen würde, war aber recht sicher, nicht das LKA in der Leitung zu haben und spielte erst einmal mit.

„Sind Sie bereit, mit uns zu kooperieren und uns zu helfen, die Betrüger dingfest zu machen?“

„Aber selbstverständlich! Aber wie haben Sie denn ein paar Minuten nach diesem Anruf schon davon erfahren?“

„Wir hören diese Verbrecher ab. Dabei können wir zwar nicht den Inhalt des Gesprächs verfolgen, haben aber die Verbindungsdaten. Deswegen habe ich Sie sofort angerufen, bevor Sie erneut kontaktiert werden.“

„Aha, ich verstehe.“

„Haben Sie etwas zum Schreiben da? Gut, dann schreiben Sie mal mit: Mein Name ist Gerhard Meyer, mit e-y, Station 31 beim Landeskriminalamt.“

„Ja, habe ich.“ (Landeskriminalamt und „Station“, na ja!)

„Gut, damit Sie wirklich sicher sein können, dass Sie mit der Polizei sprechen, beenden wir jetzt das Gespräch und Sie rufen mich zurück.“

„Ja, gut.“ (Jetzt kamen mir allerdings doch Zweifel. Hatte ich tatsächlich jemandem vom LKA am Telefon. Oder würde er mir nur eine falsche Rückrufnummer nennen, die nicht bei der Polizei landet?)

„Dann geben Sie mir doch bitte Ihre Rückrufnummer!“

„Wir machen das einfacher. Ich beende jetzt das Gespräch und Sie wählen die 110.“

„Wie bitte, die 110? Das ist doch der Notruf, die verbinden mich doch nicht mit dem LKA. Außerdem sitze ich ja hier nicht in Wiesbaden.“

„Doch, so handhaben wir das: Sie drücken auf Ihren Telefon erst die Sternchen-Taste, wählen dann die 110 und geben der Zentrale die Daten durch, die Sie eben aufgeschrieben haben, und die Zentrale wird Sie dann gleich mit mir verbinden.“

„Na gut, wenn das so üblich ist, mache ich das …“

VIERTE LEKTION: Folgen Sie dieser Anweisung auf keinen Fall! Da das Gespräch gar nicht unterbrochen wird, werden Sie einfach mit einer Nebenstelle verbunden. Wahrscheinlich wäre meine „Tochter“ dran gewesen, diesmal in einer Rolle als Telefonzentrale, und hätte mich dann mit dem freundlichen Herrn Meyer mit e-y weiterverbunden. Und auch, wenn Ihnen eine scheinbar seriöse Rückrufnummer genannt wird: Wählen Sie die nicht, sondern suchen Sie die Nummer der Dienststelle selbst heraus (oder lassen Sie sie sich notfalls unter der echten 110 geben, wenn Sie keine andere Möglichkeit haben.)

Aber Herr Meyer vom LKA, Abteilung Internet-Betrug, legte nicht auf. Nach einer kurzen Pause fragte er:

„Sie haben mich durchschaut, nicht wahr?“

„Ich verstehe nicht, wie soll ich denn das LKA durchschauen?“

„Ach, kommen Sie, Sie wissen doch längst, dass Sie gar nicht mit der Polizei sprechen. Sie glauben wohl, Sie sind schlauer als wir?! Aber da irren Sie sich, wir sind viel schlauer als Sie!“ Und noch bevor wir ausdiskutieren konnten, wer von uns beiden nun der Schlauere ist, legte er auf.

* * *

Keine Ahnung, wie es weitergegangen wäre. Vielleicht hätte er gesagt, ich solle mich auf die Forderungen meiner angeblichen Tochter einlassen und mich zwecks Geldübergabe verabreden. Dort hätte dann die „Polizei“ dann das Geld als Beweismittel sichergestellt oder so was in der Art.

Man kann diesen Meta-Enkeltrick auch noch weiterführen. Nach ein paar Minuten könnte das Telefon erneut klingeln und ein Beamter, diesmal vom Bundeskriminalamt, klärt mich auf, dass der Anruf eben vom angeblichen LKA ein Betrugsversuch war, und wenn ich der Polizei helfen wolle, sollten wir nun folgendermaßen vorgehen … Anschließend könnte sich auch noch Europol melden. Oder der Papst persönlich.

