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Intensivkurs: Perspektive 5/5

Fotos, bei denen die sichtbare Bodenebene in Blickrichtung nach unten oder oben geneigt ist, verführen zu einer falschen Konstruktion der Horizonthöhe.

Manche Fotos verführen zu einer falschen Konstruktion der Horizonthöhe. Das ist dann der Fall, wenn die sichtbare Bodenebene nicht waagerecht ? also in ihrer Verlängerung auf den Horizont zu ? verläuft, sondern in Blickrichtung nach unten oder oben geneigt ist. Diese Straße vor der Londoner St. Pauls-Kirche ist leicht abschüssig. Würden Sie sich lediglich an den Bordsteinbegrenzungen und den Markierungslinien orientieren, führte das zu einem deutlich zu niedrig angesetzten Horizont (auf dem Schnittpunkt der roten Linien). Zum Glück gibt es hier weitere Elemente, die bei einer korrekten Einschätzung der Perspektive helfen: die in der Realität waagerechten Gesimse und Fensterreihen der Häuser. Der Horizont liegt also auf dem Schnittpunkt der gelben Fluchtlinien. Ohne Gebäude wäre die Einschätzung schwer.

Ähnlich sieht es bei diesem Foto aus, nur haben wir es hier nicht mit abfallenden, sondern mit aufsteigenden Kanten zu tun. Nicht der Schnittpunkt der roten Fluchtlinien weit oben markiert die Höhe des Horizonts, sondern der aus den gelben abgeleitete, für deren Orientierung das Geländer oben und die Dachkonstruktion herangezogen werden konnten. Noch eine weitere Gegebenheit hilft bei der Einschätzung der perspektivischen Verhältnisse: Da die Kamera sich auf Augenhöhe befindet, sollte der Horizont dort liegen, wo die erste Stufe der Rolltreppe genau waagerecht gesehen wird, also von der Oberseite der Stufe nichts mehr zu erkennen ist. Auch das trifft hier zu.

Mitunter können die perspektivischen Voraussetzungen sogar noch schwieriger sein. Bei dieser Landstraße durch die Wälder von Florida bestätigt eigentlich nur die Vorkenntnis der flachen Landschaft die Einschätzung, dass die Straße im Hintergrund waagerecht verläuft und nicht ansteigt. Ihr Verlauf im Vordergrund, etwa bis zum Ende des Überholverbots, geht bergab ? denkbar wäre aber auch, dass dieser Teil der Straße waagerecht verläuft und der dahinter ansteigt.

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Noch komplizierter sind die Verhältnisse bei dieser Straße in Valetta, der Hauptstadt Maltas: Sie geht zunächst bergab, verläuft dort, wo die Autos auf der rechten Seite parken, ein kurzes Stück waagerecht, und steigt dahinter wieder steil an. Wegen der ausgeprägten Teleeinstellung mit langer Brennweite, und da wegen der starken Verkürzung der Hausfassaden kaum Orientierungspunkte für eine Fluchtlinienkonstruktion aufzufinden sind, wäre in diesem Foto das Einziehen korrekter Fluchtlinien, eine Fluchtpunkt- und damit Horizontermittlung recht aufwendig.

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