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Das Textwerkzeug, Teil 1

In diesem Intensivkurs erfahren Sie alles über Photoshops Textwerkzeug.

Texte eingeben
Eine Textebene erzeugen Sie im einfachsten Fall durch Klicken mit dem zuvor in der Werkzeugpalette ausgewählten Textwerkzeug auf die Arbeitsfläche. Unabhängig davon, ob Sie einen Buchstaben, einen Satz, einen langen Text oder gar nichts weiter eingeben, müssen Sie anschließend zu einem anderen Werkzeug wechseln, um weiterarbeiten zu können. Versehentlich erzeugte Textebenen, die keine Zeichen enthalten, erkennen Sie in der Ebenenpalette daran, dass sie zwar das Textsymbol als Miniatur zeigen, der Name jedoch ?Ebene X? lautet, wobei ?X? für eine Ziffer steht.
Tipp: Sie können den Bereich, den Ihr Text füllen soll, auch vorgeben, indem Sie, statt einfach auf das Bild zu klicken, mit dem Textwerkzeug einen Rahmen aufziehen.

Um die Qualität des aktuellen Textwerkzeugs von Photoshop in vollem Umfang würdigen zu können, muss man sich nicht nur vor Augen führen, wie vor dem Einzug der digitalen Bildbearbeitung Text aufs Bild gebracht wurde, sondern auch mit welch rudimentärer Funktionalität die ersten Versionen von Bildbearbeitungsprogrammen ausgestattet waren. Im analogen Labor wurden zum Beispiel bei Planfilmen entweder die Negative selbst an den Seiten von speziellen Fotosatzbelichtern nachbelichtet, oder man erzeugte für die Beschriftung von Abzügen in kleineren Auflagen ebenfalls im Fotosatz (zum Beispiel mit dem ab 1966 von der Berthold AG gebauten ?Staromat?) Filmstreifen, die anschließend im Kontaktverfahren bei der Bildbelichtung mit aufs Fotopapier gelegt wurden. Im Gegensatz zu diesen nicht nur teuren, sondern auch zeitaufwendigen Verfahren schienen die ersten Photoshop-Textwerkzeuge in der Version 2 wie ein Geschenk des Himmels ? zumindest für jene, die der Technik gegenüber aufgeschlossen waren und nicht um ihren Arbeitsplatz fürchteten. In dieser Version gab es zwar nur einen Texteditor ohne WYSIWYG-Funktionalität, und man konnte den eingegebenen Pixeltext nach der Bestätigung des Dialogs nur noch solange mit Filtern oder Einstellungsdialogen bearbeiten, wie die automatisch erzeugte Auswahl aktiv war. Danach wurde er fast unwiderruflich ? lediglich durch einen einzigen ?Zurück?-Schritt korrigierbar? mit den Pixeln des Untergrunds verschmolzen. Nur die Beherrscher von Alpha-Kanälen konnten sich etwas mehr Flexibilität und Bearbeitungsoptionen verschaffen. Allerdings mussten Ihre Rechner dazu mit Unmengen teuren RAMs aufgerüstet sein. Wer damals einen Mac besaß, der soviel Arbeitsspeicher unterstützte, und 32, 64 oder gar 128 Megabyte sein Eigen nannte, galt als Krösus unter den Pixelschubsern, da hierfür Anfang der neunziger Jahre der Gegenwert von vielen tausend Euro hingeblättert werden musste. Windows-Rechner waren in dieser Klasse fast noch gar nicht verfügbar, und für die leistungsstarken UNIX-Workstations gab es Photoshop erst ab Version 3. Diese Version kannte dann zwar schon Ebenen, aber richtige Typofunktionen, die diesen Namen auch nach heutigen Maßstäben verdienten ? das heißt ohne separaten Texteditor daherkamen, und deren Ergebnisse sich auch nach dem Speichern noch verändern ließen ? gab es im Grunde erst nach Einführung der Textebenen in Photoshop 6. In dieser Version ließen sich die Bilder auch inklusive der vektorbasierten Textinformationen im Photoshop-PDF-Format sichern. Seither wurden im typografischen Bereich in Grunde nur noch ein paar Feinheiten optimiert.