Die Tricks werden immer ausgefeilter. Gehen Sie immer davon aus, Betrüger am Telefon zu haben, wenn Sie nicht hundertprozentig sicher sein können, mit wem Sie sprechen. Es gibt keine „Datenschutzbestimmungen“ oder Ähnliches, die Ihnen untersagen, über ein solches Telefonat mit anderen zu sprechen. Rufen Sie Ihre Angehörigen unter der Ihnen bekannten Nummer direkt an und versichern sie sich, was wirklich los ist (wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit einer echten Notlage ist minimal). Wenn Sie der „Polizist“ unter Druck setzt, Sie müssten am Apparat bleiben: Sagen Sie einfach, Sie seien so aufgeregt wegen des Unfalls, dass Sie jetzt erst mal Ihr Herzmedikament einnehmen müssten und legen Sie einfach auf. Sie können auch sagen, Sie kämen gleich mit Geld und Ihrem Anwalt aufs Polizeirevier und fragen nach der Adresse – kein echter Polizist wird das ablehnen.

Geben Sie diesen Text möglichst an alle Leute aus Ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis weiter, die gefährdet sein könnten.  Und seien Sie auf der Hut – vielleicht haben die Betrüger ja doch mal recht: „Wir sind schlauer als Sie!“

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Doc Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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7 Kommentare

  1. Vor vielen Jahren fiel mir das „Gegenskript“ (https://egbg.home.xs4all.nl/duits.pdf) in die Hände. Darauf basierend habe ich begonnen, in freier Rede mit viel Phantasie die nervigen/gefährlichen Anrufer möglichst lange hinzuhalten.
    Am liebsten mach ich das in radebrechendem Denglisch (dafür muss ich mir leider keine besondere Mühe geben) mit den freundlichen „Microsoft-Mitarbeitern“, die alle zwei Wochen netterweise meinen angeblich verseuchten Computer behandeln wollen.
    Da hat man als alter Mensch, der ja so viel vergißt (das vergessene Passwort ist unten im Erdgeschoß auf dem Zettel im Küchenschrank) hervorragende Möglichkeiten unter Ächzen und Stöhnen den Start des Computers in die Länge zu ziehen.
    In der Zeit, in der ich die Treppen runter und wieder rauf gehe, können diese Anrufer keinen Unsinn machen und ich tue auch noch was für mein Herz. 😉
    Halten wir sie auf!

    Tom!

  2. Oh ja, wer kennt sie nicht, diese Ausgebufften, ob per Telefon oder E-Mail, vor langer Zeit manchmal auch per Brief. Früher, vor vielen Jahren, als ich sehr oft derartige Anrufe, allerdings mit vermeintlich verlockenden Angeboten, nicht der Enkel-Trick, bekam, habe ich mir oft einen Spaß daraus gemacht, mich dumm gestellt und ewig lange mit denen telefoniert, denen das Wort im Mund verdreht und dumme Fragen gestellt, mitunter bis mein Gegenüber stinkwütend den Hörer auf die Gabel geknallt hat. Das hat Spaß gemacht, wurde mir aber irgendwann zu riskant, denn man spielt ja im Grunde „Ja-Nein-Schwarz-Weiß“ mit denen und muss auf jedes Wort sorgfältig achten um es nicht später als Zusammenschnitt in einem Vertrag zu finden, den man unbeabsichtigt abgeschlossen hat. Außerdem wurde es auch einfach langweilig. Auch von Microsoft bzw. dem Windows Kundendienst wurde ich schon mehrmals angerufen. Meist auf Englisch mit afrikanischem oder osteuropäischem Akzent, denn ein Weltkonzern wie Microsoft kann sich natürlich keine Mitarbeiter leisten, die Deutsch sprechen können. Zwischenzeitlich habe ich sogar überlegt mein Festnetz-Telefon abzuschaffen, weil ich zeitweise mehr betrügerische Anrufe bekam als richtige. Aber noch brauche ich es leider. Ich denke, man sollte sich wenigstens aus dem Telefonbuch tilgen lassen.

