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Foto und Montage: Doc Baumann

 

Da unsere Zeitschrift DOCMA heißt und sich damit nur in einem Buchstaben von dem unterscheidet, was die Leitsätze der allein seligmachenden Kirche bezeichnet, ist es zu Ostern vielleicht an der Zeit, sich über die Gemeinsamkeiten von Auferstehung und Recovery-Software Gedanken zu machen.

 

Wie Heutigen haben unsere Probleme damit, uns unter „Auferstehung“ etwas Nachvollziehbares vorzustellen. Ich weiß nicht, ob es den Menschen früher in dieser Hinsicht wirklich besser ging. Vielleicht haben sie einfach mehr geglaubt und weniger nachgedacht. Und da sie die Bibel meist ohnehin nicht lesen konnten (zum einen wegen Analphabetismus, zum anderen, weil sie in einer unverständlichen Fremdsprache geschrieben war), haben sie sich mit dem abgefunden, was die Priester ihnen erzählt haben. Das waren – mehr oder weniger – studierte Männer, die mussten das schließlich wissen.

Seit der Aufklärung, volkssprachlichen Bibel-Übersetzungen und der Möglichkeit, nicht alles zu glauben und dennoch nicht vor dem Inquisitionsgericht zu landen, hat sich einiges geändert.

So wissen wir heute etwa, dass die Auferweckung des Lazarus durch Jesus nur im Johannes-Evangelium (11,1–45) beschrieben wird. Die anderen Evangelisten schreiben davon nichts. Angesichts einer so spektakulären Angelegenheit (freilich auch einer etwas unappetitlichen, der Text berichtet vom Gestank, der sich inzwischen entwickelt hatte), ist das verwunderlich, wenn auch nicht verwunderlicher als vieles andere, das spektakulär in einem Evangelium steht und in den drei anderen nicht einmal erwähnt wird.

Wieder zum Leben Erweckte tauchen in der antiken Literatur hier und da auf. Theologisch soll dennoch das, was Lazarus oder die Tochter des Jairus wiederfahren ist, etwas ganz anderes sein als die Auferstehung des christlichen Religionsgründers. (Eigentlich kann man ihn nicht wirklich so bezeichnen, denn dann wären die Christen heute eine jüdische Sekte. Die Kompatibilität orientalischer Mythen mit römisch-hellenistischen Vorstellungen hat die Welt Paulus zu verdanken, der sich nicht sonderlich um das scherte, was in den Evangelien als Jesus-Worte verbreitet wurde, zumal diese erst nach seiner Zeit geschrieben und verbreitet wurden).


Die Notwendigkeit, zu springen


Christen sollen dennoch auch heute an die Auferstehung als Faktum glauben, das ist der Kern ihrer Religion. Dass die nicht vorstellbar ist, muss allein kein Hindernis sein – dunkle Materie und Quantenverschränkung sind auch nicht vorstellbar. Als Nichtglaubender finde ich es allerdings ungeheuer spannend, wie christliche Autoren heute ihren Lesern zur Osterzeit nahebringen wollen, wie Auferstehung gedacht werden könnte. Mal abgesehen davon, dass sie für ihre Aussagen – die im 21. Jahrhundert in Kirchenblättern verbreitet werden – in früheren Zeiten schnell auf dem Scheiterhaufen gelandet wären … ich finde es faszinierend, wie aussagelos ihre Sätze sind. Wer die Jesus-Bücher von Ratzinger/Benedikt gelesen hat, weiß vielleicht, was ich meine: Beim ersten Hören/Lesen ungeheuer tiefgründig erscheinende Aussagen – beim nochmaligen Lesen Worthülsen, die letztlich ohne jede nachvollziehbare Bedeutung sind, keinen Bezug zur empirisch erlebbaren Realität haben und Behauptungen aufstellen, die sich durch nichts belegen lassen.

Natürlich kenne ich die Diskussionen über die Kluft zwischen Glauben und Wissen(schaft); dennoch argumentieren viele Theologen mit dem Anspruch, ihre Sätze seien von der Vernunft geleitet. Die Vernunft allein führt aber offensichtlich nicht zum Glauben. Nötig sei dann noch ein geistiger Sprung, um Zweifel am nicht Vorstellbaren zu überbrücken. Na gut, meinetwegen. Aber warum soll ich dann ausgerechnet dorthin springen und nicht irgendwo anders hin? Weil es viele (immer weniger) andere auch tun? Weil wir in einem christlich geprägten Abendland leben? Weil die Mehrheit der Gläubigen uns ein vorbildliches Leben vorlebt? Ach je!


Auferstehung als Recovery-Programm


Vielleicht wäre ein sowohl der heutigen Zeit wie der DOCMA-Leserschaft angemessenes Analogon zum besseren Verständnis der Auferstehung so was wie Recovery-Software. Wir haben da was, was wir im strengen Sinne zunächst nicht mehr haben; wir wissen, dass es bis vor kurzem noch da war, und nun scheint es weg zu sein. So sehr wir auch danach suchen, es ist nicht mehr aufzufinden. Nehmen wir eine Speicherkarte mit den Bilddaten des letzten Shootings. Eine aufwendige Angelegenheit: weite Anfahrt, phantastische Location, passendes Wetter und Licht, tolles Model. Und nun? Daten futsch! Nichts mehr da!

Auftritt Recovery-Programm. Die tot geglaubten Bilder werden zu neuem Leben erweckt. Kein Zaubertrick, keine Fake News, kein übernatürlicher Hokuspokus. Das können heutige Leser und Hörer verstehen und nachvollziehen. Das spräche dann allerdings eher für die Scheintot-Hypothese als für die von der kollektiven Halluzination. Auch noch so viele Fotofans können endgültig gelöschte Bilddaten durch intensives Hoffen nicht wiedererwecken. Die Richtung vieler heutiger Erklärer geht unterm Strich allerdings eher in Richtung „symbolisch“ – war alles nicht so gemeint, nicht wörtlich jedenfalls, sondern soll als Bild nur verständlich machen … Ach so!

So oder so, allen Leserinnen und Lesern, gläubigen wie ungläubigen, erholsame und friedliche Ostertage!