15Geplante Texteingabe
Wenn Sie das Textwerkzeug in der Werkzeugpalette anklicken, stehen Ihnen in der Optionspalette vielfältige Einstellungen für die Textparameter zur Verfügung, allerdings keine, die die Breite des Textblocks bestimmt. Sie müssen bei der Eingabe mit Zeilenschaltungen arbeiten, um eine weitere Zeile anzufügen. Um die Breite und Höhe eines geplanten Textblocks vorzugeben, ziehen Sie mit dem Textwerkzeug vor der Texteingabe ein Rechteck auf.
Tipp: Im Unterschied zu direkt eingegebenem Text heißt der in einen Textblock einfließende ?Absatztext?. Nur hierfür lassen sich absatzbezogene Parameter wie etwa Blocksatz oder zentrierter Satz vorgeben. Einfacher Text kann über das Ebene-Menü in Absatztext verwandelt werden.

Textwerkzeug und Textebenen
Wer heute das Textwerkzeug auf ein Bild anwendet, erzeugt dabei automatisch eine neue Textebene, deren Name sich aus den ersten eingegebenen Zeichen ergibt. Textebenen lassen sich durch die aus einem ?T? bestehende Ebenenminiatur in der Ebenenpalette leicht erkennen. Wenn Sie das Text-Werkzeug in der Werkzeugpalette anklicken, stehen Ihnen in der Optionspalette vielfältige Einstellungen für die Textparameter zur Verfügung. Hier legen Sie ? möglichst vor der Texteingabe ? neben Schriftart und -auszeichnung, die Textgröße, die Kantenschärfe, die Absatzausrichtung und die Textfarbe fest. Alle diese Parameter orientieren sich an der letzten vorgenommenen Texteingabe. Weitere Feineinstellungen wie Zeilenabstände, Laufweite oder Grundlinienversatz sowie die Formatierung des Absatzes legen Sie mit den Paletten ?Zeichen? und ?Absatz? fest, die Sie im Menü ?Fenster? aufrufen. Schwierig wird es, wenn Sie zwei Textelemente übereinander anlegen wollen. Normalerweise lässt sich dort keine neue Textebene setzen, wo schon eine liegt. Als Alternative dupliziert man die erste Ebene, ändert den Text und verschiebt ihn. Einfacher ist es jedoch, beim Klick an die Stelle, wo der neue Text beginnen soll, die Shift-Taste gedrückt zu halten. Dann gibt es keine Kollision.

Stand ändern
Nach der Texteingabe legt Photoshop alle Zeichen in eine Textebene. Der Stand des Textes auf der Arbeitsfläche lässt sich mit dem ?Bewegen?-Werkzeug verändern. Bei aktiviertem Textwerkzeug kann der Pfeil an beliebiger Stelle außerhalb des Textes platziert werden, sonst klicken Sie exakt auf die Schrift (dazu muss in der Optionsleiste links ?Automatisch auswählen? aktiviert sein). Bei großen Buchstaben ist das kein Problem, bei kleinem Schriftgrad erwischt man leicht eine andere Ebene und nimmt unerwünschte Änderungen vor. Hier empfiehlt sich der Einsatz der Pfeiltasten der Tastatur bei über die Ebenenpalette aktivierter Textebene. Mit zusätzlich gehaltener Shift-Taste erhöhen Sie die Sprungweite pro Tastendruck von einem auf zehn Pixel.

Schriftart
Schriftarten wie Times, Arial oder andere auf modernen Betriebssystemen installierte Fonts auszuwählen, kann sich zu einer unübersichtlichen Aufgabe ausweiten. Besonders wenn man viel Grafiksoftware installiert hat, die zusätzliche Schriftensammlungen mitbringt. Aus diesem Grund haben die Entwickler in den letzen Versionen zwei Komfortfeatures eingebaut. Zum einen wird das Wort ?Sample? neben dem Schriftnamen in der Schriftart dargestellt. Damit findet man zum Beispiel schnell Sonderzeichen- oder Systemfonts. Zum anderen sieht man vor dem Schriftnamen einen Hinweis, um was für einen technischen Schrifttyp es sich handelt. So kann man leicht sehen, ob eine TrueType, Opentype, PostScript Typ1 oder Multiple Master Type vorliegt.

