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Besser skalieren

Ist A.I. Gigapixel besser als Photoshops „Details bewahren“?

Besser skalieren
Besser skalieren – der Bildausschnitt links wurde aus dem kleinen Ausgangsbild links oben in Photoshop CC mit der Option „Details bewahren 2.0“ um 390% skalaiert – rechts sehen Sie das Ergebnis unter Zuhilfenahme von A.I. Gigapixel von Topaz Labs

Kürzlich erhielt Doc Baumann eine Pressemitteilung von Topaz Labs, die eine neue Skalierungssoftware ankündigten. Dank des Einsatzes von künstlicher Intelligenz bewahre A.I. Gigapixel jetzt natürliche Details. Besser skalieren kann man ja immer brauchen, also testete er das Programm. Hier sein Kurzüberblick – Den kompletten Artikel lesen Sie in der neuen DOCMA 86.

Besonders neugierig machte mich ein Bildvergleich in der Ankündigungs-Mail, der ein in Photoshop skaliertes Bild des Kolosseums in Rom neben einem aus A.I. Gigapixel zeigte. Skalierungsfaktor 400%. Das Ergebnis war unzweifelhaft überzeugend: Nach der Vergrößerung in Photoshop blieb nur flauer Pixelmatsch, während das mit A.I. Gigapixel skalierte Foto bis in die feinsten Details scharf und klar war. Ein echtes Wunder!

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Nachdem ich das Programm zum Test erhalten hatte – es läuft nur eigenständig, leider nicht als Plug-in –, nahm ich mir verschiedene Fotos vor, die sowohl harte Kontraste enthielten als auch weiche Farbübergänge. Fairerweise verwendete ich natürlich nicht Photoshops altvertraute bikubische Interpolation, sondern „Details erhalten 2.0“. Und ich wählte fürs besser Skalieren nicht die 400% der Vorgabe (die ein Pixel auf eine feste Anzahl neu errechneter Pixel interpolieren könnte), sondern 390%. Anschließend stellte ich die beiden Versionen am Monitor nebeneinander.

Zunächst sah ich überhaupt keinen Unterschied – und wenn, dann mochte sich der aus dem Wert für „Rauschen reduzieren“ ergeben, den ich in Photoshop vorgegeben hatte. Ich legte die beiden Bilder sogar im Modus „Differenz“ übereinander, um kleinste Abweichungen erkennen zu können. Das Ergebnis war ein fast reines Schwarz: also kein Unterschied.

Es war ein wenig wie beim Tennis oder bei den Finden-Sie-zwölf-Unterschiede-zwischen-den-beiden-Bildern-Rätseln in der Zeitung: Blick nach rechts – Blick nach links – Blick nach rechts – Blick nach links … bis mir die Augenmuskeln schmerzten. Ein paar minimale Unterschiede fand ich schließlich nach starkem Zoomen, ohne aber klar sagen zu können, ob das eine nun besser sei als das andere.

Auf der Website von A.I. Gigapixel entdeckte ich das Foto eines Auges. Das legte nahe, dass die verwendete künstliche Intelligenz mit solchen Bildern trainiert worden war. Also suchte ich ein Augen-Foto und skalierte es in Photoshop CC und in A.I. Gigapixel, abermals um 390%. Und wieder entdeckte ich nur minimale Abweichungen, aber meines Erachtens nicht solche, die ich beim Anspruch „besser skalieren“ erwartet hätte.

Besser skalieren
Besser skalieren – oben mit Photoshop CC und „Details bewahren 2.0“, unten mit A.I. Gigapixel; in der Mitte das Ausgangsbild. Urteilen Sie selbst! Ausschnitt eines Fotos von eugenepartyzan – Adobe Stock

Vollends enttäuschte mich das neue Programm, nachdem ich aus meinem eigenen Archiv ein Foto derselben Stelle des Kolosseums gesucht und skaliert hatte, die mich in jener Werbe-Mail von Topaz Labs so begeistert hatte: Das Ergebnis in Gigapixel entsprach den Erwartungen – aber das aus Photoshop war nicht merklich schlechter. Ich hatte sogar den Eindruck, dass Gigapixel aufgrund seines Trainings Strukturen ergänzt, die im Ausgangsbild gar nicht enthalten sind.

