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Feine Bilder mit Charakter

Carola Bolte erklärt in DOCMA 57, wie Sie mit dem Fine-Art-Druck auf ungesperrten Papieren Bilder zu einem haptischen Erlebnis werden lassen.

Wie kann ich Bilder nicht nur zu einem rein visuellen, sondern auch zu einem haptischen Erlebnis werden lassen? Wie kann ich dieses Erlebnis mit anderen teilen? Wie bekomme ich eine Konservierung meiner Bildidee, die jeden Festplattenabsturz überlebt und auch der Offline-Welt zugänglich ist? Wie kann ich meine Bildidee noch verstärken oder verändern? Carola Bolte erklärt, wie Sie mit dem Fine-Art-Druck auf ungesperrten Papieren diese Ziele verwirklichen.

Wie wir in DOCMA 56 ab Seite 110 gezeigt hatten, ermöglichen die unterschiedlichen Arten von Inkjet-Materialien eine große Vielfalt bei hoher Qualität. Hatten wir uns zunächst mit den Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von gesperrten PE-Foto­papieren beschäftigt, so wollen wir nun anhand der Sihl-Masterclass-Produkte auf diejenigen Medien eingehen, die in ganz besonderem Maße für das künstlerische Umfeld geeignet und vor allem in Bezug auf den haptischen Aspekt ungeschlagen sind – die ungesperrten Papiere.

Wie der Querschnitt in der Abbildung rechts zeigt, fehlen bei den ungesperrten Papieren die PE-Schichten. Durch das Weglassen dieser Sperrschicht erhält man eine ganz eigene Anmutung. Während ein gesperrtes PE-Fotopapier vielen wie eine Folie erscheint, hat man bei den hochwertigen ungesperrten Fine-Art Medien das Gefühl, ein „echtes Papier“ in der Hand zu halten. Das Material fühlt sich weich und sanft an und vermittelt auch durch die häufig verwendete naturweiße, leicht gelbliche Färbung ein Gefühl von Wärme und Behaglichkeit. Darum werden Papiere dieser Art häufig für harmonische, weiche Motive eingesetzt.

Ganz besondere Stimmungen sollen mit Schwarzweiß-Aufnahmen vermittelt werden. Schon zu Zeiten des Labors hat man dafür häufig zu Baryt-Papieren gegriffen. Diese Papiere stehen für eine gute Haltbarkeit und eine optimale Tonwertumsetzung. Die den Barytpapieren ganz eigene Anmutung kann auch im Inkjet-Bereich mit Produkten wie dem Satin Baryta Paper 290 (4848) umgesetzt werden. Das Papier hat sowohl die glatt-seidige Oberfläche als auch die Haptik und Bildanmutung eines traditionellen luftgetrockneten glänzenden Barytpapiers. Die Gradation ist optimal auf die fein differenzierte Wiedergabe von Grauwerten abgestimmt und zeigt sowohl in den Lichtern als auch in den Schatten beste Durchzeichnung. Die leicht glänzende Oberfläche wirkt zwar scharf und detailreich, dabei aber in der Wiedergabe nicht so hart wie ein PE-Fotopapier. Es ist ein gutes Beispiel für ein ungesperrtes Papier mit einer mikroporösen Beschichtung.

Man kann leicht verstehen, dass ungesperrte Papiere mehr Tinte aufnehmen, langsamer trocknen und auf das Klima etwas kritischer reagieren als ein gesperrtes PE-Papier. Feuchtigkeit, sei es aus den Tinten oder aus der Umgebung, kann stärker in den Papierfilz eindringen, der sich dadurch ausdehnt und sich in extremen Fällen an der Kante zur Vorderseite wölbt. Bei ungesperrten Papieren sollten Sie diese Eigenschaft mit in Betracht ziehen und die Klimabedingungen möglichst konstant halten. Wenn bei dunklen Motiven mit sehr hohem Tintenauftrag einmal ein ungesperrtes Papier direkt nach dem Druck eine Welligkeit aufweist, ist dieses kein Makel, sondern eine ihm eigene Charakteristik. Bei hochwertigen Produkten geht diese Wellenbildung aber nach der Trocknung meist nahezu komplett zurück.
Zwar wird ein Inkjet-Barytpapier oft für SW-Motive verwendet, im Gegensatz zu den Barytpapieren aus dem Labor ist es aber nicht darauf beschränkt. Auch Farbbilder werden optimal wiedergegeben und erzeugen gerade durch die naturweiße Färbung eine ganz andere Stimmung als mit einem hochweißen PE-Papier. Die Herstellung von Barytpapieren mit ihrem dezenten, leicht gelblichen Naturton erfolgt ohne optische Aufheller in der Schicht. Diese „Weißmacher“ können sich über einen längeren Zeitraum hinweg chemisch abbauen und verändern dadurch die ursprüngliche Papierfarbe. Das gewährleistet eine Haltbarkeit (oder besser die Konstanz der Bildanmutung) über Generationen hinweg.

