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15 Jahre: Die DOCMA-Story

Die DOCMA-Story: Das 15-Jahres-Jubiläum bietet DOCMA-Chefredakteur Christoph Künne Gelegenheit für einen Blick zurück auf die Entwicklung des Heftes und die Veränderung der digitalen Bilderwelt seit der Magazingründung.


An einem sonnigen Sommertag des Jahres 2002 besuchte ich Doc Baumann in der Abgeschiedenheit des hessischen Mittelgebirges. Wir saßen in seinem Garten in der Rabenau und sprachen über Gott, die Welt und Photoshop, als die Frage aufkam, die unser Leben verändern sollte: Warum sind unsere Photoshop-Beiträge eigentlich immer nur die Sättigungsbeilage in Foto- und Computerzeitschriften wie Computerfoto, c’t und MacUp? Warum gibt es kein Magazin, das auf die langweilige Hardware-Testerei verzichtet? Man braucht doch nur alle paar Jahre neue Geräte – aber ständig bessere Arbeitstechniken. Wie wäre es, den Lesern beizubringen, wie man Photoshop in den Griff bekommt, statt es nur punktuell und eher notdürftig anzuwenden?
In Deutschland gab es damals noch keine derartige Publikation. Aus anderen Ländern kannten wir ein, zwei Magazine, die so etwas Ähnliches machten. Allerdings standen dort eher Inspirationen im Vordergrund – nicht Workshops, aus denen man lernen konnte, wie Photoshop wirklich funktioniert.


Die DOCMA-Story: Die Geburt von DOCMA


Wir wollten es anders, und vor allem wollten wir es besser machen. Wie wäre es, ein eigenes Magazin herausgeben, das nicht die abgefahrensten Arbeiten in den Vordergrund stellt, sondern exemplarisch zeigt, wie man Photoshop-Probleme aus der realen Welt in den Griff bekommt?

Die Idee hatte Potenzial. Jetzt brauchten wir nur noch einen Verlag. In solchen Fällen zahlt es sich aus, wenn man ein paar Leute aus der Branche kennt. Während ich mir den nächsten Kaffee kochte, ging der Doc zum Telefonieren in sein Arbeitszimmer. Kaum dass das Wasser durch den Filter gelaufen war, kehrte er zurück, grinste und sagte: „Wir könnten anfangen“. Ein junger aufstrebender Hamburger Computer-Verlag hatte zugesagt, das Heft mit uns zu machen.
Für das erste Heft nahmen wir die damals brandneue Version Photoshop 7 zum Anlass, alle hinzugekommen Funktionen in ausführlichen Praxis-Workshops vorzustellen. Am Kiosk verkaufte sich die erste DOCMA fast wie geschnitten Brot – trotz des wenig griffigen Titels „Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung“. Als die endgültigen Zahlen auf dem Tisch lagen, war uns klar, dass wir einen Treffer gelandet hatten.

 


Unsere erste Photokina 2004 – mit eigenem Stand und Award-Preisverleihung


Die DOCMA-Story DOCMA auf der Photokina 2004


Die DOCMA-Story: Eine Durststrecke


Finanziell gebracht hat das gute Verkaufsergebnis jedoch rein gar nichts. Bevor es ans Abrechnen ging, hatte sich der dynamische junge Hamburger Verlag bereits – trotz unseres Erfolges –  in den Ruin gewirtschaftet.
Von der Idee unseres Heftes überzeugt, begaben wir uns auf die Suche nach einem neuen Verleger. Diesmal reichte kein einfacher Telefonanruf, sondern wir tourten wochenlang durch die Zentralen der damals wichtigen Computer- und Fotofachverlage. Nur die wenigsten unserer Gesprächspartner konnten mit der Idee etwas anfangen. Außerdem hätten uns deren Vorstellungen von unserer finanziellen Teilhabe langfristig am Hungertuche nagen lassen.