    Per E-Mail habe ich auch schon allerhand abenteuerliches Zeug bekommen. Vor allem massig irgendwelche Verwandtschaft aus Nigeria, die mir Millionen vererben wollte, wofür ich aber erst mal zehntausende Euro vorschießen müsse. Letzteres erfährt man aber nur wenn man auf die Mail antwortet, was man auf keinen Fall tun sollte. Ich kenne die Einzelheiten nur aus der Presse. Geantwortet habe ich nie. Manchmal hatte ich auch in Gewinnspielen gewonnen an denen ich nie teilgenommen hatte. Sogar Christine Lagard und George Sorros haben mich vorgeblich schon angemailt, um mich zu beschenken, versteht sich. Die besten Betrugsversuche waren aber zwei, die vermeintlich von Amazon kamen. Die sahen sehr echt aus, forderten mich aber auf meine persönlichen Daten auf einer verlinkten Web-Seite einzugeben, weil angeblich ein Sicherheitsproblem mit meinem Amazon-Account vorliege. Das war mir schon sehr verdächtig. Ich traue Amazon durchaus einiges zu, aber glaube nicht, dass sie Kunden dazu auffordern so vertrauensselig zu sein und so leichtfertig blank zu ziehen. Hinzu kam, dass ich meinen Amazon-Account damals schon vor längerer Zeit gelöscht hatte, also gar keinen mehr besaß. Denn ich habe schlechte Erfahrungen mit Amazon gemacht und halte nicht viel davon. Allein der Klick auf den Link dürfte schon verhängnisvoll sein. Von den schöneren Betrugsversuchen habe ich mir Screenshots angefertigt und habe mittlerweile schon eine stattliche, sehr unterhaltsame Sammlung zusammen. Zeitweise habe ich schon überlegt die Betrüger für den Comedy-Preis vorzuschlagen, aber man weiß ja leider nicht wer sie sind.

    Betrugsversuche per E-Mail bekomme ich neuerdings nicht mehr. Mal sehen ob es so bleibt. Ich habe nämlich das E-Mail-Konto gelöscht, auf dem ich diese Art von Mails immer gehäuft bekam. Ich wusste schon länger, dass es mal geleakt worden war und habe es ohnehin nur noch für unwichtige Dinge bzw. am Schluss gar nicht mehr benutzt. Schlussendlich wurde mir das dann aber auch zu riskant. Man weiß ja nie was sie damit anstellen können. Momentan ist es auch am Telefon ruhig. Wenn es dann doch mal klingelt melde ich mich grundsätzlich nur mit „Hallo“, nie mit Namen oder mit „Ja“, weil man beides womöglich mitschneiden und zweckentfremden könnte. Man merkt auch stets deutlich, dass diese Leute mit dem „Hallo“ gar nicht glücklich sind. Wenn sie meinen Namen nennen und nachfragen, sage ich in der Regel „Der bin ich“. Das „Ja“ versuche ich grundsätzlich zu vermeiden. Und wenn klar wird, dass es um irgendein Angebot geht, beende ich das Gespräch. An Meinungsumfragen per Telefon nehme ich auch grundsätzlich nicht mehr teil. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass es ein permanentes Wettrüsten ist. Die werden sich immer etwas Neues einfallen lassen.

  3. Vorab: Ich gehe sehr vorsichtig mit meiner Festnetz- und Handynummer um. Nur wenige Menschen kennen sie, verlangt eine Website partout danach, überlege ich dreimal oder gebe die Rufnummer eines unbenutzten Labors auf meiner Arbeitsstelle an.
    Ich bin aber auch ein böser Mensch und habe das Folgende schon einmal bei einem aufdringlichen Verkäufer angewandt:
    Ich:
    „Bevor sie weitersprechen, hören sie bitte kurz ganz genau zu:“
    Dann sage ich einen alten Zauberspruch in Pseudolatein auf (den ich hier nicht verrate…) und fahre dann fort:
    „Dieser Fluch bewirkt, dass soeben in Ihrem Hirn ein Tumor zu wachsen beginnt.
    Sie haben noch sechs Wochen!“
    Dann lege ich auf.
    Gangster sind angeblich abergläubisch, ich überhaupt nicht, denn Aberglaube bringt Unglück…
    😉

    1. Das habe ich auch gehört. Ich halte das für einen sehr bemerkenswerten Sachverhalt, denn das bedeutet ja, dass man am Telefon ständig darauf gefasst sein muss ungewollt mit Kriminellen „Schwarz/Weiß – Ja/Nein“ spielen zu müssen. Dabei könnte der Gesetzgeber dem relativ leicht einen Riegel vorschieben indem er Vertragsabschlüsse per Telefon für ungültig erklärt.