Schriftschnitt
Wenn es sich nicht um eine reine Schmuckschrift handelt, gibt es ? je nach Größe der Familie ? unterschiedliche ?Auszeichnungen?. Ausgehend von einer Standard- oder Regular-Variante finden sich im Regelfall wenigstens fette und kursive Schriftschnitte. Bei Schriftarten wie der hier gezeigten Opentype-Variante der Myriad Pro, die für jede typografische Anforderung des Satzes Optionen bereithalten wollen, findet man zusätzlich eng- und weitlaufende Untergruppen sowie mehrere Fettungs- und Magerkeitsgrade. Diese Zusatzschnitte sind bei älteren Schriften, etwa solchen vom Typ 1, direkt in der Schriftenliste zu finden. Truetype- und vor allem Opentype-Schriften zeigen die einzelnen Schnitte dagegen im rechts daneben liegenden Auswahlmenü.

Schriftgröße
Scheinbar ist vorgesehen, dass Schriften in Photoshop zwischen 6 und 72 Punkt groß gesetzt werden ? dieser Eindruck vermittelt sich, wenn man das Ausklappmenü der Schriftgrößeneinstellung öffnet. Bewegt man die Maus hingegen auf das Doppel-T-Symbol links neben dem Schriftgrößenfeld, lässt sich nach einem Klick bei gehaltener Maustaste die Schriftgröße frei skalieren. Wer genau weiß, wie groß die Schrift werden soll, trägt die Punktzahl direkt in das Schriftgrößenfeld ein. Schriftgrößen sind immer abhängig von der Auflösung eines Bildes. Braucht man bei einer 300-ppi-Auflösung eine Größe von 24 Punkt, sind beim gleich großen Bild, dessen Auflösung einfach nur auf 72 ppi umgestellt wurde, nun 100 Punkt für dieselbe Buchstabengröße notwendig.

Kantenverhalten
Neben der Textgrößeneinstellung in der Optionsleiste des Textwerkzeugs finden Sie ein Auswahlmenü, in dem Sie das Kantenverhalten der Textdarstellung über fünf Vorgaben festlegen können. Man sollte hier vorausschicken, dass sich die Feinheiten dieser Kantenvorgaben in erster Linie an Webgrafiker richten, die mit kleinem Text und starken Kompressionseinstellungen arbeiten. Aus diesem Grund sind die Pixel in der Illustration auf der linken Seite nur in 72 ppi aufgelöst, was gruselig aussieht, die unterschiedlichen Kantenoptionen aber deutlicher vor Augen führt. Mit der Einstellung ?Ohne?, die übrigens auch für den Einsatz im Druckbereich vermieden werden sollte, erkennt man die gepixelten Treppenstufen an den Rändern sehr deutlich. Die verschiedenen Vorgaben ?Scharf?, ?Schärfer?, ?Stark? und ?Abrunden? verändern die Kantenpixel, machen sie mehr oder weniger transparent und lassen die Übergänge dadurch weicher verlaufen. Im Ergebnis wirkt das wie eine Weichzeichnung, die dem Auge besser gefällt als Pixeltreppen. Bei mittleren bis kleinen Schriftgraden ist eine solche Glättung nahezu unerlässlich, damit der Text nicht billig aussieht. Bei sehr kleinen Schriftgraden kann es hingegen passieren, dass feine Konturen durch die Glättung nahezu verschwinden.

Schriftfarbe
Die Wahl der Schriftfarbe wird in der Regel durch einen Klick auf das Farbfeld in der Optionsleiste vorgenommen, bevor man zu schreiben beginnt. Um den ganzen Text nachträglich zu verändern, reicht es aus, die Textebene zu aktivieren, das Textwerkzeug anzuklicken und über die Optionsleiste die Farbgebung zu wechseln. Das funktioniert auch für Schriftart-, Schriftschnitt- und Größenänderungen. Um einzelne Buchstaben farblich zu verändern, markieren Sie den jeweiligen Textteil vor dem Umfärben. Die Markierung selbst können Sie anschließend mit dem Tastenkürzel (Strg/Befehl+H) ausblenden.
Tipp: Eine Textfarbe, die mit dem Bild harmoniert, finden Sie, indem Sie nach Aufruf des Farbdialogs mit der nun verfügbaren Pipette Farben im Bild anklicken.Tipp: Eine Textfarbe, die mit dem Bild harmoniert, finden Sie, indem Sie nach Aufruf des Farbdialogs mit der nun verfügbaren Pipette Farben im Bild anklicken.

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