Den Weg ins Armenhaus schlugen wir für die nächsten zwei Jahre auf andere Art ein: Wir suchten uns einen Verlagsdienstleister, der nur am Profit partizipierte, Verluste aber auf uns abwälzte. Dafür blieben wir unsere eigenen Herren, was sich später als Vorteil erwies. Wie begannen, aus dem „Sonderheft“ nach und nach ein „magaziniges“ Periodikum zu machen, das alle drei Monate erschien: mit richtigen Rubriken, mit Serien und mit ein paar locker verstreuten Werbeanzeigen.
Die Artikel schrieben wir damals noch fast alle selbst, Illustrationen und Layout stammten ebenfalls von uns, und mit Werbekunden sprachen wir nur, sofern diese von sich aus auf uns zukamen. Und wenn wir gerade keine neue DOCMA produzierten, arbeiteten wir für andere Computer- und Fotohefte, um den Kühlschrank zu füllen.


Die DOCMA-Story: Zielgruppen


In dieser Zeit war die digitale Bilderwelt noch von großen Veränderungen geprägt. Unsere primäre Zielgruppe bei der ersten Konzeption 2002 waren Mediengestalter, Grafiker und Leute, auf deren Computern sich eine Photoshop-Version „verirrt“ hatte, und die aus lauter Begeisterung anfingen, damit für die unterschiedlichsten Belange herumzuexperimentieren.

Ab etwa 2003/2004 eroberten bezahlbare digitale Spiegelreflexkameras den Markt und ließen damit auch ambitionierte Fotoenthusiasten am digitalen Bildermachen teilhaben. Mit der nächsten Qualitätsverbesserung waren dann auch die letzten Profis davon überzeugt, dass die Zukunft im digitalen Bild liegt. Fast über Nacht hatte sich unsere Zielgruppe verändert: Wir schrieben jetzt nicht mehr hauptsächlich für lösungsorientierte Berufsanwender und experimentierfreudige Pixel-Frickler, sondern für enthusiastische Ästheten mit ständig wachsender Bildkompetenz, die mit Feuereifer und Herzblut auf der Suche nach neuen Techniken waren, um ihre Ideen umzusetzen.


DOCMA Award Jury auf Schloss Rauischholzhausen – seit 2003



Erfolgswelle


Der inhaltliche und formale Neuausrichtung mit Heft 10 gelang uns recht gut. Vor allem half, dass wir ab 2005 einen neuen Verlagspartner gefunden hatten, der DOCMA – wie das Heft seit der dritten Ausgabe hieß –  gut in sein bereits vorhandenes Fotomagazin-Portfolio integrieren konnte. Außerdem schrieben wir zwischen den Produktionen eine 22-bändige Photoshop-Enzyklopädie, die den Bekanntheitsgrad von DOCMA gerade bei Einsteigern erheblich steigerte.

„DOCMA“, das sei an dieser Stelle erwähnt, ist übrigens keine Abkürzung für „Docs Magazin“, wie viele Leute denken. Es hat auch nur zufällig die gleiche Bedeutung wie das lateinische Wort für „Lehrsatz“, was schon mancher Bildungsbürger vermutet hat. „DOCMA“ haben wir schlicht und einfach gewählt, weil Bakü oder Küba, als Abkürzungen für das 2-Mann-Magazin-Projekt Baumann und Künne, schlicht zu dämlich klangen und wir auf die Idee kamen, stattdessen unsere akademischen Titel zu kombinieren: Doktor (Doc) und Magister (MA). Für mich war das eine ganz besondere Freude, denn bis dahin hatte ich nach Ende meines Studiums ein halbes Jahrzehnt vergeblich nach einem praktischen Nutzen für diesen Titel gesucht.

Mit dem neuen Verlag wuchs auch die DOCMA-Mannschaft langsam an, eine Redakteurin kam hinzu, wir verpflichteten unseren auch heute noch aktiven Web- und Newsredakteur Johannes Wilwerding, der sich inzwischen auch noch um die Grafik kümmern muss.  Daneben konnten eine Reihe namhafter Autoren gewinnen, und die Auflage erreichte in Spitzenzeiten fast das Vierfache der Durchschnittsauflage unserer Anfänge. DOCMA erschien nun statt viermal mit sechs Ausgaben pro Jahr.