Nur am Rande sei eine Selbstverständlichkeit erwähnt: Das Originalfoto in derselben Größe des Ausschnitts ist den beiden skalierten Fassungen deutlich und sichtbar überlegen.

Damit stand mein Urteil über die Software fest: Wenn man Photoshop CC nutzt, braucht man Gigapixel nicht – besser skalieren sieht anders aus. Zum Glück gibt es bei der DOCMA-Produktion zahlreiche Kontrollinstanzen, und die Kollegen hatten an meinem Artikel eine ganze Menge auszusetzen (wenn auch nicht an der Bewertung von Gigapixel). Das zwang mich, noch ein paar weitere Versuche mit anderen Bildern anzustellen. Und wo ich nun schon gerade zufällig beim Kolosseum war, versuchte ich es mit einem anderen Foto.

Und siehe da – hier war plötzlich A.I. Gigapixel um Klassen besser als Photoshops Skalierungs-Modus „Details bewahren“ (Aufmacher-Bild). Sowohl bei den Personen als auch bei den Strukturen der Mauern lag die künstliche Intelligenz weit vorn. Es hängt also offenbar sehr stark vom Ausgangsmaterial ab, zu welchen Ergebnissen das besser Skalieren mit Gigapixel führt. Und noch eine Einschränkung: Wo Photoshop diesen Prozess im Handumdrehen erledigt, benötigt Gigapixel bei wirklich großen Bildern selbst bei einem sehr schnellen Rechner viel, viel Zeit. Wer also beispielsweise – eine typische Anwendung hoher Skalierungsfaktoren – Digitalfotos für große Ausdrucke oder eine Fototapete vergrößern will, sollte diesen Faktor im Auge behalten.

Fazit: Bei manchen Bildern ist A.I. Gigapixel deutlich besser als Photoshops „Details-bewahren“-Algorithmus, bei anderen ist der Unterschied minimal. Eine unsaubere Gegenüberstellung wie die beim Kolosseum, wobei Photoshop angeblich so schlecht abschneidet, hat Topaz eigentlich nicht nötig. Den kompletten Test lesen Sie in der neuen DOCMA, und dort finden Sie auch einen Qualitätsvergleich mit anderen spezialisierten Skalierungs-Programmen, die sich „besser skalieren“ auf die Fahnen geschrieben haben. Preise und weitere Details zu Gigapixel finden Sie hier.

 

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Hans D. Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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Kommentar

  1. ES handelt sich um Software, um angeblich Künstliche Intelligenz. Seit einiger Zeit findet man ja bei vielen Programmnamen den Zusatz „A.I.“, wurde eben von den Marketingleuten so beschlossen.
    Meine Erfahrungen mit Topaz Gigapixel sind die, dass es für viele Bilder deutlich bessere Ergebnisse bringt, als andere Produkte, wobei meine Vergleiche sich nicht nur auf PS beschränkten. Es gibt ja auch andere Hersteller, die diese Art von Software anbieten.
    Dass die Software nicht als PlugIn für eine Grafikprogramm arbeitet, sehe ich eher als Vorteil. Sie Arbeitsweise des Programms ist naturgemäß ressourcenintensiv.
    Welcher Hersteller zeigt denn nicht die besten, sondern die schlechtesten Ergebnisse her?
    Und die Sache mit der Fototapete ist wirklich weit hergeholt. Wer sich Fototapeten ansieht, schaut sie ja nicht wirklich im Leseabstand an. Und was soll die Kritik an der Dauer des Vorgangs? Sitzen Sie den ganzen Tag vor Ihrem angebissenen Apfel und wollen all Ihre archivierten Fotos der letzten 50 Jahre auf die 6-fache Größe skalieren? Oder ist es nicht eher so, dass Sie hin und wieder ein Bild mit ein paar Megapixel mit größeren Pixelabmessungen haben wollen.
    Also holen Sie sich Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee, und wenn Sie bei Ihrem geliebten Apfel sind, hat die Software das Ursprungsbild vergrößert.
    Und, vor allem: Niemand zwingt Sie zum Kauf, ist ja nicht so wie bei PS mit den Zwangsupdates.

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