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Software macht Portraits für Blinde sichtbar

Forscher der Arizona State University haben eine Software entwickelt, die Bilder für tastbare Ausdrucke umwandelt.

Blinde können Portraitfotos zwar nicht sehen, jedoch Umrisse und spezielle Charakteristika ertasten, falls sie von einem Stanzapparat vorgegeben werden. Eine Software, die Gesichtsfotos automatisch in ein Spezialdruck-fähiges Bild umwandelt, haben nun Forscher der Arizona State University auf einer Entwicklerkonferenz in Palo Alto präsentiert. Damit könnten Profilbilder in Social Networks auch für Blinde relevant werden.
Nach Angaben des Forschungsleiters Baoxin Li haben Portraitbilder eine besonders hohe Bedeutung für das Sozial- und Gefühlsleben. Ansätze, um solche Fotos für Blinde zu visualisieren, hätten jedoch noch keine befriedigende Lösung geliefert. Der jetzige vielversprechende Vorschlag konvertiert Fotos und bereitet sie für Drucker vor. Wichtig sei eine Balance in der Darstellung, so dass die wichtigsten Gesichtsmerkmale gut wiedergegeben würden, ohne zu detailreich zu sein und den Tastenden zu verwirren, erklärt Li.
Dieses Herunterbrechen auf das Wesentliche erledigt nun ein Algorithmus. Mit einem Foto gefüttert, wandelt er dieses innerhalb einer Minute in eine Vorlage um, das von einem Spezialdrucker mit Tiefenwirkung ausgedruckt wird. Für die Zukunft hoffen die Forscher auf die Entwicklung taktiler Displays, für die kein Papier mehr nötig ist ? auch hier könnte die Software eine gute Übersetzungsarbeit leisten.
Ein Konzept für ein derartiges Display haben Forscher der North Carolina State University bereits im vorigen Jahr präsentiert. Punkte von elektroaktiven Polymeren sind dabei in ihrer Höhe hydraulisch steuerbar und können somit nicht nur fühlbaren Text, sondern auch Bilder wiedergeben. Ein Novum, das herkömmliche Braille-Zeilen und Screen-Reader-Programme nicht schaffen.
Nach Angaben des Hilfsmittel-Anbieters Handy Tech Elektronik sind auf dem Markt neben statischen Ausgaben für ertastbare Grafiken wie etwa Spezialdrucker auch bereits dynamische Modelle erhältlich. Die dynamische taktile Grafikausgabe "GWP" der Firma Handy Tech besteht aus 16 mal 24 Tastpunkten, wobei durch Navigations- und Zoomsteuerung die Auflösung beliebig erhöht werden kann. Finger könnten Bilder allerdings nie so schnell lesen wie Augen, zudem dauere das sequenzielle Erfassen entsprechend lange, heißt es von Seiten des Anbieters weiter. Überbewerten solle man derartige Darstellungsgeräte nicht. Nicht immer sage ein Bild mehr als tausend Worte. Damit sich für Blinde das Erfassen einer Grafik lohne, müsse diese eindeutige Vorteile gegenüber reinen Textdarstellungen bieten. Vorteilhaft sei dies besonders in der Ausbildung wie etwa im Mathematikunterricht. Und auch nach Art der Blindheit müsse man unterscheiden, ergänzt Gerd Schwesig, Leiter der Hilfsmittelabteilung beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. Am meisten profitierten Menschen, die erst im Lauf des Lebens erblindet seien und durch das taktile Erfahren Bilder vor dem inneren Auge machen könnten.
Quelle: pressetext.redaktion, Johannes Pernsteiner

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