Durch unseren Erfolg erkannten auch andere Verlage das Potenzial der Idee, und so gibt es seit 2009 immer wieder neue – und immer wieder eingestellte – Photoshop-Publikationen am Kiosk. In diesem Markt nimmt DOCMA bis heute die inhaltliche Führungsposition ein: Wir fangen da an, wo die anderen aufhören, richten uns explizit an fortgeschrittene Anwender, schauen über den Tellerrand von Photoshop hinaus und bieten vor allem Tutorials mit maximalem Qualitätsanspruch. Das bedeutet, wir zeigen allgemein gültige Arbeits-Prinzipien und Hintergründe, nicht einfach nur den Weg, wie man ein bestimmtes Bild nachbaut.

Mit diesem Qualitätsanspruch sind wir übrigens allein: Adobe zeigte uns seine diesbezügliche Wertschätzung 68 Ausgaben lang, indem die Firma immer eine Anzeige auf der vierten Umschlagseite schaltete – übrigens über lange Zeit die einzige gedruckte Photoshop-Anzeige, die in Deutschland erschien. Inzwischen sind die Adobe-Anzeigen auf die zweite Umschlagseite umgezogen.


DOCMA im Fernsehen – hier im 3Sat-Interview 2009


Die DOCMA-Story, DOCMA bei 3Sat


Die DOCMA-Story: Turbulenzen


Mitte 2010 wurde – für uns überraschend – die VVA, unser geschätzter Verlagspartner, insolvent. Das hatte für das DOCMA-Team schwerwiegende Folgen. Innerhalb kürzester Zeit mussten wir zusätzlich zur laufenden Redaktion und zum Kampf mit dem Insolvenzverwalter einen eigenen Verlag auf die Beine stellen, mit allem, was dazugehört: Finanzausstattung, Vertrieb, Aboverwaltung, Anzeigenabteilung, Buchhaltung, Webshop, Marketing und Geschäftsführung.

Mit der Insolvenz der VVA verschwanden zudem alle bereits bezahlten Abonnements von heute auf morgen in der Insolvenzmasse – immerhin rund 50% der Auflage. Wir entschlossen uns, die Hefte trotzdem und auf eigene Kosten zu drucken und an die Abonnenten auszuliefern. Schließlich hatten die Leser uns vertraut, nicht irgendeinem juristischen Konstrukt. Wir wollten sie daher nicht enttäuschen.
Es sollte weit über ein Jahr dauern, bis wir wieder einigermaßen finanziellen Boden unter den Füßen hatten. Als erschwerend kamen die neuen Verpflichtungen hinzu, die sich durch den eigenen Verlag ergaben und die uns bis heute viel Geld und vor allem viel Zeit kosten.

Nachdem Uli Staiger als Autor schon seit 2006 mit uns zusammenarbeitete, gelang es uns Ende 2010, zwei bekannte Spitzen-Redakteure zu verpflichten: Olaf Giermann und Michael Hußmann. Sie helfen uns seither, unsere Qualitätstands auch für Themen jenseits der reinen Bildbearbeitung wie Raw-Entwicklungs-Software, Fototechnik und Fotografie zu sichern. 2017 kam als Chef vom Dienst Christian Thieme hinzu.

Die in DOCMA erscheinenden Artikel werden nicht wahllos bei international tätigen Agenturen zusammengekauft, sondern samt und sonders von anerkannten Profis konzipiert, aufeinander abgestimmt, hinsichtlich ihrer Verständlichkeit ausgiebig diskutiert und mit geeignetem Bildmaterial umgesetzt. Unsere Autoren kommen aus der Szene und bringen viel Erfahrung in ihrem Fachgebiet und beim Schreiben von Artikeln mit. DOCMA-Autoren befassen sich zum Teil bereits seit Jahrzehnten mit diesem Thema, haben in vordigitalen Zeiten ausgiebig in der Dunkelkammer experimentiert und kennen Photoshop seit seinen frühesten Versionen. Die Qualität der Artikel hängt natürlich auch von der Qualitätskontrolle ab. Jeder Artikel wird von vier Fachredakteuren auf Herz und Nieren im Hinblick auf Richtigkeit und Verständlichkeit geprüft. Danach befasst sich ein Schlussredakteur mit der Stilistik und in der Endabnahme sucht eine weitere Schlussredakteurin nach den letzten formalen und sprachlichen Fehlern. Nach unserem Kenntnisstand ist das ein Aufwand, den heute selbst große Verlage aus Kostengründen scheuen.