Dauerhafter Kunstgenuss
Die wohl zurzeit am meisten eingesetzten hochwertigen Papiere im Inkjet-Druck sind schwere, matte Papiere. Häufig bringt man nur sie mit dem Begriff „Fine Art“ in Verbindung, was aber zu einschränkend ist. Die zuvor beschriebenen Papiere ermöglichen ebenfalls künstlerische Bilder, die höchste Ansprüche erfüllen. Matte Papiere sind das Inkjet-Pendant zu klassischen Künstlerpapieren, wie sie auch für Aquarelle, Ölbilder oder Zeichnungen Verwendung finden. Verständlich deshalb, dass sie für Reproduktionen von Kunstwerken beliebt sind, da sie nicht nur Farbe und Bildanmutung wiedergeben, sondern darüber hinaus in der Haptik diesen Papieren entsprechen.

Wenn die Haltbarkeit des Papiers und die Beständigkeit der Farben im Vordergrund stehen, sollten die Papiere Lignin-frei sein (Lignin führt zur Zersetzung) und entweder aus Baumwolle wie das Smooth Matt Cotton Paper 320 (4852) und das Textured Matt Cotton Paper 320 (4853) bestehen, aus Alpha-Zellulose oder Linters.
Kunstpapiere haben keine Aufheller und daher immer einen Naturton. Die matte Oberfläche erzeugt ein homogenes Bild, das reflexionsarm ist. Es gibt sie sowohl glatt als auch mit einer Struktur versehen. Bilder und Fotos können durch die matte Oberfläche eine Stilisierung erfahren, sodass sie fast wie gezeichnet oder gemalt aussehen. Das Aufmacherbild beispielsweise beeindruckt schon auf PE-Fotopapier durch seine Tiefenwirkung. Auf dem Textured Matt Cotton Paper 320 (4853) erscheint es wie ein Gemälde, bei dem die Steine fast greifbar wirken, da ihre eigene Struktur durch die Papierstruktur verstärkt wird. Bilder mit gedeckten Tönen und weichen Übergängen findet man häufig auf matten Medien, aber Sie sollten auch einmal mutig sein und farb­intensive Motive verwenden.

Spricht man von Kunstwerken, so wird man auch auf Inkjet-Leinwandstoff (Canvas) treffen. Dieses Druckmedium, das im Labor früher eher exotisch war, erlebt heute einen Boom und ist ganz einfach zu nutzen. Mit Produkten wie dem Matt Photo Canvas 400 (4851) können Sie beispielsweise Privat- und Geschäftsräume sehr persönlich gestalten. Das Drucken ist genauso unkompliziert wie mit anderen hochwertigen Inkjet-Produkten, und das Aufziehen auf einen Keilrahmen – in Geschäften mit Künstlerbedarf stehen solche Rahmen in großer Auswahl zur Verfügung – stellt meist keine große Schwierigkeit dar.
Bei der Verwendung von Canvas-Materialien sollten Sie darauf achten, dass diese nicht zu starr sind und dass die Farbe beim Ziehen über die Kante nicht abplatzt. Das Matt Photo Canvas 400 (4851) gewährleistet das und besitzt zum Beispiel eine sogenannte 2:1-Struktur, bei der Baumwolle mit Polyester verwoben ist. Das gibt dem Material eine Geschmeidigkeit, die eine leichte Weiterverarbeitung ermöglicht; zudem ist es nicht so anfällig gegenüber Klimaschwankungen, wie es bei reinen Baumwoll-Canvas-Sorten der Fall wäre. Baumwolle ist ein Naturstoff und kann sich ausdehnen. Im schlimmsten Fall verliert der Ausdruck dadurch auf seinem Keilrahmen die Spannung.

Diesen und weitere Artikel, Tipps, Tricks und Workshops finden Sie im DOCMA-Heft Nr 57 (2-2014). Mehr Infos zum Heft gibt es hier. Wer keine Lust hat zum Kiosk zu gehen, kann sich diese Ausgabe (und ältere) bequem bei uns im Webshop bestellen.

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