      Ich vermeide aber nicht nur am Telefon „Ja“ zu sagen, sondern auch meinen Namen auszusprechen, was auch als Vertragsbestätigung genutzt werden könnte. Ich melde mich grundsätzlich nur mit „Hallo“, und wenn ich dann namentlich gefragt werde ob ich ich bin, antworte ich: „Der bin ich“. Ich denke, man sollte jedes überflüssige Wort vermeiden und auch nicht, wie ich es früher gern gemacht habe, sich ein Späßchen mit diesen Leuten erlauben und sie in lange Diskussionen verwickeln. Das kann alles leicht nach hinten losgehen. Und auch wenn man vermeintlich von seiner eigenen Sparkasse, Bank oder Versicherung angerufen wird, sollte man besonders vorsichtig sein was man sagt und an Informationen heraus gibt. Im Zweifel würde ich eher zurückrufen. Es steht immerhin eine Menge auf dem Spiel. Und seriöse Unternehmen werden das verstehen.

  4. Aus aktuellem Anlass noch eine Ergänzung: Gerade in den letzten Tagen habe ich wieder vermehrt mutmaßliche Ping-Anrufe bekommen. Das sind Anrufe, die einfach nur feststellen sollen wer wann zu Hause ist und möglichst auch um einen Rückruf zu provozieren. Würde man abnehmen, wäre wahrscheinlich niemand am anderen Ende dran, sondern nur ein Piepton. Die hatten jedenfalls alle eine griechische Vorwahl (0030 oder 0031), was wohl besonders häufig der Fall sein soll. Wenn man niemanden kennt, der einen aus Griechenland anrufen könnte, sollte man in solchen Fällen den Hörer nicht abnehmen. Ähnliches gilt aber auch für Anrufe aus dem Ausland generell. Schon gar nicht sollte man zurückrufen, weil man dann Gefahr läuft ungewollt sehr kostspielige Dienste in Anspruch zu nehmen. Das kann sehr teuer werden. Es nervt zwar sehr – bei mir sind in den letzten zwei Tagen mindestens vier oder fünf solcher Anrufe eingegangen – aber am besten einfach ignorieren. Vielleicht bequemt sich der Gesetzgeber ja irgendwann doch noch effektiv gegen solche Betrüger vorzugehen.

  5. Und noch eine Ergänzung aus aktuellem Anlass. In Report Mainz war vorgestern (13.9.2022) ein Beitrag über eine Telefonbetrugsmasche, die bei mir vor ein paar Monaten auch mal versucht wurde. Da geht es um Stromverträge. Das läuft so: man wird angerufen und es meldet sich jemand mit „Hallo, hier ist ihr Stromversorger“ oder so ähnlich. Es wird einem dann ein angeblich günstigerer Stromvertrag angeboten als der bisherige. Ich war damals ein bisschen überrumpelt und habe tatsächlich erst mal gedacht, dass es mein Stromversorger wäre, der da anruft. Als ich aber nach meiner Zählernummer gefragt wurde, wurde ich stutzig, denn die müsste mein Stromversorger ja eigentlich kennen. Ich sagte der bis dahin freundlichen Frau dann, dass ich am Telefon keine persönlichen Daten übermitteln würde und fragte nochmal nach von wem sie denn anrufen würde. Da wurde sie plötzlich deutlich reservierter, bestätigte aber, dass sie nicht von meinen Stadtwerken anrufen würde und beendete das Gespräch zügig. Laut Report Mainz ist das eine derzeit sehr geläufige Masche, die zu deutlich kostspieligeren Stromverträgen führt. Davor möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich warnen.

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