Rückmeldungen unserer Leser auf die Artikel sind uns besonders wichtig. und werden immer wieder aufgegriffen. Das verstehen wir auch unter Qualität. Die Leser wissen es zu schätzen und bleiben uns über viele Jahre treu.


Die DOCMA-Story: Der technische Wandel


In den fünfzehn Jahren der DOCMA-Geschichte hat sich viel getan: Über zehn neue Photoshop-Versionen wurden seither entwickelt und das Vertriebsmodell auf den Kopf gestellt. Eine DSLR hat heute eine Auflösung mindestens 24 Megapixel und kann auch noch in finsterster Nacht ordentliche Bilder produzieren. Zu unseren Anfangszeiten freute man sich über fünf Megapixel und rauschfreie Bilder bei 400 ISO. Man muss sich als Fotograf nicht mehr mit einer Jpeg-Datei als Ergebnis zufriedengeben, sondern kann aus Raw-Daten feinste Details heraus kitzeln. Die Speicherpreise sind schneller gefallen als die Auflösungsfortschritte Platz beanspruchten. Internetverbindungen erlauben es, Bilder in der Cloud zu speichern, Fotodrucker liefern inzwischen Prints, die wie Fotos aussehen und 100 Jahre lang ihre Farbigkeit behalten.

Bei Licht besehen sind die damit verbundenen Veränderungen für den Kreativen aber eher relativ. Schon vor fünfzehn Jahren konnte man anständige digitale Bilder machen, sie auf vielfältigste Weise bearbeiten und anschließend großformatig zu Papier bringen. Heute geht das alles nur besser, einfacher, schneller, größer und genauer.

Was sich in den fünfzehn Jahren grundlegend verändert hat, ist die Art, wie wir mit Bilder umgehen: Die Menge der digitalen Bilder verlangt eine revolutionäre Bearbeitungsstrategie, damit sie nutzbar werden und nicht einfach nur ungesehen Festplatten füllen. Die Ansprüche an den Realismus und an die Ausarbeitungsqualität von Montagen sind erheblich gestiegen. Die Zeitbudgets, die heute noch für Postproduktion bleiben, weil die Preise für Bilder im Keller sind, werden immer kleiner. Der Zwang, mit neuen Techniken andere Bildwelten zu erschließen, steigt. Rudimentäre Bildbearbeitung auf Smartphones ist so einfach geworden, dass viele andere Kreative auch gute Bilder produzieren und sie tagtäglich jedem Interessierten in den Weiten des Internets und auf den Plattformen der sozialen Medien vor die Nase halten.
Kurz gesagt: die wichtigsten Veränderungen liegen nicht in dem, was man sich in Sahen Fototechnik kaufen kann, sondern im Know-how, also beim Umgang mit den Möglichkeiten. Und genau dieses Know-how vermitteln wir in DOCMA – gestern, heute und in Zukunft.


Dank


An dieser Stelle möchten wir, der Doc, unsere Verlegerin und ich, uns bei allen Mitstreitern, unseren treuen Lesern und den langjährigen Partnern aus tiefstem Herzen bedanken. Ohne ihr Zutun und ihre Unterstützung würde DOCMA wahrscheinlich längst nicht mehr erscheinen.
Auf die nächsten 15 Jahre!


DOCMA in Zahlen


Im vergangenen Jahr hat DOCMA mit sechs gedrucken Ausgaben ca. 66.000 Hefte verkauft. Die Webseite www.docma.info konnte 1.216.286 Zugriffe verzeichnen und über unsere sozialen Kanäle bei Facebook, Twitter und Instagram haben wir  6.194.109 Personen erreicht.

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