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Intensivkurs: Freistellen 1/5

Probleme beim Freistellen ergeben sich meist aus einer unklaren Pixelstruktur in den Konturen.

Das Einzige, das uns an einer Auswahl interessiert, ist ihr Rand. Egal ob es sich um ein gelbes Verkehrsschild vor blauem Himmel handelt oder um vom Wind zerzauste schwarze Haare vor einer dunklen Mauer ? wichtig ist immer nur die Kontur des Gegenstandes, den Sie freistellen wollen. Was sich im Binnenbereich abspielt, ist zunächst mehr oder weniger bedeutungslos.
Vielleicht würden Sie Haare nicht als ?Gegenstand? bezeichnen wollen, aber letztlich ist jede Ansammlung von Pixeln, die irgendetwas Sichtbares wiedergibt, für uns ein Gegenstand oder Objekt, dessen Außengrenzen wir bestimmen und markieren wollen. Und in diesem Sinne ist eine Schleierwolke, verwehter Zigarettenrauch, ja sogar die Spiegelung in einer Schaufensterscheibe ein ?Gegenstand?.
In dieser Darstellung sind wir nicht nur ?etwas näher? an unserem Motiv, sondern haben die maximale Vergrößerungsstufe gewählt, die Photoshop anbietet: 1 600 Prozent; ab CS3 sind es sogar 3 200 Prozent. Bei diesem Maßstab erkennen Sie sozusagen die ?Atome? des digitalen Bildes, die einzelnen Pixel in Form kleiner, einfarbiger Quadrate. Den Vorgang des Freistellens könnte man auch so beschreiben, dass man die Pixel auswählt, die zu einem Objekt gehören ? im Gegensatz zu denen, die ausgeschlossen werden sollen und Bestandteil des Hintergrunds sind. Aber in dieser maximalen Vergrößerung erkennen Sie, dass das leichter gesagt als getan ist, denn es lässt sich einfach nicht entscheiden, welches Pixel hier noch zu einem Haar gehört und welches zu den verschwommenen Blättern weiter hinten.

Pixelstruktur
Leider tut uns die Fotografie nicht den Gefallen, das eine Pixel klar und eindeutig einem Haar zuzuordnen und das daneben dem Hintergrund. Das ist kein Mangel digitaler Bilder, sondern war bei analogen Aufnahmen nicht anders. Eine Ursache dafür ist eine minimale, auch durch optimale Linsengruppen kaum zu beseitigende Unschärfe. Aber selbst wenn diese völlig auszuschließen wäre, ließe sich nicht erzwingen, dass die Grenzen eines Haares exakt der Elementstruktur des Kamerasensors entsprechen. Hinzu kommt, dass es an solchen Konturen weitere optische Effekte gibt und dass Haare keine festen, undurchsichtigen Gegenstände sind. Die Haarfarbe der Frau ist rot ? aber rote Pixel kommen hier so gut wie gar nicht vor, da die Haare ein wenig durchsichtig auf das Grün der Bäume im Hintergrund sind.

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Vergrößerung aus einem Analogfoto
Beim herkömmlichen Filmmaterial ist die kleinste Einheit das Filmkorn, das belichtete Silbersalzkristall, und auch ein solches gehört nicht jeweils eindeutig zu Objekt oder Hintergrund. Je empfindlicher ein Film ist, je niedriger also seine ISO-Zahl, um so kleiner sind die Kristalle und so höher die Auflösung und Detailschärfe. Beim Sensor der digitalen Kamera ist deutlicher zu erkennen, dass die Farb- und Helligkeitswerte an den problematischen Konturzonen interpoliert werden ? also neu berechnet. Damit gibt es keine Grenze, sondern immer eine mehr oder weniger breite Übergangszone. Die Kunst des guten Freistellens besteht darin, zu entscheiden, wie man diese Übergangspixel zuordnet. Das Problem der damit einhergehenden Farbsäume, die so unvermeidlich mit übernommen werden, ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.

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